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Endmoränen


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gebunden
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August 2002

Beschreibung

Beschreibung

Das Ende des Sommers, lange als Zumutung empfunden, erlebt Johanna seit einigen Jahren als Erleichterung. Die Hoffnung, mit der Zeitenwende das wirkliche Leben erst zu beginnen, ist dem Gefühl gewichen, nichts zu können, was die veränderte Welt braucht. Früher hat sie geheime Botschaften in ihren Vor- und Nachworten und in überliefernswerten Biografien versteckt, eine plötzlich überflüssige Fähigkeit, wie auch die weltabgewandte Charakterfestigkeit von Achim, ihrem Mann, eine überflüssige Tugend geworden ist. Auf dem Land, in einer nordöstlichen Endmoränenlandschaft, versucht sie, gleichsam in einem Panoramablick, ihren biografischen Standort zu bestimmen, rückblickend, vergleichend und ratlos, was die vor ihr liegende Zeit angeht.
Johannas entschlossene und lebenskluge Freundin Elli benutzt das Wort Glück seit langem nur in seinen trivialen Zusammenhängen. Die erfolgreiche Malerin und Erbin eines Verwalterhauses Karoline Winter, vor jeder Flugreise in Todesangst, verzweifelt am Verfassen ihres Testaments, weil sie keine Erben hat. Christian, der alte Freund aus München, Lektor in einem Wissenschaftsverlag, erlebt den Sturz in die Bedeutungslosigkeit. Die Lebensentwürfe aller scheinen erschöpft, und die Zeit vor ihnen ist noch lang.

Portrait

Monika Maron ist 1941 in Berlin geboren, wuchs in der DDR auf, übersiedelte 1988 in die Bundesrepublik und lebt seit 1993 wieder in Berlin. Sie veröffentlichte u. a. die Romane >Flugasche<, >Die Überläuferin<, >Stille Zeile sechs<, >Animal triste<, >Pawels Briefe. Eine Familiengeschichte<, >Endmoränen< und >Ach Glück<, außerdem mehrere Essaybände und die Reportage >Bitterfelder Bogen<. Zuletzt erschien der Roman >Zwischenspiel<. Sie wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter dem Kleist-Preis (1992), dem Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg (2003), dem Deutschen Nationalpreis (2009) und dem Lessing-Preis des Freistaats Sachsen (2011).

Leseprobe

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EAN: 9783100488107
ISBN: 3100488105
Untertitel: Roman. Lesebändchen.
Verlag: FISCHER, S.
Erscheinungsdatum: August 2002
Seitenanzahl: 252 Seiten
Format: gebunden

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Elisabeth Stein-Salomon - 06.12.2006, 08:28
leise, aber von bedrängender, suggestiver Kraft
In ihrem Roman -Endmoränen- erzählt Monika Maron von Lebensentwürfen und Umbrüchen nach dem Ende der DDR und vom nahenden Alter. Die Ich-Erzählerin Johanna, die zu Zeiten der DDR stolz auf ihre unterschwellig kritischen Essays und Nachworte war, ist zwar erst um die 50, doch hat sie jetzt schon das Gefühl, dass niemand sie mehr braucht. Sie befürchtet, der ideelle Vorrat für ihr Leben sei aufgebraucht und sie selbst dazu verdammt, sich die übrige Zeit irgendwie zu vertreiben. Der Sommer ist vorbei, und Johanna bleibt länger als sonst in ihrem kleinen Sommerhaus , das sie sich zu DDR-Zeiten gekauft hat, als man sich noch vor der Zudringlichkeit des Staats in Nischen und aufs Land zurückgezogen hat. Ihr Mann kommt sie bisweilen besuchen, ansonsten geht er in Berlin seiner Kleist-Forschung nach. Johanna versucht derweil, mit einer Biografie über Wilhelmine Enke voranzukommen, der Geliebten und Vertrauten Friedrich Wilhelms des II. Doch es fällt ihr schwer eine Biografie ohne geheime Botschaften zu schreiben und so konzentriert sie sich darauf in der nordöstlichen Endmoränenlandschaft, gleichsam in einem Panoramablick, ihren biografischen Standort zu bestimmen. Viel Herbst ist in diesem Buch, viel Regen, viel Vergänglichkeit; es ist leise, aber von bedrängender, suggestiver Kraft.