EBOOK

Im Gouvernement S


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Oktober 1996

Beschreibung

Beschreibung

Irgendwo im bõuerlichen Ru¯land, irgendwo ein Dorf um einen Bahnhof, in der Nõhe eine Zuckerfabrik, und irgendwo am Dorfrand ihr Haus aus Balken, mit Blech gedeckt. Es hat zwei Zimmer: die K³che und die Stube, +Saal1/2 genannt. Hier leben èurka und seine Familie: die Mutter, die sechsjõhrige Schwester, sein Bruder ist drei, er selbst vier oder vielleicht schon f³nf. Der Vater ist im Krieg, wer wei¯, ob er noch lebt. Doch das Leben geht weiter, es mu¯. Die Mutter verkauft am Bahnhof Selbstgebackenes, èurka hilft ihr, pa¯t auf, da¯ niemand stiehlt, er wird zur St³tze der Familie. Das Leben geht weiter, wie es immer verlaufen ist, und zwischen èurkas kleinen, unscheinbaren Erlebnissen wird die unerme¯liche Weite seines Landes, die unerme¯liche Armseligkeit des bõuerlichen Ru¯lands geradezu physisch erfahrbar. Jemand erzõhlt, es gebe keinen Zaren mehr. Ein reisender Offizier schenkt èurka ein Geldst³ck, f³r das er hier nichts kaufen kann. Ein roter Agitator in Lederjacke lõdt zum Disput ³ber die Frage, ob es Gott gibt oder nicht. Nichts geschieht, und doch geschieht Gro¯es: Mutter gibt èurka f³r eine Weile zum Gro¯vater, schon allein die Reise mit ihm durch die Steppe, Anton Cechovs Steppe: anfangs sch÷n, dann aber nur noch +langweilig, ³berhaupt hinzuschauen1/2. èurka kommt nach Hause zur³ck. Die Mutter ist krank. èurka geht allein zum Bahnhof, lernt, wie man klaut. Auch ein Rõuber mu¯ sich von etwas ernõhren, hat er einmal sagen h÷ren. èurkas Geschichte, ein Pendant zu Leonid Dobycins ber³hmtem Roman +Die Stadt N1/2, ist nicht nur ein kindlicher Entwicklungsroman, nicht nur eine sozialpsychologische Studie ³ber Jugendkriminalitõt, das ist sie auch; sie ist vor allem das faszinierende wie provozierende Portrõt des lõndlichen Ru¯lands wõhrend Krieg, Revolution und B³rgerkrieg, gesehen aus der Perspektive eines nicht mal zehnjõhrigen kleinen Helden. Scheinbar unbeteiligt und mit einer Lakonie, die ihresgleichen sucht, setzt Dobycin das vermeintlich Gro¯e und das wirklich Wesentliche dem n³chtern sezierenden und ordnenden Blick dieses Jungen aus, der die Dinge registriert, wie sie sind und solange sie ihn interessieren, und er registriert genau, schmucklos und wortkarg, unbarmherzig genau. Leonid Dobycin, 1894-1936, geh÷rt zu den gro¯en Autoren jener vergessenen Petersburger Avantgarde, die erst heute erneut ins Bewu¯tsein treten. Er hat zu Lebzeiten zwei schmale Bõnde mit k³rzesten Erzõhlungen ver÷ffentlicht, die ihn direkt neben Isaak Babel und Daniil Charms stellen, unter den Autoren seiner Zeit fanden vor Dobycins Augen nur Michail ZoÜcenko und Jurij Tynjanov Gnade; als Autor hõtte er an dem von Charms geplanten, nie erschienenen Sammelband +Die Wanne des Archimedes1/2 teilnehmen sollen. Als 1936 die Partei zum Kampf gegen den Formalismus blies, erkor die Leningrader Literaturkritik Dobycins Roman +Die Stadt N1/2 zu ihrem Opfer, Dobycin beging Selbstmord. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie die Reaktion ausgefallen wõre, hõtten seine Kritiker den hier vorgelegten, aus Dobycins Nachla¯ ver÷ffentlichten Roman gekannt.
EAN: 9783921592960
ISBN: 3921592968
Untertitel: Surkas Verwandtschaft.
Verlag: Friedenauer Presse
Erscheinungsdatum: Oktober 1996
Seitenanzahl: 151 Seiten
Übersetzer/Sprecher: Übersetzt von Peter Urban
Format: gebunden
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