EBOOK

Gifttiere


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Januar 2000

Beschreibung

Beschreibung

Wenn Tiere die chemische Keule schwingen, ist Vorsicht geboten. Züngelnde Schlangen, krabbelnde Spinnen und wuselnde Skorpione - aber auch schillernd bunte Fische, leckere Muscheln und das scheinbar harmlose Schnabeltier können uns gefährlich werden.
Wo drohen Bisse, Stiche und Vergiftungen?
Wie sind die Tiergifte zusammengesetzt?
Wie wirken sie?
Wie leistet man richtig Erste Hilfe?
Welche Therapien sind möglich und nötig?
Der Autor, Toxikologe am Institut für Rechtsmedizin
in Frankfurt, hat für jeden eine Antwort parat: für Biologen, Toxikologen, Apotheker, Ärzte, aber auch für Reisende.
Die zweite Auflage jetzt mit
- mehr Farbfotos
- mehr Gifttieren und
- mehr Infos über deren Gifte.
Die Hexenküche der Fauna: zum Greifen nah!
Aus dem Inhalt:
- Grundlagen und Hinweise
- Meerestiere
- Aktiv und passiv giftige Meerestiere
- Tiere des Festlandes
- Wirbellose
- Wirbeltiere

Pressestimmen

Herr der Gifte Mit 22 fiel Dietrich Mebs fast einem Reptil zum Opfer. Von seiner eigens aus Arizona importierten Krustenechse in den Handrücken gebissen, wurde der damalige Student ohnmächtig. Nach drei Minuten kam er wieder zu sich, schweißbedeckt erbrach er sich mehrfach, Lippen und Zungenspitze schwollen an. Als Mebs nach 25 Minuten in eine Klinik eingeliefert wurde, sackte der Blutdruck ab. Der Puls war kaum noch tastbar. Herzrhythmusstörungen stellten sich ein. Hand und Unterarm schwollen an und verursachten starke Schmerzen. Mehrere Stunden dauerte der Kampf der Ärzte. Dann hatten sie den leichtsinnigen Reptilienfreak gerettet. "Es hätte nicht viel gefehlt und die Echsen-Erfahrung wäre mein letztes Gifttier-Abenteuer gewesen", berichtet Mebs, heute 58. Folgen hatte die schmerzhafte Begegnung mit dem gefleckten Reptil, auch "Gila Monster" genannt, dennoch für Mebs: Gifttiere und Gifte sind seither seine große Leidenschaft. Mebs ist Toxikologe am Zentrum für Rechtsmedizin der Universität Frankfurt. Hauptamtlich analysiert der Wissenschaftler Blutgruppen und DNS-Proben potenzieller Verbrecher. Leuchtende Augen bekommt er jedoch erst, wenn die Rede auf Todesottern, Dickschwanz-Skorpione und Pfeilgiftfrösche kommt. Seit 1964 widmet sich der Wissenschaftler dem Getier mit den oft tödlichen Drüsenprodukten. Seine Doktorarbeit fertigte er in Brasilien an ("Herrlich die vielen Schlangen dort"). 1970 entschlüsselte er als Erster die Struktur eines komplexen Schlangengiftes. Mittlerweile gilt Mebs unter den weltweit etwa 500 Gifttierforschern als Koryphäe. Dutzende von Giften hat Mebs über die Jahre analysiert. Mit haarigen Vogelspinnen hantiert er, als wären es harmlose Softbälle. Inzwischen hat der Forscher fast die ganze Welt auf der Suche nach den Gifttieren bereist und ein Standardwerk über seine Leidenschaft verfasst. "In fast jeder zoologischen Gruppe gibt es Tiere, die unabhängig voneinander die tollsten Giftstoffe entwickelt haben", schwärmt der Forscher. Besonders fasziniert ist Mebs von der vielfältigen Wirkung der Toxine. Häufig komplex gebaut, greifen sie mit ausgeklügelten Mechanismen in die Biochemie des Opfers ein. Viele Schlangengifte etwa stören die Blutgerinnung. "Wenn irgendwo ein Loch im Körper ist, läuft das Blut dann einfach so heraus", beschreibt Mebs die fatale Wirkung. Andere Gifte zielen direkt auf das Nervensystem der Beute ab. Seine Blockierung führt etwa durch die Lähmung der Atemmuskulatur meist besonders schnell zum Tod: "Für die Tiere eine phantastische Methode, der Beute schnell Herr zu werden und gleichzeitig das eigene Risiko zu minimieren." Häufig ist es auch eine Kombination verschiedener biochemischer Mechanismen, die dem Opfer den Tod bringt. Als giftigstes Meerestier der Erde hat Mebs beispielsweise die Würfelqualle (Chironex fleckeri) ausgemacht - ein etwa 20 Zentimeter großes Gallertwesen mit rund zwei Meter langen Tentakeln, das vor den Küsten Australiens und Neuguineas durch den Pazifik schwebt. Kaum mehr als ein Sack voll Wasser, richtet Chironex seine Opfer mit einem besonders komplexen Giftgemisch zu Grunde. Seit Ende des 19. Jahrhunderts haben die Quallen allein in Australien mindestens 63 Menschen getötet. Kommt jemand mit den Tentakeln des Tieres in Berührung, reagiert es mit kriegerischer Präzision. Kleinen Harpunen gleich, schießen dann winzige Nesselfäden mit 40 000facher Erdbeschleunigung aus den Tentakeln heraus und injizieren das Gift. "Eine teuflische Sache", kommentiert Mebs. "Besonders Kinder, die im flachen Wasser planschen, sind gefährdet. Bei ihnen kann es in wenigen Minuten zum Herzstillstand kommen." Australien kann Mebs ohnehin all jenen nicht empfehlen, die schon beim Anblick einer Blindschleiche das Weite suchen: "Das ist eindeutig das Land mit den meisten Gifttieren." Vor allem die Schlangen des fünften Kontinents gelten als effektive Killer. Den Taipan, ein bis zu drei Meter langes, braunes Reptil, hält der Toxikologe gar für das giftigste Landtier überhaupt. "Zufällig gebissen wird allerdings ganz selten jemand", beruhigt Mebs. "Es erwischt immer Leute, die das Tier am Schwanz ziehen oder die Schlange unbedingt fangen wollen." Der Wissenschaftler weiß beispielsweise von einer 29-jährigen "Amateur-Herpetologin" zu berichten, die von einem Taipan in den rechten Daumen gebissen wurde. Aus dem Mund blutend, schaffte sie es gerade noch in eine Klinik, wo sie bewusstlos zusammenbrach. Trotz Antiserum musste die Frau vier Wochen lang künstlich beatmet werden, bis sie wieder zu sich kam. "Mich hat glücklicherweise nach der Krustenechse nie wieder etwas gebissen", freut sich Mebs. Gelegenheiten habe es allerdings genug gegeben. In Australien etwa habe er des Öfteren in Gegenden gezeltet, wo er erst am Morgen entdeckte, "was hier so alles rumkriecht". Die kostbarsten Gift-Schätze sind für Mebs allerdings auf Neuguinea zu heben. Erst 1990 machte ein amerikanischer Forscher dort die sensationelle Entdeckung, dass auch Vögel giftig sein können. Haut und Federn einiger Arten der dort heimischen Pitohui-Vögel enthalten Gift, das sonst nur in Pfeilgiftfröschen vorkommt. "Wie das Toxin in die Vögel kommt und wofür es da ist, weiß noch niemand", erzählt Mebs, der sich vor Ort von der "prickelnden" Eigenschaft des Giftes überzeugte, indem er sich eine Vogelfeder hinter die Unterlippe schob. Noch mehr begeistern den Toxikologen die Korallenriffe der Region. "Riffe sind ein hoch produktives System auf kleinstem Raum", sagt Hobby-Taucher Mebs. "Die Konkurrenz ist dort so groß, dass sehr viele Tiere Gifte entwickelt haben, um ihren Platz zu behaupten." In den Zwischenräumen der bunten Korallenstöcke hat der Forscher ein wahres "Wettrüsten" der Gifttiere beobachtet. Bunte Kegelschnecken jagen dort mit widerhakenbesetzten Giftpfeilen. Einige Seeigel verteidigen sich mit kleinen Giftzangen, von denen manche selbst Menschenhaut zu durchdringen vermögen. "Im Riff ist wunderbar zu beobachten, wie gerade bei den Giften im Laufe der Evolution immer wieder Gegenmechanismen entwickelt wurden", berichtet Mebs. Krustenanemonen etwa enthalten Palytoxin, einen der giftigsten Naturstoffe überhaupt. Trotzdem gebe es Würmer, die die Tentakeln der Nesseltiere "wie Rasierapparate" abraspelten, ohne irgendeinen Schaden davonzutragen. Einen Experten in der Abwehr von Giften hat der Forscher sogar vor seiner Haustür ausgemacht. Ein "wahres Wundertier" ist für Mebs der Igel. "Er ist gegen alle Schlangen resistent, die auf der Welt vor- kommen", berichtet der Wissenschaftler. Selbst Igel, die nie mit Schlangen in Berührung gekommen seien, überlebten den Biss einer Kobra problemlos. Wie der Mechanismus funktioniert, ist ein weiteres Rätsel der Gifttierforschung, dessen Lösung sich Mebs in Zukunft widmen will. Ängstliche Igel-Freunde kann der Forscher jedoch beruhigen: "Selber produziert das Tier kein Gift." In Deutschland sei die Chance, auf ein Gifttier zu treffen, ohnehin "gleich null", sagt Mebs. In den vergangenen 50 Jahren sei in Westdeutschland niemand mehr durch einen Kreuzotterbiss getötet worden. Allein bei Bienen- und Wespenstichen rät der Forscher zur Vorsicht. Etwa zehn Menschen pro Jahr kämen in Deutschland durch die Stiche der Hautflügler zu Tode, weil dadurch allergische Reaktionen ausgelöst werden könnten: "Bei sensibilisierten Zeitgenossen kann ein Stich in wenigen Minuten tödlich enden." Weil viele Gifte sehr effektiv etwa in die Funktion von Nerven eingreifen, hofft Mebs, dass in Zukunft etwa Hirnleiden wie Alzheimer mit wohl dosierten Mengen behandelt werden können. Bislang schreckten Pharmaunternehmen häufig wegen der Giftigkeit der biologisch hochwirksamen Substanzen noch vor deren Nutzung zurück, berichtet Mebs: "Niemand steckt Geld in eine Entwicklung, die später möglicherweise jemanden umbringt." Die positiven Aspekte der Gifte für den Menschen seien daher bislang auf wenige Ausnahmen begrenzt. So wird in Japan der Kugelfisch ("Fugu") als kulinarische Sensation gehandelt: ein schuppenloses Flossentier, das vor allem in den Innereien ein hochgiftiges Toxin enthält. Nur gewissenhafte Kochkunst bewahrt den "Fugu"-Liebhaber vor dem schnellen Gifttod. Der kulinarische Kick entstehe durch ein "leichtes Prickeln" auf der Zunge, der indes nur Japaner "in Ekstase versetzen" könne, berichtet Test-Esser Mebs. Höhepunkte anderer Art versprechen getrocknete Krötengifte, die in vielen Ländern der Welt als Aphrodisiakum Verwendung finden - allerdings nicht immer mit der gewünschten Wirkung. Mebs berichtet von dem Fall eines 26-jährigen Mannes, der in New Yorks Chinatown ein Mittel namens "Rock Hard" kaufte und einnahm. Die folgende Nacht konnte der Unglückselige noch mit Erbrechen und Durchfall überbrücken. Kurz nach der Aufnahme in ein Krankenhaus am nächsten Morgen starb er an plötzlich auftretendem Herzflimmern. © DER SPIEGEL - Vervielfältigung nur mit Genehmigung des SPIEGEL-Verlags
EAN: 9783804716391
ISBN: 3804716393
Untertitel: Ein Handbuch für Biologen, Toxikologen, Ärzte und Apotheker. 2. , neu bearb. und erweiterte Auflage. 320 meist farbige Abbildungen, 35 Formeln.
Verlag: Wissenschaftliche
Erscheinungsdatum: Januar 2000
Seitenanzahl: IX350
Format: gebunden
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