EBOOK

Der Hof im Spiegel


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kartoniert
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Mai 2001

Beschreibung

Beschreibung

»Jeder hat in einer Stadt seine persönliche Stadt.« »Ich bin ein Mensch vom Weg, am liebsten ist mir, im Zug zu sitzen zwischen den Ländern. Der Zug ist ein schönes Zuhause«, sagt Emine Sevgi Özdamar. Aber sie kommt auch an: an Orten wie »ihrem Hauptbahnhof« in Düsseldorf, in ihrer Wohnung dort, in Berlin Ost und West, in Amsterdam, in Istanbul - in den Theatern, in Lied- und Gedichtzeilen. Die Erinnerung an Menschen, Bilder, Situationen, Gespräche und Telefongespräche, Kindheit, Leben und Tod - alles verwebt sich mit genauen Beobachtungen des Hier und Jetzt zu einer Gedankenreise, die die Autorin auf ihre ganz eigene Weise in Bilder und Sprache formt. So versammelt dieser Band höchst lebendige und sehr persönliche Geschichten von der Erinnerung und Annäherung an Städte und Menschen, an Vertrautes und Fremdes. Emine Sevgi Özdamars Dankrede zum Erhalt des Adelbert-von-Chamisso-Preises rundet das Bild ab: mit ihrer Reise aus der türkischen in die neue, die deutsche Sprache. Was Joachim Sartorius zu ihrem Romandebüt Das Leben ist eine Karawanserei schrieb, gilt auch und gerade für dieses Buch: »Dem, der bereit ist, mitzugehen, schenkt die Özdamar ihre Gabe der Wahrnehmung.« 1991 Ingeborg-Bachmann-Preis 1992 Walter-Hasenclever-Preis 1994 Publishers Weekly Best Books of the Year 1995 International Book of the Year, Times Literary Supplement 1999 Adelbert von Chamisso-Preis 1999 Preis der LiteraTour Nord

Portrait

Emine Sevgi Özdamar, geboren 1946 in Malatya, Türkei. 1967-70, Schauspielschule in Istanbul. 1976 Regiemitarbeit an der Ostberliner Volksbühne bei Benno Besson und Matthias Langhoff. Schauspielerin am Bochumer Schauspielhaus und Filmrollen u.a. in "Yasemin" von Hark Bohm und "Happy Birthday, Türke" von Doris Dörrie. Eigene Stücke "Karagöz in Alamania", 1982, und "Keloglan in Alamania", 1991. Regiearbeit am Schauspielhaus Frankfurt. 1997/98 Schauspielengagement in Frankreich unter der Regie von M. Langhoff und in dem Film "Die Reise in die Nacht", Regie: Matti Geschonnek. Die Romane der Autorin erschienen in 10 Sprachen.§Im Jahr 2010 wurde ihr die Carl-Zuckmayer-Medaille verliehen.

Pressestimmen

"Eine Stimmung gleich einem südlichen Traum." Rheinische Post
EAN: 9783462030013
ISBN: 3462030019
Untertitel: Erzählungen. 'KIWI'.
Verlag: Kiepenheuer & Witsch GmbH
Erscheinungsdatum: Mai 2001
Seitenanzahl: 131 Seiten
Format: kartoniert

Durchschnittliche Kundenbewertung

Kundenbewertungen

Elvira Hanemann - 04.12.2006, 20:36
sehr lesenswertes Bändchen mit Erzählungen
Der nur 131 Seiten lange Erzählungsband ist gleich im Original als Taschenbuch erschienen, was zwar gut für den Geldbeutel ist, aber leider auch ein Hinweis darauf, dass Erzählungen und Kurzgeschichten in Deutschland ein völlig unterbewertetes Genre sind. Es sind 8 Erzählungen, Essays und eine Dankrede, die sie anlässlich der Verleihung des Adalbert-von-Chamisso ¿Preises 1999 gehalten hatte. Ganz herausragend ist die erste Geschichte, nach der auch das Buch heißt, alles andere sind streng genommen keine richtigen Erzählungen, sondern Momentaufnahmen, Essays, Reisebeschreibungen und tagebuchartige Aufzeichnungen. Wie bei allen derartigen Sammlungen sind nicht alle von gleicher Qualität, aber gut sind sie alle. Mein Fazit: ein sehr schönes Bändchen, auch von der Titelbildgestaltung her sehr ansprechend, ein lesenswertes Buch! Die Titelgeschichte ¿Der Hof im Spiegel¿ ist die längste Geschichte, alleine diese hätte sich schon zur Veröffentlichung gelohnt. Beschrieben wird eine Zeitspanne, in der die Ich - Erzählerin in Berlin lebt, in einem typischen Haus mit Hinterhof und in ihrem Spiegel zum Hof die Menschen aus dem Haus und die Nachbarn beobachtet. Nein, beobachtet ist der falsche Ausdruck: sie lebt mit ihnen durch diesen Spiegel, sie lebt mit der alten Nonne, die so gerne ¿Alice im Wunderland¿ liest, mit der jungen Nonne, über deren schönes Lachen sie sich jedes Mal freut,mit den Fernsehmechanikern, der brotbackenden Afrikanerin, dem arbeitslosen Baudelaire zitierenden Hartmut, dem Herrn Volker, dessen Schritte sich ¿ seit sein junger Liebhaber ihn verlassen hat ¿ immer so traurig anhören und mit der Katze im Hof. Da aber ihr Telefon vor dem Spiegel steht, leben im Spiegel auch die Menschen, mit denen sie jeweils spricht, ihre Mutter in Istanbul, der türkische Dichter Can Yücel und, ihre Freundinnen. Immer wieder bezieht sie das, was sie gerade sieht in ihre Telefonate mit ein und lebt so auf zwei Ebenen gleichzeitig. Auch ihren Toten gibt sie einen Platz im Spiegel und stellt sich vor, dass sich manche erst nach dem Tod in ihrem Spiegel kennen lernen. Der Spiegel zum Hof hat sehr viel Platz für Menschen, Bilder , Tiere, Tote und für noch mehr Geschichten und Gedichte... Eine eigenartige Idee, seine unmittelbare Umwelt durch einen solchen Spiegeltrick zu beschreiben, aber es funktioniert, sogar ganz wunderbar. Der Spiegel ist wie ein Focus, in dem die unterschiedlichsten Elemente ihres Lebens sichtbar werden.