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Wäldchestag


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kartoniert
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Mai 2002

Beschreibung

Beschreibung

Andreas Maier präsentiert sich in seinem großen Debütroman als ein gerissener Erzähler mit einem gewaltigen Fabuliertalent. Gekonnt intoniert er einen vielstimmigen Chor, der dem Geheimnis eines Filous auf die Schliche zu kommen versucht. Sebastian Adomeit, Naturkundler und Ornithologe, über den man in seinem Wetterauer Provinznest mehr Mutmaßungen erzählt als Tatsachen, auch wenn er gar nicht so abgeschieden gelebt hat, wird zu Grabe getragen. Über sein Vermögen kursieren wilde Gerüchte, und Skandalöses munkelt man auch über seine Beziehung zur Schwester, die er vor vielen Jahren wegen eines unehelichen Kindes aus dem Haus gejagt haben soll. Adomeit hat seinen Tod so inszeniert, dass die Beerdigung ausgerechnet am Pfingstsonntag stattfindet. Die angereiste Verwandtschaft und all die Sensationshungrigen im Dorf müssen sich aber noch zwei weitere Tage gedulden, denn auch für die Testamentseröffnung ist vom Verstorbenen ein unpassender Termin festgelegt worden: der Pfingstdienstag, an dem man im Frankfurter Raum traditionell im Wald zusammensitzt und Wäldchestag feiert. Andreas Maier lässt seinen Erzähler berichten, was er in Kneipen, auf dem Friedhof, bei den Gesprächen zwischen den Einheimischen und Fremden aufschnappt, was ihm gebeichtet oder vertraulich als todsicher wahr hintertragen wird. So entsteht eine tollkühn erzählte Geschichte über einen gebeutelten Kerl, der der Welt auf beeindruckende Weise eine Nase dreht.

Portrait

Andreas Maier wurde 1967 im hessischen Bad Nauheim geboren. Er studierte Altphilologie, Germanistik und Philosophie in Frankfurt am Main und ist Doktor der Philosophie im Bereich Germanistik. Im Jahr 2012 wurde er mit dem Georg-Christoph-Lichtenberg-Preis "für sein bisheriges literarisches Gesamtwerk, mit dem er die über Jahrzehnte diskriminierte Heimatliteratur auf radikale Weise erneuert", ausgezeichnet und 2013 erhielt Andreas Maier den "Franz-Hessel-Preis". Er wohnt in Frankfurt am Main.

Pressestimmen

»Ein Autor wie sein Debüt: klug, verschmitzt, nie geschwätzig. Wie Philosophie liest sich beides, der Mann und sein Buch. Beide haben sie einen kraftvollen Sog, dem sich schwer zu entziehen ist.«
EAN: 9783518398814
ISBN: 3518398814
Untertitel: Roman. 'suhrkamp taschenbücher Allgemeine Reihe'. Neuauflage. mit einer Abbildung.
Verlag: Suhrkamp Verlag AG
Erscheinungsdatum: Mai 2002
Seitenanzahl: 315 Seiten
Übersetzer/Sprecher: Fotos von Jürgen Bauer
Format: kartoniert

Durchschnittliche Kundenbewertung

Kundenbewertungen

Elvira Hanemann - 04.12.2006, 23:29
Klatsch und Tratsch im Konjunktiv
Der Roman spielt in der Wetterauer Provinz, irgendwo in Hessen; den Wäldchestag gibt es wirklich, wie mir eine hessische Freundin (die das Buch übrigens begeistert verschlungen hat) bestätigte. Er findet um Pfingsten herum statt, war früher ein Riesenpicknick im Wald und ist mehr und mehr zu einer Art Jahrmarkt mit Würstchen- und Schießbuden verkommen. Eine hessische Volkstradition gewissermaßen. Die Handlung setzt ein mit dem Tod des Einzelgängers Adomeit, der es boshafter Weise geschafft hat, zu einem so ungünstigen Zeitpunkt zu sterben, dass den Dorfbewohnern ihr Pfingstfest vermasselt wird. Denn obwohl der sich für Natur- und Vogelkunde interessierende Adomeit nur zwei Freunde im Ort hatte, muss natürlich das halbe Dorf auf dem Begräbnis und dem anschließenden Leichenschmaus anwesend sein, man könnte ja etwas Wichtiges verpassen... Ja, und dann tobt die Gerüchteküche: warum hat Adomeit damals vor vielen Jahren seine Schwester aus dem Haus geworfen, was gibt es zu erben und wer bekommt es, etwa der tumbe Sohn (der nur seiner langweiligen Arbeit bei der Stromversorgung lebt), doch die wieder aufgetauchte und zur ¿feinen Dame¿ mutierte Schwester, etwa die Putzfrau, der nun plötzlich ein ¿sonderbares¿ Verhältnis zu Adomeit nachgesagt wird oder vermacht er es gar dem Ornithologenverein? Gibt es ¿ abgesehen von dem kleinen Häuschen ¿ überhaupt ein Vermögen? Und was bedeutet die Pistole, die im Wald vergraben wurde: Wer war Adomeit in Wirklichkeit? Der junge Schosser, sein Freund Schuster und die junge Katja, die wie aus dem Nichts auftaucht sind angewidert von der Tratscherei und Heuchelei, aber der Rest des Dorfes geilt sich unheimlich auf und erfindet viele Geschichten, wo es gar keine gibt. So ganz nebenbei entfaltet sich ein ländlicher Mikrokosmos: die Jugend, die versucht, zu entkommen, aber im Spießertum bereits ausweglos verfangen ist, der Pfarrer, der Anwalt, die Kleingärtner, die Neider, die Bösartigen und die Harmlosen, alles ist hier versammelt. Es gibt den Abenteurer, den Kleinkriminellen, die Aufschneider, endlose Besäufnisse, unglückliche und glückliche Liebesgeschichten, na ja , das ganze Leben eben... Selten habe ich eine derart treffende, witzige und pointierte Beschreibung von dörflicher Enge gelesen.
Ilse Junker - 07.11.2006, 09:52
FA-bel-haft!
Zugegeben, in diesen tollkühn erzählten Roman ist nicht leicht einzusteigen. Durchweg im Konjunktiv geschrieben, verlangt er gerade auf den ersten Seiten viel guten Willen - und wäre der "Klappentext" nicht so vielversprechend gewesen, hätte ich "Wäldchestag" vermutlich auch beiseite gelegt. So aber, habe ich ein erstklassiges Erstlingswerk erlebt und einen neuen Lieblingsautoren gefunden. Der Roman erzählt die Geschichte des Sonderlings Sebastian Adomeit aus der Wetterau bei Frankfurt, der so gar nicht in die dörfliche Biederkeit passen mag. Der asketische Konsumverweigerer zieht noch nach seinem Ableben den Unmut der Bevölkerung auf sich, indem er den Pfingsttag, der in dieser Region traditionell als "Wäldchestag" gefeiert wird, als Tag für die Testamentseröffnung auswählte. Ein Affront gegen die lokalen Gepflogenheiten - eben typisch Adomeit. Spekulationen der gerüchtebesessenen Dörfler um die Person des intellektuellen Sonderlings setzen ein ... Dieses Buch ist fa - bel- haft!