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Medialität und Ereignis


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Oktober 2011

Beschreibung

Beschreibung

Der Erfolg der Reformation resultierte aus ihrer engen Allianz mit den zeitgenössischen Druckmedien. Die Reformatoren nutzten Bücher, Flugblätter und Flugschriften zur Verbreitung ihrer Vorstellungen. Dies war allerdings kein einsinniger Zusammenhang. Beobachtet und kommuniziert konnte die Reformation zeitgenössisch nur in und durch die zur Verfügung stehenden Medien werden. Mithin entwickelte sie auch ihre historische Dynamik und Verlaufsform nicht jenseits der ihr eigenen medialen Vermittlungsweisen, sondern durch sie. Die 'Instrumentalisierung" des neuen Mediums für die Sache der Reformation korrespondierte also mit der medialen Überformung und Prägung der Reformation als historischem Ereignis. In der Reformation manifestierte sich damit eine grundlegende Wechselbeziehung zwischen medial hervorgebrachten Sinn- und historischen Ereigniszusammenhängen. In diesem spezifischen Sinne setzt die Studie bei der Medialität der Reformation ein. Der damit in Anschlag gebrachte Begriff der Medialität beschränkt sich nicht auf technische Aspekte und reduziert sich nicht auf die Druckmedien. Medialität wird vielmehr als ein Kreuzungspunkt von historischen Ereignissen, den Bedingungen ihrer zeitgenössischen Beobachtung und der Herstellung von Entscheidungs- und Handlungsoptionen verstanden. Damit wird ein komplexes Feld in den Blick genommen, das sich quer zu den gängigen geschichtswissenschaftlichen Unterscheidungen aufspannen lässt. Diskurse und Praktiken, Theorien und Erfahrungen oder Ideen und Strukturen werden zu komplementären Aspekten einer Zeitgeschichte der Reformation, in welcher es nicht mehr um die geschichtlichen Ursachen und Folgen, sondern um die Bewegungen und Vollzugsformen der historischen Veränderung geht.

Inhaltsverzeichnis

I. Eine Zeitgeschichte der Reformation 1. Die Kontinuität der Reformationsgeschichte 2. Reformatorische Zeitenwende Die Historizität der Erinnerung 3. Die Reflexivität des Historischen II. Medien der Präsenz und Präsenz der Medien Der mittelalterliche Horizont reformatorischer Zeitgebundenheit 1. Der Ablassstreit und der Sinn der Lektüre 2. Die Antithetik von sinnzentrierter Lektüre und sakraler Kommunikation 3. Die Gegenwart Gottes Mittelalterliche Frömmigkeit als Kommunikation unter Anwesenden 4. Das ästhetische Dispositiv : Primat des Raumes Denkbewegungen der Zeitlosigkeit 5. Von den Präsenzmedien zur Präsenz der Medien Messordnungen und Ablässe als Medien des Übergangs III. Bilder, Orte, Worte und Vorstellungen Der reformatorische Sinn und seine medialen Konfigurationen 1. Orte und Bilder Die Auflösung überkommener Gedächtniskonzeptionen: Bildersturm und Medienwandel 2. Die Ereignishaftigkeit lutherischer Erinnerung Der Abendmahlsstreit 3. Marburg 1529 und die Evidenz im medialen Geschehen 4. Von Orten und Bildern zu Worten und Vorstellungen Imagination und theologische Evidenzauszeichnung IV. Reformatorisches Subjekt, Referenz, Evidenz Theologie und Geschichte von Beobachtungsverhältnissen 1. Das Gewissen Die reformatorische Instanz des Imaginären und die Exzentrik des Subjekts 2. Gewissen und Gewissheit Evidenz, Performanz und der Streit um den freien Willen 3. Schauplätze reformatorischer Evidenz Gewissen, Bekenntnis und Geschichte 1521 4. Vom Medienereignis zum Ereignis als Medium des Gewissens Augsburg 1530 5. Der Stil des Reformators Exzentrische Selbstentwürfe und ihre Bedeutungshorizonte V. Die Reformation als Zeitenwende Apokalyptische Naherwartung und Unendlichkeit der Auslegung 1517/1530 1. Die vorhergesagte Zeitenwende Zeitlichkeit und Medialität des Propheten 2. Die eingetretene Zeitenwende Reformatorische Prophetie und das Ende aller Übertragungen 3. Reformatorische Episteme der Zeitenwende Unendlichkeit der Auslegung und Geschlossenheit des heilsgeschichtlichen Horizonts VI. Redeweisen der Zeitenwende Die Schließung des theologischen Diskurses, Subjekt und Weltgeschehen nach 1530 1. Das Augsburger Bekenntnis, die vera doctrina Evangelii und die immanente Zeit des Diskurses 2. Die Instituierung der wahren Überlieferung Universität und Kirche 3. Die Überlieferung und die Wahrheit des reformatorischen Subjekts 4. Die heilsgeschichtliche Kontingenz der Gegenwart und das Medien-Werden der Welt VII. Reflexivität der Welt und Verzeitlichung der reformatorischen Gegenwart zwischen 1530 und 1555 1. Religion und Politik: Die problematische Struktur der Ereignisse zwischen 1530 und 1546/47 2. Reformatorische Epistemologie des Politischen Zwei Reiche-Lehre und Reflexivität der Welt 3. Die politische Ökonomie der Apokalypse Die Verzeitlichung der Welt und die Zukunft der Reformation 4. Dreißig Jahre Reformation, das Interim und die reformatorische Vergangenheit VIII. Diesseits und jenseits des Diskurses Historische Konfigurationen reformatorischer Erkenntnisbildung 1550/1580 1. Innerprotestantische Konflikte und die Grenzen des Diskurses 2. Luthers Erbe Biographische Bestimmungen der Autorität des Propheten 3. Wahrheit und Geschichte Von der Topik zur Hermeneutik 4. Geschichtsschreibung, Ursprung und Wiederholung: Das historische Dispositiv des Konkordienbuchs IX. Zeit, Medien und Geschichte der Reformation Zusammenfassung

Portrait

Marcus Sandl
Dr. phil. habil., Assistenzprofessor für Medialität der Vormoderne an der Universität Zürich.
EAN: 9783034010184
ISBN: 3034010184
Untertitel: Eine Zeitgeschichte der Reformation. 'Medienwandel - Medienwechsel - Medienwissen'.
Verlag: Chronos Verlag
Erscheinungsdatum: Oktober 2011
Seitenanzahl: 596 Seiten
Format: gebunden
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