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Die Stille ist ein Geräusch


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Mai 2002

Beschreibung

Beschreibung

"Mutiger als jeder Kerl und neugieriger als jeder Journalist" (Amica) fährt Juli Zeh durch ein zerstörtes Land, einen Kriegsschauplatz, bis heute durch zahllose Minenfelder das gefährlichste Land Europas. Entstanden ist eine der eindringlichsten Reiseschilderungen, geschrieben von einer Autorin, die zeigt "dass die Darstellung der Wahrheit immer noch eine lohnende Sache sein kann." (Peter Henning in der Weltwoche) Juli Zehs Reise führt sie unter anderem nach Jajce, Sarajewo, Mostar, Trebinje, Sanski Most, Tuzla, Srebrenica, Banja Luka, Bihac: Kriegs-Orte im nunmehr friedlichen Bosnien, verwundete Landschaften - und noch immer traumhaft schöne Städte und Plätze voller Geschichte und Geschichten.



Portrait

Juli Zeh wurde in Bonn geboren und studierte Jura in Passau und Leipzig, wo sie 1998 ihr Erstes Staatsexamen machte. Ebenfalls in Leipzig studierte sie von 1996 bis 2000 am Deutschen Literaturinstitut (DLL), an das sie später als Dozentin zurückgekehrt ist. Nach ihrem Diplom am DLL folgte 2003 das Zweite Staatsexamen. Zahlreiche Auslandsaufenthalte u.a. für die UN in New York und Krakau und vor allem in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina haben ihre Arbeiten geprägt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Deutschen Bücherpreis, dem Rauriser Literaturpreis, dem Hölderlin-Förderpreis, dem Ernst-Toller-Preis und dem Solothurner Literaturpreis.Ihr erster Roman ADLER UND ENGEL erschien 2001. Ihr Roman SPIELTRIEB wurde 2006 am Hamburger Schauspielhaus für die Bühne dramatisiert. ALLES AUF DEM RASEN versammelt ihre Essays zu Gesellschaft, Politik, Recht und Literatur, die in großen deutschen Zeitungen und Magazinen erschienen sind. 2007 erschien ihr Roman SCHILF, 2009 CORPUS DELICTI.2010 wurde Juli Zeh an der Universität Saarbrücken zum Dr. jur. promoviert. In ihrer Dissertation DAS ÜBERGANGSRECHT beschäftig sie sich mit der Rechtsetzungstätigkeit von Übergangsverwaltungen am Beispiel von UNMIK im Kosovo und dem OHR in Bosnien-Herzegowina. Insgesamt wurde ihr Werk bisher in 35 Sprachen übersetzt. Zusammen mit Ilija Trojanow schrieb sie ANGRIFF AUF DIE FREIHEIT, das 2009 bei Hanser erschien. 2012 erschien in der edition Körber ihr neues Sachbuch DIKTATUR DER DEMOKRATEN - WARUM OHNE RECHT KEIN STAAT ZU MACHEN IST. Ebenfalls 2012 erschien ihr neuer Roman NULLZEIT.

Pressestimmen

"Ich will sehen, ob Bosnien-Herzegowina ein Ort ist, an den man fahren kann, oder ob es zusammen mit der Kriegsberichterstattung vom Erdboden verschwunden ist."
Wie so oft, ist das, wohin man kommt, nicht das was man erwartet. "Und wieder einmal hab ich's doch geglaubt, nämlich, dass Tuzla hässlich sei. Und wieder einmal schmerzt die Schönheit efeubewachsener Gemäuer, wieder einmal flanieren Massen lächelnder Menschen."

Juli Zeh fährt 2001 nur mit ihrem Hund nach Bosnien. Alle warnen sie, diese Reise ist gefährlich. Bosnien ist kein Ort, an den man fahren kann. Wie wahr. Schon die Abfahrt am Busbahnhof in Zagreb gestaltet sich schwierig. Hunde sind im Bus nicht erlaubt, der Bestechungsversuch scheitert. "Jeder weiß, auf dem Balkan gibt es Probleme mit der Korruption." Mit Hilfe einiger Frauen, die den Busfahrer ablenken, gelingt es ihr, den Hund in den nächsten Bus zu schmuggeln und unter dem Sitz zu verstecken.

Sie findet eine schmerzhaft-schöne Landschaft, glühende Hitze, wilde Feigen zum Abwinken, selbst in Sarajevo Stadtteile, die immer noch Orient und Okzident in einem zeigen.
Nicht dass der Krieg nicht stattgefunden hätte, dass es keine zerschossenen Häuser, keine gesprengten Brücken, keine Warnungen vor Minenfeldern gäbe. Die verschiedenen internationalen Organisationen, jede mit anderem Auftrag und als ein Waldbrand ausbricht, weiß niemand, wer für's Löschen zuständig ist und ob derartiges durch ihren Auftrag gedeckt ist. Aber daneben Menschen, die so normal scheinen. Eine weibliche Dj in Tuzla. Und die Autorin versucht gar nicht erst, eine weitere Erklärung für den Krieg zu finden. Sie erzählt von ihrer Reise, von dem, was sie sieht und von dem, was ihr Journalisten, Balkanhelden nennt sie sie, erzählen, die alles durch die Balkanbrille sehen und melden, was man daheim lesen will.

Juli Zeh hat einen Reisebericht geschrieben, der beunruhigend direkt ist und mich ahnen lässt, wie verdammt nahe Hass und Normalität, extreme Grausamkeit und Freundlichkeit liegen können - überall auf dieser Welt.

Wambaugh, Krimiautor und zwanzig Jahre Cop in San Diego hat es mal auf den Punkt gebracht: Polizisten sind Zyniker, nicht weil sie mit besonders schlimmen Menschen zu tun haben, sondern mit normalen Menschen in ihren schlimmsten Momenten. Aber das wäre nur ein neuer Erklärungsversuch von mir und die Autorin hat gut daran getan, erst gar keinen zu versuchen. Sie hat die Balkanbrille zu Hause gelassen und deshalb mehr gesehen als mancher andere.

© hpr - www.literature.de - Das Literaturportal

EAN: 9783895610554
ISBN: 3895610550
Untertitel: Eine Fahrt durch Bosnien. Lesebändchen.
Verlag: Schoeffling + Co.
Erscheinungsdatum: Mai 2002
Seitenanzahl: 263 Seiten
Format: gebunden
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