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Geschlechterdings


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gebunden
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August 1990

Beschreibung

Beschreibung

Der Text, der diesem Band den Titel gibt, «geschlechterdings, eine orgie», schlägt den Hauptton dieser «Gedichte» an - das Sprachspiel und das Spiel mit der Erotik stehen in ihrem Zentrum. Orgie, als poetische Methode verstanden, bedeutet Ausschweifungen und Turbulenzen in der Semantik, das Fremdgehen von Wörtern, ihr Zusammengehen (lat. «coitus») außerhalb ihrer gewohnten Verhältnisse, überraschende Verknüpfungen und Kombinatorik in der Sprache. Auch hinter der Moderates verneigenden Bezeichnung «Chansons» verbirgt sich schärfere Kost. «als chansons bezeichne ich gedichte, die meist auf eine eben chansonhafte vertonung hin geschrieben sind, also überwiegend mehr oder weniger eingängig gereimte strophenformen aufweisen - wenn auch eine reihe von ihnen an die grenze dessen (oder gar darüber hinaus) gehen mag, was als unterhaltend noch toleriert wird.» (g.r.) - In der Tat: Sie sind witzig, höhnisch, gotteslästerlich und obszön, und man wünschte ihnen, daß sie Volkslieder würden! Zum Beispiel, vom Autor auch in Musik gesetzt das herrlich anzügliche Chanson «ich küsse heiss den warmen sitz / da wo du breit gesessen bist...» Und die «Romanzen» schließlich, eigentlich Liebesgeschichten, bescherten Gerhard Rühm eine Anzeige wegen Verletzung der öffentlichen Sittlichkeit die Erstauflage seiner «thusneldaromanzen» (Eremiten-Presse 1968), die hier wieder zugänglich gemacht werden, wurde vorübergehend eingezogen. Zwar ist der Name der Frau einem Roman des von Rühm hochgeschätzten Barockdichters Caspar Daniel von Lohenstein entlehnt aber der Thusnelda-Zyklus ist darum nicht Parodie der Barocklyrik, sondern reinste schwarze Romantik. Der verführerische Eröffnungstext, «ferner duft und süße träume / schweben weben in dem raum», lädt ein zu zarten sadistischen Verruchtheiten...

Portrait

Gerhard Rühm, 12. 2. 1930 Wien. Der Sohn eines Mitglieds der Wiener Philharmoniker bereitete sich zunächst auf eine Musikerlaufbahn vor und studierte Klavier und Komposition, wandte sich dann aber im Rahmen der von ihm mitbegründeten 'Wiener Gruppe' der Literatur zu. 1964 zog er nach Berlin, 1972 übernahm er eine Professur für Graphik an der Kunsthochschule in Hamburg. Seit 1975 lebt er in Köln und Hamburg.

Leseprobe

der stier

ich bin eines stieres gattin
denn mein vater hat ihn
voll strotzender kraft
heuer am viehmarkt gekauft

ich bin eines stiers geliebte
denn brünstiger mich schiebte
und kräftiger nie noch ein mann
ein mann zuvor

drum betreibe ich nachts sodomie
drum betreibe ich nachts sodomie
aber fragt mich aber fragt mich
aber fragt mich nur nicht wie

(1953)

EAN: 9783498057299
ISBN: 3498057294
Untertitel: Chansons, Romanzen, Gedichte.
Verlag: Rowohlt Verlag GmbH
Erscheinungsdatum: August 1990
Seitenanzahl: 320 Seiten
Format: gebunden
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