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Der Stechlin


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Januar 1986

Beschreibung

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Es geschieht nicht viel, aber doch entschieden mehr als Fontanes Zusammenfassung
- >>Zum Schluss stirbt ein Alter und zwei Junge heiraten sich
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Portrait

Theodor Fontane (d. i. Henri Théodore F.), 30. 12. 1819 Neuruppin - 20. 9. 1898 Berlin. F.s Vorfahren waren zum größten Teil Nachkommen frz. Hugenotten. Sein Vater war Apotheker, und F. selbst absolvierte nach einer lückenhaften Schulbildung (1832 Gymnasium Neuruppin, 1833-36 Klödensche Gewerbeschule, Berlin) eine Apothekerlehre in Berlin (1836-40) und arbeitete an verschiedenen Orten als Apothekergehilfe, unterbrochen von dem einjährigen Militärdienst (1844-45). 1847 bestand er das Staatsexamen und unterrichtete anschließend Pharmazie in einem Berliner Krankenhaus, gab den Beruf jedoch 1849 auf und versuchte, sich als Schriftsteller zu etablieren. 1850 heiratete er Emilie Rouanet-Kummer und übernahm eine Anstellung im Presseapparat der preußischen Regierung, um sich und seine Familie ernähren zu können: eine entschiedene politische Wendung des 1848er-Demokraten. Immerhin verhalf sie ihm zu zwei für seine Entwicklung wichtigen Englandaufenthalten (1852, 1855- 1859). Nach seiner Rückkehr wurde er 1860 Redakteur bei der Neuen Preußischen Zeitung, der so genannten Kreuz-Zeitung, für die er u. a. die verschiedenen preußischen Kriegsschauplätze bereiste. Von 1870 an schrieb er Theaterkritiken für die Vossische Zeitung, wobei er für Henrik Ibsen und die dt. Naturalisten eintrat. 1876 war er für wenige Monate Sekretär der Akademie der Künste in Berlin, seine letzte feste Anstellung. Die Philosophische Fakultät der Berliner Universität verlieh ihm 1894 den Titel eines Dr. h. c. Erstes - und nicht zuletzt durch die Aufnahme in Schullesebücher bis heute andauerndes - literarisches Ansehen gewann F. durch seine Balladen mit Stoffen aus der preußischen und engl.-schottischen Geschichte, die er im Literarischen Sonntags-Verein zu Berlin Tunnel über der Spree in den 40er- und 50er-Jahren vortrug; später erweiterte er das Spektrum um Sujets aus der nordischen Geschichte und der Moderne (Technik, Arbeitswelt). Die Reisebücher und Reisefeuilletons, die aus seinen England- und Schottlandaufenthalten erwuchsen, führten F. zur literarischen und historischen Erfassung der eigenen Heimat in den Wanderungen durch die Mark Brandenburg und können als Vorstufen seines Romanschaffens gelten. Die journalistische Kriegsberichterstattung mündete in umfangreichen Kriegsbeschreibungen und Erlebnisberichten. Mit seinem erst im Alter entstandenen Romanwerk, beginnend mit dem historischen Roman Vor dem Sturm, erreichte der dt. realistische Zeit- und Gesellschaftsroman seinen Höhepunkt, durchaus verspätet im europäischen Kontext. Vor dem Hintergrund der Geschichte und den gesellschaftlichen Entwicklungen der Gegenwart entwirft F. ein kritisches - und immer kritischer werdendes - Bild seiner Zeit und der preußischen Gesellschaft, ihrer Brüchigkeit und Phrasenhaftigkeit, eingefangen nicht zuletzt mit einer durch Ironie, Skepsis und Humor charakterisierte nuancen- und anspielungsreichen Dialog- und Sprachkunst. In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) - © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.

EAN: 9783150099100
ISBN: 3150099102
Untertitel: 'Reclam Universal-Bibliothek'.
Verlag: Reclam Philipp Jun.
Erscheinungsdatum: Januar 1986
Seitenanzahl: 518 Seiten
Format: kartoniert

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Polar - 04.10.2008, 18:40
Ruppin
Ein Roman, von dem der Autor selber sagt, es geschehe in ihm nicht viel: zum Schluss sterbe einer und zwei Junge heiraten, der trotzdem einen festen Platz im deutschen Literaturkanon innehat, muss auf eine andere Weise Faszination versprühen. Es wird viel geredet im Stechlin. Die Menschen verschaffen sich ein Bild von sich und ihrem Land, indem sie darüber sprechen müssen, sich gegenseitig versichern. Fehler, Schwächen, werden dabei nicht radikal ins Scheinwerferlich gezerrt. Sie werden angemerkt, blossgelegt, aufgedeckt, erkannt, wenn nicht gar die Lösung debattiert. In Dubslav von Stechlins Welt kommt es nicht zum Umsturz, sie schwindet dahin. Natürlich ist man da nicht vor Fehlern in der Liebe geschützt, von falschen Entscheidungen frei, Freunde, die einem Böses wollen, laufen einem ohnehin über den Weg. Das Gefühl, dass mit einem selbst eine Welt untergeht, wächst bei Menschen, je älter sie werden. Auch der alte Stechlin nimmt sie mit sich mit. Dieser Ton prägt einen von Fontanes besten Romanen. Wer sich heute über die Krise der Sozialdemokratie mokiert, findet hier die genaue Beschreibung ihres Entstehens, ohne sie zu glorifizieren. Die Welt ist beschaulich am Stechlin. Sie wird in den Jahrzehnten danach hektisch, unübersichtlicher, schneller, umstürzlicher werden. Eine Faszination, die von dem Roman ausgeht, besteht sicher darin, noch einmal in sie abtauchen zu dürfen, sich Fontanes Sprache anzuvertrauen und sich zu wundern, was alles mit dem alten Stechlin untergegangen ist.