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Emotionspsychologie


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Januar 2014

Beschreibung

Beschreibung

Emotionen sagen, was für uns wirklich wichtig ist. Wir erleben im Alltag Gefühle wie Freude, Angst und Traurigkeit und "erkennen" Emotionen bei anderen Menschen. Die psychologische Forschung hat sich seit über 100 Jahren mit Emotionen befasst. Heute verfügen wir über ein großes Repertoire an Methoden zur Auslösung von Emotionen und zu deren Messung. Psychologische und neurobiologische Erklärungsansätze geben Antworten auf die Frage, wie Emotionen entstehen. Umgekehrt beeinflussen Emotionen unser Denken und unser Verhalten. Das Lehrbuch behandelt in verständlicher Form zentrale Fragen der Emotionsforschung. Es orientiert sich dabei an klassischen Theorien und Untersuchungen wie auch an aktueller Forschung.

Portrait

Prof. Dr. Lothar Schmidt-Atzert lehrt Psychologische Diagnostik, Prof. Dr. Dr. Martin Peper lehrt Neuropsychologie und Prof. Dr. Gerhard Stemmler lehrt Persönlichkeitspsychologie an der Philipps Universität Marburg.

Leseprobe

2          Methoden der Emotionsforschung


Will man Emotionen erforschen, benötigt man erstens geeignete Methoden, um diese zu messen. Zweitens ist es erforderlich, dass die Ergebnisse, die mit diesen Messmethoden ermittelt werden, Rückschlüsse auf die zugrunde liegenden Emotionen gewähren. Emotionen treten im wahren Leben auf und können
daher unter natürlichen Bedingungen beobachtet werden. Für viele Fragestellungen ist es jedoch vorteilhaft, die Emotionen »ins Labor zu holen«, sie also unter kontrollierten Bedingungen auszulösen und zu beobachten. Sowohl bei den Messmethoden als auch bei der Identifikation und Induktion von Emotionen existieren vielfältige Möglichkeiten. Es ist zu beachten, dass praktisch alle psychologischen Forschungsergebnisse methodenabhängig sind. Das bedeutet: Wendet man eine andere Messmethode an oder induziert man Emotionen auf andere Art und Weise, können die Ergebnisse anders ausfallen. Ein Beispiel soll dies illustrieren.

Bedeutung der Messmethoden

Fragestellung: Leben Menschen, die viele positive Emotionen haben, länger? Methoden: Wie viele positive Emotionen jemand hat, kann sehr unterschiedlich gemessen werden. Beispielsweise kann man Menschen bitten, ihre Gefühle im Alltag einzustufen (Alternative: Fremdbeurteilungen der Emotionen im Alltag durch Angehörige bzw. Freunde). Wie soll nun die Intensität, die Häufigkeit oder die Dauer der Gefühle eingestuft werden? Der Beurteilungszeitraum kann etwa als »momentan«, »die vergangene Stunde«, »am heutigen Tag«, »in den letzten sieben Tagen« oder »im Allgemeinen« festgelegt sein. Wie werden »positive Emotionen« operationalisiert? Beispielsweise könnte man bestimmte Emotionen wie Freude, Stolz, Zuneigung, sexuelle Erregung einstufen lassen (oder auch eine andere Auswahl) oder auch ein globales Rating vornehmen, beispielsweise mit der Frage: »Wie gut oder schlecht haben Sie sich heute gefühlt?« Sollen negative Emotionen kontrolliert werden, etwa indem man einen Differenzwert »positiv minus negativ« bildet, oder zählen allein die positiven Emotionen?

Die Interkorrelation der Ergebnisse vers
chiedener Messmethoden ist so gut wie nie perfekt, selbst wenn man mit den Methoden das gleiche Konstrukt (in diesem Fall »positive Emotionen«) messen möchte. Dies liegt daran, dass mit jeder Variante der Messmethode ein etwas anderer Aspekt von »positiven Emotionen« erfasst wird und dass ungewollt auch andere Merkmale in die Messung einfließen. Je höher die Korrelation der Ergebnisse verschiedener Messmethoden ausfällt, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Methoden einen ähnlichen Aspekt des Konstrukts »positive Emotionen« messen.

Bei der Auswahl der Messmethode spielen inhaltliche Überlegungen und der theoretische Hintergrund der Fragestellung eine große Rolle: Was genau will man messen und warum? Zwischen positiven Gefühlen und Lebensdauer besteht übrigens ein Zusammenhang ( Kap. 5.3).

Im Folgenden gehen wir zunächst der Frage nach, wie man die Auslöser von Emotionen beforschen kann. Fragen der Messung von Emotionen werden in einem späteren Abschnitt dieses Kapitels ausführlich behandelt.

2.1       Natürliche Auslöser von Emotionen


Fast alle Emotionsforscher würden der Aussage »Emotionen werden durch bestimmte Ereignisse oder Reize ausgelöst« zustimmen. Man denkt dabei vielleicht an die Trennung von einer engen Bezugsperson, die zu Traurigkeit führt, oder die vielen schönen Geburtstagsgeschenke, die Freude hervorrufen. Als »natürliche Auslöser« bezeichnen wir Veränderungen in unserer alltäglichen Umwelt, die bei vielen Menschen zu ähnlichen Emotionen führen. Wir grenzen sie von Auslösern ab, die im Labor zu Forschungszwecken eingesetzt werden ( Kap. 2.2).

2.1.1     Befragung zu Alltags- und Lebensereignissen


Wie k
ann man feststellen, durch welche Veränderungen in der Umwelt bestimmte Emotionen ausgelöst werden? Wenn die Frage so offen formuliert wird, liegt es nahe, Menschen zu fragen, welche Emotionen unter welchen Umständen bei ihnen im Alltag auftreten. Gegenstand der Befragung können die eigenen Gefühle sein oder auch die Emotionen anderer Personen (etwa die von kleinen Kindern).

In Tabelle 2.1 sind verschiedene methodische Ansätze in einem Überblick dargestellt. Sie werden im Folgenden ausführlicher erklärt, um dann systematische Unterschiede zu diskutieren.

Tagebuchmethode


Unter der Tagebuchmethode wird hier verstanden, dass die Probanden über einen längeren Zeitraum jeweils am Abend bestimmte

Tab. 2.1 Systematik der Methoden zur Erfassung von natürlichen Emotionsauslösern durch Befragung

Anmerkung. An Stelle eigener Gefühle können prinzipiell auch fremdbeurteilte Emotionen (etwa die des eigenen Kindes) zugrunde gelegt werden.

Fragen zum Tagesgeschehen beantworten. Beispielsweise werden Emotionen (Freude, Traurigkeit, Ärger …) vorgegeben und es ist einzustufen, wie oft jede dieser Emotionen an diesem Tag vorkam. Die Häufigkeit kann über konkrete Zahlen oder auch mit Hilfe einer mehrstufigen verbal verankerten Skala etwa von »gar nicht« bis »sehr oft« erfasst werden. Neben oder an Stelle der Häufigkeit können auch die Dauer oder die Intensität der Emotionen eingestuft werden. Will man alle Ereignisse registrieren, die zu jeder der Emotionen geführt haben (oder ihnen vorausgingen – ohne eine Kausalität herzustellen), bietet sich die freie Benennung der Ereignisse an. Beispielsweise lautet die Frage: »Was war geschehen, als Sie heute [z. B.] Angst hatten?« oder »Welche Ereignisse haben heute bei Ihnen [z. B.] zu Angst geführt?&
laquo;. Die Methode lässt viele Variationen zu. So können weitere Angaben zu den Ereignissen erhoben werden. Auch der Zeitraum, auf den sich die Angaben beziehen, kann enger gefasst werden, etwa indem mittags und abends Eintragungen vorgenommen werden. Das »Tagebuch« muss nicht in Papierform vorliegen; die Angaben können auch mit Hilfe eines Tablet-Computers oder als Online-Befragung via Internet erhoben werden. Die elektronische Erfassung hat zwei Vorteile: Zum einen liegen die Daten unmittelbar vor und müssen für die Auswertung nicht manuell eingegeben werden. Zum anderen wird der Zeitpunkt der Eingabe registriert; somit lassen sich die Fälle erkennen, in denen ein Teilnehmer sich nicht an den vorgegebenen Eingabezeitraum gehalten, also beispielsweise drei Tage auf einmal bearbeitet hat.

Ereignis- und emotionsbezogene Protokolle


Bei diesen beiden Ansätzen sollen die Angaben zu emotionsauslösenden Ereignissen und dem emotionalen Befinden zeitnah zu dem Ereignis gemacht werden. Beispielsweise lautet die Instruktion bei emotionsbezogenen Protokollen: »Immer wenn Sie [z. B.] Ärger empfinden, beantworten Sie die Fragen im Protokollheft«. Die Intensität der Emotion, eventuell auch die weiterer Emotionen, wird eingestuft und das Ereignis wird benannt und eventuell auch kurz beschrieben. Bei einer speziellen Variante des emotions-bezogenen Ansatzes wird nicht auf eine bestimmte Emotion fokussiert, sondern auf alle Emotionen: »Immer wenn Sie etwas emotional bewegt hat, beantworten Sie die Fragen im Protokollheft.« Beim ereignisbezogenen Vorgehen ist man an...


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EAN: 9783170239111
Untertitel: Ein Lehrbuch. Dateigröße in MByte: 4.
Verlag: Kohlhammer Verlag
Erscheinungsdatum: Januar 2014
Seitenanzahl: 460 Seiten
Format: pdf eBook
Kopierschutz: Wasserzeichen
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