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Troja Eine Hand voll Zärtlichkeit


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gebunden
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Dezember 2002

Beschreibung

Beschreibung

Dies ist ein etwas anderes Katzen- und Reisebuch. Tourist trifft auf der Ausgrabungsstätte Troja in der Türkei auf eine grazile und anmutige vierbeinige Schönheit, die ihn sofort mit weiblicher List und Strategie umgarnt, bis er in ihrem ausgelegten Netz zappelt wie ein Fisch auf dem Trocknen und ohne nachzudenken beschließt, diesen orientalischen Bettvorleger als blinden Passagier in seiner Reisetasche mit nach Deutschland zu schmuggeln. Er betrachtet nur noch halbherzig die ihm dargebotenen antiken Schönheiten, weil seine Gedanken ständig um seine illegale Reisebegleitung kreisen. Zu Hause angekommen, erwarten ihn dann unangenehme Überraschungen und das Alltagsleben nimmt seinen gewohnten Lauf mit dem einen Unterschied, das nun Troja, ihre Hand voll Zärtlichkeit, Regie führt und ihre geliebten Menschen, die anderen beiden Hauskatzen sowie die um das Haus herumstreichenden Streuner auf Trab hält.

Portrait

Renate Kronberg wurde 1933 in Wilhelmshaven geboren, absolvierte eine Anwaltsgehilfenlehre und ging 1963 mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn nach Hamburg, wo sie bis zu ihrer Pensionierung als Bürovorsteherin in einem Notariat arbeitete. Der Beruf füllte sie so aus, daß sie ihre schöngeistigen Ambitionen erst im Ruhestand ausleben konnte und anfing, Bücher zu schreiben.

Leseprobe


Renate Kronberg:
Troja Eine Hand voll Zärtlichkeit


Die Begegnung mit der Antike

Es war Liebe auf den ersten Blick. Sie kam auf schmalen Füßen und hohen schlanken Beinen auf ihn zu und sah ihn neugierig aus unergründlichen, schrägstehenden Augen an.
Nachdem sie ihre Prügung offenbar positiv beendet hatte, strich sie schnurrend um seine Beine und stellte schließlich ihren kleinen weißen Fuß wie zum Gruß auf seinen Schuh. Bert reichte ihr ein mundgerechtes Stückchen Fleisch von seinem Teller, das sie mit Grazie entgegennahm und auf den Hinterpfoten sitzend genüßlich mit seitlich schräg gehaltenem Köpfchen verspeiste. Er war entzückt von ihren eleganten Bewegungen und fütterte sie mit seinem restlichen Fleisch, nur um ihr beim Essen zuschauen zu können.
Nachdem sie satt war, putzte sie ausgiebig ihr grauweiß gestromtes Fell, das sich wie feingesponnene Seide um ihren mageren Körper schloß. Ihr Schwänzchen war halb so dünn wie sein kleiner Finger und als sie ihr Fell sträubte, weil der Gasthofhund bedrohlich in ihre Nähe kam, um ebenfalls ein paar Happen zu erhaschen, standen die zarten Haare in alle Himmelsrichtungen von ihrem Körper ab; mehr eine symbolische Geste als ein bedrohlicher Anblick. Bert mußte lachen über diesen tapferen Zwerg, nahm sie aber vorsichtshalber auf seinen Schoß, um Schlimmeres zu verhüten. Der Hund verzog sich und sie rollte sich zufrieden auf seinem Schoß zusammen, putzte sich noch ein wenig ihr Fell und machte dann ein kleines Nickerchen.
Damit war ihre Freundschaft besiegelt. Er hatte seine Hände auf ihren kleinen warmen Körper gelegt und spürte unter seinen Fingern das leichte Vibrieren, das ihm ihr Schnurren und Wohlbehagen anzeigte.
Nach einer Weile erhob sie sich, machte einen Buckel, streckte die Hinterbeine und gähnte herzhaft, wobei sei ihre schmale rosarote Zunge, vorne leicht eingerollt, und kleine spitze Zähne zeigte. Dann sprang sie leichtfüßig von seinem Schoß und verschwand grußlos auf der gegenüberliegenden Straßenseite im hohen Gras.
Am nächsten Tag war eine Führung auf der Ausgrabungsstätte Troja vorgesehen. Diese befand sich in der Nähe des Gasthauses, in dem er tags zuvor im Garten gegessen hatte. Die Führung interessierte Bert wenig. Er konnte keine Beziehung herstellen zwischen den heutigen Steinfragmenten und der ehemaligen stolzen Trutzburg Troja, die zehn Jahre lang den von See heranstürmenden Griechen widerstanden hatte und nur durch einen hinterhältigen Trick zu Fall gebracht worden war.
Weit und breit war keine Meeresbucht mehr zu sehen, in der Agamemnon und seine Krieger geankert hatten, kein grünschäumender Skamander, an dessen Ufern einst die Mägde Hekabes das Linnen wuschen und bleichten. Keine saftigen Wiesen an den Hängen des Ida, auf denen Paris die heiligen Herden des Priamos gehütet hatte, und wo ihm die stutenbissigen Göttinnen Aphrodite, Athene und Hera erschienen waren und ihm schmeichelnd das Blaue vom Himmel versprochen hatten, wenn er die, die seinem Ohr gerade am nächsten war, zur Schönsten und damit zur Miß Olympia küren würde. Aphrodite wollte ihm zum Lohn die schönste sterbliche Frau der Welt in die Arme legen, wenn Paris ihr den Preis zuerkannte. Und da er ein junger Heißsporn war, begierig auf Liebesabenteuer, und ihm Weisheit und Macht, die ihm die beiden anderen eitlen Weiber versprochen hatten, völlig schnurzpiepe waren, warf er Aphrodite den Apfel zu und machte sich damit die abgeblitzten Göttinnen zu unversöhnlichen Feindinnen und setzte in seiner Torheit ahnungslos ein Schicksal in Gang, das ihn, seine Familie und ganz Troja vernichten sollte. Cherchez la femme!
Unvorstellbar, daß Hektor hier von dem wutschnaubenden Achill hinter dessen Streitwagen zu Tode geschleift wurde, bis auch der angeblich unverwundbare Achilles seiner Ferse zum Opfer fiel. Der hölzerne Zossen zwischen den Gesteinsbrocken konnte der Phantasie da auch nicht mehr aufhelfen. Die Bucht war verlandet. Das Meer hatte sich weit zurückgezogen. Troja lag jetzt im Landesinneren und in Trümmern.
Auch hatte Bert so seine Zweifel, daß der gehörnte Menelaos nur deshalb vor den Toren Trojas hermgetobt war, um seine ungetreue Gattin Helena in's eheliche Bett zurückzuschleifen; da waren wohl eher die gepfefferten Zölle der hochnäsigen Trojaner der Grund, die diese den handeltreibenden Griechen abpreßten, wenn sie mit ihren Schiffen in's schwarze Meer oder zurück wollten. Bert konnte sich auch nicht vorstellen, daß Agamemnon seine Tochter Iphigenie dem Gott des Windes für eine frische Brise opferte und sie damit dem Tod überantwortete, nur um seine ehrvergessene Schwägerin wieder auf den Pfad der Tugend zurückzuholen. Und dieser ganze Troß von Aasgeiern in seinem Schlepptau, von Achilles bis Odysseus, hatte doch wohl auch nur eines im Schädel, das sie zehn Jahre vor Troja ausharren ließ, nämlich den gierigen Gedanken an unermeßliche Beute, Gold und willige Sklavinnen.
Die schöne Helene hatte ihnen lediglich einen willkommenen Anlaß geliefert, endlich mit diesen aristokratischen Pfeffersäcken in Troja einmal ordentlich Schlitten zu fahren und ihnen zu zeigen, wer der wahre Herr zwischen Ägäis und Schwarzem Meer ist. -
Andererseits reagierten die Männer aber auch äußerst empfindlich, wenn ihnen die teure Gattin Hörner aufsetzte. Das schreit nach Rache und Vergeltung. Den vermutlich schmerbäuchigen und kahlköpfigen Menelaos mag es um so ärger getroffen haben, daß seine von den Göttern höchstpersönlich zur schönsten Frau der Antike gekürte Helena ausgerechnet mit diesem Rotzlöffel Paris, diesem hergelaufenen Milchbubi aus Troja, der den Weibern mit seinen sanften Kuhaugen, pomadigen Schmachtlocken und schmalzigen Gesängen reihenweise die Köpfe verdrehte, durchgebrannt war. Der konnte ihm doch nicht das Wasser reichen. Den würde er von der Platte putzen. Diesem schnöseligen Schönling würde er schon zeigen, wer hier der Herr im Hause ist. Kommt scheinheilig daher und sucht angeblich nach seiner Tante, die bei einem der früheren Raubzüge der Griechen mitgeschleppt worden war, weil man ihren Bruder Priamos nicht erwischt hatte und dann läßt er die Tante Tante sein und haut mit Helena ab, daß die Hacken nur so qualmen.
Das hat man nun davon, wenn man als Ehemann arglos auf Geschäftsreise geht, die schöne Gattin in der Obhut eines jungen und charmanten Gastes zurückläßt und auf die Unantastbarkeit der Gastfreundschaft vertraut.

EAN: 9783831146338
ISBN: 3831146330
Untertitel: Ein tierischer Trip bis zur Antike und zurück. HC gerader Rücken mit Schutzumschlag.
Verlag: Books on Demand
Erscheinungsdatum: Dezember 2002
Seitenanzahl: 120 Seiten
Format: gebunden
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