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Deutschlands Frühgeschichte


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Februar 2003

Beschreibung

Beschreibung

Auf der Grundlage neuester Erkenntnisse und archäologischer Zeugnisse entwirft Friedrich Prinz ein Kultur, Christentum und Völkerleben umfassendes Panorama der "deutschen" Geschichte von der Spätantike bis ins frühe Mittelalter. Es gehört zu den faszinierendsten Phänomenen europäischer Kultur, daß sie aus dem Chaos des Zusammenbruchs des weströmischen Reiches in einem Jahrhunderte währenden Prozeß entstanden ist. Gerade die Völker - Germanen und Slawen -, die zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert das Römische Reich überrannten und in eine schwere Krise stürzten, wurden die Träger der mittelalterlichen christlichen Kultur. So erreichten durch Kirche und Mönchtum zentrale antike Kulturtechniken, Literatur und Kunst die sich ausformende Welt der germanischen und dann der slawischen Völker. Neben den Organisationsformen der früheuropäischen Gesellschaft (Königtum, Adel) und den Rechtsordnungen liegt ein weiterer Schwerpunkt der Darstellung auf den konkreten Lebensverhältnissen (Sklaven, Arme, Familie, Ehe) sowie Wirtschaft und Handel. Friedrich Prinz "erreicht eine Leserschaft", schreibt Ulrich Raulff, "wie sie nur wenigen Historikern vergönnt ist".

Inhaltsverzeichnis

Inhalt
Vorwort
A Grundlagen Worum es in diesem Buch geht Eine Geschichte Deutschlands vor seiner Entstehung Das fränkische Großreich Die Kirche Raum und Natur Mitteleuropas als Schauplatz deutscher Geschichte Das Präludium der keltischen Welt Von der Prähistorie zur Geschichte Gesellschaft und Kultur Die keltische Stadtzivilisation Entstehung und Wandel der germanischen Völker Der Einfluß der Mittelmeerwelt Die materielle Kultur Die religiöse Welt der Germanen Die Ausbildung einer germanischen Gesellschaft Das Imperium und die germanischen Völker: Konfrontation und Integration Das Imperium Romanum in der Spätzeit Äußere Expansion bis an Rhein und Donau: Romanisierung als Akkulturation Formen und Phasen römischer Herrschaft: Germanische Invasionen - Reichskrise - Der neue römische Militärstaat seit Diokletian und Konstanin dem Großen Umbau der Römerherrschaft am Rhein und Donau-Trier als Kaiserresidenz
B Die Franken: Invasoren als Reichsgründer Das fränkische Großreich der Merowinger (511-714) Vom Wanderkönigtum zur Regionalherrschaft König Chlodwig I. (gest. 511): Krieger - Christ - Reichsgründer. Ein skrupelloser Weg zum Erfolg Das fränkische Reichsteilungsprinzip und dessen Folgen (511-614) König Dagobert I. (629-639): Die politisch-kulturelle Expansion des Frankenreiches östlich des Rheins Schwindende Königsmacht: Kampf der Hausmeier um die Herrschaft - Aufstieg der Frühkarolinger Germanenvölker rechts des Rheins und an der Donau: Entstehung und Integration ins Frankenreich Alamannen und Bajuwaren Thüringer, Sachsen, Friesen Der Aufbau der westslawischen Welt zwischen Ostsee und Alpen: Konfrontation und missionarische Integration Der krisenreiche Aufstieg der Frühkarolinger bis Karl Martell (687-714)
C Die Kirche als Brückenpfeiler zwischen römischer Spätantike und europäischem Frühmittelalter Die Bistümer Anfänge und Rückschläge in der Völkerwanderungsepoche Neuansatz im Frankenreich Die begrenzte Rolle des Papsttums Die Bischöfe im Verbund des Frankrenreichs Das Mönchtum als erneuernde Kraft Die spätantiken Wurzeln Der missionarische Impetus des irischen Mönchtums Angelsächsische Mönche als Reformer auf dem Kontinent Lebensnormen des westlichen Mönchtums Christliche Mission als Grundlegung europäischer Einheit Mission und politische Herrschaft Mission als Ursache europäischer Sprachkulturen
D Die früheuropäische Gesellschaft: Antike Elemente und neue Formen Königtum und Adelsherrschaft Der "Rex Francorum": Stützen und Grenzen seiner Macht Der Adel aus spätrömischer und fränkischer Wurzel als Partner des Königs Die räumliche Gliederung der Königsherrschaft: Grafschaft und Herzogtum Die Rechtsordnungen aus spätantiker und germanischer Tradition Die "Stammesrechte" des Frankenreichs "Stammesrecht" und reale Ständeordnung: Widersprüchliche Konzeptionen Frieden und Krieg Lebensordnungen der Gesellschaft Die kirchliche und adelige Grundherrschaft - Dorf - Basisgesellschaft Am Rande der Rechtsordnung: Sklaven und Arme Von der grundherrschaftlichen familia zur europäischen Familie Die Frauen in der Gesellschaft Ernährung und Hunger Antike Medizin - Krankenhaus - Klostermedizin Stadt und Wirtschaft: Grundlagen und Entfaltung Vor- und Frühformen an Rhein, Mosel und Donau Der Handel: Formen und Wege Kontinuität und Neuansätze von Gewerbe, Technik und Bergbau
E Kulturbruch und Kulturtransfer Von der Kultur der Spätantike zur fränkischen Reichskultur Das Weiterwirken antik-christlicher und antik-paganer Traditionen Christliche Bildungsstandards und antike Muster: Ablehnung und Aneignung Das weitgespannte europäische Kommunikationsnetz der Kirche: Handschriftenwanderungen als Kulturtransfer Kulturelle Vorbilder und Neuansätze Gestalten und Werke Heiligenlegenden - eine neue Literaturgattung Ansätze christlicher Geschichtsschreibung Die Kunst: Antike Vorbilder - irische und angelsächsisch-germanische Einflüsse Rückblick und Ausblick
Literatur
Zeittafel
Register (Personen und Völkergruppen)

Portrait

Friedrich Prinz, geb. 1928, Historiker, emeritierter Professor der Universität München, ist durch zahlreiche Bücher und Aufsätze als einer der bedeutendsten Frühmittelalterforscher der Gegenwart bekanntgeworden. Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Geschichte Bayerns und der Böhmischen Länder. Der Autor ist auch mit einer Reihe von Fernseh- und Rundfunksendungen hervorgetreten.

Leseprobe

Anfänge und Rückschläge in der Völkerwanderungsepoche

Die konstante, verändernde wie bewegende Kraft und eine unabdingbare Voraussetzung für die europäische Völkerwelt wurde das Christentum in seiner geschichtlichen Gestalt, der Kirche, wie sie sich seit Jahrhunderten erst abseits oder gar gegen den Staat und dann im engen Verbund mit ihm in der Spätantike als Reichskirche entwickelt hatte. Von ihr, die sich seit der konstantinischen Wende organisatorisch eng an die diokletianische Reichsstruktur angeschlossen hatte und deren Häupter die Bischöfe in den civitates waren, ging sowohl die Christianisierung des flachen Landes innerhalb des Imperiums aus als auch die missionarische Arbeit unter den germanischen und slawischen Völkern auf dem wie außerhalb des Reichsbodens. Noch ehe sich Germanen und Slawen in Teilbereichen des Imperiums endgültig festsetzen konnten, hatte sich die Kirche zum einen vom regionalen "jüdischen Mutterboden" (T. Schieffer) gelöst und zum anderen innerhalb der hellenistisch-römischen Hochkultur und teilweise mit deren philosophischem Rüstzeug nach schweren dogmatischen Auseinandersetzungen ein eigenes Lehrgebäude errichtet. Das entscheidende 4. und die erste Hälfte des 5. Jahrhunderts brachten mit den großen Reichskonzilien trotz immer wieder auftretender Spaltungen die organisatorisch und dogmatisch gefestigte Einheit der Kirche, die nicht zuletzt auch ein Werk der Kaiser seit Konstantin dem Großen gewesen ist. Gleichzeitig stabilisierte sich die Rolle der Kirche im Staate. Die Bischöfe wurden auch politische Funktionsträger, Staat und Kirche wuchsen schon in der Spätantike auf vielen Ebenen zusammen, und im 5. Jahrhundert blieb die Kirchenorganisation in weiten Regionen des Imperiums der einzige Teil römischer Verwaltung, der sich auch unter den radikal veränderten Verhältnissen der Völkerwanderungsepoche behaupten konnte. Es waren vor allem die Bistümer, die trotz regionaler substantieller Einbußen das stärkste Kontinuitätselement
zwischen Antike und Mittelalter wurden. Seit das Christentum in den spätantiken civitates die vorherrschende und dann auch die alleinige Religion geworden war, kam es zu Wechselwirkungen zwischen Herrschaft und Kult, die dem Bischof von Anfang an eine Sonderstellung im städtischen Leben sicherten. Äußeres Zeichen dieser Entwicklung war in der Regel, daß das Patrozinium einer Kirche - entweder der Bischofskirche selbst oder einer Kirche mit Märtyrergrab - zu einem sakralen Stadtpatronat wurde: Der heiligmäßige Stadtpatron wurde gleichsam der geistliche Schutz- und Stadtherr, ein Phänomen, das es schon in der paganen Stadtkultur gegeben hatte. Durch den Heiligen und Patronus, etwa St. Petronius in Bologna oder St. Eucharius in Trier, legitimierte sich auch die Stadtherrschaft des Bischofs, weil letzterer für dessen Kult verantwortlich war und damit zum Mittler zwischen dem Schutzheiligen und der Civitas wurde. Hatte aber eine Stadt keinen originären Heiligen oder Blutzeugen der Verfolgungszeit, dann mußte auf andere Weise Ersatz geschaffen werden. Nach dem Vorbild des offiziellen Kaiserempfangs (adventus) suchte man von anderen Orten wirkkräftige Reliquien in die Stadt einzuholen und einen eigenen Stadtheiligenkult ins Leben zu rufen: so im 4. Jahrhundert die Bischöfe Victricius in Rouen und besonders Ambrosius mit der Erhebung der Reliquien von Gervasius und Protasius in Mailand. Seit dem 4. Jahrhundert signalisierten die feierlichen Reliquientranslationen und -erhebungen zugleich die Entstehung einer christlichen Elite von Bischöfen. Sehr deutlich wird der Zusammenhang zwischen politischer und kirchlicher Macht bei Papst Damasus I. (366-384), der in den Katakomben Roms nicht nur Märtyrergräber entdeckte, sondern sich überdies auch der persönlichen Verwandtschaft mit diesen Glaubenszeugen rühmen konnte. Das spätantike und merowingische Gallien bietet eine Fülle ähnlicher Belege. Die Verchristlichung der spätantiken Städte läßt sich auch an der steigenden Zahl paganer
Tempel ablesen, die zu Kirchen umgewidmet bzw. umgebaut wurden. Im lateinischen Westen erreichte diese Entwicklung ihren Höhepunkt im 6. Jahrhundert.

Für die bischöfliche Stadtherrschaft der Spätantike wie des Frühmittelalters bedeutete die Einholung und feierliche Erhebung von Reliquien zugleich die festliche religiöse Integration (concordia, consensus) der gesamten Stadtbevölkerung in all ihren ständischen Gliederungen in die kirchliche Stadtherrschaft. Die Kehrseite dieser christlichen Sozialisation der städtischen Bevölkerung durch den bischöflich geförderten Heiligenkult in ihren Mauern war allerdings, daß das Christentum lange Zeit eine städtische, von der Oberschicht maßgeblich getragene Religion gewesen ist und daß erst das frühmittelalterliche Mönchtum missionarisch das flache Land durchdrungen hat. Die christliche Sozialisation der städtischen Bevölkerung in der Spätantike gewann an Kraft und zwingender Gewalt, seit Kaiser Konstantin der Große die Bischöfe auch für staatliche Aufgaben heranzog und damit der episcopus eine zunehmend politische Figur der Gesellschaft wurde. Nunmehr konnte in weit effektiverer Weise gegen das Heidentum wie gegen Häretiker und Juden vorgegangen werden.

EAN: 9783608943689
ISBN: 3608943684
Untertitel: Römer, Kelten und Germanen. Mit Abbildungen.
Verlag: Klett-Cotta Verlag
Erscheinungsdatum: Februar 2003
Seitenanzahl: 448 Seiten
Format: gebunden
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