EBOOK

Top Dogs


€ 10,00
 
kartoniert
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April 2004

Beschreibung

Beschreibung

Widmers Königsdrama über die Kündigungskultur wird in aller Welt gespielt. "Das Thema könnte brisanter gar nicht sein: Es heißt: strukturelle Arbeitslosigkeit - es ist das Dilemma der westlichen Industrie- und Wohlstandsgesellschaft. Doch anders als sonst wird das Thema ganz vom Kopf her aufgezäumt. Nicht um Underdogs geht es hier, sondern um TOP DOGS. Um Spitzenmanager also, die im Zuge global bedingter Umstrukturierungen entlassen wurden und die sich jetzt, zwecks Schockabfederung, Enttäuschungsverarbeitung und späterer beruflicher Reintegration, in einem Züricher Outplacement-Büro zusammengefunden haben. Wichtig ist der Perspektivenwechsel. Präsentiert wird ein Königsdrama der Wirtschaft, nicht ein Kleine-Leute-Stück. Das bugsiert das Spiel aus den Grauzonen der üblichen Sozialreportage heraus, sichert ihm überraschende Einsichten - und Witz: Ein klein wenig Schadenfreude, natürlich, ist auch dabei - schon tröstlich zu wissen, dass es auch `die da oben¿ jederzeit treffen kann. Lachend, bestens unterhalten, aber immer wieder auch in Beklommenheit begreifen wird: Da ist etwas faul, nicht nur im Staate Helvetia; da bahnt sich weltweit ein ziemlich wölfischer Kapitalismus seinen Weg - in seiner Inhumanität notdürftig getarnt hinter den phraseologischen Fassaden eines dynamischen Neoliberalismus; da wird der Mensch, sofern er nicht gerade als Verbraucher benötigt wird, zunehmend überflüssig; da müssen Manager nicht nur ihre Untergebenen, sondern am Schluss auch sich selbst entlassen - das ist die groteske Logik der Ökonomie. Die Globalisierung frisst ihre Kinder." (Gerhard Jörders Preisrede auf TOP DOGS beim Berliner Theatertreffen 1997)

Portrait

Urs Widmer, geb. 1938 in Basel, studierte Germanistik, Romanistik und Geschichte in Basel, Montpellier und Paris. 1966 promovierte er mit einer Arbeit über die deutsche Nachkriegsprosa. Danach arbeitete er als Verlagslektor im Walter Verlag, Olten, und im Suhrkamp Verlag, Frankfurt. Urs Widmer lebte und arbeitete als Schriftsteller in Zürich. Er war verheiratet und hatte eine Tochter. 2007 erhielt Urs Widmer den "Friedrich-Hölderlin-Preis" der deutschen Stadt Bad Homburg und 2013 den "Jakob Wassermann Preis". Der Autor verstarb im April 2014.
EAN: 9783886611898
ISBN: 3886611892
Untertitel: 'Theaterbibliothek'.
Verlag: Verlag Der Autoren
Erscheinungsdatum: April 2004
Seitenanzahl: 91 Seiten
Format: kartoniert

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Polar - 12.04.2008, 15:18
Kastensturz
Vermutet haben wir es schon lange, auch wenn wir es nicht gerne wahrhaben wollen. Immer dann wenn uns ein Kredit nicht gewährt, Arbeitsplatzabbau begründet, die Globalisierung verteidigt wurde, blieb als einziger Trost die Hoffnung, dass die da oben irgendwann auch an der Reihe wären. Top Dogs zeigt: Manager sind auch nur Menschen, man sieht es ihnen nur nicht an. Ihr Charakter verschwindet unter gestärkten Oberhemden und in Einheitsanzügen. Einmal vor die Tür gesetzt beginnt bei Ihnen genauso das Lamentieren, Klagen, Jammern wie bei allen anderen Arbeitslosen. Allerdings erscheint ihr Sturz umso gravierender, da sie sich lange Zeit im Olymp, unangreifbar wähnten. Urs Widmer hat dieses Drama um Macht und Scheitern humorvoll eingekleidet. Seine Helden werden zwar bloßgestellt, aber erwirken sofort Mitleid. Das Drama als Tragödie des nach Einfluss und Macht gierenden Entscheidungsträgers, über dessen Kopf hinweg entschieden worden ist. Wenn ich es gewohnt bin, Mitarbeiter zu führen, mit ausgestrecktem Finger in die Zukunft zu weisen, ist es bitter, miterleben zu müssen, dass es eine Zukunft ohne mich gibt. Die Selbsthilfegruppe, die Widmer für sie als Auffangbecken ins Leben ruft, hat viel zu tun. Die Schicksale scheinen so unterschiedlich zu sein und bleiben im Kern dieselben. Man wird nicht mehr gebraucht. Wer ist man überhaupt, wenn man nicht mehr mitspielen darf? Gibt es ein Leben nach der Abfindung? Mit Widmer gehen wir auf die Suche danach.