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Unbehagen in der Postmoderne


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März 1999

Beschreibung

Beschreibung

Gleich einer Bestandsaufnahme lotet Bauman Freudsche Ideale aus: die Soll- und Habenseite unserer Ausgangslage zum Ende des Jahrtausends; Bauman benennt Grenzen wie Chancen, Gewinne und Verluste unserer so wertgesch¿ten wie gef¿deten Freiheit in Fokus verschiedenster Aspekte - und erweist sich einmal mehr als ebenso pointierter wie pr¿anter Anatom der postmodernen Lebenssituation.

Zygmunt Bauman begibt sich diesmal auf die Spuren Sigmund Freuds. Gl¿ck - jedenfalls als Zustand - sei im Sch¿pfungsplan nicht vorgesehen, hatte Freud in Das Unbehagen in der Kultur 1930 gemutma¿, um im Anschlu¿drei Anforderungen des Kulturkampfes herauszustellen: Sch¿nheit, als das "Unn¿tze, dessen Sch¿ung wir von der Kultur erwarten", Reinlichkeit, denn "Unsauberkeit jeder Art scheint uns mit Kultur unvereinbar", und schlie¿ich Ordnung - "eine Art Wiederholungszwang, die durch einmalige Einrichtung entscheidet, wann, wo und wie etwas getan werden soll, so da¿man in jedem gleichen Falle Schwanken und Z¿gern erspart". Kultur (lies: Moderne) hat selbstverst¿lich ihren Preis: Sie schr¿t die Freiheit des einzelnen ein - Triebverzicht, Verdr¿ung und Nichtbefriedigung hei¿n ihre Voraussetzungen bei Freud. Das Lustprinzip wird auf das Ma¿des Realit¿prinzips zur¿ckgeschnitten. Der Kulturmensch tauscht Gl¿ck gegen Sicherheit.
Fast siebzig Jahre nach Freuds provozierender Bestandsaufnahme diagnostiziert Bauman nun eine Umkehrung der Verh¿nisse: das Realit¿prinzip hat sich dem Lustprinzip unterworfen, erzwungener Verzicht von einer unbehaglichen Notwendigkeit in einen ungerechtfertigten Angriff auf die individuelle Freiheit verwandelt. In diesen Zeiten der Deregulierung und Privatisierung nimmt die individuelle Freiheit den h¿chsten Rang ein - als der Wert, an dem alle anderen Werte beurteilt und gemessen werden.
Anything goes? Haben die alten Ideale der Moderne - Sch¿nheit, Reinheit und Ordnung - ausgedient? Keineswegs, so Bauman, nur glauben wir heute, sie direkt "aus dem Erz des menschlich-allzumenschlichen Strebens nach Lust schmelzen" zu k¿nnen, und zwar jeder und jede f¿r sich im eigenen Auftrag. Erwuchs das moderne Unbehagen aus der Sicherheit, die zu wenig Freiheit lie¿ so entsteht das postmoderne Unbehagen aus der Freiheit, die zu wenig Sicherheit gew¿leistet. Produzierte das ¿erma¿an Ordnung langweilige und eint¿nige Tage, beschert uns das postmoderne ¿erma¿an Freiheit schlaflose N¿te - dem Unbehagen l¿ sich nicht entgehen.
Doch haben wir heute einen Vorteil: Wir wissen darum. Wir haben in der Moderne die schmerzliche Erkenntnis gewonnen, da¿es eine Bilanz ohne Verlustseite nicht geben kann. Auch nach der postmodernen "Umwertung der Werte" kann das Gl¿ck seinen Platz nur zur¿ckerhalten, wenn wir immer wieder optimales Gleichgewicht finden: "Die Freiheit der Freien erfordert die Freiheit aller."

"Es gibt kein Patentrezept f¿r Freiheit, auch wenn die st¿ige Nachfrage ein wachsendes Angebot an Leuten hervorbringt, die bereit sind, ein solches auszustellen. Es gibt keine Freiheit ohne Angst, auch wenn viele von uns st¿ig davon tr¿en und es deshalb nicht verwundert, wie viele sich eine Erf¿llung dieses Traumes w¿nschen - w¿end so viele andere es profitabler finden, diesen Traum weiterhin zu n¿en."

Zygmunt Bauman ist Professor emeritus f¿r Soziologie an der Universit¿Leeds. 1992 erhielt er den Amalfi-Preis f¿r Soziologie und wurde 1998 mit dem Theodor W. Adorno-Preis der Stadt Frankfurt ausgezeichnet.

Portrait

Zygmunt Bauman, geboren 1925 in Posen, lehrte ab 1954 Soziologie an der Universität Warschau. 1968 ging er nach Israel. 1971 erhielt Bauman einen Ruf auf den Lehrstuhl für Soziologie an der University of Leeds, den er bis 1990 inne hatte. Bauman erhielt 1989 den Amalfi-Preis, 1998 wurde er mit dem Theodor-W.-Adorno-Preis ausgezeichnet. Zygmunt Bauman ist einer der bedeutendsten Soziologen der Gegenwart.
EAN: 9783930908455
ISBN: 393090845X
Untertitel: Originaltitel: Postmodernity and its Discontents.
Verlag: Hamburger Edition
Erscheinungsdatum: März 1999
Seitenanzahl: 374 Seiten
Übersetzer/Sprecher: Übersetzt von Wiebke Schmaltz
Format: gebunden
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