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Umkämpfte Erinnerungen

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Oktober 2011

Beschreibung

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Spanien galt lange als Modell für einen friedlichen Übergang von der Diktatur zur Demokratie. Doch erst die Ermittlungen der spanischen Justiz gegen das »Verschwindenlassen« in Argentinien und Chile führten zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Im Mittelpunkt standen dabei die »Verschwundenen« des Bürgerkriegs und der franquistischen Repression. Nina Elsemann stellt dar, welche geschichtspolitischen Diskurse und Erfahrungen in Spanien insbesondere aus Argentinien übernommen wurden. Damit präsentiert sie den Wandel des öffentlichen Umgangs mit der Vergangenheit als Folge globaler Dynamiken und Verflechtungen.Ausgezeichnet mit dem Ernst-Reuter-Preis der FU Berlin 2011 und dem Friedrich-Meinecke-Preis 2011.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt
Vorwort7

1 Einleitung9
2 Das Verschwindenlassen und die Konstruktion der desaparecidos im Kontext globaler Transfers35
2.1 Die "Erfindung" des Verschwindenlassens im 20. Jahrhundert36
2.2 Die Politik des Verschwindenlassens in Lateinamerika46
2.3 Der diskursive Kampf um die desaparecidos: Von Lateinamerika zur internationalen Menschenrechtsnorm65

3 Transnationale Aufarbeitung der Vergangenheit: Globale Normen und lokale Wirkung89
3.1 Neue Wege der Aufarbeitung90
3.2 Der "Fall Pinochet"107
3.3 Die Debatte über Pinochet in Spanien: Diskursive Transfers und historische Parallelen120
3.4 Der "Pinochet-Effekt"140

4 Spanien nach dem "Fall Pinochet": Der Wandel im öffentlichen Umgang mit der Vergangenheit (1975-2000)144
4.1 Das Modell der spanischen transición: "Niemals wieder" Bürgerkrieg145
4.2 Die Rückkehr der Vergangenheit: Erste Risse im Erinnerungskonsens der transición167
4.3 Das Ende des Schweigens: Die Wiederentdeckung der spanischen desaparecidos183

5 Argentinien als Modell: Die spanische Erinnerungspraxis und ihre zentralen Akteure199
5.1 Die spanischen desaparecidos und die Wirkungsmacht internationaler Menschenrechtsnormen200
5.2 Das Ausgraben der Geschichte: Lokale Erinnerungen und transnationale Erinnerungspraxis224

6 Die Neuverhandlung der Vergangenheit in Spanien (2000-2008)250
6.1 Die Gegenwart der Vergangenheit: Kontroverse Begriffe und Geschichtsdeutungen250
6.2 Politik mit der Vergangenheit: Zwischen Blockade und Institutionalisierung der Erinnerung285

7 Schlussbetrachtung: "Argentinisierung" der Aufarbeitung?317

Abkürzungsverzeichnis331
Quellen334
Literatur338
Personenregister370

Leseprobe

6 Die Neuverhandlung der Vergangenheit in Spanien (2000–2008) (S. 250-251)

Die von den Erinnerungsaktivisten um Emilio Silva initiierte Debatte über die spanischen desaparecidos und die Ausgrabung der Bürgerkriegsgräber haben in den zurückliegenden Jahren das Thema der franquistischen Repression auf die politische Agenda gesetzt und eine grundlegende Neuverhandlung der Vergangenheit ausgelöst.

Während die Transition die Vergangenheit noch sinnbildlich begraben wollte, wird dieser Prozess seit 2000 umgekehrt und die verdrängte Geschichte der franquistischen Repression buchstäblich ausgegraben. Wie die vergangenen Jahre verdeutlicht haben, ist es der Erinnerungsbewegung dank der emotionalen Kraft und massenmedialen Wirkung der Ausgrabungen gelungen, eine öffentliche Debatte über die Bürgerkriegs- und Diktaturvergangenheit sowie die transición zu initiieren.

Diese Debatte hat in den letzten Jahren zu einer Pluralisierung der historischen Narrative geführt und wird zusammen mit der sich daraus ergebenden Sensibilisierung der spanischen Gesellschaft für die Problematik der Bürgerkriegsgräber und die Versäumnisse im Umgang mit der Vergangenheit von Silva zu Recht als entscheidender Erfolg der ARMH betrachtet.1

6.1 Die Gegenwart der Vergangenheit: Kontroverse Begriffe und Geschichtsdeutungen


Die in den letzten Jahren erfolgte öffentliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in den spanischen Medien unterscheidet sich in mehreren Aspekten deutlich von früheren Debatten. Neben der neuen Qualität und Quantität seit dem Jahr 2000 lassen vor allem neue Akteure diesen Unterschied erkennbar werden: Die Debatte, die in den neunziger Jahren noch in erster Linie in der Wissenschaft und der Politik geführt wurde, entwickelte sich seit 2000 immer mehr
zu einem gesellschaftlichen Anliegen.

Dies führte dazu, dass in den Meinungsartikeln im Unterschied zur vorherigen Debatte, bei der es in erster Linie um die Geschichte und ihre politische Instrumentalisierung gegangen war, nun verstärkt der Begriff der Erinnerung formuliert wurde.2 Im Folgenden wird dieser Wandel in der öffentlichen Debatte, der sich auch anhand neuer Begriffe und Vergangenheitsdeutungen ausdrückte, veranschaulicht. Als Antwort auf die Revision der Vergangenheit durch die Erinnerungsbewegung und neuere geschichtswissenschaftliche Untersuchungen kam es in den letzten Jahren zugleich zu einem neuen Revisionismus, der bis heute versucht, die alten franquistischen Geschichtsmythen wiederaufleben zu lassen.

Angesichts der Konjunktur der runden Jahrestage zwischen 2000 und 2006 wird ein besonderes Augenmerk auf die symbolträchtigen Jahres- und Gedenktage gelegt, da diese die Dynamisierung der Debatte über die Vergangenheit und die Deutungskämpfe um bestimmte Daten und ihre Interpretation überzeugend aufzeigen.

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EAN: 9783593412405
Untertitel: Die Bedeutung lateinamerikanischer Erfahrungen für die spanische Geschichtspolitik nach Franco. Dateigröße in MByte: 3.
Verlag: Campus Verlag
Erscheinungsdatum: Oktober 2011
Seitenanzahl: 372 Seiten
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Wasserzeichen
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