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Menschenfalle Moskau


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Oktober 2001

Beschreibung

Beschreibung

Am 5. M¿ 1933 traf sich in der Moskauer Wohnung von Elsa und Hermann Taubenberger ein Kreis von KPD-Mitgliedern, von denen sich einige bereits aus der Zeit der M¿nchner R¿republik kannten. Der Ingenieur Taubenberger verf¿gte ¿ber ein privates Radio und man verfolgte und diskutierte gemeinsam die Ergebnisse der Reichtagswahl in Deutschland. Nach einer parteiamtlichen Untersuchung gerieten 1935 mehrere Teilnehmer dieser Wahlnacht aufgrund einer Denunziation ins Visier des stalinistischen Geheimdienstes. Eine vom NKWD angefertigte ¿ersicht listete 70 Personen oder ¿Verbindungen¿ auf, die seit 1936 nach dem Prinzip der Kontaktschuld als Teilnehmer der sogenannten ¿konterrevolution¿n, trotzkistisch-terroristischen Organisation¿ um Erich Wollenberg und Max Hoelz verhaftet, gefoltert, in den Gulag geschickt oder in Moskau erschossen wurden.

Reinhard M¿ller hat in jahrelangen Recherchen, insbesondere in Moskauer und Berliner Archiven, das Schicksal dieser Menschen, die im Exil in die ¿Menschenfalle¿ gerieten, anhand der Moskauer ¿Kaderakten¿ und der Untersuchungsakten des NKWD rekonstruiert. Zu den prominentesten Opfern geh¿rten die Witwe des im Konzentrationslager Oranienburg ermordeten Dichters Erich M¿hsam, die Brecht-Schauspielerin Carola Neher und Werner Hirsch, der fr¿here Chefredakteur der ¿Roten Fahne¿.

Der disziplinierte Kader hatte im Moskauer Exil seine bedingungslose Treue in den Beichtritualen der Selbstkritik durch das Gest¿nis seiner fr¿heren Parteis¿nden zu beweisen. Die archivierten Lebensl¿e bildeten neben Denunziationen die Grundlage f¿r ¿Dossiers¿ und Listen von ¿schlechten Elementen¿, die von der Kaderabteilung der Kommunistischen Internationale an das NKWD weitergereicht wurden. Auch Herbert Wehner lieferte 1937 sowohl f¿r die KPD wie f¿r das NKWD bereitwillig Meldungen ¿ber Zenzl M¿hsam, Erich Wollenberg und andere Emigranten. Permanente ¿erwachung, wechselseitige Bespitzelung und traumatische Angst geh¿rten zum Alltag der Moskauer ¿Politemigranten¿, von denen 1938 bereits 70 Prozent verhaftet worden waren.

Erich Wollenberg wurde als erster aus der Partei ausgeschlossen und fl¿chtete 1934 nach Prag. Max Hoelz, der ¿proletarische Robin Hood¿, beging die ¿Tods¿nde¿, Kontakt mit der deutschen Botschaft in Moskau aufzunehmen, und kam bald darauf in der N¿ von Nishni Nowgorod ums Leben. Zenzl M¿hsam, seit vielen Jahren mit Wollenberg befreundet, stand schon seit ihrer Prager Exilzeit, ebenso wie Carola Neher, unter Verdacht. Die Aussicht auf die Ver¿ffentlichung des Nachlasses von Erich M¿hsam hatte sie nach Moskau gelockt. Trotz heftiger internationaler Proteste wurde sie im Laufe der folgenden 20 Jahre dreimal verhaftet und verbannt, bis sie 1955 in die DDR ausreisen konnte. Hier wurde sie von der SED ¿betreut¿ und von der Stasi ¿berwacht.

Reinhard M¿ller beschreibt anhand der Schicksale einzelner Politemigranten und des Falls der konstruierten ¿Wollenberg-Hoelz-Verschw¿rung¿ die Strukturen des stalinistischen Terrors und die Funktionsweise der verflochtenen Verfolgungsb¿rokratien von NKWD, Kommunistischer Internationale und KPD.



Zum Autor:

Reinhard M¿ller, geboren 1944, studierte Geschichte, Germanistik und Soziologie. Seit 1991 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburger Institut f¿r Sozialforschung.

Portrait

Reinhard Müller, geboren 1944, ist Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich "Theorie und Geschichte der Gewalt" sowie Mitglied der Gesellschaft für Exilforschung.
EAN: 9783930908714
ISBN: 3930908719
Untertitel: Exil und stalinistische Verfolgung. Mit Abbildungen.
Verlag: Hamburger Edition
Erscheinungsdatum: Oktober 2001
Seitenanzahl: 501 Seiten
Format: gebunden
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