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Siedler Geschichte Europas 2. Christen, Juden, Muselmanen


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März 2006

Beschreibung

Beschreibung

Die Geburt Europas aus dem dreifachen Glauben an einen Gott

Im Mittelalter wächst Europa aus der Welt der Antike heraus. Was Europa jedoch erst entstehen ließ, war der Sieg des Monotheismus über die Vielgötterei der Antike. Christen, Juden und Muslime leben nebeneinander in multireligiösen Gesellschaften. Der Autor zeigt, wie es seit dem zwölften Jahrhundert zum Aufstieg des christlichen Abendlandes gekommen ist.

Es war der Sieg des Monotheismus, der Europa von der vorchristlichen Antike ebenso unterschied wie von der Welt des Fernen Ostens. Er hat Europa in der Spätantike und im Mittelalter erst hervorgebracht. Zeichnet man die Verbreitung der monotheistischen Religionen und der durch sie geprägten Kulturen nach, ergibt sich ein Bild, das bunter ist, als sich viele träumen lassen. Doch wenn nur ein Gott die Welt lenkt, aber verschiedene Religionen von ihm erzählen, dann sind Konflikte unvermeidlich.
Michael Borgoltes glänzende Darstellung widmet sich auch der Frage, weshalb es seit dem zwölften Jahrhundert zum Aufstieg des Okzidents gekommen ist - und weshalb andere Kulturen zurückblieben oder andere Wege einschlugen. Dabei zeigt sich, dass die Dominanz, die das lateinische Christentum am Ende des Mittelalters errungen hatte, bereits den Keim der Selbstzerstörung in sich trug.
Europa ist historisch betrachtet weder eine geographische Einheit noch eine Wertegemeinschaft noch eine ideelle Größe; es war bisher noch nie »fertig« und hatte nie eine unstrittige Identität. Borgoltes historisches Standardwerk ist von verblüffender Aktualität: Wer über die Grenzen des heutigen Europa nachdenkt, tut gut daran, auch die Vorgeschichte und das Verhältnis von Christen, Juden und Muslimen im europäischen Mittelalter zu kennen.

Ein großer historischer Wurf von überraschender Aktualität.

Portrait

Michael Borgolte, geboren 1948, ist Professor für Geschichte des Mittelalters und Leiter des Instituts für vergleichende Geschichte Europas im Mittelalter an der Humboldt-Universität zu Berlin. Schwerpunkte seiner Forschungen sind neben der historischen Komparatistik die Sozial-, Verfassungs- und Kirchengeschichte des europäischen Mittelalters. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehören "Die mittelalterliche Kirche" (1992) und "Europa entdeckt seine Vielfalt 1050-1250" (2002).

Leseprobe

Einleitung


Das Mittelalter ist die Epoche unserer Geschichte, in der Europa aus der antiken Mittelmeerwelt herausw'st, ohne sich aber von dieser ganz zu l'sen. Die Islamisierung des S'dens im achten, neunten Jahrhundert markierte zum ersten Mal seit der Verbreitung des Christentums eine kulturelle Grenze zwischen den Kontinenten, die allerdings Spanien und Sizilien von ihrer nordafrikanischen Gegenk'ste nicht hermetisch abschottete. Nordmeer und Atlantischer Ozean erwiesen sich f'r die Europ' als un'berwindliche Barrieren, wenn man von den Expeditionen der Wikinger absieht, im Osten aber gingen ihre kleingekammerten Lebenswelten fast unmerklich in die Weiten Asiens 'ber. Hier fehlte eine klare geographische, politische, kulturelle und religi'se Scheidelinie ' ein Erbe des Altertums.
Auf dem Boden des mittelalterlichen Europa siedelten Christen und Muslime deutlich voneinander getrennt in gr''ren Regionen, w'end sie sonst untereinander und mit den Juden vermischt in multireligi'sen Gesellschaften lebten. J'dische Minderheiten gab es auch, wo sonst nur Christen wohnten. Europa war also keineswegs mit der Verbreitung der lateinischen Sprache, dem Abendland oder dem Bereich der Papstkirche identisch. Es war ein Raum, in dem sich, verglichen mit der Vorgeschichte und den anderen Teilen der gleichzeitigen Welt, in einzigartiger Weise der Monotheismus durchgesetzt hatte: der Glaube an den einen Sch'pfer und universal herrschenden Gott, freilich ausgepr' in drei Religionen, von denen eine ' das Christentum ' noch in zwei Observanzen zerfallen ist, die griechisch-slawische Orthodoxie und den r'mischen Katholizismus. Der Sieg des Monotheismus 'ber Vielg'tterei und Mythos war nie vollkommen, doch er unterschied Europa von der vorchristlichen Antike ebenso wie von der Pluralit'des Fernen Ostens, er hat in diesem Sinne Europa 'gemacht', er hat Europa in Sp'ntike und Mittelalter sogar erst hervorgebracht.
Keine der drei Religionen hat Europa jemals ganz be
herrscht, und jede hat umgekehrt 'ber Europa hinausgereicht. Der erste Teil dieses Buches wird deshalb der Verbreitung der monotheistischen Religionen und der durch sie gepr'en Kulturen gewidmet sein. Das Bild, das sich ergibt, ist bunter, als sich viele tr'en lassen. So hat es bis Mitte des zehnten Jahrhunderts in Europa einen Staat unter j'discher Herrschaft gegeben und, abgesehen von al-Andalus in Spanien und von Sizilien, bestand ein muslimisches Reich an der Wolga bis zum Mongoleneinfall im dreizehnten Jahrhundert.
Wenn nur ein Gott die Welt lenkt, aber verschiedene Religionen von ihm erz'en, dann sind Konflikte unvermeidlich. Im Unterschied zum Polytheismus und zur Weitergabe des Mythos tendieren die monotheistischen Religionen zum Bekenntnis und zum Dogma, damit zur prinzipiellen Abgrenzung von den anderen, ja zum Kampf; sie bieten aber auch ein weites Dach zur Integration des Heterogenen. So konnte der Partikularismus der Stammesgesellschaften 'berwunden und der 'ergang zum Staat erreicht werden, weil der eine Gott an die Stelle der vielen Gottheiten trat.
Dem Verh'nis von Religion und politischer Gewalt ist der zweite Teil des Buches gewidmet. Die muslimische Welt und das ostr'mische Reich des Mittelalters, also Byzanz, haben miteinander gemein, da'sie die Trennung von 'Staat' und Religion beziehungsweise 'Kirche' nicht kannten, die f'r den Okzident charakteristisch war. Die politische Herrschaft konnte sich also am Bosporus und unter dem Halbmond nicht zunehmend s'larisieren wie in den west- und mitteleurop'chen Reichen, w'end sich umgekehrt die von laikaler Bevormundung befreite r'mische Kirche in einzigartiger Weise zur gemeinsamen Klammer der politischen Einheiten im lateinischen Europa ausformte. Byzanz und die muslimischen L'er blieben dagegen stets an die Reichsidee im Sinne weltumspannender Einheit gebunden, so fremd diese Konzeption der jeweiligen historischen Wirklichkeit auch gegen'bergestanden haben mag. Universal gedacht war ebenso da
s r'mische Kaiserreich des Westens; wo aber die Idee der Weltherrschaft noch weniger Realit'bezug hatte als hier, in den 'brigen L'ern des lateinischen Europa, entstanden im Mittelalter noch keine Nationalstaaten, sondern Gro'egionen, innerhalb derer die Grenzen politischer Herrschaft erheblich variierten. Diese staatliche Unfestigkeit hat den kulturellen Austausch 'ber n're oder weitere Entfernungen erheblich beg'nstigt.
Europa ist, historisch betrachtet, weder eine geographische Einheit noch eine Wertegemeinschaft oder eine ideelle Gr''; es war bisher noch nie 'fertig' und hatte keine unstrittige Identit' Auch durch die 'erlieferung ist es nicht vorgegeben; das Mittelalter hat den Namen benutzt, aber keinen Begriff von 'Europa' ausgebildet. Zwar wurde Europa geographisch beschrieben und mythologisch gedeutet, aber einen Diskurs 'ber seine Eigenart, der die Intellektuellen entzweien oder zusammenbringen k'nnte wie in unseren Tagen, haben die Jahrhunderte vor der Wende zur Neuzeit nicht gekannt. Wer Europa historisch begreifen will, mu'anerkennen, da'seine Vielfalt keinen Pluralismus der Gleichg'ltigkeit hervorgebracht hat, sondern da'sich seine kulturellen Formationen in st'igem Bezug aufeinander anpa'en, wandelten oder auch abstie'n. Transkulturelle Beziehungen sollen im dritten Teil analysiert und dargestellt werden. Dabei wird sich zeigen, da'nicht die lateinische Welt allein Europa hervorgebracht hat, sondern da'diese nur lernf'ger war als andere. Schon im achten und neunten Jahrhundert war die 'erlieferung griechischer Philosophie und Naturwissenschaft an die Araber gelangt, die die Schriften zu gro'n Teilen in ihre Sprache 'bersetzt hatten; im hohen Mittelalter beteiligten sich aber auch Juden und Christen an einem ungemein intensiven Austausch 'ber die griechische Gelehrsamkeit der Antike, und vor allem in den s'deurop'chen muslimischen L'ern wirkten Forscher aller Kulturen zusammen, um die Texte ins Lateinische zu 'bertragen. Das war das Fundament f'r
den Aufstieg des Abendlandes.
Hierbei ist freilich zu ber'cksichtigen, da'die Geschichte Europas nie nur von einer einzigen Richtung bestimmt war, sondern stets Heterogenes dem Dominanten widerstrebt hat oder sich kulturelle Sonderformen behaupten konnten. Die verschiedenen Geschwindigkeiten der kulturellen Prozesse und die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen sind ebenso ein Kennzeichen der europ'chen Geschichte wie die periodische Ausbildung eines mainstream. Das Aparte konnte absterben, aber auch nach langen Zeiten der Randexistenz neuen Einflu'auf herrschende kulturelle Verhaltensmuster gewinnen oder diese sogar ganz verdr'en. Der Historiker kann diese Unterschiede und Zusammenh'e besser erkennen als der Zeitzeuge, weil er weite R'e 'berschaut und die Ergebnisse geschichtlicher Vorg'e kennt. Ohne seine Einsichten w'rde dem verh'nisvollen Irrglauben an eine unvermeidliche Entwicklungstendenz der Geschichte Vorschub geleistet. Im letzten Teil soll dementsprechend auch skizziert werden, weshalb es seit dem zw'lften Jahrhundert zum unzweifelhaften Aufstieg des Okzidents gekommen ist ' und weshalb andere Kulturen zur'ckblieben oder andere Wege einschlugen. Die unbestreitbare Dominanz, die das lateinische Christentum, die Kirche und die Staaten, am Ende des Mittelalters gegen'ber den anderen Kulturen errungen hatte, trug zugleich, wie sich zeigen wird, den Keim der Selbstzerst'rung in sich.


Religi'se Differenz im Fundament europ'cher Identit'


Eine Religion ist nicht genug: die Alltagsgegenwart der G'tter
Es war kurz vor oder bald nach dem dreihundertsten Jahr der christlichen 'a, eine Wendezeit des Reiches. Der Kaiser weilte in Alexandria am Delta des Nils, wo der Ruhm der Stadt seit ihrem Gr'nder und ein Wohlstand goldschwerer Kaufleute zwischen den Kontinenten einen Geist des Aufruhrs gegen Rom virulent hielt. Diokletian selbst hatte acht Monate der Belagerung gebraucht, um einen Usurpator zu bezwingen, und wie er mu'en auch s
eine Mitherrscher ' der Augustus Maximian und die beiden Caesaren ' in den Provinzen und an den Grenzen von Britannien bis Syrien und Armenien Aufst'e unterdr'cken oder Angreifer zur'ckwerfen. Deutlich zeigten sich jetzt aber auch die Erfolge im Kampf gegen die Erosion an den R'ern und die innere Aufl'sung, die den Staat seit f'nfzig Jahren in Gefahr gebracht hatten. Die Verteilung der Regierungsgewalt auf vier Kaiser erleichterte die Pr'nz der obersten Herrscher in allen Teilen des Riesenreiches, und eine Reform der Verwaltung erlaubte den direkten Zugriff der Zentrale auf jeden einzelnen Bewohner. Die Anzahl der Milit' hatte Diokletian drastisch erh'ht und die Grenzen mit neuen Befestigungen und Stra'n verst't; im Innern sollten gleichm'ge Steuern Gerechtigkeit und Sicherheit schaffen, die Untertanen allerdings auch an ihren Stand gebunden und einer B'rokratie ausgeliefert werden, die sich als selbstherrlich und korrupt erwiesen hat. Das Haupt der Tetrarchen, von Geburt ein Illyrer, lie'sich vom Ideal der Romanitas leiten, forcierte also die Verbreitung der lateinischen Sprache und des r'mischen Rechts als Klammer f'r das Staatswesen. Rom selbst und der Senat aber verloren unter ihm an Bedeutung, weil als Residenzen dezentraler Kaiserherrschaften nur andere St'e in Betracht kamen; f'r Diokletian, der sich Asien und 'ypten vorbehalten hatte, war dies Nikomedia am Marmarameer, f'r Maximian im Westen Aquileia oder Mailand.
Unter den Aggressoren von au'n hatten die Augusti und Caesares keltische und germanische St'e und Gruppen zu bek'fen, die besonders diesseits und jenseits von Rhein und Donau f'r Unruhe sorgten, aber auch iranische Sarmaten in Pannonien und Mauren in Afrika; in Asien konnten die Perser, alte Rivalen der R'mer, unter den Sassaniden nur mit M'he auf Distanz gehalten werden. Deshalb war Diokletian im befreiten Alexandrien aufs h'chste beunruhigt, als er das Vordringen einer neuen Religion aus Persien bis nach Afrika konstatieren mu'e. In seinem S
chreiben an den zust'igen Statthalter sprach er von einer doctrina superstitionis, die die religio der R'mer gef'de. Die verfluchten Gewohnheiten und widernat'rlichen Gesetze der Perser sollten, so bef'rchtete er, unschuldige V'lker wie die ma'ollen und friedliebenden R'mer, ja 'unsere ganze Welt', wie durch Zaubertr'e verderben.
Mit dem Wort superstitio bezeichneten die R'mer in jener Zeit nicht mehr nur die religi'sen Br'he fremder V'lker, sondern sie benutzten es, um andere Religionen zu diskreditieren. So hatte es Tacitus an der Wende zum zweiten Jahrhundert als 'leere superstitio' verh'hnt, da'die keltischen Druiden Roms Fall an die Gallier prophezeiten; die Juden diffamierte er als ein Volk, das 'der superstitio untertan war und sich den religi'sen Br'hen 'berhaupt widersetzte', und den Alexandrinern machte er ihre besondere Verehrung des Gottes Serapis zum Vorwurf. Den 'yptern wurde unterstellt, da'sie mit ihren Kulten politische Subversion gegen die Reichsherrschaft kaschierten. Obschon der Isis-Kult in Rom selbst gro'n Anklang gefunden hatte, war in Schriften der augusteischen Zeit immer wieder Oktavians Sieg 'ber Kleopatra auch als Sieg der r'mischen 'ber die 'ptischen G'tter dargestellt worden. Als religio galt die traditionelle G'tterverehrung und Kult'bung der R'mer selbst, die schon aufgrund ihres Alters allem Neuen und Fremden 'bergeordnet war. So argumentierte auch Diokletian in seinem Edikt f'r den Prokonsul von Afrika im Hinblick auf die falsche Lehre aus Persien: 'Denn die unsterblichen G'tter haben in ihrer Vorsehung geruht, diese Angelegenheit so zu ordnen, da'das, was gut ist und wahr, durch den Rat und die Handhabung vieler guter, hervorragender und besonders weiser M'er unumst''ich bewiesen und bewahrt werde. Deshalb ist es falsch, diesen Grunds'en zu widerstehen, und eine alte religio sollte nicht durch eine neue getadelt werden.'
Das antike Heidentum war also keineswegs unbeschr't tolerant, weder im Himmel noch auf Erden. Dessen u
ngeachtet hatte das r'mische Pantheon seit Jahrhunderten seine Aufnahmekraft erwiesen: Wo ein General einen Krieg zu f'hren hatte, konnte er um die G'tter des Feindes mit dem Versprechen werben, ihnen in Rom selbst einen prachtvollen Tempel zu bauen und hervorragende Verehrung zu erweisen, falls sie ihre Schutzbefohlenen verlie'n und zu ihm 'berliefen. Der erste Fall einer evocatio hatte der G'ttin Juno gegolten, die von der etruskischen Stadt der Veii 396 v. Chr. nach Rom 'berf'hrt und auf dem Aventin in einem eigenen Tempel angesiedelt worden war. Sp'r hatte man zum Beispiel den Kult der 'Gro'n Mutter' aus Kleinasien etabliert, indem der Schwarze Stein aus Pergamon auf den Palatin verbracht wurde (204 v. Chr.). Seit Augustus waren die Kaiser selbst verg'ttlicht worden, so erst im dritten nachchristlichen Jahrhundert Aurelian, Probus und Carus. Diokletian hingegen hatte f'r sich und seine Mitherrscher auf dieses Gottkaisertum verzichtet. Vielmehr bezeichnete er sich als Iovius, also als Abk'mmling des h'chsten Gottes Jupiter Optimus Maximus, und brachte Maximian als Herculius in gleiche Beziehung zu dem untergeordneten Gott Herkules. Diese Herrschertheologie, die zugleich das Binnenverh'nis der Tetrarchen hierarchisch regelte, kam auch im Hofzeremoniell zum Ausdruck: Wer sich Diokletian n'rte, mu'e ihm zu F''n fallen und seinen purpurges'ten Mantel k'ssen, wie es bei fremden K'nigen 'blich gewesen war, er mu'e den Kaiser mit der Anrede 'Herr und Gott' ehren, seinen Palast sacrum palatium nennen und seine Berater als sacrum consistorium respektieren.
Das Heil des Staates, so propagierte es der Herrscher, gr'nde auf dem Wohlwollen der G'tter, denen deshalb der 'berkommene Kult zu leisten war, und auf dem Leben der Menschen nach den Regeln der Alten. Deshalb ging Diokletian in Alexandria auch rigoros gegen den neupersischen Glauben vor. Es handelte sich um die Religion Manis (216'274/76), der in Babylonien unter judaisierenden Christen aufgewachsen war, sich aber
bald von der T'ergemeinde getrennt und seine eigene Predigt aufgenommen hatte. Mani stilisierte sich als 'Apostel Jesu Christi' und ' in Anlehnung an den Heiligen Geist ' als 'Paraklet' und 'Helfer', verk'ndete aber die dualistische Lehre eines Kampfs von Licht und Finsternis, Gut und B'se; in dieser Hinsicht hatte er gewi'Elemente des persischen Zoroastrismus aufgenommen, der schon viele Jahrhunderte alt war und unter den Sassaniden als Staatsreligion gef'rdert wurde. So ist es kein Wunder, da'Manis Lehre gerade in Persien Anklang fand, w'end der Religionsgr'nder selbst vermutlich auf Betreiben des zoroastrischen Oberpriesters hingerichtet wurde; Missionare trugen die Lehre von der menschlichen Wahlfreiheit zwischen Gut und B'se, dem Himmel, der H'lle und dem Zwischenreich im Jenseits noch im dritten Jahrhundert nach Indien, vielleicht nach China und im Westen bis nach Nordafrika. In Alexandria f'hrte man um die Jahrhundertwende schon Klage, da'die sexophoben Manich' sogar die Verm'ung ablehnten; Diokletian dagegen hatte die Ehe mit Berufung auf das Herkommen unter den besonderen Schutz des Kaisers gestellt, weil so dem Reich der Segen des Himmels erhalten bleibe. Deshalb hat der Kaiser in seinem Manich'edikt radikale Ma'ahmen angeordnet: 'Wir befehlen, da'die Gr'nder und F'hrer zusammen mit ihren verabscheuungsw'rdigen Schriften einer besonders schweren Bestrafung unterworfen, da'sie n'ich in den Flammen des Feuers verbrannt werden. Ihre Anh'er, die sich als widerspenstig erweisen, sollen nach unserer Anweisung hingerichtet werden, und wir befehlen, da'ihr Besitz durch unsere Schatzkammer eingezogen wird.' Reichsbeamte aber oder Menschen von Rang und W'rde, die zum Manich'mus 'bergetreten waren, sollten ihr k'nftiges Leben in den Kupferminen von Phaeno oder den Marmorbr'chen von Proconessus fristen. Die Hoffnung Diokletians, durch drakonische Strafen 'die abscheuliche Plage vollkommen aus unserem gl'cklichen Zeitalter' auszumerzen, erf'llte sich indessen nicht. <
br/>Die strenge Kontrolle von Kult und Glauben, wie Diokletian sie betrieben hat, sollte die Vorstellung von einer koh'nten religi'sen Gemeinschaft des Reiches f'rdern. Zwar war die r'mische Religion selbst keineswegs homogen ' um die kapitolinische Trias von Jupiter, Juno Regina und Minerva gruppierte sich eine wechselnde Anzahl alter und neuer, einheimischer und fremder G'tter ', sie hatte aber von Anfang an einen klaren topographischen und sp'r auch einen personellen Bezugspunkt in der Stadt Rom und bei den Kaisern. Stadtr'misch waren die Rituale und Mythen, Gottheiten, Priester und Zeremonien; hier hatten die Kaiser seit Augustus alte Heiligt'mer wiedererrichtet und neue Staatstempel gebaut, vor allem im Dienst ihrer eigenen Divination. Der Historiker Cassius Dio propagierte im dritten Jahrhundert den Kaiserkult geradezu als notwendig f'r die Einheit des gro'n Reiches, als eine Form des Gottesdienstes, an dem alle r'mischen Untertanen teilhaben konnten.
Davon abgesehen hatte sich Rom aber nie darum bem'ht, die eigenen Gottheiten und Br'he systematisch in die eroberten L'er zu verpflanzen; vielmehr folgte die Religion den Soldaten und Beamten zun'st nach Italien und dann in die Provinzen. Auch die 'neuen' Kulte, die von au'n nach Rom eingedrungen waren, wurden von hier aus weiterverbreitet. Der Isis-Kult, zur Zeit des Hellenismus noch auf Griechenland beschr't, gelangte unter den Kaisern bis nach Afrika, Spanien und Gallien; auf Jupiter Dolichenus traf man vor allem im Rhein-Donau-Gebiet; Mithrasheiligt'mer standen au'r in Italien in den Milit'agern entlang der Donau (Aquincum, Carnuntum), im Einzugsbereich des Rheins (K'ln, Wiesbaden, Heddernheim bei Frankfurt, Stra'urg), in Gallien und in Britannien (Londinium/ London), kaum aber in Griechenland, Kleinasien, Syrien, 'ypten, Nordafrika und Spanien. Der Kult der Magna Mater, in Rom seit dem dritten vorchristlichen Jahrhundert bekannt, galt bereits als r'misch, als er in den Kolonien und Munizipien von Afrika
, Spanien und Gallien auftauchte.

Pressestimmen

"Überdies beeindruckt sein Buch durch die reiche Kenntnis byzantinischer und islamwissenschaftlicher Fachliteratur, die von den Mediävisten gewöhnlich wenig oder gar nicht rezipiert wird."
EAN: 9783886804399
ISBN: 3886804399
Untertitel: Die Erben der Antike und der Aufstieg des Abendlandes 300 bis 1400 n. Chr.
Verlag: Siedler Verlag
Erscheinungsdatum: März 2006
Seitenanzahl: 608 Seiten
Format: gebunden
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