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Die Klavierspielerin


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kartoniert
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Oktober 1986

Beschreibung

Beschreibung

«Eine literarische Glanzleistung.» (Süddeutsche Zeitung) Von ihrer Mutter wurde sie unerbittlich zur Pianistin gedrillt. Und nun findet die Klavierlehrerin Erika Kohut nicht mehr aus der Isolation heraus. Unfähig, sich auf das Leben einzulassen, wird sie zur Voyeurin. Als einer ihrer Schüler ein Liebesverhältnis mit ihr anstrebt, erkennt sie, dass sie nur noch im Leiden und in der Bestrafung Lust empfindet. «Die Klavierspielerin» brachte Elfriede Jelinek den endgültigen Durchbruch. Michael Hanekes Verfilmung triumphierte auf dem Filmfestival 2001 in Cannes: Grand Prix der Jury und Darstellerpreise für Isabelle Huppert und Benoît Magimel. Die Autorin wurde für ihr Werk im Jahr 2004 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Innenansichten

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Portrait

Elfriede Jelinek, geboren 1946 in Mürzzuschlag/Steiermark, wuchs in Wien auf; mit vier Jahren Ballett- und Französischunterricht, in der Folgezeit umfassende musikalische Ausbildung; 1960 Klavier- und Kompositions-Studium am Wiener Konservatorium; 1964 Studium der Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien; 1967 Abbruch des Studiums, beginnt zu schreiben; Lyrik und Prosatexte erscheinen in Anthologien und Literaturzeitschriften. Elfriede Jelinek erhielt zahlreiche Literaturpreise, darunter den Georg-Büchner-Preis (1998). 2004 wurde ihr der Literatur-Nobelpreis verliehen.

Pressestimmen

Mich hat das Buch von der ersten bis zur letzten Seite in einen verführerischen Bann gezogen ... Wichtig ist das Buch nicht, weil es die (auch pornographischen) Phantasien des lesenden Voyeurs stimuliert, sondern weil der Roman ein besseres Verstehen über perverse Formen "abweichenden" Verhaltens bewirkt. Frankfurter Rundschau
EAN: 9783499158124
ISBN: 3499158124
Untertitel: 'rororo Taschenbücher'.
Verlag: Rowohlt Taschenbuch
Erscheinungsdatum: Oktober 1986
Seitenanzahl: 288 Seiten
Format: kartoniert

Durchschnittliche Kundenbewertung

Kundenbewertungen

joasch - 13.06.2009, 02:40
Völlig falsch verstanden.
Es ist das einzige Buch einer Gegenwartsautorin, daß mich über lange Zeit hin beschäftigt hat. Frau Jelinek wird als preisgekrönte Schriftstellerin sehr oft für ihre einzigartige Sprache gelobt. Gerade in dem Roman "Die Klavierspielerin" stieß ich auf eine Ausdrucksweise, die mich mit sehr gutem Hochdeutsch östereicherischer Schule konfrontierte. Ihre Sprache in diesem Roman ist von Adel. Ihr Stil, mitunter in eigenwilligen Schreibweisen auffällig, ist experimentell, an manchen Stellen in gewählter Weise plakativ und deshalb gleichermaßen interessant wie modern. Der Roman verdeutlicht mir ein akademisches Leben inmitten Wiens einer besonderen Frau die eine hochbegabte Pianistin ist, die den Rang einer Professorin erreichte. Die Kulissen sind großartig dargestellt. Die Protagonistin Erika Kohut ist von niemanden wirklich verstanden. Sie versteht sich am Ende auch selber nicht. Ist die Protagonistin krankhaft nymphoman? Ist sie wirklich, vom Überehrgeiz gezeichnet, sexuell dermaßen verhärmt, daß sie sich nur noch voyeuristisch sexuell befriedigen kann? Es sind die sich zwingend stellenden Fragen, wenn man den Roman bespricht. Wurde die Protagonistin am Ende vergewaltigt oder nicht? Diese Fragen waren in der Öffentlichkeit aufgeworfen, immer dann wenn man diesen Roman besprach. Immerhin stammt er aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Und dann stellte sich mir die Frage, ob dieser Roman wirklich pornogrifisch ist. Auch diesen Vorwurf mußte sich der Roman in der Vergangenheit gefallen lassen. Ich meine, er ist es absolut nicht. Der Roman lehrte mich ein Nachdenken über das Geschehene und ich fragte mich am Ende, ob Erika Kohut wirklich Opfer einer sexuellen Gewalt- bzw. Straftat wurde. Bereits während des Lesens hatte ich mich von dem Zwang gelöst, alles nur negativ zu betrachten, was der Frau Kohut in ihrem Leben so schief ging. Ich entdeckte in ihr eine gewisse Normalität, in ihrem Wesen eine nicht krankhafte sondern mutige Persönlichkeit. Sie handelt nicht verwerflich sondern natürlich und sie hat sich emanzipiert, in dem sie aus ihrer Klein-Mädchen-Rolle ausbrach. Sie spannte nicht; sie wollte wissen. Sie gab sich nicht hin; sie wollte erobert werden. Sie war verliebt in ihren Klavierschüler und sie wollte endlich befreit werden, von dem Stigma der akademisch verschlossenen Unberührbaren. Vielleicht wollte sie doch einen Ehemann - ein Kind? Der Roman schließt mit einer Vergewaltigungsszene; so wird es von den allermeisten Lesern erkannt. Tatsächlich hatte ich am Ende gemeint, daß der Klavierschüler kein Vergewaltiger ist sondern ein Opfer der Protagonistin. Ich hatte sehr darüber nachzudenken. Aber die Protagonistin handelt am Ende sehr großartig. Sie verzeiht (auch sich selbst) und sie erschien mir in ihrem Wesen als großartige Frau von der Bühne zu treten. Ein toller Roman. Der Nobelpreis machte mich auf ihn aufmerksam. Eine großartige Begegnung mit österreicherischer Literatur. Von feinstem. Joachim Schulz
Regina Neumann, Autorin - 09.10.2004, 16:17
Literatur-Nobelpreis für Elfriede Jelinek - Warum?
Ich bekam den Roman "Die Klavierspielerin" von einer Freundin geschenkt, die nach ungefähr der Hälfte aufgab. Ich gab nicht auf, aber ich warf zum ersten und bisher einzigen Mal in meinem Leben ein Buch in den Müll: dieses. Es ist eine traurige Geschichte, auch eine böse Geschichte, über menschliche Verzweiflung, Wut und Haß, eine Geschichte über vermeintliches Versagen, über Macht und Ohnmacht der Protagonisten. Das allein genügt schon, um zu wissen, es ist kein gefälliges, schönes Buch, keines, das bequem zu lesen wäre. Muß es auch nicht sein, aber Jelinek verschärft dies alles noch mit einer geradezu unerträglich brutalen, pornographischen, so hasserfüllten Sprache, daß es beinahe schmerzt, weiterzulesen. Der bisher am häufigsten zitierte Satz in der Begründung für die Vergabe des diesjährigen Literatur-Nobelpreises lautet:"...für den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen..." Die Reaktion kann nur ungläubiges Staunen sein, wenn man die Haßtiraden der Klavierspielerin auf ihre Mutter vor sich sieht, die Beschimpfungen zwischen Lehrerin und Schüler, die wie mit Glasscherben geschnittenen Gedanken, die sie auf ihren nächtlichen Voyeur-Streifzügen hat. Wenn wir beim Beispiel der Musik bleiben, ist dies alles so atonal, daß man Arnold Schönberg für einen Meister der Harmonie hält! Bekommt man den Literatur-Nobelpreis für Unbequemlichkeit? Man kann es fast annehmen. Böll war ein schwieriger, unbequemer Geist, ebenso ist es Grass. Aber beide haben durchaus poetische Qualitäten, die man bei Jelinek weit und breit vergeblich sucht, es sei denn, im negativen Sinne. Oder bekommt man ihn für Mut? Für den Mut, sich in den tiefsten menschlichen Abgründen zu suhlen, einer psychischen Kloake, und diese dann so aufs Papier zu kotzen, daß Bukowski neidisch würde? "...für den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen..." Ich erlaube mir nicht, die Entscheidung der Jury eine Fehlentscheidung zu nennen, dies wäre wohl vermessen. Aber ich erlaube mir, mich darüber zu wundern und mich zu fragen, wer einen solchen Satz in die Begründung dieser Preisvergabe geschrieben hat. Der Nobelpreis ist die höchste Auszeichnung für besondere Leistungen auf einem bestimmten Gebiet. Jelinek benutzt ihre Sprache als Waffe gegen den Leser, sie verletzt und reisst tiefe Wunden, ohne eine Heilung zu erfahren. Es hätte andere für den Nobelpreis gegeben. Andere - und bessere Autoren, weitaus bessere!