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America


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Beschreibung

Beschreibung

»Bittere Situationskomik, die noch im Moment der Katastrophe zum Lachen reizt.« taz Der Zusammenstoß des Mexikaners Cándido mit Delaney Mossbachers wachsgepflegtem Auto ist ein wortwörtlicher: Cándido, auf dem Weg zur Arbeit, rennt Delaney direkt vor die Haube und wird schwer verletzt. Dafür drückt Delaney ihm eine 20-Dollar-Note in die Hand. Delaney sieht seine geschützte Welt zunehmend bedroht von den dunkelhäutigen, verdächtigen Gestalten, die in der Nähe der eleganten Villensiedlung herumlungern und täglich ihr Glück auf dem Sklavenmarkt zu finden hoffen.

Portrait

T. C. Boyle, geb. 1948 in Peekskill, New York im Hudson Valley, war Lehrer an der dortigen High-School und publizierte während dieser Zeit seine ersten Kurzgeschichten. Heute lebt er in Kalifornien und unterrichtet an der University of Southern California in Los Angeles Creative Writing.

Pressestimmen

»Der Roman ist eine Achterbahnfahrt der Katastrophen und Peripetien, wechselnd erzählt aus der Perspektive des Oben und des Unten, geschrieben mit Zorn und Leidenschaft, die bizarre Seite des Schlimmstmöglichen ins literarische Kalkül ziehend.«
Ulrich Greiner, Die Zeit
EAN: 9783423125192
ISBN: 3423125195
Untertitel: Originaltitel: The Tortilla Curtain. 'dtv'.
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Seitenanzahl: 400 Seiten
Übersetzer/Sprecher: Übersetzt von Werner Richter
Format: kartoniert

Durchschnittliche Kundenbewertung

Kundenbewertungen

Xirxe - 21.10.2015, 22:50
Steckt nicht in Vielen von uns ein bisschen Delaney?
1995 wurde dieses Buch geschrieben, doch würde man es heute veröffentlichen, hätte vermutlich niemand Zweifel daran, dass es ein höchst aktuelles Werk ist. Denn nichts, absolut nichts hat sich seitdem verändert. Stattdessen existiert dieses beschriebene Szenario mittlerweile ebenso bei uns, wenn auch vielleicht noch nicht in dieser extremen Form. Boyle beschreibt in einem Zeitraum eines halben Jahres die Leben zweier Familien, die unterschiedlicher kaum sein könnten, obwohl die räumliche Distanz zwischen ihnen nur gering ist. Delaney, liberaler Humanist ohne Verkehrssündenregister... , lebt in einer komfortablen Vorortwohnanlage von Los Angeles irgendwo in den Bergen, zusammen mit seiner Frau, deren Sohn, zwei Hunden und einer Katze. Cándido hingegen kam drei Wochen zuvor mit seiner jungen Frau aus Mexiko auf der Suche nach Arbeit und einem besseren Leben. Nun hausen sie unweit von Delaneys Vorortsiedlung in einem Canon in einem behelfsmäßigen Unterschlupf und versuchen, genügend Geld zu verdienen um sich eine Wohnung leisten zu können. Die Wege der Beiden kreuzen sich, als Delaney Cándido anfährt, ihn mit 20$ abfindet und danach versucht, mit seinem schlechten Gewissen klar zu kommen. Boyle zeigt hier kein Schwarz-Weiß-Schema auf, sodass man vielleicht mit der einen Seite mitleidet und der anderen ihr Unglück gönnt. Delaney, der klar der Bevorzugte ist, ist kein schlechter Mensch. Er wie auch seine Frau denkt liberal, ist umweltbewusst, voller Mitgefühl für die Armen dieser Welt, Mitglied beim Kinderhilfswerk undundund. Doch als seine Prinzipien herausgefordert werden und er ungewollt direkt in Kontakt mit den Armen dieser Welt gerät, sind seine Angst und Verunsicherung größer als die Standhaftigkeit seiner Werte. Sind die Mexikaner nicht doch alle Verbrecher? Verdrecken sie nicht die Natur, verstoßen immer wieder aufs Neue gegen Gesetze? Je öfter er mit diesem Anderen konfrontiert wird, desto größer wird die Furcht. Und seine Wut über die Widersprüchlichkeit seines Denkens und Handelns steigt und sucht sich ein Ventil... Aber auch die bedauernswerten Mexikaner sind nicht nur bemitleidenswerte Menschen, denn wie überall auf der Welt gibt es hier ebenso Kriminelle, die nicht dabei zögern, auch noch den Ärmsten ihr letztes Hab und Gut zu rauben. Dennoch wird klar: Wer nichts hat, muss nicht nur um Arbeit betteln, sondern tagtäglich um sein Leben kämpfen. Denn selbst die Natur stellt sich den Menschen in den Weg... Es ist ein unglaublich gutes, aber dennoch äußerst deprimierendes Buch, denn es zeigt den Zustand unserer Welt überdeutlich: Die Wohlhabenden wollen wohlhabend bleiben und bis auf mehr oder weniger größere Almosen nichts davon abgeben. Und die Armen, die sich ebenfalls etwas mehr Wohlstand wünschen, müssen dafür ihr Leben aufs Spiel setzen.
Polar - 09.01.2008, 18:49
Hausboy
Der Roman hat bei seinem Erscheinen in Amerika für Aufsehen gesorgt. Der schonungslose Blick, mit dem Boyle das Fristen der illegalen Einwanderer am Existenzminimum bedacht hat, stieß auf wenig Gegenliebe. Der Autor bedient sich dabei des melodramatischen Stilmittels. Nicht nur der Schluß, als ausgerechnet die ausgereckte Hand eines Aussätzigen den Einheimischen aus dem reißenden Strom ziehen will, ist überdeutlich, auch zwischendurch tauchen immerzu Wendungen auf, die eines bezwecken: Den Leser bei der Geschichte zu halten, das Ansinnen des Autors zu vermitteln. Boyle ist ein rasanter Erzähler. Fast im Sinne Chandlers, der behauptete, wenn ihm nichts mehr einfalle, schicke er einfach einen mit einer Knarre, rein, zügelt Boyle seine Fantasie nie, er unterwirft sie, er schmückt sie detailbesessen aus. Dafür lieben seine Fans ihn, und es verlangt einem Respekt ab, dass er sein Schreiben immer wieder auch den Schattenseiten seines Landes widmet. Wer sich nur entspannen und unterhalten will, ist in den amüsanteren Romanen von ihm sicher besser aufgehoben. In America trifft man auf einen nachdenklichen Boyle, der ein düsteres Bild abseits der teuren und bewachten Wohnanlagen zeichnet, in denen wir uns, nachdem Schengener Abkommen in Europa auch so wohl fühlen. Wollen wir nur nicht hoffen, dass es zu regnen anfängt, und wir vielleicht eine Hand benötigen, die uns vor uns selbst rettet.