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Rede vom Glück


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gebunden
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April 1999

Beschreibung

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"Man muß einen Schnitt machen und ohne Widerruf brechen; man muß, sagt Richelieu, die Bande der Freundschaft lösen und die der Liebe zerreißen, kurz, es ist an der Vernunft, unser Glück zu bewerkstelligen", schreibt die Marquise du Châtelet in ihrer Rede vom Glück, die sie zwischen 1746 und 1747 verfaßte, nachdem ihre glücklichen Jahre mit Voltaire auf Schloß Cirey zu Ende waren. Emilie du Châtelet wurde 1706 geboren und war für ihre Zeit eine ungewöhnlich gebildete Frau. Sie hat Newtons Principia erstmals übersetzt, eine Schrift zu Leibniz veröffentlicht und sich in ihrer Korrespondenz mit den großen Denkern ihrer Zeit - Voltaire, Euler und Cramer - mit Fragen der Mathematik und Physik auseinandergesetzt. Das Studium der Wissenschaften erscheint der Marquise für Frauen, da sie vom Staats- und Kriegsdienst ausgeschlossen sind, der einzige Zugang zu Ansehen und Ruhm. "Um glücklich zu sein, ist es nötig, tugendhaft zu sein, frei von Vorurteilen, es sich gutgehen zu lassen, Vorlieben zu haben und für Illusionen empfänglich zu sein, denn wir schulden den Großteil unserer Vergnügen der Illusion, und unglücklich ist, wer sie verliert. Weit entfernt von dem Versuch, sie mit der Fackel der Vernunft zu vertreiben, versuchen wir lieber, den Lack zu verstärken ..." Zwei Jahre, nachdem sie aus der Distanz diese eher private Abhandlung über das Glück niedergeschrieben hatte - sie wurde zu ihren Lebzeiten nicht publiziert -, verliebte sie sich in den um einige Jahre jüngeren Gardeoffizier Marquis de Saint-Lambert und schrieb ihm, ihre eigenen Maximen in den Wind schlagend: "Wir haben die Rollen vertauscht, Sie wollten mich zu ihren Füßen - hier bin ich ... ich liebe Sie abgöttisch und niemals werde ich aufhören, es Ihnen hundert Mal und auf die verschiedenste Weise zu sagen ... Für mich gibt es keine Grenzen, ich kann nicht anders, als Sie mit wahnsinniger Leidenschaft zu lieben oder aus Kummer zu sterben, wenn ich Sie verlasse. Es gibt keinen Mittelweg." Noch im selben Jahr starb sie im Alter von 43 Jahren nach der Geburt der gemeinsamen Tochter am Kindbettfieber. Die Ambivalenz zwischen ihrer Sehnsucht nach leidenschaftlicher Passion und der um Vernunft ringenden Erkenntnis, daß Glück nur um den Preis der Verblendung zu gewinnen wäre und solche Liebe Illusion, ja Selbstbetrug sei, unterscheidet ihre Schrift von anderen zeitgenössischen Abhandlungen über das Glück. Nicht der Glaube an Tugendhaftigkeit und Mäßigung, sondern ein Unterton des Widerspruchs, der Verzweiflung einschließt, bestimmt ihren Discours. Dieser bemerkenswert moderne, weil paradoxe Text einer Frau, die zu Unrecht nur wenig bekannt ist, erscheint erstmals in einer deutschen Übersetzung als WoIffs Broschur.


EAN: 9783932109126
ISBN: 3932109120
Untertitel: Discours sur le bonheur. Mit einer Anzahl Briefe der Mme. du Chatelet an den Marquis de Saint-Lambert. 'Wolffs Broschur'.
Verlag: Friedenauer Presse
Erscheinungsdatum: April 1999
Seitenanzahl: 99 Seiten
Übersetzer/Sprecher: Übersetzt von Iris Roebling
Format: gebunden

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Claudine Borries - 23.03.2010, 13:15
Eine philosophische Abhandlung
Madame de Chatelet lebte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Frankreich. Man war erstaunt und irritiert über ihre Begabung und ihr Wissen, das sie als ausgezeichnete Mathematikerin auswies, denn emanzipierte Frauen gab es damals noch nicht. Sie war ihrer Zeit weit voraus und könnte mit unserem heutigen Denken als modern bezeichnet werden. In ihrer kleinen Abhandlung über das Glück kommt ihre Weisheit, Einsicht und logische Klugheit zum Ausdruck. Seit der Antike hat die Frage nach dem Glück die Philosophen bewegt. An die Tradition dieses Denkens knüpft Madame de Chatelet in ihrem Diskurs an. Da geht es um die Liebe, die Leidenschaft, um Vorurteil und Schicklichkeit und um die Wissenschaft als Quelle des Glücks. Illusionen stehen gegen Vorurteile und Irrtum: die Illusion beschreibt sie als subjektive Wahrheit, die durchaus ihren Platz im Denken haben darf. In ihrer Abhandlung behandelt sie die Tugenden des Seins und der Wahrhaftigkeit und des maßvollen Lebens, dem sie eine bedeutsame Rolle bei der Erfahrung von Glück zuweist. Viele Jahre war sie mit dem Philosophen Voltaire liiert. Die Beziehung endete nach einigen Krisen 1744 endgültig. Im Kontrast zu ihren einsichtsvollen Gedanken steht eine heiße Liebesaffäre mit dem Gardeoffizier Marquis de Saint-Lambert, die sie mit über vierzig Jahren begann. Er ist zehn Jahre jünger und steht in Diensten des Königs von Lothringen. Diese Affäre führte sie in Konflikt mit ihrer Vorstellung von Vernunft und Glück. Das ungleiche Paar löste Unwillen bei Hofe aus. Zum Skandal kam es, als sie schwanger wurde und ein Kind von ihrem Galan bekam. Nach der Geburt einer Tochter erlag sie dem Kindbettfieber. Einige ihrer Briefe an Saint-Lambert sind im Anschluss an die Rede vom Glück abgedruckt. Darin zeigt sie sich getrieben von Eifersucht, Sehnsucht und Liebe zu ihrem Liebhaber. Einmal mehr sieht man, dass die Liebe und Leidenschaft die Vernunft zu übertölpeln vermag! Das Büchlein liest sich schnell und leicht und bietet doch reichlich Gelegenheit, den Gedanken dieser ungewöhnlich begabten Denkerin zu folgen. In einem Anhang findet man Vermerke zu den Briefen und zu ihrem Leben. Die schöne bibliophile Aufmachung aus dem Verlag Friedenauer Presse macht das Büchlein zu einem seltenen Kleinod.