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Der Siebente Ring


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Januar 1986

Beschreibung

Beschreibung

George hatte ein Jahr darauf verwandt, dem Band eine Gestalt zu geben, welche die »innerliche Einheit der Vielfalt« (Verwey) verdeutlichen sollte. Die bis 1906 entstandenen Gedichte, in einer Zeit der Rückbesinnung auf das eigene Werk geschrieben, sind in kunstvoller, beziehungsreicher Anlage in sieben Bücher gegliedert, die sich in konzentrischen Kreisen um den vierten Zyklus legen, den Kern der Sammlung: Er enthält die Totenfeier für einen jung verstorbenen Freund und Dichter, der in der Maximin-Gestalt zum Mythos erhoben und verewigt wird.
Der »Siebente Ring«. von Karl Wolfskehl in einem Brief an George »diese um- und ausbauende Spätlese Ihres ganzen bisherigen Daseins« genannt, ist von zentraler Bedeutung für die Kunst des Dichters. Beeinflusst auch von der Übersetzungsarbeit an Dantes »Commedia«, verändert sich das Werk. Es bleibt nicht mehr ein lyrisch, sondern es nimmt die Dimension der Zeitkritik in sich auf; sein Grundton erfährt eine Wandlung durch das Element des Prophetischen, Visionären, durch den Ausdruck des Hymnischen.

Portrait

Stefan George, 1868 in Büdesheim bei Bingen geboren, war als Sohn eines wohlhabenden Weingutbesitzers nie zur Berufswahl gezwungen. Nach dem Abitur reiste er durch Westeuropa, studierte zwischendurch in Berlin u.a. Philologie, Philosophie und Kunstgeschichte, traf aber vor allem mit den französischen Symbolisten zusammen. Diese Begegnung bestärkte ihn in seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem in Deutschland verbreiteten literarischen Realismus. Ab 1900 lebte er überwiegend in Deutschland: In München wurde er in der Schwabinger Boh me als Dichterfürst inszeniert und verehrt, in Heidelberg und Berlin verkehrte er in bildungsbürgerlichen Kreisen. 1927 wurde ihm der erste Goethe-Preis verliehen. George zog sich schließlich 1933 nach Minusio zurück, nachdem ihm Josef Goebbels die Präsidentschaft einer neuen deutschen Akademie für Dichtung angeboten hatte. Er verweigerte dieses Angebot und starb am 4. Dezember, betrauert von seinen Schülern und Verehrern. §

Leseprobe

NIETZSCHE

Schwergelbe wolken ziehen überm hügel
Und kühle stürme - halb des herbstes boten
Halb frühen frühlings ... Also diese mauer
Umschloss den Donnerer - ihn der einzig war
Von tausenden aus rauch und staub um ihn?
Hier sandte er auf flaches mittelland
Und tote stadt die lezten stumpfen blitze
Und ging aus langer nacht zur längsten nacht.

Blöd trabt die menge drunten scheucht sie nicht!
Was wäre stich der qualle schnitt dem kraut!
Noch eine weile walte fromme stille
Und das getier das ihn mit lob befleckt
Und sich im moderdunste weiter mästet
Der ihn erwürgen half sei erst verendet!
Dann aber stehst du strahlend vor den zeiten
Wie andre führer mit der blutigen krone.

Erlöser du! selbst der unseligste -
Beladen mit der wucht von welchen losen
Hast du der sehnsucht land nie lächeln sehn?
Erschufst du götter nur um sie zu stürzen
Nie einer rast und eines baues froh?
Du hast das nächste in dir selbst getötet
Um neu begehrend dann ihm nachzuzittern
Und aufzuschrein im schmerz der einsamkeit.

Der kam zu spät der flehend zu dir sagte:
Dort ist kein weg mehr über eisige felsen
Und horste grauser vögel - nun ist not:
Sich bannen in den kreis den liebe schliesst ..
Und wenn die strenge und gequälte stimme
Dann wie ein loblied tönt in blaue nacht
Und helle flut - so klagt: sie hätte singen
Nicht reden sollen diese neue seele!


DIE TOTE STADT

Die weite bucht erfüllt der neue hafen
Der alles glück des landes saugt ein mond
Von glitzernden und rauhen häuserwänden
Endlosen strassen drin mit gleicher gier
Die menge tages feilscht und abends tollt.
Nur hohn und mitleid steigt zur mutterstadt
Am felsen droben die mit schwarzen mauern
Verarmt daliegt vergessen von der zeit.

Die stille veste lebt und träumt und sieht
Wie stark ihr turm in ewige sonnen ragt
Das schweig
en ihre weihebilder schüzt
Und auf den grasigen gassen ihren wohnern
Die glieder blühen durch verschlissnes tuch.
Sie spürt kein leid sie weiss der tag bricht an:
Da schleppt sich aus den üppigen palästen
Den berg hinan von flehenden ein zug:

Uns mäht ein ödes weh und wir verderben
Wenn ihr nicht helft - im überflusse siech.
Vergönnt uns reinen odem eurer höhe
Und klaren quell! wir finden rast in hof
Und stall und jeder höhlung eines tors.
Hier schätze wie ihr nie sie saht - die steine
Wie fracht von hundert schiffen kostbar spange
Und reif vom werte ganzer länderbreiten!

Doch strenge antwort kommt: Hier frommt kein kauf.
Das gut was euch vor allem galt ist schutt.
Nur sieben sind gerettet die einst kamen
Und denen unsre kinder zugelächelt.
Euch all trifft tod. Schon eure zahl ist frevel.
Geht mit dem falschen prunk der unsren knaben
Zum ekel wird! Seht wie ihr nackter fuss
Ihn übers riff hinab zum meere stösst.



Pressestimmen

»Damit ist unter vorbildlicher Auswertung von Textbestand, Selbstzeugnissen und Sachinformationen der letzte der drei Lyrik-Bände aus Georges mittlerer Schaffenszeit in mustergültiger Form wieder erhältlich.«
Michael Winkler, Germanistik 27 (1986), H. 3
»Der ... Doppelband »Der Siebente Ring« ist erstmals 1907 erschienen und enthält die dichterische Ernte der Jahre 1897 bis 1906. Er ist bestimmt durch eine Haltung der Rückbesinnung und des Rückblicks, bedeutet - nach der Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Dichtung (vor allem in den Übertragungen) - einen Abschluss vor einem Neubeginn.«
Neue Zürcher Zeitung, 21./22.6.1986
EAN: 9783608951134
ISBN: 360895113X
Verlag: Klett-Cotta Verlag
Erscheinungsdatum: Januar 1986
Seitenanzahl: 240 Seiten
Format: gebunden
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