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Die Familie Selicke


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Beschreibung

Beschreibung

Es gehört zu den Seltenheiten in der Literaturgeschichte, daß ein Werk gleich zwei Verfasser hat. Arno Holz und Johannes Schlaf ist solche Gemeinschaftsarbeit mit dem naturalistischen Drama »Die Familie Selicke« gelungen, über das Fontane schrieb: »Das Stück beobachtet das Berliner Leben und trifft den Berliner Ton in einer Weise, daß auch das Beste, was wir auf diesem Gebiete haben, daneben verschwindet ... Figuren, wie den >alten Kopelke< gezeichnet zu haben, könnte jeden Dichter, der mit seiner Kunst im modernen Leben steht, mit Stolz erfüllen.«

Portrait

Arno Holz, 26. 4. 1863 Rastenburg (Ostpreußen) - 26. 10. 1929 Berlin. H. kam mit seiner Familie - der Vater war Apotheker - 1875 nach Berlin und etablierte sich hier nach dem Besuch des Gymnasiums in den 80er-Jahren als freier Schriftsteller. Er gehörte dem kurzlebigen literarischen Verein Durch der Berliner Naturalisten an (1886- 1887), von 1887 bis 1892 lebte und arbeitete er zusammen mit J. Schlaf (gemeinsames Pseudonym Bjarne P. Holmsen). Streitigkeiten, die u. a. aus H.' dominierender Persönlichkeit und seinen Ansprüchen erwuchsen, führten zu einer Abkehr H.' von seinen naturalistischen Freunden und zunehmender Isolierung. Nach epigonalen Anfängen trat H. mit dem Buch der Zeit als Verfechter einer neuen realistischen Literatur auf und machte dabei auch die Großstadt und ihre Probleme zum Gegenstand seiner 'naturalistischen' Darstellung. Der Band enthält auch einen aus 13 Gedichten bestehenden Zyklus Phantasus, der das Schicksal eines armen, zu träumerischen Höhen¿ügen sich aufschwingenden Poeten in der Dachstube einer Berliner Mietskaserne schildert, Keimzelle für H.' späteres lyrisches Lebenswerk. Den entscheidenden Durchbruch zu einem konsequenten Naturalismus markieren die mit Schlaf verfassten Prosastücke Papa Hamlet und das Drama Die Familie Selicke, ebenfalls ein Gemeinschaftswerk, mit ihrem Versuch minutiöser, möglichst objektiver Wirklichkeitsdarstellung durch eine entsprechende sprachliche Realisierung mit Hilfe des Sekundenstils. Die theoretische Fundierung folgte in der zweibändigen Schrift Die Kunst. Ihr Wesen und ihre Gesetze: Kunst zielt auf eine genaue Wiedergabe der Natur, wobei jedoch menschliche Unvollkommenheit und die Beschaffenheit der Kunstmittel Grenzen setzen: Kunst = Natur - x, lautet H.' berühmte Formel, wobei das x, Folge der Beschränkungen, möglichst klein zu halten sei, auch durch die Abkehr von allen äußerlichen Kunstmitteln wie Strophenformen, Metrum, Reim usw. Die Vorstellung, dass eine Revolution der Kunst nur durch eine Revolutionierung der Kunstmittel möglich sei, suchte er in der Lyrik des Phantasus zu verwirklichen, den er als eine Art Lebenswerk mehrfach erweiterte und umarbeitete. Unverzichtbares formales Grundelement der Lyrik ist allein der Rhythmus. Im Gedicht ist die Zeile die letzte Einheit, wobei dann die unregelmäßig langen Zeilen um eine imaginäre Mittelachse angeordnet werden. Ausgangspunkt der Phantasus-Gedichte ist wie in dem frühen Zyklus der Dichter, der in seiner Phantasie die Welt verwandelt. Zugleich legte H. sein Werk im Anschluss an Ernst Haeckel als Weltgedicht des naturwissenschaftlichen Zeitalters an. H.' Formund Sprachtalent zeigt sich nicht zuletzt in den parodistischen Barockimitationen des Dafnis sowie in den der eigenen Selbstdarstellung dienenden Satiren auf ältere und neuere Dichter (Die Blechschmiede). Thema seiner Dramen sind ebenfalls Kunst und Künstler: satirische Auseinandersetzung mit seinen naturalistischen Weggefährten (Sozialaristokraten), Darstellung des Verhältnisses von Dichter und Welt mit Künstler¿guren im Mittelpunkt, die gegen die Verständnislosigkeit der Gesellschaft kämpfen (Sonnen¿nsternis, Ignorabimus). In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) - © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart. Johannes Schlaf, 21. 6. 1862 Querfurt (Sachsen) - 2. 2. 1941 ebd. Der Sohn eines Kaufmanns studierte seit 1884 in Halle und Berlin Altphilologie und Germanistik, brach das Studium aber ab, um sich seinen literarischen Plänen in Zusammenarbeit mit A. Holz zu widmen. 1893-97 musste er sich mehrfach in Nervenheilanstalten behandeln lassen. 1898 kam es zum Bruch mit Holz, dem jahrelange Auseinandersetzungen um den jeweiligen Anteil an ihren Gemeinschaftsarbeiten folgten (auch in einer Reihe von Romanen spielt Sch. auf die Beziehung zu Holz an). Von 1904 an lebte Sch. als freier Schriftsteller in Weimar, seit 1937 in Querfurt. Die unter dem Pseudonym Bjarne P. Holmsen gemeinsam mit Holz verfassten Werke, die Prosatexte der Sammlung Papa Hamlet und das Drama Die Familie Selicke, gehören zu den wichtigsten Beispielen eines 'konsequenten' Naturalismus, der durch eine minutiöse Wiedergabe aller Äußerungen und Details (Sekundenstil) eine neue Qualität der Wirklichkeitswiedergabe zu erreichen sucht. Daran schließt Sch.s Drama Meister Oelze an, eine düstere Geschichte von Verbrechen und Erbschleicherei. Doch mit dem Interesse an religiösen und psychologischen Fragen, das hier deutlich wird, zeichnet sich ein Wandel ab, der Sch. zum Impressionismus, zur Absage an die Dekadenz, zu einer an die Heimatkunst erinnernde Naturverbundenheit und schließlich zu (pseudo)wissenschaftlich begründeten mystischen Anschauungen auf der Basis eines geozentrischen Weltbilds führte. In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (UB 17664.) - © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.

EAN: 9783150089873
ISBN: 3150089875
Untertitel: 'Reclam Universal-Bibliothek'.
Verlag: Reclam Philipp Jun.
Seitenanzahl: 85 Seiten
Format: kartoniert
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