EBOOK

Das Revolutionsjahr 1989


€ 15,99
 
pdf eBook
Sofort lieferbar (Download)
Januar 2011

Beschreibung

Beschreibung

Die demokratischen Revolutionen des Jahres 1989 veränderten das Gesicht der Staaten des östlichen Europa grundlegend. Volksbewegungen wandelten autoritäre Diktaturen in demokratische Nationalstaaten. Die grenzüberschreitende Dynamik dieser Prozesse führte die spezifischen inneren Bedingungen in den einzelnen Staaten mit den wechselseitigen äußeren Anstößen zusammen. So sind die Vorgänge von 1989 Umwälzungen im doppelten Sinne: nationale und zugleich internationale Ereignisse.Die Beiträge des Bandes führen diese unterschiedlichen Vorgänge zusammen. Sie verdeutlichen den Kontrast zwischen dem »samtenen« Verlauf der Revolution in der Tschechoslowakei und dem blutigen Ende der Ceausescu-Diktatur. Dass sich aus allem ein einziger nach wie vor offener Prozess ergibt, zeigt dieses Sammelwerk.

Dr. Bernd Florath ist Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Forschung des BStU.

Inhaltsverzeichnis

1;Front Cover;1 2;Title Page;4 3;Copyright;5 4;Inhalt;6 5;Einleitung;8 6;Ágnes Heller Nach zwanzig Jahren;18 7;Alexander von Plato Internationale Bedingungen der Wiedervereinigung;30 8;Victor Zaslavsky Cornobyl, Katyn und Gorbacev;44 9;Ilko-Sascha Kowalczuk Revolution in der DDR;58 10;Bernd Florath Die SED im Untergang;64 11;Tomá Vilímek Die Ursachen des Zusammenbruchs des kommunistischen Regimes in der CSSR im Jahre 1989;106 12;Raluca Grosescu Interpretationen der rumänischen Dezemberereignisse von 1989;124 13;Matthias Braun Rolle der Künstler/Schriftsteller im Herbst 1989 und die obsolete Stellung der Zensur in der DDR;138 14;Christian Halbrock Kirche und Kirchen im Vorfeld sowie in den Revolutionen;150 15; Svitlana Hurkina Der Prozess der Legalisierung der Ukrainischen Griechisch- Katholischen Kirche und die Unabhängigkeit der Ukraine ;166 16;Reinhard Weißhuhn Die ungarische demokratische Opposition und ihre Kontakte zur DDR-Opposition;188 17;William Totok Zwanzig Jahre lang im Visier der Securitate;198 18;Jerzy Holzer Der Runde Tisch;226 19;János Rainer Bewältigung und Kenntnis der Vergangenheit in Ungarn seit 1989 ein vielfältiges Erbe;234 20;Anhang;248 21;Abkürzungen;250 22;Zu den Autoren ;252 23;Back Cover;258


Leseprobe

Jerzy Holzer (S. 225-226)

Der Runde Tisch Internationale Geschichte eines politischen Möbels Der Begriff »Runder Tisch« tauchte das erste Mal nach der Streikwelle im Mai 1988 in Polen auf, im Referat des 1. Sekretärs des Zentralkomitees der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP) Wojciech Jaruzelski, auf dessen Tagung am 13. Juni. Der General konkretisierte die Sache nicht. An den Tisch sollten die bestehenden und die künftig noch zu organisierenden Vereine oder Verbände geladen werden, um über ein Projekt des neuen Vereinsbildungsgesetzes zu diskutieren. Der neuberufene ZK-Sekretär Mieczyslaw Rakowski sprach zwei Wochen später davon, dass man als Partner nur die Kräfte betrachtete, welche die bestehende Verfassung akzeptieren, nicht aber die Solidarnosc. »›Solidarnosc‹ befindet sich in einem Kapitel der Geschichte, das beendet ist.«

1991 formulierte Rakowski auf einer internationalen Tagung die These, dass die kommunistische Partei den ersten Schritt zu einem Wandel gemacht habe, um nicht nur die Wirtschaftsreformen im Rahmen des bestehenden Systems umzusetzen, sondern auch, um Solidarnosc zu legalisieren und die Opposition als politische Kraft anzuerkennen.

Diese These stimmte nur teilweise. Bei dem Projekt des »Runden Tisches« war es zunächst nur um viel bescheidenere politische Veränderungen gegangen, und erst unter dem Druck der Opposition (und der Ereignisse) entschied sich die PVAP auch für weitgehende politische Reformen. Und es bleibt festzuhalten, dass nach all den wenig konkreten Bemerkungen über den »Runden Tisch« im Juni 1988 nichts geschah, bis im August 1988 eine neue Streikwelle einsetzte.

Es lässt sich aber sagen, dass sowohl die erste wie die zweite Welle noch relativ begrenzt blieb und kein stärkeres Echo im Lande fand. Immerhin wa
r sie eine Warnung, und man rechnete mit weiteren, möglicherweise größeren Streiks in der nahen Zukunft, zumal sich auch die Wirtschaftslage sichtbar verschlechterte. Ein Berater der Solidarnosc, Professor Andrzej Stelmachowski, traf sich am 20. August 1988 mit dem ZK-Sekretär Józef Czyrek und stellte ihm die Frage, ob es nicht Zeit sei für die Einberufung des »Runden Tisches«.

Danach kam es zu vertraulichen Verhandlungen zwischen Vertretern der Regierung und der Solidarnosc und schließlich am 26. August zu einer, wenn auch noch nicht sehr konkreten Einladung des Innenministers Czeslaw Kiszczak zu Verhandlungen am »Runden Tisch«. Diesmal war klar, dass die Einladung auch an Vertreter der Solidarnosc ging, allerdings nicht, ob man mit ihnen allen und über welche Themen man verhandeln wollte. Welche Voraussetzungen gab es für diese Gespräche?

Krzysztof Kozlowski, Mitarbeiter von Tadeusz Mazowiecki und späterer Innenminister in dessen Regierung, sagte mehr als zehn Jahre später, dass beide Seiten schwach waren: »Die Regierenden glaubten nicht mehr daran, die Menschen zu irgendetwas mit Gewalt zwingen zu können, glaubten nicht mehr an die Wirkung der Angst und der Macht. Sie glaubten nicht mehr daran, dass sich noch irgendetwas mit dem Polizeiknüppel und mit Gefängnissen erreichen ließe. Und auf der anderen Seite glaubte ›Solidarnosc‹ nicht mehr daran, mit Streiks oder Demonstrationen irgendetwas erkämpfen zu können.

Technik

Dieses eBook wird im PDF-Format geliefert und ist mit einem Wasserzeichen versehen. Sie können dieses eBook auf vielen gängigen Endgeräten lesen.

Sie können dieses eBook auf vielen gängigen Endgeräten lesen.

Für welche Geräte?
Sie können das eBook auf allen Lesegeräten, in Apps und in Lesesoftware öffnen, die PDF unterstützen:

  • tolino Reader
    Öffnen Sie das eBook nach der automatischen Synchronisation auf dem Reader oder übertragen Sie das eBook auf Ihr tolino Gerät mit einer kostenlosen Software wie beispielsweise Adobe Digital Editions.

  • Sony Reader und andere eBook Reader
    Laden Sie das eBook direkt auf dem Reader im eBook.de-Shop herunter oder übertragen Sie es mit der kostenlosen Software Sony READER FOR PC/Mac oder Adobe Digital Editions.

  • Tablets und Smartphones
    Installieren Sie die eBook.de READER App für Android und iOS oder verwenden Sie eine andere Lese-App für PDF-eBooks.

  • PC und Mac
    Lesen Sie das eBook direkt nach dem Herunterladen über "Jetzt lesen" im Browser, oder mit der kostenlosen Lesesoftware Adobe Digital Editions.

Die eBook-Datei wird beim Herunterladen mit einem nicht löschbaren Wasserzeichen individuell markiert, sodass die Ermittlung und rechtliche Verfolgung des ursprünglichen Käufers im Fall einer missbräuchlichen Nutzung der eBook-Datei möglich ist.

Bitte beachten Sie: Dieses eBook ist nicht auf Kindle-Geräten lesbar.

Ihr erstes eBook?
Hier erhalten Sie alle Informationen rund um die digitalen Bücher für Neueinsteiger.

EAN: 9783647350455
Untertitel: Die demokratische Revolution in Osteuropa als transnationale Zäsur. Dateigröße in MByte: 2.
Verlag: Vandenhoeck & Ruprecht
Erscheinungsdatum: Januar 2011
Seitenanzahl: 250 Seiten
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Wasserzeichen
Es gibt zu diesem Artikel noch keine Bewertungen.Kundenbewertung schreiben