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Eifriger als Zwingli


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Januar 2003

Beschreibung

Beschreibung

In der Frühphase der Schweizer Reformation entstand das Täufertum als eine radikalreformerische religiöse Bewegung. Andrea Strübind stellt in ihrer Habilitation theologische Lehrbildung, Trägerkreise sowie die führenden Protagonisten in ihrem Verhältnis zu Zwingli und anderen Reformatoren vor. Die detaillierte Untersuchung der Hauptschriften der frühen Täufer und anderer täuferischer Quellen sowie des Aktenmaterials führt zu neuen Erkenntnissen über diese frühreformatorische Bewegung.
Das Täufertum zeichnet sich durch die hohe Bedeutung der Selbstorganisation als Lern- und Lebensgemeinschaft aus. Die von der Reformation proklamierte Schriftautorität und das Prinzip des "Priestertums aller Gläubigen" fanden zunächst in freien Bibelkreisen ihren strukturierenden Rahmen. Unter den Laien, Männern und Frauen, entwickelte sich ein Selbstbewußtsein, das auf ein eigenständiges Urteilsvermögen in Lehrfragen pochte. Man strebte eine konkrete Kirchenreform an, die alle Bereiche des persönlichen und kirchlichen Lebens umfassen sollte. Ziel der täuferischen Bewegung war die Schaffung einer sichtbaren Kirche der Gläubigen, die sich im ethischen Gehorsam bewährte, in geistlichen Fragen Autonomie von der obrigkeitlichen Gewalt sowie der kirchlichen Hierarchie praktizierte und ihre Verwaltung eigenverantwortlich regelte. In diesem Zusammenhang wird die theologische Entwicklung von der Verweigerung der Kindertaufe bis hin zur Praxis der Glaubenstaufe präzise nachgezeichnet. Die frühe Täuferbewegung propagierte und praktizierte die Gleichberechtigung der Glaubenden, einen an der Bibel gewonnenen rituellen Reduktionismus und eine spirituelle Erlebnisfrömmigkeit. Aus diesem Grund lautete ein zeitgenössisches Urteil über die Täufer, sie seien "eifriger als Zwingli".
Ausgangspunkt der Darstellung ist der methodologische Paradigmenwechsel innerhalb der Geschichtswissenschaft und dessen bedeutsame Auswirkungen auf die Täuferforschung. Seit den 70er Jahren entwickelte sich ein "revisionistisches" Bild des frühen Täufertums, das die monogenetische normative Sicht der vorwiegend konfessionell bestimmten Studien durch eine polygenetische und pluriforme Sichtweise ersetzte. Die Ergebnisse der revisionistischen Forschung werden von der Autorin kritisch hinterfragt. Sie vertritt einen integrativen Forschungsansatz, der die Bedeutung theologischer Motivationen mit den Ergebnissen der gesellschaftsgeschichtlichen Forschung sachgemäß verbindet.
Über die Autorin: PD Dr. habil. Andrea Strübind; 1982-1989 Studium der evangelischen Theologie, Geschichte und Judaistik in Berlin und Jerusalem; 1990 Promotion zum Dr. theol. an der Kirchlichen Hochschule Berlin; 1991-1994 Habilitationsstipendium der Fritz Thyssen Stiftung im Rahmen des "Sonderprogramms Hochschullehrernachwuchs"; 1999 Habilitation und Ernennung zur Privatdozentin für das Fach "Historische Theologie" an der Theologischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg.

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsübersicht: Einleitung - 1. Der Stand der Täuferforschung - 2. Die Methodologiediskussion in der gegenwärtigen Historiographie - dargestellt am Beispiel der Täuferforschung - 3. Peter Blickles Konzeption der "Gemeindereformation" - 4. Die Vorgeschichte des Schweizer Täufertums - 5. Die Kontaktaufnahme der Prototäufer mit anderen radikalen Reformatoren - 6. Die Auseinandersetzung um die Tauffrage im Herbst und Winter 1524 - 7. Die Frühphase des Schweizer Täufertums - 8. Die Entwicklung in Zollikon (Januar bis März 1525) - 9. Die zweite Täuferdisputation (März 1525) - 10. Die Entwicklung der Täuferbewegung in Zürich und Umgebung (1525-1527) - 11. Die frühe Täuferbewegung in St. Gallen und Appenzell - 12. Das Schleitheimer Bekenntnis - 13. Ertrag - Quellen- und Literaturverzeichnis - Personen- und Ortsregister

Portrait

PD Dr. habil. Andrea Strübind; 1982-1989 Studium der evangelischen Theologie, Geschichte und Judaistik in Berlin und Jerusalem; 1990 Promotion zum Dr. theol. an der Kirchlichen Hochschule Berlin; 1991-1994 Habilitationsstipendium der Fritz Thyssen Stiftung im Rahmen des "Sonderprogramms Hochschullehrernachwuchs"; 1999 Habilitation und Ernennung zur Privatdozentin für das Fach "Historische Theologie" an der Theologischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg.

Pressestimmen

"[...] Die sozialgeschichtliche Forschung - nicht zuletzt durch die frühbürgerliche Schau der Forscher in der DDR - warf der traditionellen Forschung vor, das ursprüngliche Täuferbild zu idealisieren und 'die Endformen des Täufertums in seine Ursprünge zurückzuprojizieren.' [28]. Sicher zu Recht, aber diese Revision kann auch nicht das letztgültige Täuferbild wiedergeben, denn die ekklesiologische Dimension der an der Bibel orientierten Gemeinde ist dabei zu kurz gekommen.
Die Vfn teilt die Ansicht Heinold Fasts, dass die Täuferbewegung in Zürich und St. Gallen aus Bibellesekreisen entstanden ist. In ihnen gab es lebhafte Diskussionen um das rechte Bibelverständnis. Hier fand das von den Reformatoren propagierte Prinzip des Priestertums aller Gläubigen neben der reformatorischen Predigt seinen Weg zur eigenständigen Entscheidung in Glaubensfragen. Die Reformation Zwinglis stellte das bisherige kirchliche Leben in Frage. Fasten, Bilderverehrung, Zehntenverweigerung waren Streitfragen, zu denen Zweifel und Kritik an der Kindertaufe kamen. Der Kreis der 'Protoläufer' setzte sich aus Schülern Zwinglis zusammen, die das von Zwingli Gelernte in die Tat umsetzen wollten. Dazu gab es natürlich noch kein von Anbeginn an fertiges Programm. Die Ablehnung der Kindertaufe bedeutete noch nicht eine ausgeformte Tauflehre. Konnten die neugewonnenen Erkenntnisse in der bisherigen Kirche verwirklicht werden? Zwingli warf seinen zu Kontrahenten gewordenen früheren Freunden vor, eine 'Sonderkirche' anzustreben. Tatsächlich ist in frühen Bibelgesprächen die Frage nach der Gemeinde der Glaubenden aufgetaucht [418]. Die Vfn wirft den 'Revisionisten' vor, diese ekklesiologischen Ziele übergangen zu haben [173]. Sie geht mit großem Fleiß den Quellen nach, vergleicht sie mit einander und ihren oft gegensätzlichen Deutungen. [...]
Die Untersuchung beschränkt sich konsequent auf die Anfänge des Täufertums in Zürich/Zollikon/Grüningen und St. Gallen. Darum ist bewußt z. B. das Thema 'Balthasar Hubmaier' ausgeklammert, die Beziehung der beiden Orte aber genau untersucht und die enge Verbindung betont. Ein besonderes Phänomen der Ostschweiz ist der Lehrer Hans Krüsi und die täuferische Massenbewegung, die zu Deutungen zwischen 'volkskirchlicher' und 'freikirchlicher' Täuferreformation Anlass gab. Die Schleitheimer Übereinkunft von 1527 sieht die Vfn nicht als Gündungsbekenntnis des Täufertums. Sie enthält die schon in den Müntzerbriefen niedergelegten Gedanken, nur die Eidesverweigerung ist dazu gekommen. Dagegen fehlen alle Glaubensartikel, daher ist sie eher als frühe Kirchenordnung anzusehen.
Beziehungen zu den Bauernunruhen hat es gegeben. Aber sie scheinen von den sozialgeschichtlichen Forschern überbetont worden zu sein. Die Zehntenproblematik wurde von den Täufern nicht thematisiert und Verbindung mit dem Bauernkrieg wurde ihnen selbst von der Obrigkeit nicht unterstellt [426]. Die Vfn gibt zu, dass religiös und sozial nicht immer eindeutig zu trennen ist [581 f.]. Ihre Arbeit ist ein starkes, sauber begründetes Plädoyer für das Ringen einer jungen Bewegung um die Gemeinde Jesu im Zeichen der Gläubigentaufe." Manfred Bärenfänger, in: Freikirchenforschung, Nr. 13/2003
EAN: 9783428106530
ISBN: 3428106539
Untertitel: Die frühe Täuferbewegung in der Schweiz.
Verlag: Duncker & Humblot GmbH
Erscheinungsdatum: Januar 2003
Seitenanzahl: 617 Seiten
Format: gebunden
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