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Der Himmel ist für Gott, der Staat für uns


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Oktober 2000

Beschreibung

Beschreibung

Die Vorstellung, der Islam greife nach der Weltherrschaft und bedrohe unsere
westlich-säkulare Zivilisation, ist ein in den Medien häufig wiederkehrendes
Motiv. Schlagzeilen wie "ISLAM, Fundamentalisten - GEFAHR für uns alle?"
(Gala) oder "Islamisten auf dem Weg nach Europa - Zittern vor Allahs Kriegern"
(Focus) sind keine Seltenheit. Genährt werden diese Ängste nicht nur durch
den verbalen Radikalismus islamischer Fundamentalisten, sondern durch zahlreiche
Terrorakte: angefangen von der 444-tägigen Besetzung der US-Botschaft im
Iran 1980 über den grausamen Terrorkrieg der Islamisten gegen die Zivilbevölkerung
in Algerien, der seit 1992 an die 60.000 Tote gefordert hat, bis zum Doppelanschlag
auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania im August 1998, bei dem 257
Menschen ihr Leben verloren; verantwortlich dafür soll ein gewisser Ussama
Bin Laden sein. Albrecht Metzger hält es trotz allem für falsch, den islamischen
Fundamentalismus auf seine terroristischen Komponenten zu reduzieren. Der
Islamismus ist keineswegs eine einheitliche Bewegung, die sich über Ländergrenzen
hinweg gleichmäßig entfaltet. Er ist eine moderne, zugleich konservative
politische Bewegung, die auf Fortschritt setzt. Fortschritt steht für Stärke,
und Stärke bedeutet Unabhängigkeit von dem Willen fremder Mächte. "Der
Islam steht im Dienste der Menschen", so der jordanische Muslimbruder Bassam
Ammoush. "Er sagt nicht: 'Wartet auf den Himmel und vergesst das Leben
hier.' Der Himmel ist für Gott, dieser Staat ist für uns, und wenn wir
ihn nicht mögen, dann müssen wir ihn verändern." Abdallah Akwa, Mitglied
der Jeminitischen Partei für Reform: "Eines unseres Ziele ist es, die Gesellschaft
auf ein modernes Niveau zu heben. Wir glauben aber nicht, dass ein Leben
im High-Tech-Zeitalter notwendigerweise auch Nachtclubs und sexuelle Freiheiten
mit sich bringen muss. Wir glauben, dass fehlendes Vertrauen in die Familie
einer Gesellschaft schadet. Ich habe sogar Freunde in Deutschland, die
sagen, es gibt bei uns zu viele Freiheiten. Ich möchte eine saubere Gesellschaft
haben." Unabhängigkeit, vor allem von westlicher Dominanz, soziale Gerechtigkeit,
Gleichheit, Einheit, eine Gesellschaft ohne Laster und Korruption - das
sind stichwortartig die Ziele, die die Islamisten verfolgen, und zwar in
Ländern, in denen durchweg ein eklatantes Demokratiedefizit herrscht. Die
Islamisten stellen dort die wichtigste Oppositionsbewegung dar. Die fünf
Länderstudien Metzgers zeigen, dass sich die Islamisten durchaus am politisch
Machbaren orientieren. Dieser Pragmatismus kommt auch in ihrem Verhältnis
zu außerislamischen Gesellschaften zum Tragen. Denn anders, als man erwarten
sollte, sind viele von ihnen an einem Dialog mit dem Westen interessiert.
An einen Krieg der Zivilisationen zwischen dem Islam und dem Westen glauben
nur wenige. Trotz aller Attacken gegen westliche Arroganz und Dekadenz
halten die meisten Islamisten die europäischen und amerikanischen Demokratien
für durchaus gerechte Systeme. Was die Islamisten dem Westen jedoch vorwerfen,
ist, er praktiziere Demokratie und beachte Menschenrechte nur in seinem
eigenen Territorium. Wenn es aber um fremde Länder und Zivilisationen ginge,
setze er andere Standards an.
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EAN: 9783889775696
ISBN: 3889775691
Untertitel: Islamismus zwischen Gewalt und Demokratie.
Verlag: Lamuv Verlag GmbH
Erscheinungsdatum: Oktober 2000
Seitenanzahl: 238 Seiten
Format: kartoniert
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