EBOOK

Strohhalm, Stützbalken


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gebunden
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März 2013

Beschreibung

Beschreibung

Vor fünfhundert Jahren hätte man vielleicht noch ein Kloster gegründet. Weit weg von Seinsgehabe, Sinngetue. Und einfach sein: lässt sich doch seit je auf zwei Arten betonen. So ist das also. So also ist das. Die Stille davor, die Stille danach. Geschehen statt Handlung. Der Augenblick, der andauert. Genauigkeit, ins Unbestimmte führend. Aufge­hobenes, Aufgelesenes. Der Felsbrocken eines Brotkrümels, wenn ihn die Ameise schleppt. Leicht verständlich alles, aber schwer zugänglich. Mitunter, wenn schon ein schlichtes Komma eine Zeile zur Waage macht. Oder als ob zur Eloquenz eines jeden Gartens Rosenduft gehörte. Dementsprechend Ortsgebundenheit als Lokalbezug zur Welt. Und, Schlußverse in der Mitte versteckt, Vergangenheiten hinhaltend. Bis um einen herum Brennnesseln wachsen. Bis ein lichter Hallraum entsteht. Bis aus dem Gesehenen Gesehenes wird.

Portrait

Walle Sayer, geboren 1960. Kindheit und Jugend im Schatten des 1478 erbauten und 62 Meter hohen Bierlinger Kirchturmes. Bankkaufmannlehre, danach die Lehr- und Wander­jahre: u.a. Kin­dergartenpraktikum, dreizehn Kneipensemester, Deutschkursgeber in einer Asylunterkunft, Nachtbereitschaft in einem Altersheim. Lebt seit 1992 mit seiner Familie in Horb-Dettingen.
Schreibt Gedichte und Prosa. Bei Klöpfer & Meyer erschienen von ihm, hoch gelobt, ein halbes Dutzend Bücher. Zuletzt, 2009, »Kerngehäuse. Aufzeichnungen und Prosagedichte" sowie 2011: »Zusammenkunft. Ein Erzähl­geflecht«. Walle Sayer erhielt u.a. den Thaddäus-Troll-Preis, den Förderpreis zum Hölderlinpreis der Stadt Bad Homburg, den Berthold-Auerbach-Preis, das Hermann-Lenz-Stipendium, die Staufer-Medaille des Landes Baden-Württemberg und den Ludwig-Uhland-Förderpreis.

Leseprobe

ELEGISCH

Was ist, was wäre.
Wenn das Seltsame eigenartig wird.
Wenn du nichts verstanden hast, aber alles kapiert.
Wenn du geschwind zweihundert Jahre Zeit hättest.
Wenn da Flugpioniere einen Paragleiter erfassen würden.
Wenn wir so weit sind, daß wir in Muckenstuben logieren.
Wenn unsre Väter versehentlich
ein weißes Kätzchen einsperren im Kohlenkeller
und auf veralteten Straßenkarten Zwiefalten finden.
Wenn du wählen müßtest
zwischen einem verregneten Sommer,
einem schneelosen Winter.
Wenn du einen Tautropfen
auffädeln könntest auf
eine Perlenkette.

Pressestimmen

"Walle Sayer ist ein Spurensucher im Millimeterbereich. Einer, der im Detail das Ganze aufspürt, und so in seiner Welt die ganze Welt."
Südwestrundfunk
"Das wahre Wunder in der Poesie Walle Sayers besteht nicht im Außergewöhnlichen, sondern in der profanen Erleuchtung, die sich im Alltäglichen ereignet."
Stuttgarter Zeitung
"Gelernt: die Kunst, aus Sprache Stille zu formen, 'Stille, die einen Schatten wirft'. Ein Schattenkundler ist er, ein Vergänglichkeitskenner!"
Die Zeit
"Magische Bilder, die mich ebenso in ihrem Stimmungsklang anrühren wie in ihren Bedeutungen irritieren: Ich bewundere Walle Sayers Kunst und liebe sie. Sie hat für mich einen 'Primärberührungseffekt' wie alle großen Texte, Lieder, Bilder der Melancholie."
Hermann Kinder
EAN: 9783863510565
ISBN: 3863510569
Untertitel: Gedichte.
Verlag: Kloepfer und Meyer
Erscheinungsdatum: März 2013
Seitenanzahl: 116 Seiten
Format: gebunden
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