EBOOK

Im Herzen des Landes


€ 8,90
 
kartoniert
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Mai 1997

Beschreibung

Beschreibung

Erstickend im Stumpfsinn des kolonialen Südafrika zur Zeit der Apartheid, gefangen mit seinen schwarzen Leibeigenen in einem Netz gegenseitiger Unterdrückungen, Bespitzelung und Verdächtigung, sucht ein verwitweter, weißer Schafzüchter private Erlösung in den Armen einer Geliebten. Sie ist schwarz, und sie ist die blutjunge Frau seines Vorarbeiters. Diese Verletzung der Rassenschranken markiert das Ende des unsicheren feudalen Friedens. Seine verbitterte, ledig gebliebene Tochter sinnt auf blutige Rache und führt sie auch aus. Oder spielt sie alles nur in Gedanken durch? Ist diese schmerzhafte Geschichte nur die Ausgeburt einer rachsüchtigen Phantasie? Die Deutung dieser 266 tagebuchartigen Aufschreibungen bleibt dem Leser überlassen.

Portrait

J. M. Coetzee, der 1940 in Kapstadt geboren ist und von 1972 bis 2002 als Literaturprofessor in seiner Heimatstadt lehrte, gehört zu den bedeutendsten Autoren der Gegenwart. Er wurde für seine Romane und sein umfangreiches essayistisches Werk mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet, u. a. zweimal mit dem Booker Prize, 1983 für >Leben und Zeit des Michael K.< und 1999 für >Schande<. 2003 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen. Coetzee lebt seit 2002 in Adelaide, Australien.Leben und Zeit des Michael K.<), Booker Prize 1999 (für >Schande<), Commonwealth Writers Prize 1999 (für >Schande<), >Königreich von Redonda-Preis< 2001, Literaturnobelpreis 2003
EAN: 9783596132539
ISBN: 3596132533
Untertitel: 'Fischer Taschenbücher Allgemeine Reihe'.
Verlag: FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum: Mai 1997
Seitenanzahl: 204 Seiten
Übersetzer/Sprecher: Übersetzt von Wulf Teichmann
Format: kartoniert

Durchschnittliche Kundenbewertung

Kundenbewertungen

Elvira Hanemann - 06.11.2006, 10:30
beklemmend - verstörend - großartig!
Mitten in der unendlichen Steppe Südafrikas lebt Magda, eine "vertrocknete alte Jungfer" wie sie selbst sich bezeichnet, gemeinsam mit ihrem Vater auf dessen Farm. Außer ihrem Vater gibt es noch ein paar schwarze Bedienstete: Anna, Jakob und Hendrik. Als Hendrik eines Tages mit einer Braut ankommt, gerät einiges durcheinander. Denn nicht nur Hendrik, sondern auch Magdas Vater hat ein Auge auf Klein-Anna (so wird sie zur Unterscheidung der älteren Magd Anna genannt) geworfen. Das Buch ist als eine Art Tagebuch Magdas geschrieben, durch ihr Auge blicken wir auf diesen kargen, vom Rest der Welt abgesonderten einsamen Winkel. Die Handlung könnte überall spielen, auch dass Hendrik und Anna schwarz sind, Magda und ihr Vater aber weiß, erscheint mir nicht sehr wesentlich, wesentlich ist eher ihr soziales Verhältnis zueinander: hier Herr - da Knecht, dass das in diesem Land auch immer Herr = weiß, Knecht = schwarz hieß, ist richtig, aber dennoch könnte genau die gleiche Geschichte sich auch in einem kleinen Gehöft im Bayrischen Wald abgespielt haben. Magda ist keine glückliche Frau, sie ist einsam und verhärtet, sehnt sich nach menschlichen Kontakten, kann sie aber nicht finden. Ihr Leben kreist um ihren Vater, um dessen Wohlbefinden, um dessen Anerkennung, um sein Lob und besonders darum, dass er sie wahrnimmt, was er aber nicht tut und nie tat. Als sich der Vater eine Geliebte nimmt, kommt Magda damit nicht zurecht, was sich in ihrem Kopf als abstruse Gewaltfantasien abspielt, wird Realität... Oder doch nicht? Äxte werden geschwungen, Glieder abgehackt, Feuer gelegt, Gräber ausgehoben, Leichen eingemauert und Magda watet durch Blut, Eiter und Scheiße. Doch ob irgendetwas davon Wirklichkeit ist oder nur Wachträume, bleibt ebenso in der Schwebe wie die Frage, ob Magda mit Hendrik, mit ihrem eigenen Vater oder aber mit Anna eine sexuelle Beziehung eingeht. Nichts ist so, wie es scheint, dennoch lernt der Leser Magda und ihren Mikrokosmos gut, sehr gut kennen, denn Gewaltfantasien, sexuelle Wunschträume und Gedanken darüber, ob es nicht besser sei, als Insekt auf die Welt gekommen zu sein verraten im Endeffekt mehr über das Innere eines Menschen als reale Handlungen. Coetzee schreibt hier mit einer derartigen Wucht und Kraft, dass der Atem wegbleibt. Man kann diesen Roman als eine Art archaische Tragödie lesen, die an die großen griechischen Klassiker heranreicht.