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Die Tochter


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März 2000

Beschreibung

Beschreibung

Provozierend, verwirrend, eindringlich: Maxim Billers erster Roman Eine Liebe in Deutschland - Maxim Billers erster, großer Roman erzählt die Geschichte von Motti, dem Israeli, der alles vergessen will, was er als junger Soldat im Libanonkrieg erlebt hat, und von Sophie, der Touristin aus Deutschland, die ihm helfen soll, in ihrer Heimat ein neues Leben zu beginnen. Doch zwischen Mottis Welt, der Welt seiner Eltern in Tel Aviv, die dem Holocaust entkamen, und Sophies deutschem Leben und deutscher Familie wächst eine Kälte, die Mottis Seele zu zerreißen droht. So flieht er in eine neue, gefährliche Liebe - die Liebe zu ihrer gemeinsamen Tochter Nurit ... In Maxim Billers Roman wird Mottis immer verzweifeltere Suche nach dem Glück, seine Sehnsucht nach Erlösung, als eine ergreifende Leidensgeschichte erzählt, die in einem einzigen Tag im hektischen München der 90er Jahre kulminiert. In verblüffenden Wendungen wird der Leser dabei vom Autor durch das Lebenslabyrinth seines Helden getrieben und in ein berückendes Spiel von Schein und Sein verwickelt. Ein moderner Großstadtroman ist so entstanden, ein Stück aufregender schwarzer Prosa, ein ganz eigensinniger Blick auf die Gegenwart dieses Landes durch das Auge der Literatur.Die Geschichte einer verzweifelten Suche nach Erlösung - Motti, der Israeli, im München der 90er Jahre, das Drama seiner Ehe mit Sophie, seiner deutschen Frau, seine Liebe zu seiner Tochter Nurit und sein verzweifelter Kampf gegen die Gespenster seiner Vergangenheit in der israelischen Armee während des Libanonkrieges

Portrait

Maxim Biller, geboren 1960 in Prag, lebt seit 1970 in Deutschland. Bekannt wurde er in den 80er Jahren als Autor der Kolumne »100 Zeilen Haß« in der Zeitschrift »Tempo«. Bisher sind von ihm die drei Erzählbände »Wenn ich einmal reich und tot bin« (1990), »Land der Väter und Verräter« (1994) und »Harlem Holocaust«, KiWi 506 (1998) (alle Kiepenheuer & Witsch) erschienen sowie die Kolumnensammlung »Die Tempojahre« (1991).

Pressestimmen

Fenstersturz im Täterland Eine Biografie mit vielen Ortsnamen: Elena Lappin wurde 1954 in Moskau als Tochter russisch-tschechischer Juden geboren, ging in Prag und Hamburg zur Schule, lebte in Israel, Kanada und in den USA. Heute wohnt die Journalistin und ehemalige Chefredakteurin der Zeitschrift "Jewish Quarterly" in London, und im vergangenen Jahr ist sie unter die Erzähler gegangen. In ihrem Prosadebüt, dem Geschichtenband "Fremde Bräute", schildert sie - mal hinreißend humorvoll, mal mitreißend elegisch - Liebesfälle und -unfälle von Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten oder freiwillig in die Fremde ziehen (Elena Lappin: "Fremde Bräute". Aus dem Englischen von Frank Heibert. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln; 208 Seiten; 34 Mark.). Eine dieser Geschichten handelt von einem jüdischen Schriftsteller namens Max Kamenski, der nur in Deutschland schreiben kann und als Erzähler versucht, "den Sinn von Dingen zu ergründen, die lange vor seiner Geburt geschehen waren". Monika, eine junge Hamburger Buchhändlerin, verliebt sich in ihn und will seinetwegen zum jüdischen Glauben übertreten. Max, der Polemiker, der für seine "eloquenten Salven gegen Juden wie Deutsche" gefürchtet und bewundert wird, sieht das mit spöttischem Blick und sagt voraus, dass sie ihn am Ende wegen jenes Lehrers verlassen wird, der ihr Hebräisch beibringt und sie auf den Übertritt vorbereitet. So kommt es: Monika folgt dem anderen nach Israel, heiratet ihn und wird schwanger. Max, "der sich überhaupt keiner Sache sicher ist, am wenigsten seiner Gefühle zu einer Frau", bleibt zurück. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen mögen reiner Zufall sein. Dennoch: Es gibt da einen jüngeren Bruder der Autorin, 1960 in Prag geboren, der mit Eltern und Schwester nach Deutschland gekommen ist und bis heute hier wohnt, ein Schriftsteller und Polemiker ("Hundert Zeilen Hass"). Maxim Biller heißt er, macht sich Feinde, wo er kann, und sondert neben mancher Sottise ("Ich bin politisch, indem ich mich immer wieder öffentlich darüber wundere, wie blöd die anderen sind") hin und wieder auch rhetorische Glanzstücke ab. Außerdem ist er von Fall zu Fall ein origineller Literaturkritiker und Essayist. Und er demonstriert in zwei Erzählbänden, dass er die "unsägliche Blässe und Reizlosigkeit der von Deutschen geschriebenen deutschen Gegenwartsliteratur" (Biller) bekämpfen will: Seine Bücher "Wenn ich einmal reich und tot bin" (1990) und "Land der Väter und Verräter" (1994) enthalten nicht immer gelungene, aber zumeist flott erzählte, lesbare Geschichten - sie unterstreichen sein Talent zur kurzen Form. Nun hat er einen ersten Roman folgen lassen: "Die Tochter". Auch darin kommt - ähnlich wie in der Lappin-Erzählung ° ein jüdischer Schriftsteller vor, der in Deutschland lebt und dessen deutsche Freundin aus eigenem Entschluss ihren Übertritt zum jüdischen Glauben betreibt*. Diese Marie lässt sich ebenfalls mit einem anderen Mann ein, allerdings nicht mit ihrem Lehrer, sondern mit einem Goj, einem Nichtjuden, was die Sache nicht besser macht - zumal sich herausstellt, dass Maries bald geborene Tochter nicht, wie sie zunächst behauptet hat, vom Dichter, sondern vom Nebenbuhler stammt: "Warum musstest du mir ein Kind schenken, das ich nicht wollte, und warum nahmst du es dann wieder fort von mir?" Auf rund 60 Seiten entwirft Biller das Porträt eines jüdischen Autors, der sich in Deutschland zugleich fremd und zu Hause fühlt, für den Israel die zwar stets verlockende, doch bisher nur ferienhalber aufgesuchte Alternative darstellt (auch er glaubt, dort nicht schreiben zu können) - am meisten gefällt seinem Alter Ego, dem Ich-Erzähler des Romans, der Ernst in den Gesichtern der Soldaten dort, die, anders als in Deutschland, an jeder Ecke stehen. Gräuelgeschichten aus den israelischen Kriegen sind es denn auch, die ihn besonders faszinieren, im Kino, im Roman oder in den Erzählungen von Veteranen: Auf wenigen Seiten werden knapp und präzise alptraumhafte Szenen skizziert, die bei manchen Beteiligten zum Kriegsschock-Syndrom geführt haben. Doch der Erzähler arbeitet seit Jahren verzweifelt an einem Roman, in dem Maries Lehrer Motti, der eigentlich Mordechai heißt, die Hauptfigur spielen soll: ein Israeli in München, der als junger Mann 1982 beim Feldzug in den Libanon dabei gewesen ist und den es dann der blonden Sofie wegen nach Deutschland verschlagen hat, ins Land der Täter, die seinen Vater einst ins KZ steckten. Später verliert Motti seine kleine Tochter Nurit durch einen Fenstersturz (vielleicht lässt er sie auch selbst fallen) - und seither jagt er in wachsender Umnachtung seinem Kind wie einem Phantom hinterher. Leider hat Biller es nicht bei der Skizze belassen, beim fiktiven Romanplot, bei der Erzählung in der Erzählung. Er hat sie auf langatmigen 370 Seiten zum Hauptteil seines Romans "Die Tochter" aufgeblasen - und die kleine, durchaus gelungene Rahmen-Erzählung zum bloßen Anhang und Epilog degradiert. Eine missglückte Konstruktion, eine für diesen Umfang nicht tragfähige Fabel. Biller bemüht sich, den Kern des Vater-Tochter-Unglücks, den tödlichen Fall, lange wie das Geheimnis in einem Suspense-Krimi zurückzuhalten und den Leser im Ungewissen auch über den Zustand des in der dritten Person vorgeführten Motti zu lassen: Dessen Verwirrung teilt sich indirekt durch stilistische Umständlichkeit und bewusste Ungereimtheiten mit. Vieles wirkt wie aus zweiter Hand. Das Eingangsmotiv (der Vater glaubt die eigene Tochter in einem Pornofilm entdeckt zu haben) ist schon aus dem 1990 in den Niederlanden publizierten Roman "Hoffmans Hunger" von Leon de Winter bekannt und dort weitaus ergreifender geschildert. Und die Verwahrlosung eines Helden - Motti wälzt sich schließlich auf dem Karlsplatz in Schnee und Dreck - hat der Amerikaner Philip Roth 1995 in seinem Roman "Sabbaths Theater" grandios vorgeführt. Das feine Sehnsuchtsmotiv in Billers Roman aber, der Traum des Vaters, mit der Tochter zusammen in seine Heimat Israel zurückzukehren, geht in einer verqueren Häufung rasch angerissener großer Themen unter: Von den Nazi-Lagern über Kindsmissbrauch bis zu israelischen Kriegstraumata wird nichts ausgelassen. Zugleich wird Mottis Geschichte allzu verschachtelt in fast mechanisch eingesetzten Rückblenden erzählt. Man ahnt, dass dabei viel Ehrgeiz im Spiel war, dass sich einer selbst gequält hat - aber muss das an den Leser weitergegeben werden? War es nicht Maxim Biller, der seit Jahren seinen Kollegen predigt, "dass jeder darüber schreiben muss, was ihm am nächsten ist, damit sich gerade jene, die ihm am fremdesten sind, voller Neugier seinen Geschichten zuwenden"? Eine zumindest beherzigte den Rat: Elena Lappin, die große Schwester, hat in ihren wunderbaren Erzählungen die Verlorenheit in der Fremde - und deren Reiz - von vielen Seiten geschildert. Auch die schwangere Monika, deren Mann in einem neuen Krieg ums Leben kommt, kann schließlich den Schriftsteller Max aus seiner Bücherhöhle heraus- und zu einem Besuch nach Israel locken. Hier bleibt das Ende offen, ganz wie im Leben. © DER SPIEGEL - Vervielfältigung nur mit Genehmigung des SPIEGEL-Verlags
EAN: 9783462028768
ISBN: 3462028766
Untertitel: Roman. 3 schwarz-weiße Abbildungen, 943461840 schwarz-weiße und 5965 farbige Fotos, 1355 schwarz-weiße und.
Verlag: Kiepenheuer & Witsch GmbH
Erscheinungsdatum: März 2000
Seitenanzahl: 425 Seiten
Format: gebunden
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