EBOOK

Sommerliebe


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September 2011

Beschreibung

Beschreibung

eine Anthologie aus acht sinnlich-romantischen, humorvollen und erotischen Gay -Love -StorysNico Morleen: Volltreffer-Liebe auf den ersten SchussWenn Amor pfuscht, muss man(n) die Sache eben selbst korrigieren und dabei manchmal zu ungewöhnlichen Mitteln greifen...C. Flage: La FlorencesFantasie und Wirklichkeit - unter La Florences glühender Tropensonne verschwimmen die Grenzen für jeden, der einen Fuß auf die Insel setzt.Karo Stein: KlammeräffchenDaniel will eigentlich nur ein schönes Wochenende mit seinen Freunden verbringen und trifft dort auf Levi, der seinem Namen alle Ehre macht. Daniel kommt einfach nicht mehr von ihm los. Aber will er das überhaupt?Raik Thorstad: FintitoEine verregnete Sommernacht in Osnabrück, und Marco muss sich klar werden,was im Leben wichtig ist - oder auch nicht.Chris P. Rolls: Robertos AngebotNach einer wilden Party wacht der 18jährige Roberto mit Kopfschmerzen auf. Ein lautes Stöhnen erweckt seine Neugier. Bei der Suche nach der Ursache, trifft er auf Elliot, der gerade intensiv mit sich selbst beschäftigt ist...Raik Thorstad: Fahrendes VolkDie Schwestern Feuer, Nacht und Musik bestimmen das Leben der fröhlichenRanasici-Zigeuner; nur Bjanar mag sich dem wilden Reigen in der Wagenburg nicht anschließen. Nicht, solange Tandur nicht heimkommt.Karo Stein: ErdbeerdaiquiriAls Tom erwacht, befindet er sich in einer äußerst ungewöhnlichen Lage. Doch zum Glück bekommt er Hilfe und am Ende sogar noch ein wenig mehr...Isabel Shtar: Elf auf der CouchDer neuste Patient des Gefängnispsychologen Wilhelm treibt diesen arg an seine Grenzen, behauptet er doch, ein waschechter Elf zu sein.

Inhaltsverzeichnis

Nico Morleen: Volltreffer-Liebe auf den ersten Schuss
Wenn Amor pfuscht, muss man(n) die Sache eben selbst korrigieren und dabei manchmal zu ungewöhnlichen Mitteln greifen...
C. Flage: La Florences
Fantasie und Wirklichkeit - unter La Florences glühender Tropensonne verschwimmen die Grenzen für jeden, der einen Fuß auf die Insel setzt.
Karo Stein: Klammeräffchen
Daniel will eigentlich nur ein schönes Wochenende mit seinen Freunden verbringen und trifft dort auf Levi, der seinem Namen alle Ehre macht. Daniel kommt einfach nicht mehr von ihm los. Aber will er das überhaupt?
Raik Thorstad: Finito
Eine verregnete Sommernacht in Osnabrück, und Marco muss sich klar werden, was im Leben wichtig ist - oder auch nicht.
Chris P. Rolls: Robertos Angebot
Nach einer wilden Party wacht der 18jährige Roberto mit Kopfschmerzen auf. Ein lautes Stöhnen erweckt seine Neugier. Bei der Suche nach der Ursache, trifft er auf Elliot, der gerade intensiv mit sich selbst beschäftigt ist...
Raik Thorstad: Fahrendes Volk
Die Schwestern Feuer, Nacht und Musik bestimmen das Leben der fröhlichen Ranaci-Zigeuner; nur Bjanar mag sich dem wilden Reigen in der Wagenburg nicht anschließen. Nicht, solange Tandur nicht heimkommt.
Karo Stein:Erdbeerdaiquiri
Als Tom erwacht, befindet er sich in einer äußerst ungewöhnlichen Lage. Doch zum Glück bekommt er Hilfe und am Ende sogar noch ein wenig mehr...
Isabel Shtar: Elf auf der Couch
Der neuste Patient des Gefängnispsychologen Wilhelm treibt diesen arg an seine Grenzen, behauptet er doch, ein waschechter Elf zu sein.

Portrait

Raik Thorstad: Wer ist Raik Thorstad - oder auch Tasmanian Devil? Gute Frage. Ein Nordlicht, das zwischen seinen Leidenschaften Schreiben und Musik (gelernter Musikalienhändler und Mitarbeiter diverser Musikmagazine) hin- und herpendelt, und sich unlängst für die Feder entschieden hat. Allerdings nicht für ein festes Genre. Psychologie, Historie, Endzeit, Fantasy. Warum sich Grenzen setzen?
Im September 2011 erscheint der erste Roman "Leben im Käfig" hier beim FWZ-Verlag.
Der Autorenblog: http://www.raikthorstad.blogspot.com
Nico Morleen: in Hattingen geboren lebt die Autorin auch heute noch im Ruhrgebiet. Schon seit ihrer Jugend schreibt sie aus Leidenschaft und verfasst seit einigen Jahren hauptsächlich homoerotische Liebes- und Fantasyromane.
Ihr Autorenblog:: http://nicomorleen.blogspot.com
Chris P. Rolls: studierte Pädagogik in Hamburg, heute arbeitet sie als Reitlehrerin/Pferdetrainerin und betreibt einen Pferdehof.
Schon früh dem Schreiben verfallen, liegt ihre besondere Leidenschaft im Bereich Fantasy und Homoerotik. Zurzeit schreibt sie an einem homoerotischen Fantasyroman neben weiteren kleineren Projekten
Ihr Autorenblog:: http://chrisrolls.blogspot.com
Karo Stein: lebt mit Ihrer Familie in einer kleinen Stadt im Harzvorland. Neben Ihrer Familie ist das Schreiben mittlerweile zu Ihrer größten Leidenschaft geworden. Sie hat sich auf homoerotische Belletristik spezialisiert.
Ihr Autorenblog:: http://crazykath74.blogspot.com
C. Flage: lebt und arbeitet seit dem Abschluss ihres Studiums in und um Berlin. Schreibtechnisch gesehen bevorzugt sie das Genre Urban Fantasy als Spielwiese. All die Möglichkeiten! Generell gesehen orientiert sie sich aber nicht unbedingt an Genregrenzen.
Sie spielt gern mit Worten und Stilelementen, mit Charakteren und Ideen und liebt es, Leser mit auf die Reise in fremde Welten zu nehmen.
Isabel Shtar hat Kunstgeschichte und Klassische Archäologie studiert. Verwurzelt in Norddeutschland gilt ihre Leidenschaft neben dem Schreiben dem Reisen sowie ihrem äußerst gelehrigen, aber nicht immer kooperativen Nymphensittich. Aktuell arbeitet sie an verschiedenen homoerotischen Romanen, die Fantastisches und Reales auf unterschiedliche Weise miteinander vermischen.

Leseprobe


Volltreffer-Liebe auf den ersten Schuss
von Nico Morleen (Zoya)
"Was hab ich dir eigentlich getan? Ja gut, das mit dem Fußball war blöd, aber dafür hab ich mich doch schon zigmal entschuldigt!", fuhr Jörn frustriert fort. Gute Frage, was hatte Jörn ihm getan? Er war nett zu ihm und brachte ihn durcheinander. Er hatte so lange von einer unerreichbaren Person geträumt, dass es ihm nun Angst machte, solche Gefühle auch für jemanden zu empfinden, der greifbar war. Und aus diesem Grund biss er um sich, versuchte Jörn auf Abstand zu halten, damit dieser ihm nicht zu nah kam.
"Mann, hör doch mal mit dem Käse auf! Du bist doch gar nicht fett!", unterbrach ihn Jörn heftig und Moritz schnaubte abfällig.
"Du solltest mal zum Optiker gehen. Ich hab einen Spiegel und weiß, wie ich aussehe."
"Anscheinend nicht."
"Das Gelaber kannst du dir ebenfalls sparen. Du musst mein Ego nicht aufpolieren. Lass mich einfach in Ruhe!", brüllte Moritz Jörn an. Plötzlich brannten seine Augen und ein Kloß schnürte seine Kehle zu. Er würde ihm so gerne glauben. Wünschte sich, dass Jörn ihn anders sah. Wie sehr, merkte er erst jetzt. Aber das war Unsinn! Jörn sagte das, weil er ihn nicht verletzen wollte und man sonst niemandem ins Gesicht sagte, dass derjenige eine fette Qualle war. Da er nicht vor ihm in Tränen ausbrechen wollte, drehte er sich um und rannte los. Es war ihm egal, dass er klatschnass wurde; zumindest, bis er die ersten Schritte unter dem Vordach hervor in den Regen getreten war und ein Blitz über den grauen Himmel zuckte, gefolgt von einem lauten Donnerschlag. Verdammt! Widerwillig drehte er um, stellte sich jedoch, so weit es ging, von Jörn entfernt an die gegenüberliegende Wand.
Eine Weile sagte keiner von ihnen ein Wort, bis Jörn das Schweigen brach. Dies zunächst so leise, dass der Regen fast seine Worte schluckte. "Meinst du, ich hab keine Komplexe? Meinst du, es ist schön, immer nur der kleine Bruder des ach so tollen Torben zu sein und nie a
n diesen heranzukommen, egal was man macht? Immer die zweite Wahl zu sein? Sogar du ..." "Was ich?", zischte Moritz, wirbelte zu ihm herum und war überrascht, wie nah Jörn ihm gekommen war. Sie trennten nur noch wenige Schritte.
"Ich hab gesehen, wie du ihn beobachtet hast."
"Er springt halt klasse", verteidigte sich Moritz aufgebracht.
"Ich meine damit nicht nur im Schwimmbad, sondern in der Schule und überall, wo du ihn siehst", erwiderte Jörn leise und versetzte Moritz damit einen persönlichen Tiefschlag. Er war immer der Ansicht gewesen, vorsichtig zu sein. Dass niemand, und schon gar nicht Jörn, bemerkte, was mit ihm los war. So in die Ecke gedrängt, war es ihm nun egal, dass gerade die Welt unterging, denn seine persönliche lag bereits in Trümmern. Doch bevor er sich erneut umdrehen und die Flucht ergreifen konnte, packte Jörn ihn am Oberarm. Ungehalten machte er sich los und fauchte zurück: "Und selbst wenn? Was geht es dich an?"
"Du kapierst es wirklich nicht, oder?", fragte Jörn ausdruckslos.
"Was kapiere ich nicht? Klar, ich bin nicht nur fett, sondern auch doof und ..." Weiter kam er nicht, denn plötzlich verschlossen weiche, kühle Lippen die seinen. Sein Herz setzte vor Schreck aus, bevor es losgaloppierte und das Blut in seinen Ohren rauschen ließ.
Er küsste ihn. Ein anderer Junge küsste ihn. Jörn küsste ihn! Er taumelte leicht zurück, spürte die harte Wand in seinem Rücken und lehnte sich dagegen, da seine Knie nachzugeben drohten. Sanft saugte Jörn derweil an seiner Unterlippe und schickte damit ein Kribbeln durch seinen ganzen Körper. Moritz glaubte, es selbst in den Zehenspitzen zu spüren. Und erst als Jörn sich zaghaft zurückzog, ging Moritz auf, dass er starr wie eine Statue dagestanden hatte, dabei wollte er doch gar nicht, dass der Kuss endete. Schnell legte er eine Hand in Jörns Nacken und zog ihn zurück. Pressten nun schon fester ihre Münder aufeinander und das Prickeln begann von Neuem. Ein Seufzen entwich ihm, oder
war es Jörn gewesen? Es war egal, alles, was in dem Moment zählte waren diese nun schon wärmeren Lippen, die leicht nach Vanille schmeckten. Als Jörn sich jedoch mit seiner Zunge vorwagte, zuckte Moritz erneut zurück, aber auch dieses Mal kam Jörn ihm nach. Zögerlich öffnete er die Lippen und kam der fremden Zunge ein wenig entgegen. Er fühlte sich so unbeholfen und hatte das Gefühl, alles falsch zu machen. Der Gedanke zusammen mit allen anderen verflüchtigte sich jedoch, als sich ihre Zungenspitzen zum ersten Mal trafen. Seine Finger krallten sich in Jörn Schultern, suchten Halt, denn seinen Beinen traute er nicht länger, während seine Zunge einfach Jörns Bewegungen nachahmte. So schlecht schien er sich nicht anzustellen, denn Jörn drängte sich stöhnend an ihn, seine Finger strichen seine Seite entlang, stahlen sich auf seinen Rücken und wanderten tiefer. Wabbelarsch, schoss es Moritz da durch den Kopf und er schob ihn ein Stück von sich weg. Widerstandslos wich Jörn einen kleinen Schritt zurück, sah ihm aber mit brennendem Blick in die Augen.
"Ich will nicht mehr die zweite Wahl sein", murmelte er mit brüchiger Stimme, und nun rannte er in den Regen hinaus. Doch er kehrte nicht um.


La Florence von C.Flage
Unschlüssig stand Greg vor dem Bungalow, der in den nächsten zwei Wochen sein zu Hause, und wenn es nach Shontalle und Victoria ging, Schauplatz gar unaussprechlicher Dinge sein würde. Da sein Gepäck bereits voraus gebracht worden war, hatte er nichts, an dem er sich festklammern konnte, als er die Stufen des mediterran gestalteten, luftig wirkenden Hauses emporstieg und die Tür aufstieß.
Vielleicht, ging es ihm dabei durch den Kopf, war das alles gar nicht so übel, wie er gedacht hatte. In New York war es schwierig, jemanden zu finden, wenn man in der Regel bis über beide Ohren in Arbeit steckte. Eine Beziehung in dem ganzen Chaos zu führen war quasi unmöglich. Greg hatte es mehr als einmal versucht. One-Night- Stands auf der anderen Se
ite konnten einen in ziemlich merkwürdige Situationen bringen. Was nicht bedeutete, dass er es nicht versucht hatte. Nur um eines schönen Morgens in Handschellen, die nicht ihm gehörten und splitterfasernackt, um Brieftasche und Würde leichter, in einem Hotelzimmer aufzuwachen, das dem Begriff siffig ganz neue Dimensionen verlieh.
Also ja, vielleicht war das hier genau das, was er brauchte, um den Stress abzubauen, der ihn nachts nicht schlafen und tagsüber nicht entspannen ließ. Eine Art Sommerflirt ohne Konsequenzen, mit jemandem, der auf derselben Wellenlänge schwamm. Je länger er darüber nachdachte, desto logischer erschien ihm das Ganze und nun, er war nicht der erste Mann auf der Welt, der diesen Weg wählte, richtig?
Noch dazu schien es hier nirgends ein Telefon zu geben, mit dessen Hilfe er seine Flucht, geschweige denn ein Meeting hätte organisieren können. Was bedeutete, dass er mit seiner Zeit gar nichts anderes anfangen konnte, nicht wahr?
Seine letzten Zweifel aber verschwanden erst, als er aus dem schattigen Korridor trat, falsch abbog und sich in der geräumigen Küche wiederfand. In Gesellschaft eines etwa fünf Jahre jüngeren Mannes, der sich, Greg das Profil zugewandt, über die Spüle beugte und den Wasserhahn betätigte. Und nun, sein stiller Beobachter wusste, dass das oberflächlich war und unreif, doch was er sah, änderte die Situation erheblich, denn Eric war ... heiß. Dank der erfreulichen Tatsache, dass er lediglich leicht ausgebeulte Jeans trug, hatte Greg freien Blick auf seinen Oberkörper. Sonnengebräunte Haut schimmerte golden im weichen Tropenlicht. Er war einen Tick muskulöser als Greg es normalerweise mochte, aber an ihm sah es natürlicher aus als bei all den Fitnessstudiohengsten, die einem in der Stadt über den Weg liefen. Beinahe, als stammten Bizeps, Trizeps und Waschbrettbauch von körperlicher Arbeit. Was ungewöhnlich war für jemanden, der sich seine Brötchen als Edel-Escort verdiente. Ungewöhnlich wie der Bartschatten und d
er wilde, braune Haarschopf, in den sich von der Sonne gebleichte Strähnen mischten.
Greg war stolz darauf, dass er selten mit dem Schwanz dachte und den Grad seiner Attraktion mehr daran fest machte, wie gut er sich mit jemandem verstand. Doch da war etwas an Eric, das überflüssig werden ließ, ob er Jazz mochte, welchem Baseballteam er die Treue hielt oder wie viel Aufmerksamkeit er der tagespolitischen Lage in Burma schenkte. Wenn es nach Greg ging, der just all seine Urlaubspläne erstaunlich bereitwillig neu arrangierte, würden sie eh nicht viel Gelegenheit bekommen, miteinander zu reden. Allein die sanfte Kurve nämlich, mit der Erics Rücken in sein Hinterteil überging, bot Greg Stoff für mehr als zehn Stunden Kopfporno.
Von der ungewohnten Menge an Testosteron, das plötzlich durch seine Blutbahnen spülte, geradezu berauscht, beschloss er, das Spiel hier und jetzt zu beginnen. Er trat zur Seite, sodass er sich dem anderen Mann von hinten nähern konnte, legte ihm die Arme um die schmale Hüfte und raunte ihm, ganz in seiner Rolle aufgehend ein:
"Du solltest mehr trinken, Baby, denn, was ich mit dir vorhabe, wird dich garantiert ins Schwitzen bringen" ins Ohr. Uhm und okay, das kam vielleicht ein bisschen zu ... ölig rüber, aber es war eine ganz treffende Umschreibung und außerdem, hey, das hier war seine Fantasie, richtig? "Ich verspreche dir, ich werde dich so hart rannehmen, dass du glauben wirst, du hättest einen Triathlon hinter dir. Wenn ich mit dir fertig bin, wirst du deinen eigenen Namen nicht mehr wissen. Meinen allerdings schon, du wirst ihn so oft geschrien haben, dass du ihn nie mehr vergessen kannst."
Na schön, und was, wenn er klang wie ein Darsteller in einem drittklassigen Erwachsenenfilmchen? Wer konnte schon von ihm verlangen, sich etwas Besseres einfallen zu lassen, mit Eric, warm und erstaunlich anschmiegsam, in seinen Armen und all den Bildern in seinem Kopf? Bildern, die ihn auf wilde Ideen brachten, die allesamt seinen neuen B
egleiter, den Küchentisch und den Inhalt des Kühlschranks in variabler Reihenfolge zum Thema hatten. Zumindest solange, bis Eric sich zu Wort meldete.
"Cool", erwiderte er mit angenehm tiefer Stimme und Greg glaubte, ein Lachen herauszuhören. "Aber ich denke, ich sollte erst die Leitung fertig reparieren, sonst schraubt Vicky mir den Kopf ab."
Greg fror mitten in der unanständigen Bewegung ein, zu der er angesetzt hatte, und versuchte die plötzliche Erkenntnis, die ihm wie Eiswasser den Rücken herunterlief, zu ignorieren.
"Oh mein Gott", fasste er seine Einsicht ungewollt laut in Worte.
"Ich begrabsche den Klempner, oder?"
"Jup. Und den Gärtner, den Tauchlehrer und den Typen, der ertrunkene Vogelspinnen aus dem Pool fischt. Nach nicht mal einer Stunde auf der Insel." Jetzt war das Lachen in seiner Stimme nicht mehr zu überhören, selbst wenn man sich so darum bemühte wie Greg in diesem Moment. "Glückwunsch, Mann, das ist ein neuer Rekord."
Greg versuchte, um die Scham herum zu atmen. Ein und aus, ein und aus. Dann erinnerte er sich daran, dass es vielleicht eine gute Idee wäre, Nicht-Eric loszulassen, egal, wie sehr der Neandertaler-Teil seines Ichs sich sträuben mochte.
"Ähm", machte er zaghaft, ohne tatsächlich loszulassen. "Wie hoch stehen die Chancen, dass Sie hier stehen bleiben, ohne sich umzudrehen, bis ich es zurück zum Flugplatz und in den Flieger geschafft habe?"
Der Mann in seinen Armen lachte so tief, dass Greg es bis in sein eigenes Zwerchfell fühlen konnte. Und warum war es noch mal so wichtig, dass er ihn losließ? Oh. Richtig.
"Eher schlecht. Das Ding geht nur alle zwei Tage und das könnte ziemlich unhygienisch werden." Er drehte den Kopf etwas zur Seite, sodass er den Mann hinter sich ansehen konnte. Das Funkeln in seinen schönen, grün-braunen Augen half Greg weder über seine Instant-Geilheit noch über die Peinlichkeit der Situation hinweg. "Ich bin übrigens Ben. Das Insel-Mädchen für alles hier."
"Ich bin Greg"
, erwiderte Greg. Lügen half jetzt auch nichts mehr. "Der Insel-Idiot hier." Auch wenn ihm nicht wirklich danach war, er konnte nicht anders, als Ben entschuldigend anzugrinsen, während er ihn endlich losließ. "Und das hier tut mir entsetzlich Leid. Ich neige normalerweise nicht dazu, Leute sexuell zu belästigen."
"Ein Jammer", erwiderte Ben mit einem Lächeln, ging in die Hocke und kroch unter die Spüle. "Sie sind echt gut darin."
Greg starrte ihn an und versuchte krampfhaft all die Dinge, die ihn vorher so angemacht hatten, an dem anderem Mann zu übersehen. Mit eher mäßigem Erfolg, denn Ben weigerte sich beharrlich, auf magische Weise unsexy zu werden.
"Sie klingen, als ob Sie aus dem Norden kommen", drang es unter der Spüle hervor. Greg wusste nicht genau, wie er auf den Smalltalk-Versuch des anderen Mannes reagieren sollte. Die ganze Situation war absurd und er war sich ziemlich sicher, dass er sich nicht so entspannt hätte fühlen sollen, wie er es gerade tat.
"New York, ich-", antwortete er in einen dumpfen, metallischen Laut hinein, den Ben verursachte. "Hören Sie, das hier ist normalerweise wirklich nicht meine Art. Ich bin-"
"Schon gut." Ben kam wieder unter der Spüle hervor, in der Hand einen kleinen Dreckklumpen, der den Abfluss verstopft haben musste. Er grinste auf eine Art, die Gregs Magen einen olympiaverdächtigen Hüpfer in seine Kehle machen ließ. "Ich fand's sexy." Mit diesen Worten richtete er sich auf und wusch sich die Hände über dem Spülbecken. Greg starrte ihn derweil einfach noch ein bisschen mehr an und versuchte diese letzte Information zu verarbeiten.
Konnte es sein, dass ...
"Ähm ich ... Würden Sie ...", stotterte er, sich der Tatsache bewusst, dass er hier ein denkbar erbärmliches Bild abgab. "Gibt es hier einen Ort, an dem man etwas trinken gehen kann- Zusammen, meine ich."
Ben lehnte sich mit dem Rücken gegen die Spüle. Er musterte Greg einen Moment, das muntere Funkeln noch immer in den Augen. Dann wandte
er sich wortlos um, ging zum Kühlschrank hinüber und zauberte zwei Flaschen Bier hervor. Er öffnete sie und reichte eine davon Greg, der mit fast schon ungesunder Faszination beobachtete, wie Bens Kehlkopf auf und ab hüpfte, während der einen Schluck aus seiner eigenen Flasche nahm.
Mit gerunzelter Stirn begutachtete der andere Mann das Etikett und lachte:
"Jesus. Sie bezahlen Vicky eine unanständige Menge Geld. Da sollte wenigstens vernünftiges Bier drin sein. Keine Sorge, ich kümmere mich drum." Er nahm einen letzten Schluck und begann damit, sein Werkzeug unter der Spüle hervorzuholen. Ohne Gregs eigentliche Frage beantwortet zu haben.
"Ben?", fragte der leicht ratlos und war von dem sanften Blick überrascht, mit dem der andere Mann dem seinen begegnete, bevor er ihn abwandte und in Richtung des Korridors blickte "Grüßen Sie Eric von mir", war alles, was er erwiderte. Seinen Werkzeuggürtel schulternd, bedachte er Greg mit einem letzten warmen Lächeln und entschwand durch die Küchentür in den sonnigen Inselnachmittag.

Klammeräffchen von Karo Stein (kath74)
Es klopfte an meiner Wohnungstür. Erschrocken blieb ich im Flur stehen, hielt den Atem an. Wie um alles in der Welt hatte er es hoch geschafft? Vor wenigen Sekunden stand er doch noch unten. Er klingelte Sturm. Aber natürlich reagierte ich nicht. Ich wollte ihn nicht mehr sehen. Er sollte aus meinem Leben verschwinden. Ich hatte es ihm doch deutlich gesagt.
Erneut klopfte er. Wahrscheinlich hatte er Glück gehabt, irgendeiner meiner Nachbarn war wohl aus dem Haus gegangen und er- Er hatte die Chance genutzt, um nach oben zu gelangen. Ich konnte seine Anwesenheit förmlich spüren. Er war so nah, viel zu nah. Ich wollte nicht, dass er mir so nahe kommt. Ich hätte diese Nähe niemals zulassen dürfen.
Abermals klopfte er. Diesmal schon energischer. " Daniel, mach auf! Ich weiß, dass du da bist!" Seine Stimme klang nervös. Ich konnte deutlich dieses kleine Flattern darin hören. Immer, we
nn er nervös war, fing sie an zu flattern. Ich hatte es schon oft gehört. Er war meistens gar nicht so selbstbewusst, wie er gern vorgab. Nein, eigentlich war er oft unsicher, suchte nach Bestätigung, nach Anerkennung.
Trotzdem antwortete ich nicht. Ich öffnete auch die Tür nicht. Vielleicht würde er dann einfach von allein verschwinden ...
Natürlich tat er es nicht! Aus dem Klopfen wurde allmählich ein Hämmern. Wahrscheinlich wummerte er mit beiden Fäusten gegen die Tür. Es dröhnte regelrecht in meinen Ohren. "Mach doch bitte auf!" Er war verzweifelt. Ich wusste es, denn ich war es auch.
Wie lange würde ich mich wohl seinem Flehen noch widersetzen können? Vielleicht hätte ich aus dem Flur verschwinden sollen. Vielleicht hätte ich mich ins Bett legen sollen, mir die Decke über den Kopf ziehen. Im Schlafzimmer wäre sein Klopfen bestimmt nicht zu hören gewesen! Dort hätte ich auch seine Stimme nicht hören können-
Aber ich konnte nicht. Ich konnte mich nicht von der Stelle bewegen. Ich starrte die Tür an, bildete mir ein, seinen Blick zu spüren. Seine wunderschönen braunen Augen mit den hellen Sprenkeln darin. Die langen dichten Wimpern. Ich konnte das Unverständnis in seinen Augen sehen - auch durch die geschlossene Tür. Das gleiche Unverständnis wie gestern, als ich ihm sagte, dass es endgültig vorbei sei. Dabei war ich mir bei dem Wort "endgültig" jetzt gar nicht mehr so sicher. Alles, was gestern so einleuchtend klang, fühlte sich nun schlecht an. Dabei hatte ich mir die Argumente so gut zurechtgelegt. Ich hatte alles genau durchdacht, all seine Einwände gnadenlos widerlegt. Am Ende musste er sich geschlagen geben und fuhr nach Hause. Aber anstatt der erwarteten Zufriedenheit fühlte ich mich elend, allein und so unglücklich wie noch nie in meinem Leben. Ich war mir sicher, dass es nur ein vorübergehender Zustand sei. Ich musste nur durchhalten, dann würde es mir bald besser gehen. Deshalb konnte ich einfach die Tür nicht öffnen. In mir tobte ein sc
hrecklicher Kampf.
Vernunft gegen Herz.
Verstand gegen Gefühl.
Gewissen gegen Verlangen.
Und dieser Kampf lähmte mich, zerrte an meinen Eingeweiden, hinterließ ein furchtbares Gefühl der Hilflosigkeit. Ich stand noch immer bewegungslos im Flur, lauschte seiner Stimme, seinen gegen die Tür donnernden Fäusten.
Mein Körper fühlte sich taub an. Ich lehnte mich gegen die Wand, ließ mich daran heruntergleiten, zog meine Beine fest an den Körper und legte meinen Kopf darauf ab. Wie war es nur so weit gekommen? Wie war ich nur in so eine Situation geraten? Ich, der Vernunftmensch, der sich und seine Gefühlswelt immer unter Kontrolle hatte. Immer! Bis ich ihm begegnete. Die kleine Nervensäge mit dem unschuldigen Blick, mit den schokoladenbraunen Augen.


Finito von Raik Thorstad (Tasmanian Devil)
Hand aufs Herz: Ich wollte mit dir in die Kiste. Und ich schäme mich nicht dafür. Für dich galt anders herum dasselbe. Es war offensichtlich, dass wir scharf aufeinander waren. Rund ein Prozent meiner Wahrnehmung hatte aber die Vorahnung, dass es darüber hinausgehen könnte. Dass ich dich interessant fand - mit oder ohne Hose. Das ist mehr, als manche Ehepaare bei ihrer ersten Begegnung von sich sagen können.
Zehn unruhige Minuten später, in denen ich dabei zusah, wie die schlappen Blumenauslagen in den Supermarkt gerollt wurden, warst du zurück. Mit einem aufgeregten Lächeln und dem versprochenen Wein im Schlepptau.
"Neues Auto?", wolltest du wissen, als du neben mir auf dem Beifahrersitz Platz nahmst. Vermutlich war mir der Besitzerstolz an der Nasenspitze abzulesen.
"Ja, gerade abgeholt."
"Oh, und da dachtest du, du sammelst mich ein, um es einzuweihen?" Nach schüchtern kommt frech. War bei dir schon immer so. Deine Anzüglichkeit bescherte mir einen heißen Kopf, das kannst du mir gerne glauben.
Glücklicherweise hattest du den Anstand, mich aus meiner Misere zu befreien und zu fragen: "Wo fahren wir hin?"
Nur für das Prot
okoll: Zu diesem Zeitpunkt hatten wir es noch nicht einmal geschafft, unsere Namen auszutauschen.
"Ich dachte, an den Rubbenbruchsee. Ist nicht weit und dort ist es bestimmt ein bisschen kühler."
"Und voller. Bei dem Wetter?"
"Macht doch nichts. Oder wolltest du unbedingt mit mir alleine sein?", zog ich dich auf. Es war die Erste von vielen Gelegenheiten, bei denen wir uns über rhetorische Hürden springend übereinander hermachten. Es war ein Spiel. Wem blieb als Erster der Mund offen stehen? Wer schaffte es, den anderen verstummen zu lassen? Gott, wir hatten so viel Spaß. Weißt du nicht mehr, wie viel Spaß wir zusammenhatten? Hast du das wirklich alles vergessen? Nein, das kann nicht sein. Man kann solche Spiele, solche Momente, so viel Harmonie nicht vergessen. Aber vermissen, vermissen kann man sie, wenn man sie verliert. Ich kann dich verstehen. Umso länger ich darüber nachdenke, umso mehr vermisse ich sie auch.
Du solltest recht behalten. Der Rubbenbruchsee war wirklich überfüllt. Selbst vor dem ländlich-romantischen Restaurant gab es keinen einzigen Parkplatz mehr. Auf der Minigolfanlage nutzten ein paar Eltern das lange Licht für das Finale eines Kindergeburtstags. Tretboote schipperten sehr zum Ärger der Angler über das Wasser, auf dem die Pollen der umliegenden Bäume und Büsche hässliche Schlieren bildeten. Kindergeschrei, Jogger, Fahrradfahrer, Leseratten im halbhohen Gras und der Geruch des Sommers, so überwältigend, dass er mich in die Knie zu zwingen drohte. Luft zum Schneiden dick, aber wohltuend wie ein Saunagang.
Wir fanden einen Parkplatz weit ab vom üblichen Treiben. Okay, ich gebe zu, von einem Parkplatz kann keine Rede sein. Ich stellte meinen Golf einfach am Waldrand auf einen freien Fleck zwischen zwei Buchen. (Liebe Leute, bitte macht das nicht nach, denn wenn man Pech hat, kann der heiße Auspuff im Sommer zu einem Waldbrand führen und dann bin ich schuld!) Egal, ich war jung, dämlich und wir wollten zum Wasser. Als wir auss
tiegen, erwischte ich mich dabei, dass ich zärtlich meinen Schlüssel streichelte, bevor ich ihn in die Hosentasche schob. Jaja, Männer und ihre Autos. Ich weiß.
Aber nicht, dass der Eindruck entsteht, ich hätte mich nur für meine neue Karre interessiert. Nein, absolut nicht. Du hast mich verrückt gemacht. Mit jedem Schritt, den du getan hast. Jedes Mal, wenn du dir das Gesicht abgewischt hast. Als du dich zu mir umgedreht hast, um zu sagen: "Wenn wir nicht gleich eine kühle Ecke finden, reiße ich mir die Klamotten runter und springe in den See. Und tauche bis Mitternacht nicht wieder auf."
Du warst schon immer ein Bastard.
Auf einmal konnte ich kaum noch geradeaus laufen, weil ein Teil von mir hechelnd darauf wartete, dass du deine Drohung wahr machen könntest. Ich begann mich zu fragen, ob das möglich wäre. Du und ich im Wasser, zu später Stunde, dein Bein um meine gelegt. Meine Hände auf deinem Hinterkopf und dem Po, die eine streichelnd, die andere knetend. Deine Nase nass an meiner eigenen, dein Mund nach Seewasser schmeckend, das uns wie Seide umgab. Oder du hinter mir, einen Arm um meine Brust gelegt, den anderen tiefer schiebend. Schlüpfrig und glatt. Kitzeln, nur am Rand der Schambehaarung. Damit spielen und mir währenddessen den Hals verdrehen, damit du mich küssen kannst.
Schon mal nachts schwimmen gewesen? Ich schwöre, dass Wasser bei Nacht einen vierten Aggregatzustand annimmt, der den Physikern bisher durch die Lappen gegangen ist. Nicht fest, nicht flüssig, nicht gasförmig, sondern nachtseiden. Eine Spur fester als flüssig, weicher als Samt, griffiger als Eiswasser. Nicht lachen, aber wenn man nachts schwimmen geht, glaubt man daran, dass alles Leben ursprünglich aus dem Meer kam. Dann wird man ganz und gar glücklicher Einzeller.
Wir gingen nicht schwimmen, sondern nahmen mit einer Bank vorlieb. Ein wenig abgeschieden vom Rummel. Unser einziger Nachbar war ein Angler, der gerade zusammenpackte. Ab und an kamen Hund und Herrchen vorb
ei, aber meistens waren wir allein. Du, ich und die Flasche in deiner Hand. Rotwein.
Du hast mir erzählt, dass man bei solchen Temperaturen eher Weißwein trinkt, aber dass du eine besondere Vorliebe für den Roten hast und dich insofern nicht an die hohe Kunst der Weinverkostung hältst. Mir war das ziemlich egal. Ich fand es viel faszinierender, dir dabei zuzusehen, wie du mit deinem Taschenmesser den Korken gezogen hast.
Höflich hast du mir die Pulle als Erstes angeboten und gesagt: "Auf diesen Abend. Wurde Zeit, dass er kommt. Ich bin übrigens Sebastian."
Sebastian. Ja, mit diesem Namen war ich einverstanden. Er passte zu dir. Er gefiel mir an dir. Er rundete das Bild ab. Ja. Eine gute Wahl. Ich nahm einen Schluck - schrecklich - und reichte dir die Flasche zurück: "Marco."
Damit waren wir offiziell miteinander bekannt. Nicht schlecht, nach Monaten des Umeinanderschleichens im Supermarkt an der Ecke, hm?
Wer nun glaubt, dass wir steif auf der Bank saßen und nicht wussten, was wir sagen oder tun sollten, hat sich geschnitten. Denn obwohl wir unterschiedlich wie Tag und Nacht sind, hatten wir nie Schwierigkeiten, uns zu unterhalten. Wenn zwei fremde Welten kollidieren, bedeutet das nicht zwingend, dass es zu einem Erdbeben kommt. Es kann auch heißen, dass zwei Legendenquellen ineinanderfließen und sich gegenseitig anreichern. So war es bei uns. Du hast mir von deiner Arbeit im Buchladen erzählt und von der Musik, die du so liebst. Ich habe dich an meinem Studium teilhaben lassen, den letzten Filmen, die ich gesehen hatte, meiner Meinung über Tierhaltung im Haus. Wir redeten über Gott und die Welt. Wortwörtlich. Wir kamen von der Qualität diverser Weinanbaugebiete - zu dem Thema konnte ich nichts beitragen - über den mangelnden frischen Wind in der Kunst - hier warst du nun überfordert - zu der miesen Qualität der örtlichen Schwulen-Bars bis zur Frage nach dem Sinn des Lebens.


Robertos Angebot von Chris P. Rolls (rihaij)

1 r/>Nach- und Vorteile von Partys

Sein Schädel dröhnte. Pochend wanderte der Schmerz von einer Seite zur anderen. Rob stöhnte gequält und verlagerte sein Gewicht. Kopfschmerzen waren ein echt unangenehmer Nachteil nach einer feucht-fröhlichen Party. Tastend bewegte Rob seine Zunge in seinem trockenen Mund hin und her. Ein weiterer Nachteil war zudem dieser eklige Geschmack im Mund, irgendwie pelzig. Erfahrungsgemäß ließ er sich nur durch viel Wasser oder Milch vertreiben. Immerhin war ihm noch nicht schlecht. Was ihn zum dritten Nachteil brachte: wo war er, was war passiert und wo war das Badezimmer? Manchmal war es ein Vorteil, oft genug ein Nachteil, sich nicht an alles zu erinnern, was auf der Party passiert war.
Vorsichtig rollte er sich zur Seite und wäre dabei fast von dem schmalen Sofa gefallen, auf dem er offenbar geschlafen hatte. Eine dünne Fleecedecke lag halb auf ihm, schon auf dem Weg gen Boden. Immerhin, stellte Rob erleichtert fest, er hatte noch seine Unterhose an, also schien die Party dieses Mal nicht ganz so ausgeufert zu sein.
Langsam und vorsichtig blinzelte er in das Sonnenlicht, welches sich seitwärts an dem dunklen Rollo vorbei schummelte und ausgerechnet in sein Gesicht schien. Rob blinzelte stärker, doch alles blieb verschwommen. Seufzend erkannte er den vierten Nachteil: Natürlich hatte er vergessen, seine Kontaktlinsen herauszunehmen. Also würde es ein wenig Zeit brauchen, bis er alles klar sehen konnte und wenn er Pech hatte, dann waren seine Augen bereits rot und würden tierisch tränen. Monatslinsen waren gut und schön, jedoch nicht für vierundzwanzig Stunden täglich gedacht.
Wo war er eigentlich?
Stöhnend richtete er sich auf, setzte sich leicht taumelnd hin und hielt sich den dröhnenden Schädel. Irgendwie schien dauernd jemand laut zu stöhnen, rhythmisch, mal lauter, mal leiser, aber unüberhörbar.
Klasse, wie beim Ficken, kam es ihm in den Sinn. Andere hören Geisterstimmen, ich höre einen Kerl stöhnen. Oh M
ann, aber wie lustvoll! Erneut blinzelte er gegen den Nebel vor seinen Augen an und langsam schien es besser zu werden. Rob blickte sich um. Offenbar war er in dem Zimmer eines männlichen Unbekannten gelandet, denn an den Wänden hingen vollbusige Pinups neben Motorrädern. Die Einrichtung war dunkel und einfach. Mann, hetero, fasste Rob es zusammen. Aber wo und wann bin ich ...? Müde schloss er die Augen, versuchte die Kopfschmerzen zurückzudrängen und an die dahinter liegenden Erinnerungen des gestrigen Abends zu kommen.
Party. Er war auf jeden Fall auf einer Party gewesen. Bei ... - der Name sickerte durch - Jason! Ja, er war auf dessen Geburtstagsparty gewesen. War der nicht zwanzig geworden? Stimmt, Jason Schneider war zwei Jahre älter als er. Seinen zwanzigsten Geburtstag hatte der so richtig feiern wollen und hatte jede Menge Freunde zu sich nach Hause eingeladen.
In Robs Kopf wurde das Stöhnen immer lauter. Es füllte seinen Schädel, drückte ihn auseinander, drang in jede Hirnwindung. Rob presste sich die Hände flach an seinen Kopf und auf die Ohren. Tatsächlich schien es etwas weniger zu werden, nur der Kopfschmerz pochte weiter fröhlich hämisch vor sich hin.
Also eine Party bei Jason. Eine wilde Party mit reichlich Alkohol und willigen Mädchen, viel Anmacherei, Flirterei und schnellem Sex in irgendeinem Zimmer. Das Übliche halt. Rob erinnerte sich nur verschwommen - es musste wirklich schon recht spät gewesen sein, denn es waren kaum noch Leute da - irgendetwas war mit einer verschütteten Wodka-Bowle gewesen.
Grübelnd nahm er die Hände runter, doch sofort war das Stöhnen wieder da. Langsamer jetzt, von einer rauen, männlichen Stimme unterbrochen. Genervt schüttelte Rob den Kopf. Böser Fehler! Keine hektischen Bewegungen mit so einem Dröhnschädel. Das Stöhnen verschwand leider nicht, nur der Kopfschmerz flammte stärker auf. Schwankend erhob sich Rob, hielt sich noch einen Augenblick am Sofa fest und suchte dann nach seiner restlichen Kleidung.
Sie lag auf einem unordentlichen Haufen direkt neben dem Sofa. Offenbar hatte er sich also selbst ausgezogen. Das war schon mal gut. Rob hangelte nach seiner Jeans und streifte sie über. Seine Turnschuhe und Socken waren auch da, nur sein Hemd fehlte.
Nasse Flecken. Der Geruch von Alkohol. Ganz plötzlich war seine Erinnerung wieder da. Stimmt, ja, er war gegen die Schüssel mit der Bowle gestoßen und der Inhalt hatte sich auf ihm, teilweise auf einem knutschenden Pärchen auf dem Fußboden davor verteilt. Robs Hemd war völlig durchnässt worden und hatte stark nach dem billigen Wodka gestunken, den jemand flaschenweise hineingegeben hatte, bis das Ganze einfach ungenießbar geworden war. Jason hatte sein Hemd in die Waschmaschine gesteckt. Da war die Party schon fast vorbei gewesen, die meisten lagen besoffen, schlafend oder knutschend irgendwo herum. So gegen drei Uhr nachts musste es gewesen sein. Rob hatte Jason noch geholfen, aufzuräumen und die Schnapsleichen nach draußen entsorgt. Dann hatte Jason ihm angeboten, hier zu pennen, bei ihm im Zimmer auf dem Sofa, weil der letzte Bus schon eine dreiviertel Stunde weg gewesen war.
Rob probierte zu lächeln und es ging gefahrlos, ohne zu starke Schmerzen und ohne sich zu übergeben. Ein guter Anfang. So war es also gewesen und deshalb war er nun in Jasons Zimmer. Aber wo war der jetzt?
Abermals drang das Stöhnen in seinen Kopf ein. War es nicht eben ganz weg gewesen? Nun fing es von vorne an, ebenso wie zuvor: lustvoll, mitreißend, erotisch, sich langsam zum Höhepunkt steigernd.
Erneut schüttelte Rob verwirrt den Kopf. Das kam definitiv nicht aus seinem Schädel. Dieses Stöhnen musste von woanders her kommen. Nicht aus diesem Zimmer, sondern irgendwo unter ihm.
Langsam wuchtete er sich hoch und machte zwei tastende Schritte. Es ging, er kippte nicht gleich um. Wo war noch das Badezimmer?
Rob trat aus dem dunklen Zimmer auf den Flur, wo ihn das grelle Sonnenlicht aus zwei Dachfenstern blendete. Seine A
ugen brauchten eine ganze Weile, sich daran zu gewöhnen, zumal er noch immer etwas verschwommen sah. Mit den Händen vor sich ausgestreckt und sich an der Wand entlang tastend, fand er den Weg zum Badezimmer. Jedenfalls war er hier gestern schon öfter gewesen, daran konnte er sich erinnern. Rob klappte den Klodeckel auf und erledigte sein erstes Bedürfnis. Sein Blick glitt durch den kleinen Raum zur Badewanne mit dem beigen Duschvorhang. Der Raum war hellgrün gekachelte und am Waschbecken standen drei Zahnputzbecher, Rasierzeug, Männerdeo und Aftershave. Auch das Duschgel war ausschließlich auf männliche Bedürfnisse ausgerichtet.
Erleichtert seufzte Rob auf, als der erste Druck seiner Blase verschwand. Zufrieden betätigte er die Spülung und sein Blick fiel auf die Waschmaschine in der anderen Ecke des Raumes. Daran klebte ein gelber Post-it-Zettel. Neugierig trat er näher, seine Augen waren jedoch noch immer nicht ganz bereit mitzumachen und er musste sich davor knien, um die Schrift zu entziffern.
"Moin Rob!", stand da. "Leider funktioniert der Trockner nicht, daher ist dein Hemd zwar sauber, aber noch nass. Nimm dir eins von meinen, wenn du was brauchst. Bis denne, Jason." Rob grinste. Jasons Hemden würden gewiss lustig an ihm aussehen, denn der war einen ganzen Kopf größer als er, breiter gebaut und hatte wesentlich längere Arme. Träge zuckte er die Schultern. Dann musste er eben oben herum nur mit seiner Lederjacke bekleidet losziehen. Die musste ja irgendwo unten sein.
Aber wo war eigentlich Jason hin?
Erneut gab Robs Kopf eine Erinnerung frei. Jason musste heute am Sonntag arbeiten. Er hatte schon lautstark gemeckert, dass er Dienst hatte und er daher selbst nicht ganz so ausgelassen feiern konnte wie alle anderen.
"Kein Problem", hatte er gesagt, als er Rob anbot, bei ihm zu übernachten. "Du kannst ruhig auspennen. Ich muss zwar früh los, aber fühle dich wie Zuhause. Zieh einfach die Tür zu, wenn du gehst." Rob grub nach weiteren Erinnerung
en. Jason wohnte hier mit seinem Vater. Sie hatten deshalb so lange Party machen können, weil dessen Vater auf Montage war und sie somit sturmfreie Bude hatten.
Müde trat Rob an den Spiegel heran und musterte sein verquollenes Antlitz durch die nebligen Kontaktlinsen. Sein Gesicht war nun wirklich nichts Besonderes. Ein dunkler Teint, das Erbe seiner italienischen Mutter, braunschwarze Augen unter schmalen Augenbrauen, eine Stupsnase, schwarze, halblange und viel zu lockige Haare, die nie zu lang werden durften, damit er nicht mädchenhaft aussah. Er wirkte eindeutig südländisch, da hörte die Exotik aber auch schon auf, denn er war ansonsten nicht besonders groß, nicht besonders breitschultrig, nicht besonders muskulös, nicht besonders schön, er war einfach gar nichts Besonderes.
Rob schniefte, grinste sich höhnisch an, schöpfte sich etwas kaltes Wasser ins Gesicht und betrat anschließend den Flur, um nach unten zu gehen und seine Jacke zu suchen. Das Stöhnen setzte prompt wieder ein.
Schmunzelnd verzog Rob den Mund. Ja, er erinnerte sich. Irgendeiner der Typen hatte diesen dämlichen Porno mitgebracht. Ein paar der Mädchen hatten protestiert, als er ihn eingelegt, den Lautstärkeregler hoch gedreht und sich rasch eine willige Gruppe von Zuschauern gebildet hatte. Ein typischer Porno ohne nennenswerte Handlung. Nur der Typ war echt geil gewesen, ein richtiges Muskelpaket und dessen Stöhnen war der Wahnsinn gewesen. Es war genau dieses laute, tiefe Stöhnen, welches jetzt zu ihm hoch drang, als Rob die Treppe hinabging. Offenbar hatte jemand vergessen, den Fernseher auszuschalten und nun lief der Film anscheinend in einer Dauerschleife. Rob ging ins Wohnzimmer, ignorierte dabei geflissentlich das ganze Chaos um sich herum. Jason würde gut zu tun haben, wenn er später heimkam. Überall standen oder lagen noch Flaschen und Teller mit Pizzaresten darauf oder daneben. Wirklich viel hatten sie beide scheinbar gestern nicht mehr weggeräumt.
Tatsächlich lief der
Porno noch immer. Rob warf kurz einen Blick auf den Bildschirm. Der Typ war wirklich nicht zu verachten. Ein großer, kräftiger Kerl mit reichlich Körperbehaarung stieß immer wieder in ein blondes Etwas unter sich, welches piepsende Geräusche machte, ab und an ein: "Oh, yeah! Fuck me harder, fuck me deeper, Mister", von sich gab, ansonsten aber vor allem von ihrem überdimensionalem Busen in den Schatten gestellt wurde. Ihre Geräusche wurden eindeutig von ihrem Partner übertönt, der bei jedem Vorstoß seiner Lenden ein lautes, langgezogenes Stöhnen von sich gab.
Rob lächelte beeindruckt. Der Typ schien den Sex wirklich zu genießen, seine Lust nahm man ihm voll ab und er wirkte keinesfalls, als ob er schauspielern würde. Der Ton war recht laut gestellt und Rob sah sich prompt suchend nach der Fernbedienung um. Gewiss waren Jasons Nachbarn nicht ganz so begeistert davon, wenn am Vormittag schon solche Geräusche aus dem kleinen Reihenhaus am heiligen Sonntag störten. Besser, er machte den Fernseher schnell aus.
Zwischen zwei Chipstüten, einer halben Colaflasche und einer verstreuten Bande von Gummibärchen entdeckte er die Fernbedienung auf dem Tisch hinter dem Sofa. Das Sofa stand frei im Raum, direkt vor dem Fernseher. Wenn er herumging, hatte er einen interessanten Hindernisparcours vor sich, bestehend aus Flaschen, Tellern, Essensresten, Geschenk-papier und einem Paar Schuhe. Also nahm Rob den direkten Weg, trat ans Sofa heran und wollte sich gerade darüber lehnen, um an die Fernbedienung heranzukommen, als er mitten in der Bewegung abbrach.
Das Sofa war nicht leer. Darauf lag ein Junge mit kurzen, hellbraunen Haaren, blassem, rundem Gesicht und geschlossenen Augen. Sein Antlitz wirkte angespannt, der Mund war leicht verzerrt. Er trug nur Boxershorts, weder Socken noch Schuhe oder ein Hemd. Seine spärlich behaarte Brust hob und senkte sich gleichmäßig. Im ersten Moment dachte Rob, der Junge würde nur schlafen, dann stutzte er jedoch, denn der Körper bewegte
sich viel zu rhythmisch und Robs Blick folgte automatisch der Linie des Körpers unter ihm, bis er sah, warum. Rob schmunzelte. Offenbar war der Porno wirklich anregend genug, denn der Junge hatte die Hände in seine Shorts geschoben und es war recht offensichtlich, was sie dort taten. Grinsend beugte er sich weiter vor und betrachtete den Jungen unter sich genauer. Der hatte ihn ganz offensichtlich noch nicht bemerkt, denn seine Augen blieben weiterhin geschlossen. Er war vielleicht sechzehn oder siebzehn, ein wenig pummelig mit kräftigen Armen und Beinen. Sein rundes, konzentriert angespanntes Gesicht mit den Pausbacken wirkte wie der Rest von ihm noch unfertig und etwas kindlich, ein Junge dicht an der Schwelle zum Mann. Rob stützte sich auf die Ellenbogen ab und blickte neugierig auf ihn hinunter, seine Mundwinkel zuckten mehrfach amüsiert nach oben. Was für ein toller Anblick, der Kleine war eine echte Augenweide! Auf dem Bildschirm kam der Typ lautstark und sehr wirkungsvoll zum Höhepunkt, stieß ein tierisch lautes, abschließendes Stöhnen aus. Der Junge auf dem Sofa verzog missmutig das Gesicht, öffnete die Augen und starrte erschrocken direkt in Robs, der ihn von oben belustigt anblickte.
"Scheiße", stieß er hervor, zog hastig seine Hände aus den Shorts und blickte Rob fassungslos an.
"Hallo, ich bin Roberto", stellte der sich grinsend vor. "Und wer bist du?"



Fahrendes Volk von Raik Thorstad (Tasmanian Devil)
Bjanar glaubte in einiger Entfernung ein glucksendes Lachen zu hören - das Lachen einer alten Frau. Dann explodierte der Eindringling aus seiner knienden Position heraus und breitete herrisch die Arme aus. Mit voller Stimme rief er: "Da sitzt ihr hier nun, närrisches Volk, und schmaust an unserem Feuer. Begafft die Beine der Mädchen und haltet die Tänze der Schönen für Zauberei. Aber ich ... ", er drehte sich um sich selbst und wandte sich Bjanar zu, starrte ihn geradezu nieder, bevor er ihm kaum merklich zuzwinkerte und sch
rie: "... ich bringe euch wahre Magie!"
Bjanar schaffte es gerade noch, ein Freudengeheul zu unterdrücken, als er hinter dem hohen Kragen des Fremden Tandur erkannte. Seinen Tandur. Zurückgekehrt an ihre Feuer. Heimgekommen. Sein überstrapaziertes Herz galoppierte vor Glück in seiner Brust. Er musste sich mit Gewalt davon abhalten, auf Tandur zuzuspringen, dessen sommerlich braunes Gesicht vor aufgesetztem Ernst zuckte.
"Wollt ihr wahre Zauberei?", schrie Tandur den Dörflern zu, die langsam zu begreifen schienen, dass sie Zeuge eines weiteren Schaustellerspiels wurden. Ein paar murmelten ein unterdrücktes "Ja", die anderen nickten lediglich eifrig.
Doch das reichte Tandur. Ein jungenhaftes Grinsen spielte um seinen Mund, als er sich in Pose warf und die Hände umeinander zu winden begann. Funken gingen von ihnen aus und verdichteten sich zu Nebel.
Bjanar schauderte, als ein unsichtbarer Regen auf ihn niederging. Ausgehend von den Fingern seines Geliebten, die nach ihm zu greifen schienen. Er fühlte sich plötzlich auf schwer zu beschreibende Weise ... klein. Aufgeregt ließ Bjanar seine klebrige Zunge nach vorne schnellen und blähte seinen Balg auf. Menschen lachten und klatschten in die Hände. Bjanar konnte nicht verstehen, was sie riefen. Begriff nicht, warum sie kicherten und warum einige Bürgerfrauen kreischend rückwärts sprangen.
"Was ist denn los? Was gibt es denn zu sehen? Tretet doch mal beiseite", wollte er rufen. Doch seiner Kehle entrang sich lediglich ein gut hörbares "Quak."
Brüllendes Gelächter um ihn herum. Jemand griff nach ihm. Bjanar strampelte mit den Beinchen, als er in die Höhe gehoben wurde. Seine feuchte Haut kribbelte. Seine Amphibienaugen nahmen die Feuer als gefährliche Lichtquelle wahr, der er sich zu entziehen suchte. Der Mensch in ihm ahnte, was geschehen war. Doch der Krötenteil fürchtete sich und sonderte Urin auf die Hand seines Fängers ab.
Tandur verbeugte sich vor dem johlenden Publikum: "Traut ihr euren Aug
en nicht, edles Volk? Gerade noch Mann, nun eine Kröte. Möchte eine der Damen ihn küssen, um ihn zu erlösen? Nein? Was? Ihr glaubt an eine Schelmerei? Aber nicht doch ..."
Er lachte und winkte Sazza zu sich. Sie war diejenige, die Bjanar in die Hand genommen hatte, damit niemand auf ihn trat. Sanft strich Tandur Bjanar mit einem Finger über den Kopf, bevor er sich erneut an seine aufgeregten Zuschauer wandte: "Was meint ihr? Soll ich ihn zurückverwandeln? Hier und jetzt im Licht, damit ihr es sehen könnt?"
Die Menge hatte ihre Scheu verloren und tobte vor Vergnügen. Einer der Musiker ließ sich vom Geist der Stunde überwältigen und schlug auf seine Trommel ein. Die Zuschauer nahmen den Rhythmus auf und klatschten in die Hände. Auch die Tänzerinnen begannen ihre Hüfte im Takt zu drehen und zu winden, während Tandur Sazza bedeutete, die Kröte auf den sandigen Boden zu setzen.
Bjanar wünschte sich, er wäre in ein anderes Tier verwandelt worden. Vorzugsweise in etwas mit scharfen Zähnen, mit denen er zubeißen konnte.
Tandur tänzelte mit leichten Schritten rund um die erboste Kröte. Murmelte fremdartige Worte und zerrte ein stinkendes Pulver hervor, das er über Bjanars aufgedunsenen Leib streute. Dann ließ er die Hände durch die Luft schnellen und rief theatralisch: "So kehre dann zurück und sei wieder Mann, Kind des Raben!"
Dieses Mal spürte Bjanar die Verwandlung. Sie schmerzte nicht. Es war, als würden seine Knochen in Windeseile wachsen. Er konnte fühlen, wie seine Haut sich dehnte und in ihre ursprüngliche Form zurück fand. Seine Finger streckten sich, seine Beine wurden lang und länger, bis sie ihn in gewohnter Weise trugen. Bjanar stieß einen unflätigen Fluch aus, als er seine volle Größe erreichte und sich nackt im Schein der Feuer wiederfand. Allerdings schenkte kaum jemand seiner Blöße Beachtung. Das Publikum krakeelte. Blüten flogen in Tandurs Richtung, der sich elegant in alle Richtungen verneigte. Sein Umhang peitschte an Bjanars nacktem B
ein entlang, als er sich ein letztes Mal vor der Menge verbeugte: "Habt Dank, meine Damen, meine Herren. Nun geht hin und erzählt euren Freunden und Familien von der Zauberei der Ranasci. Sie alle sind uns willkommen, aber nicht mehr in dieser Nacht." Dramatisch presste er sich eine Hand auf die Brust. "Meine Kräfte sind erschöpft." Vielstimmiger Protest ertönte und Bjanar verzog das Gesicht. Das war typisch für Tandur. Er liebte den Applaus. Von wegen, Kräfte erschöpft. Bestimmt konnte er noch den ein oder anderen Zauber wirken. Er wollte nur gebeten werden.
Aber das konnte Bjanar nur recht sein. Eilig ging er zu seinen Kleidern und streifte sie sich über. Aus den Augenwinkeln beobachtete er, wie Tandurs Geschwister und Eltern auf ihn zu stürmten und ihn in ihre Mitte zogen. Sie küssten sein Gesicht, hielten seine Hände, während Stimmen laut wurden, die um weitere Kunststücke baten.
Bjanar wusste nicht, wie er empfand. Er freute sich, unbändig sogar, aber er wollte selbst zu Tandur rennen dürfen, um ihn zu begrüßen. Er wollte ihn in die Arme schließen und für sich haben, bevor die anderen ihn vereinnahmten. Wütend war er außerdem. Hatte Tandur denn ausgerechnet ihn als Opfer für sein Zauberstück aussuchen müssen?
Frustriert und verwirrt stahl Bjanar sich aus dem Kreis der Wagenburg. Über allen anderen Fragen brannte ein Gedanke in seinem Hinterkopf: "Warum ist Tandur zurückgekommen und wird er bleiben?"

Erdbeerdaiquiri von Karo Stein (kath74)
Tom fror. Instinktiv zog er die Beine dichter an seinen Körper. Eine Hand suchte nach der Decke. Aber er konnte sie nicht finden. Tom seufzte im Schlaf, ließ den Arm liegen, wo er war. Er schlief noch viel zu fest, um sich Gedanken über die verschwundene Decke zu machen.
So zusammengerollt verspürte er ein wenig mehr Wärme. Der Schlaf nahm ihn abermals gefangen. Tom träumte vom See. Er spürte den Wind auf seiner Haut, den kühlen Sand unter seinen Füßen. Er fing an zu zittern. Tom streckte seinen Ar
m auf der Suche nach der Decke aus. Irgendwo hier musste sie doch sein. Doch die Hand griff unentwegt ins Leere. Vielleicht war sie aus dem Bett gefallen. Er streckte sich etwas, um das Ende des Bettes zu ertasten. Die Augen hatte er fest geschlossen. Noch hatte der Schlaf eindeutig die Oberhand. Eine erneute Gänsehaut lief über seinen Körper und das Zittern wurde intensiver. Ihm war schrecklich kalt. Tom steigerte seine Bemühungen, aber egal, wie weit er seinen Arm auch ausstreckte, er kam nicht an den Rand des Bettes. Er brummte unwillig vor sich hin und streckte sein Bein aus. Nichts! Irgendetwas stimmte hier nicht.
Nun meldete sich auch noch seine Blase. Deutlich, ja sogar schmerzhaft, signalisierte sie ihm, dass er aufwachen und auf die Toilette gehen sollte. Allmählich wich der Schlaf aus seinem Körper. Tom erwachte, obwohl er das Gefühl hatte, dass es noch viel zu früh zum Aufstehen war. Er konnte die Morgensonne in seinem Gesicht fühlen. Sie verursachte rote und gelbe Kreise unter seinen geschlossenen Lidern.
Wieso war ihm nur so schrecklich kalt? Es war doch mitten im Sommer. Gestern hatte er noch in seinem Bett geschwitzt. Aber gestern war sein Bett auch noch viel weicher gewesen. Weicher? Wieso denn weicher? Tom tastete über den Untergrund. Hart! Hart wie Stein- verwirrt öffnete er nun doch die Augen. Für einen Moment war sein Blick verschwommen. Er blinzelte einige Male, dann hatte er ein klares Bild.
Aber das, was er nun sah, gefiel ihm gar nicht!
Erschrocken und entsetzt von seiner Umgebung sprang er hoch. Seine Beine zitterten, wollten unter der plötzlichen Anstrengung nachgeben. Er stützte sich an der Wand ab, keuchte, sah sich um. Sein Herz raste und für einen Augenblick wurde ihm schwarz vor Augen. Sein Kreislauf war wohl mit dem hastigen Aufsprung etwas überfordert. Ein stechender Schmerz im Bauch ließ ihn kurz zusammensacken. Seine Blase forderte brachial ihr Recht. Der Schmerz rief eine erneute Gänsehaut hervor. Tom schloss die A
ugen und wartete, bis sich sein Puls etwas beruhigt hatte und der Schmerz nachließ. Auch mit geschlossenen Augen wurde ihm klar, dass er nicht in seinem Bett lag. Das war auch nicht sein Schlafzimmer. Seine Füße glitten über den Untergrund. Harter, kalter Steinboden. Er spürte die Fugen zwischen den einzelnen Platten, kleine Kieselsteine, Staub - Wo zur Hölle, war er hier? Langsam öffnete er die Augen. Tom sah an sich herab und stöhnte erneut.
Er war nackt. Splitterfasernackt! Der Fußboden, auf dem er bis eben noch gelegen hatte, gehörte zu einem Hausflur. Auch wenn in seinem Kopf noch alles durcheinanderging, eines wurde ihm sofort klar. Das hier war eindeutig nicht das Haus, in dem er wohnte. Für einen Augenblick ergriff ihn Panik. Er löste sich von der Wand und sah sich hektisch um. Eindeutig ein Hausflur! Und er befand sich auf einem Treppenabsatz zwischen zwei Etagen. Tom lehnte sich über das Geländer und sah nach unten. Mindestens vier Etagen und auch nach oben waren es noch zwei oder drei. Nichts kam ihm bekannt vor. Er drehte sich zum Fenster. Die Sonne berührte seinen ausgekühlten Körper. Wärme! Auch wenn es nur ein Hauch von Wärme war, es tat so unglaublich gut.

Er blieb am Fenster stehen und betrachtete die Umgebung. Eine moderne Wohnsiedlung mit mehrgeschossigen Häusern. In der Mitte war eine freie Fläche mit Bänken und einem Sandkasten. Ein paar Büsche und Sträucher grenzten die Fläche ein. Alles sah ordentlich und gepflegt aus. Sogar die Rasenfläche war noch grün. Da, wo Tom wohnte, war die Wiese komplett verdorrt. Niemand fühlte sich berufen, den Rasen zu sprengen oder die Blumen zu gießen. Tom seufzte. Er kannte diese Gegend hier nicht.
Er setzte sich auf eine Treppenstufe. Er musste nachdenken. Die Kälte war sofort wieder da, aber er ignorierte sie ebenso wie das dringender werdende Bedürfnis seiner Blase. Wild rasten die Gedanken in seinem Kopf durcheinander. Tom versuchte, die Gedanken zu ordnen. Er musste sich erinnern, an geste
rn, an die letzte Nacht. Wie war er hierher gekommen und vor allem, wieso lag er nackt im Hausflur? Die entscheidende Frage jedoch war, wie kam er aus diesem Schlamassel heil heraus?

"Du musst dich erinnern!", murmelte er vor sich hin und schloss die Augen. Langsam formten sich Bilder in seinem Kopf. Er war gestern auf einer Strandparty gewesen. Zusammen mit Josh, Marvin und noch ein paar anderen Studienkollegen war er zum Stadtsee gefahren. Tom mochte das weitläufige Gewässer mit seinen verschlungenen Buchten. In der Mitte ragte eine kleine Insel aus dem Wasser. Am Südufer befand sich ein lang gezogener Sandstrand. Ansonsten war das beliebte Ausflugsziel von Wald und wildromantischen Lichtungen umgeben. Zugegeben, tagsüber wimmelte es hier von Familien und schreienden Kindern, aber abends kam der Lärm von den Partywilligen. Ganz besonders natürlich am Wochenende. Aber Tom fuhr auch unter der Woche gern an seinen Lieblingsplatz. Er hatte eine etwas abgelegene Bucht gefunden, in der er vor den Augen der anderen versteckt lernen oder einfach nur relaxen konnte. Sein Studium war ziemlich anstrengend und so genoss er die freie Zeit am Wasser sehr.

Gestern Abend war er jedenfalls mit seinen Freunden verabredet gewesen. Am Strand war es, wie nicht anders zu erwarten, voll gewesen. Laut dröhnte die Musik über den See, während Tom mit seinen Freunden in den aufgestellten Liegestühlen saß und Erdbeerdaiquiri trank. Es geht doch nichts über einen Erdbeerdaiquiri, dachte Tom bei sich, er mochte die Mischung aus Erdbeeren und weißem Rum. Sie entsprach für ihn genau dem Gefühl von Sommer. Er beobachtete die Menschen um sich herum, war einem kleinen Abenteuer nicht abgeneigt. Die Auswahl war wirklich gut.
Es dauerte nicht lange, bis ein Typ an der Bar Toms Aufmerksamkeit erregte. Ein süßer, blonder Twink. Er entsprach genau Toms Beuteschema. Sein Jagdinstinkt war geweckt, obwohl er gar nicht unbedingt auf einen One-Night-Stand aus gewesen war. Es war nichts,
was er mit Vorsatz betrieb, aber wenn sich eine Gelegenheit bot, dann ließ er sie sich auch nicht entgehen. Und dieser Typ sah nach einer wirklich vielversprechenden Gelegenheit aus. Zuerst unterhielten sie sich nur, dann flirtete Tom offen mit ihm. Der Kleine stieg darauf ein, lachte, wurde sogar rot bei Toms anzüglichen Bemerkungen. Der Abend schien gut zu laufen. Tom bestellte Erdbeerdaiquiris und sie tranken mit zwei Strohhalmen aus einem Glas. Sie teilten sich noch den einen oder anderen Cocktail, kamen sich dabei näher. Allerdings fühlte sich Tom nicht so betrunken, dass es diese unangenehme Lage gerechtfertigt hätte.

Tom rieb sich die Augen, sah abermals aus dem Fenster. Und dann? Was war dann passiert? Sie suchten sich einen Platz etwas abseits von den anderen. Tom zog den Blonden fest in seine Arme. Er hatte ein kleines Stück Erdbeere an seiner Lippe kleben und Tom nutzte die Gelegenheit, um ihn zu küssen. Der Kleine schmeckte gut. Süß, nach Erdbeeren. Er küsste nicht schlecht, schmiegte sich vor allem so dicht an ihn. Seine Lippen waren weich, sein Seufzen fuhr Tom sofort in die Lenden.
Tom wollte mehr. Er ließ sich in den Sand fallen, zog den anderen auf sich drauf. Seine Hände fanden automatisch den Weg in dessen Shorts. Seufzend knetete er die festen Pobacken. Sie keuchten. Ihre Küsse wurden wilder. Tom rieb seine Hüften gegen die des anderen. Niedliche kleine Laute entsprangen dessen Kehle. Tom wäre am liebsten sofort über ihn hergefallen. Allerdings schien der Kleine in der Öffentlichkeit nicht weiter gehen zu wollen.

Und dann hatte Tom es getan. Er hatte seine eigenen Regeln gebrochen. Er ließ sich überreden und ging mit in die Wohnung des Fremden. Vielleicht war es die Aussicht auf Sex, die Hitze oder tatsächlich der Alkohol gewesen, die ihn dazu brachten. Vielleicht war es auch die Tatsache, dass er ganz in der Nähe wohnte und Tom nicht mehr länger warten wollte. Sein Penis pochte hart in der Hose und setzte sein Gehirn auß
er Gefecht. Dem anderen schien es nicht besser zu ergehen. Tom konnte die Erregung deutlich durch den dünnen Stoff der Shorts fühlen. Es machte ihn unglaublich an. Trotzdem! Er ging nie mit irgendwelchen Typen mit! Nein, er bestand auf seiner Wohnung. Dafür gab es auch einen guten Grund. Denn es war nicht das erste Mal, dass ihm so etwas passierte, dass er nicht wusste, wo er war. Allerdings war er damals nicht nackt in einem Hausflur aufgewacht. Damals lag er in der Küche und der Typ fand es ziemlich witzig. Er konnte gar nicht mehr aufhören zu lachen. Aber für Tom war es nicht witzig gewesen. Er hatte die Kontrolle verloren. Das gefiel ihm gar nicht. Kontrolle war ihm wichtig. Er bestimmte die Regeln, er sagte, wann das Spiel zu Ende war. Tom war der Jäger. Top. Aktiv. Der Stecher. Wie immer man es nennen wollte. Damals fühlte er sich wütend und beschämt zugleich. Er hatte die Kontrolle verloren und er wollte nicht, dass es ihm noch einmal passierte. Tom hatte keine Probleme damit, Twinks nach dem Sex aus seiner Wohnung zu werfen. Nein, das machte ihm wirklich nichts aus. Aber irgendwo auf dem Fußboden aufzuwachen, das wollte er auf keinen Fall noch einmal erleben!
Wieso hatte er gegen seine eigenen Regeln verstoßen? Tom hatte keine Erklärung dafür. Aber nun war es ohnehin zu spät, darüber zu grübeln. Nun musste er über seine Möglichkeiten nachdenken. Was hatte er denn für Optionen? Nackt nach Hause laufen? Wohl kaum. Noch einmal ließ er den Blick schweifen. Hier konnte er allerdings auch nicht ewig sitzen bleiben. Denk nach, ermahnte er sich immer wieder. Denk nach! Aber bevor es ihm gelang, brachte sich seine Blase äußerst schmerzhaft in Erinnerung. Er musste sich irgendwie erleichtern. Wenn er sich doch nur an den Namen erinnern könnte! Aber so sehr er auch nachdachte, es fiel ihm nicht ein. Vielleicht etwas mit "L". Hießen die kleinen blonden Typen nicht immer irgendwie Leon, Lukas oder Linus? Aber da klingelte nichts bei ihm. Womöglich hatte er ihn gar ni
cht nach dem Namen gefragt. Namen bedeuteten gar nichts. Sie interessierten ihn nicht. Wieso auch? Er würde ihn ohnehin nicht noch einmal treffen wollen. Jetzt allerdings wäre ein Name wirklich gut. Aber selbst wenn er sich an den Vornamen erinnern würde, würde das auch nichts nützen. Ohne Nachnamen war er definitiv aufgeschmissen.
Noch einmal sah Tom nach draußen. Die Sträucher kamen ihm so unglaublich verlockend vor. Aber wenn er das Haus verließ und die Tür fiele auch noch ins Schloss? Dann stand er nackt draußen. So ein Risiko wollte er nicht eingehen. Auch wenn es dort mit Sicherheit wärmer war als in diesem Flur.
Schon erstaunlich, dass es hier drin immer noch so kalt war. In seiner Wohnung stand die Luft förmlich. Auch im Hausflur war es stickig und heiß. Die Hitze hatte vom gesamten Gebäude Besitz ergriffen. Hier allerdings nicht. Erneut rann eine Gänsehaut über seinen Körper. Wahrscheinlich würde er sich hier glatt noch erkälten.
Er erhob sich abermals und sah nach oben. Vielleicht war er die Treppe im Schlaf hinuntergegangen. Er stieg die Stufen nach oben und las die Namensschilder an den Türen. Natürlich sagten sie ihm rein gar nichts. Tom wippte mit den Füßen, hoffte so, die Kälte aus seinem Körper ein wenig vertreiben zu können und sein Bedürfnis im Zaum zu halten. Er sah nach unten. Was hatte er schon zu verlieren. Er ging eine Etage tiefer, las auch hier die Namen. Nichts! Natürlich nichts!
"Scheiße, was mache ich denn nur!", fluchte er vor sich hin. Kein Geld, kein Handy, keine Klamotten. Alles lag bei diesem Typen hier irgendwo im Haus. Dieser Typ, der wahrscheinlich noch in seinem Bett lag und träumte. "Fuck!" Wieso hatte er sich nur darauf eingelassen? Im Nachhinein war der Sex nicht einmal wirklich gut gewesen. Sie kamen beide auf ihre Kosten, aber es war kein wirklich berauschendes Erlebnis gewesen. Der Typ war auf einmal viel zu passiv für Toms Geschmack gewesen. Auch wenn Tom gern die Richtung vorgab, die ganze Arbeit allein zu
machen, gefiel ihm auch nicht.
Hätte er hinterher doch nur seine Sachen geschnappt und wäre nach Hause gegangen. So, wie er es auch geplant hatte. Aber nein, der Typ hatte sich an ihn geschmiegt und Tom war plötzlich so müde. Womöglich war es einfach auch nur so angenehm gewesen. Die kühle Wohnung und die Aussicht auf erholsamen Schlaf ließen ihn anscheinend alle Bedenken über Bord werfen. Sie hatten sich nach dem Sex sogar zugedeckt. Kein Wunder, dass er eingeschlafen war. Was dann passierte, war nicht weiter schwierig nachzuvollziehen.
Tom war kein richtiger Schlafwandler. Es war mit Sicherheit seine volle Blase, die ihn in der Nacht aus dem Bett getrieben hatte. Womöglich dachte er im Halbschlaf, er wäre zu Hause. Also ging er instinktiv den Weg ins Bad. Den Weg, der in seiner Wohnung zum Badezimmer führte! In dieser Wohnung hatte der Weg ihn allerdings in den Hausflur gebracht. Womöglich war die Tür zugefallen und der Weg zurück versperrt. Wieso er allerdings auch noch die Treppe benutzt hatte, das konnte er sich beim besten Willen nicht erklären. Tom konnte nur von Glück reden, dass er nicht die Treppen hinuntergefallen war. Aber das beruhigte ihn im Moment auch nicht wirklich. Jetzt stand er hier draußen, nackt, mit voller Blase und frierend. Er wippte noch etwas stärker.
Einfach mal auf gut Glück klingeln war auch keine gute Option. Es schien noch recht früh am Morgen zu sein, denn im Haus war es noch sehr still. Selbst draußen konnte er nicht einmal Autos hören. Schon allein die Vorstellung, dass er klingelte und eine ältere Frau würde die Tür öffnen und er nackt vor ihr ... Stöhnend raufte er sich die Haare. Das konnte doch nur ein Alptraum sein.

Gerade als er sich umdrehen wollte, um nach oben zu gehen, öffnete sich neben ihm die Tür. Tom erstarrte vor Schreck. Aus purem Reflex schnellten seine Hände zu seiner Körpermitte. Ein kleines Mädchen sah ihn mit großen Augen erstaunt an. Tom stand einfach nur da, hatte keine Ahnung, was er nu
n machen sollte. Sie drehte sich zur Wohnungstür um und Tom hielt die Luft an.
"Papa, da steht ein nackter Mann im Flur!", rief sie laut. Tom wurde schlecht. Wie sollte er einem Familienvater nur seine Situation erklären. Vermutlich würde er ihn für einen Perversen halten und die Polizei rufen. Zischend entließ er die Luft und wusste nicht, was er machen sollte. Wegrennen? Aber wohin denn? Ein kleiner Teil hoffte, dass er hier Hilfe bekam, aber so richtig konnte er nicht daran glauben.
Das Mädchen starrte ihn ungeniert an und kicherte dabei. Tom schätzte sie auf vielleicht fünf oder sechs Jahre. Er hatte eine Nichte in diesem Alter und die beiden waren sich durchaus ähnlich.

"Prinzessin, du sollst doch im Hausflur nicht so brüllen. Es ist doch noch früh am Morgen und-" Ein Mann stand in der Tür und sah Tom erstaunt an. Er konnte fühlen, wie dessen Augen ihn von oben bis unten musterten. Wahnsinnig dunkle Augen, schoss es Tom durch den Kopf. Noch immer stand Tom wie erstarrt da. In diesem Moment wünschte er sich nichts sehnlicher, als sich in Luft aufzulösen, einfach verschwinden zu können. Er spürte die Hitze in seinem Gesicht und die vier fremden Augen, die ihn offensichtlich amüsiert beobachteten.
"Ähm-", räusperte er sich. Tom suchte nach Worten, aber sein Kopf war wie leergefegt. Er hörte nur das Kichern des kleinen Mädchens. Vorsichtig sah er den Mann an. Er erwiderte seinen Blick, grinste dabei und verschränkte die Arme vor der Brust. Ja, er grinste ihn eindeutig an. Irgendwie fühlte sich Tom erleichtert. Er hatte eher damit gerechnet-
"Kann ich Ihnen vielleicht helfen?", fragte der Mann und riss Tom aus seinen Gedanken. Immer noch konnte Tom dessen Blick auf sich fühlen und nun zog ein Kribbeln über seinen Körper. Die Stimme des Mannes klang angenehm und tief. Ihm wurde auf einmal ganz warm im Bauch.
"Ich ... also, ich habe mich ausgesperrt", krächzte Tom. Was war denn mit seiner Stimme los? Er straffte sich etwas, versuchte, sich
so unauffällig wie möglich zu räuspern und betrachtete sein Gegenüber nun auch mit offenem Blick. Der Mann war ziemlich attraktiv.
"Sie wohnen hier?", fragte der Mann erstaunt. Mit Sicherheit wusste er genau, dass Tom nicht in diesem Haus wohnte. Die Kleine beobachtete ihn immer noch neugierig.
"Nein, also-" Tom konnte doch unmöglich vor dem Mädchen erzählen, dass er einen Typen abgeschleppt hatte, der hier irgendwo in diesem Haus wohnte. Anscheinend verstand der Mann sein Stammeln und hob erstaunt eine Augenbraue. Er grinste noch ein wenig breiter.
"Papa, der Mann ist ganz nackt!", sagte die Kleine noch einmal und sah ihren Vater an.
"Ich sehe es, Prinzessin!", erwiderte er.
Und dann war Tom alles egal. Das kichernde Mädchen, der Mann, der ihn angrinste. Er konnte sich schließlich nicht noch mehr blamieren.
"Ich muss ganz dringend aufs Klo!", brach es aus ihm heraus. Der Mann ging tatsächlich einen Schritt zur Seite und Tom nahm diese Geste als Einladung wahr und ging mit schnellen Schritten in die Wohnung.
"Die erste Tür rechts", hörte Tom ihn rufen. Tom verschwand augenblicklich hinter der genannten Tür, keuchte, als er die so dringend benötigte Toilette sah, und erleichterte sich. Dann blieb er einfach noch eine Weile sitzen, stützte seine Arme auf die Beine und legte seinen Kopf hinein. Problem Nummer eins war auf jeden Fall gelöst. Er fühlte sich unglaublich erleichtert. Im wahrsten Sinne des Wortes!


Elf auf der Couch von Isabel Shtar (Ishtar)
Herr Elf war nicht bloß "lecker", sondern bildschön - und sah wirklich aus wie ein verfluchter Elf.
Bei Wahrnehmungsstörungen wie dieser klafften Wunsch und Wirklichkeit nicht selten frappierend auseinander, was dann zu asthmatischen Ninjas, kleinwüchsigen Riesen oder verfetteten Amazonen führen mochte. Aber diesmal nicht, der hatte sich wirklich die passende Macke ausgesucht.
Die ganze Erscheinung umwaberte eine Aura von Leichtfüßigkeit und Eleganz, die blattgrü
nen Haare fielen in dichten, glänzenden Strähnen bis auf die schmalen Hüften - da musste ein Meisterfriseur am Werke gewesen sein, Himmel, selbst das Schamhaar waren grün! Da war jemand sehr gründlich gewesen. Er war muskulös auf die Art eines Tänzers und hatte eine ebenmäßige, helle Haut. Das Gesicht war fein geschnitten, sinnlich und unschuldig zugleich, und ein paar warme braune Augen richteten sich weit aufgerissen auf ihn. Wilhelm schluckte. Karlas Warnung war gut gemeint gewesen, aber ein wenig unzureichend. Allerdings hatte er sie auch nicht recht zu Worte kommen lassen. Er verpasste sich innerlich einen Tritt, mahnte sich, sich gefälligst wieder einzukriegen, und lächelte entschlossen weiter.
"Herr Lorbeerblatt?", begrüßte er ihn, ohne auf ihn zuzutreten, das konnte auf einige verängstigend wirken, immer die Ruhe behalten. Und bloß nicht plump die falsche Identität anzweifeln.
"Ha ... hallo", erwiderte der andere zögerlich. Seine Augen flitzten etwas nervös durch den Raum und über Wilhelm, dann blieben sie an den Tulpen hängen. Der Rosenkranz auf seinem Kopf sah schon reichlich lädiert aus, gab seiner Erscheinung aber etwas zusätzlich Surreales.
"Ich heiße Wilhelm Wagner. Ich bin Psychologe und soll Ihnen helfen, verstehen Sie das?", fragte er sanft.
Lorbeerblatt nickte und sah ihn erneut an. Die Farbe seiner Augen erinnerte irgendwie an eine Baumrinde. "Das ist nett", sagte er gefasst. "Aber Sie können mir nicht helfen."
"Vielleicht doch. Ich habe schon vielen geholfen. Möchten Sie es nicht einmal probieren?", blieb er am Ball.
Der Möchtegern-Elf legte den Kopf in einer anmutigen Geste schief und schien etwas gequält zu lächeln. "Ich begreife, Sie müssen das tun, nicht wahr-? Das ist Ihr- Beruf? Und ich muss das auch tun, weil ich ein Gefangener bin und verrückt?", fragte er.
"Äh- so in der Richtung- Sie sind kein "Gefangener", lediglich in Verwahrung, weil Ihr Verhalten in der Öffentlichkeit etwas besorgniserregend war, besonder
s auch für Sie selbst", stellte Wilhelm klar.
Lorbeerblatt seufzte. "Ja, das sehe ich ein. Ich verstehe die Menschenregeln noch nicht so ganz", erwiderte er und schielte wieder auf die Blumen.
"Wollen wir uns nicht setzen?", fragte Wilhelm vorsichtig. "Da drüben hin zu den Tulpen?" Der andere nickte erneut und trat vor.
Wilhelm zählte innerlich bis zehn, dennoch konnte er einen neugierigen Blick auf die Kehrseite des anderen nicht ganz unterdrücken. Die Ranken mussten von einem Meister in seine Haut gestochen worden sein, so lebendig und natürlich wirkten sie, umschmeichelten die Schulterblätter und den Nacken, als wollten sie sich dort festhalten, wanden sich das Rückgrat hinab, umspielten den Ansatz der Hinterbacken und verschwanden in der Dunkelheit dazwischen, als hätten sie dort irgendwo ihren Ursprung. Er stand ja sonst überhaupt nicht auf diese tätowierten Typen, meist waren die Bilder billig in Motiv und Machart und harmonierten nicht zu dem darunter steckenden Körper und Wesen. Aber hier wirkte es völlig natürlich. Und in der Selbstverständlichkeit der zur Schau getragenen Nacktheit unfassbar ... beeindruckend. Schande, so einen Patienten hatte er definitiv noch nie gehabt, geschweige denn so einen Mann gesehen. Er war ein Profi, hämmerte er sich ein, ein schwuler Mann, sicher, aber an diesem Ort ein Psychologe, der es mit einer verwirrten Seele zu tun hatte. Ihm auf den perfekten Arsch zu starren mochte zwar eine ganz normale Reaktion auf so eine Erscheinung sein, aber hier völlig unangebracht und gefälligst zu unterdrücken.
Lorbeerblatt ließ sich direkt vor der Vase auf die Polster sinken und schlug die Beine übereinander. Ein Lorbeerblatt kringelte sich keck von hinten hervor kommend in Richtung seines Hüftknochens, aber immerhin war so sein Schritt halbwegs verdeckt, das war sehr zuvorkommend von ihm, denn das, was da blitzte, war auch ... beeindruckend.
Wilhelm setzte sich mit ziemlich gemischten Gefühlten ihm gegenüber in den Sesse
l auf der anderen Seite des flachen Couchtisches unmoderner Machart.
"Erzählen Sie mir doch, was Ihres Erachtens nach gestern Abend im Park passiert ist", forderte er ihn freundlich auf.
Lorbeerblatt sah kurz zu ihm auf, bevor er sich auf ein Neues dem Inhalt der Vase widmete. Blumen-Fetischismus? Gab es so etwas? Sicher, es gab jede Form des Fetischismus- Lack und Leder- Klingonen- Eichhörnchen ... garantiert auch Blumen.
"Ich-", hob der andere an, "... ich bin doch verrückt, oder? Also habe ich ... verrückte Dinge getan?"
"Die Menschen behaupten gerne, dass jemand verrückt sei, der sich ein wenig anders verhält als sie, aber das muss ja nicht heißen, dass man es auch ist. Sie hatten doch Gründe, zu tun, was Sie getan haben - empfinden Sie die selber als verrückt?", bemühte sich Wilhelm.
Der andere sah erneut auf. "Nein", erwiderte er langsam. "Sicherlich nicht. Aber die Menschen ... entscheiden das doch, nicht ich."
"Ich bin nicht die Menschen, ich will nur verstehen, damit ich Ihnen helfen kann", beruhigte ihn Wilhelm, während er sich darauf konzentrierte, dem anderen in das fein geschnittene Gesicht zu sehen. Lorbeerblatts Züge wirkten ein wenig wie gezeichnet, seine grünen Augenbrauen waren geschwungen wie die Bögen einer Kathedrale.
"Nun gut", gab Lorbeerblatt nach. "Wie ich Ihren Kollegen schon gesagt habe: Ich bin ein Elf. Die Rosen im Park waren so wunderschön ... und ich war so allein. Da können Sie mir aber nicht helfen."
"Gibt es denn jemanden, in dessen Gegenwart Sie sich nicht so allein empfänden?", bohrte Wilhelm vorsichtig nach.
Lorbeerblatt senkte den Kopf, sodass seine grünen Strähnen ihm geschmeidig über die nackten Schultern fielen. "Ja. Viele. Aber sie haben mich verstoßen. Ausgesetzt. Jetzt muss ich bei den Menschen bleiben, und es gibt niemanden mehr, nur noch die Blumen", erklärte er tonlos.
"Die anderen ... sind auch Elfen?", fragte Wilhelm. Lorbeerblatt nickte bestätigend. "Warum haben die Sie ... all
ein gelassen?" Erzählen lassen ... das erlaubte Rückschlüsse.
Der andere nagte angespannt an seiner Oberlippe, die Tulpen fest im Blick. "Weil ich kein richtiger Elf bin in ihren Augen. Mein Vater war ein Mensch - und ich bin ihnen viel zu menschlich geraten", erklärte er.
"Es ist nichts Schlimmes daran, menschlich zu sein", tröstete ihn Wilhelm sanft.
"In ihren Augen schon. Ich darf nicht mehr unter ihnen leben, darf nicht mehr nach Hause, weil ich- Ich bin in ihren Augen ekelhaft, untragbar- wie die Menschen, kurz geduldet, aber nie- weil ich-", verhaspelte sich Lorbeerblatt ein wenig niedergeschlagen.
"Worin besteht denn Ihr Verbrechen in deren Augen?", brachte ihn Wilhelm auf Kurs.
Lorbeerblatt zögerte kurz, dann gestand er, als sei er fast froh, diese Last loswerden zu können, indem er sie aussprach: "Meine Bedürfnisse", würgte er hervor, "sind zu menschlich. Die Blumen, aber da ist noch mehr-"
Wilhelm griff ganz langsam nach der Vase und schob sie näher zu ihm herüber. "Sie mögen Blumen sehr?", stellte er eher fest, als dass er fragte.
Lorbeerblatt starrte fast wie hypnotisiert auf die Blüten.
"Möchten Sie sie anfassen?", bot Wilhelm an. Vielleicht würde er so etwas mehr darüber erfahren, was sich hinter dieser verschobenen Selbstwahrnehmung verbergen mochte.
Er verfolgte, wie eine leichte Rötung sich auf Lorbeerblatts Wangen breitmachte. Die baumrindenfarbenen Augen sahen ihn geweitet an. "Finden Menschen das nicht ... unanständig?", fragte er etwas verwirrt, während er seine rechte Hand schon halb erhoben hatte.
Wilhelm lächelte. "Blumen berühren? Nein. Und außerdem bin ich Psychologe. Alles, was Sie mir sagen oder zeigen, verlässt dieses Zimmer nicht. Nur die Folgerungen, nicht der Inhalt und das auch nur zu wenigen. Damit ich Ihnen helfen kann, muss ich aber auch erfahren, was in Ihnen vorgeht."
"In Ordnung", fügte sich Lorbeerblatt. "Ich ... versuche es. Ich muss ja jetzt in der Menschenwelt leben, wenn so die R
egeln sind? Aber ... es ist mir schon ein wenig peinlich-"
"Muss es nicht!", stellte Wilhelm klar. "Nicht vor mir. Ich verurteile Sie wegen gar nichts." Lorbeerblatt schluckte, dann griff er mit etwas zittrigen Finger nach einer roten Tulpe. Er zog sie hervor und hob sie vor sein Gesicht, wo er sie atemlos musterte. Sah doch eigentlich ziemlich elfen-mäßig aus. Wo war denn da das imaginäre Problem? Das Wirkliche offenbarte sich indes recht schnell. Lorbeerblatt schloss die Augen und führte die Blütenblätter an seine Lippen, ließ sie voll zitternder Spannung über die sensible Haut gleiten. Sein Mund öffnete sich leicht, der Atem kam etwas beschleunigt, während er die Pflanze über sich gleiten ließ. Erst über das Gesicht, dann hinab über den Hals in seine Schulterbeuge. Wilhelm merkte, wie ihm etwas zitterig wurde. Das hier diente der Analyse, mahnte er sich, aber dennoch war es auf eine verrückte Art und Weise verflucht sinnlich. "Ich kann das Leben darin spüren", flüsterte Lorbeerblatt ein wenig heiser, "und das ist ... normal für einen Elf. Aber ... dann ... dann kommt immer der Mensch in mir durch ... und es geschehen Sachen. Und die Blüten sind dann viel zu wenig- egal wie schön-"
"Was für Sachen-?", fragte Wilhelm, sich innerlich selber geißelnd.
Lorbeerblatt öffnete die Augen, seufzte tief und gab sich einen Ruck. Der Tulpenkelch wanderte derweil über die Konturen seiner Brust, als sei er eine fremde Zunge, die ihn liebkoste. Seine langen, schlanken Beine schwangen auseinander, und er spreizte die Schenkel. Wie angezogen von einem Elektromagneten, starrte Wilhelm entgeistert hin. Das Geschlecht des anderen war voll erigiert und lag prächtig gegen die sich rasch hebende und senkende Baudecke gelehnt. Eine zarte Oberfläche, ein üppiges Format- und das ihm! Himmel hilf! "Na, das da", meinte Lorbeerblatt etwas erbärmlich und wies auf sein "Problem". "Das wird einfach hart, obwohl ich gar keine Bindung habe und auch gar keine Fortpflanzung ansteht! Wie b
ei einem Menschen! Ständig! Es ist nicht zum Aushalten und die Blumen reichen einfach nicht! Und die anderen- Sie ekeln sich vor mir und lachen und sagen, ich sei kein Elf, sondern wie ein Mensch und gefährlich, weil ich es nicht steuern kann. Und dann einfach nur noch ... will."
"Das ... das ist doch ganz natürlich-", würgte Wilhelm hervor. Ganz ruhig ... der war verwirrt ... brauchte Hilfe- Er biss die Zähne zusammen, konnte aber nicht verhindern, dass es sich auch in seinem Unterleib regte. Ganz natürlich, in der Tat ... verdammter Mist. "Ist es das?! Ich verstehe so wenig davon! Und es wird immer schlimmer! Gestern Abend im Park ... die ganzen Blumen- Da ist es mit mir durchgegangen, ich dachte irgendwie, das würde reichen, es waren so viele! Aber es genügte einfach nicht! Es hört einfach nicht auf! Es kommt ständig wieder und lässt mir keine Ruhe! Und es reicht einfach nicht! Sehen Sie!", klagte Lorbeerblatt, winkelte die Beine an und ließ die Blüte über seine Hoden hinab über seinen Damm gleiten. Aus den Tiefen ringelten sich auch hier winzige Ranken empor wie neu geborene Triebe.
Wilhelm fühlte, wie seine Hände sich in die Sessellehnen krallten. Verzweifelt strampelte er innerlich nach Professionalität, aber diese Szenerie hatte die Wirkung eines erotischen Panzerbeschusses auf ihn. Der Möchtegern-Elf war bildschön - und er hielt ihm in verzweifelter Unschuld breitbeinig seine intimsten Bereiche vor die Nase, auf die etwas in Wilhelm sich am liebsten schreiend gestürzt hätte. Okay, in sexueller Hinsicht hing ordentlich was daneben bei dem. Was für eine Verschwendung! Oder war das ein besonders raffinierter Exhibitionist?! Zumindest keiner, auf den das Klischee vom zu kurz Gekommenen im dunklen Mäntelchen zutraf.
"Warum ... verschaffen Sie sich dann nicht einfach selbst Erleichterung?", fragte er zähneknirschend.
"Wie denn?!", wollte Lorbeerblatt wissen, während er sich weiterhin mit der Tulpe streichelte.
"Äh- Na ja, Selbstbefriedigung ebe
n? Das ist weder verwerflich noch unnatürlich", dozierte Wilhelm, während er mental mit einem Hammer auf seinen sich verselbständigenden Schritt einschlug.
"Ich weiß nicht, wie das geht! Elfen machen so etwas nicht! Aber Sie- Sie sollen mir doch helfen?", hakte Lorbeerblatt nach und sah ihn aus riesigen Augen bittend an. Der Blütenstängel klemmte inzwischen zwischen seinen Hinterbacken und wurde dort im Unsichtbaren sanft hin und her gezogen.
"Äh- ja!", krächzte Wilhelm. Sollte er nach Ulrich rufen? Diesem Wahnsinn hier ein Ende setzen? Aber die Verzweiflung des anderen war echt, wenn auch nicht gerade aus Logik geboren, aber er war doch nicht das Dr.-Sommer-Team! Na ja, ein wenig schon unter den Umständen.
"Bitte! Was soll ich machen? Was machen Sie denn - bei Ihnen ist es doch auch ganz hart gerade!", stellte Lorbeerblatt klar und starrte ungeniert auf Wilhelms Körpermitte.

EAN: 9783942539678
ISBN: 3942539675
Untertitel: eine Anthologie aus 8 Gay-Love-Storys. Paperback.
Verlag: Fantasy Welt Zone Verlag
Erscheinungsdatum: September 2011
Seitenanzahl: 180 Seiten
Format: kartoniert
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