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PID - Hegemonie über die Gene


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Juli 2014

Beschreibung

Beschreibung

Inhaltsangabe:Einleitung:
Die Gentechnik ist eine Querschnittstechnologie, die in unterschiedlichsten Bereichen wie der Biologie, der Medizin, der Biotechnologie sowie der Agrar- und Lebensmittelindustrie vertreten ist und zudem auch in das Bewusstsein vieler Menschen, der sogenannten breiten Öffentlichkeit, eingedrungen ist. Die Debatten über die Gentechnik lösen unterschiedlichste Reaktionen aus. Einerseits werden Hoffnungen geweckt - wie z.B. dass heutzutage unheilbare Krankheiten dank therapeutischen Klonens bezwungen werden können - andererseits die Angst hervorgerufen, dass die Anwendung der Gentechnik unabsehbare Folgen ökologischer und sozialer Natur nach sich ziehen könnte. Die Fortschritte in der Biotechnologie werfen somit ständig neue praktische und politische Fragestellungen auf. Die Fragen bzw. Antworten, welche die Diskurse über die Gentechnik beherrschen, werden auf das Leben der heutigen und zukünftigen Generationen mit Sicherheit beträchtliche Auswirkungen haben.
Francis Fukuyama appelliert daran, die Entwicklung der Bio- und Gentechnologie nicht allein als eine ethische, sondern auch als politische Herausforderung zu erkennen. Tatsächlich ist die Gentechnik ein Bereich des demokratischen Kampfes, denn in vielen Gebieten dieser Querschnittstechnologie liegt ein enormes Potential an neuen Herrschaftsverhältnissen. Somit wird auch der Bereich der genetischen Information, mit welchem sich meine Arbeit beschäftigt, von einer Vielzahl von Akteuren und Determinanten beeinflusst und gesteuert. Der zukünftige Umgang mit genetischen Informationen ist eine jener Entscheidungen, die über das kollektive Leben der Gemeinschaft getroffen werden. Wie Ernesto Laclau zu bedenken gibt, sind solche Entscheidungen niemals vollkommen rational, denn wären sie das, würden sie völlig offensichtlich sein und würde eine Entscheidung nicht mehr benötigt werden.
Einer der vielen demokratischen Konflikte betreffend die Gentechnik gilt dem Umgang mit genetischen Information, deren Zugang durch die genetische Diagnostik ermöglicht wird. Als Teil dieses Komplexes rund um genetische Diagnostik beschäftige ich mich mit der Präimplantationsdiagnostik (PID) ¿ dem Gentest am künstlich gezeugten Embryo ¿ und der Frage nach den demokratie-politischen Konflikten um die heutigen und mögliche zukünftige Nutzen bzw. Nachteile dieser Technik, die als Teil einer zunehmenden Technologisierung der menschlichen Reproduktion fungiert.
Die Möglichkeit der Diagnose genetisch bedingter Krankheiten durch die PID wirft erhebliche Probleme auf und stellt die Frage nach einem gesellschaftlich vertretbaren Umgang mit diesem Wissen, vor allem wenn es keine Therapiemöglichkeiten gibt. Die PID zwingt zu einer Selektion, und diese Selektion des menschlichen Erbgutes erlaubt es möglicherweise, eine zusätzliche konstruierte Herrschaft bzw. Unterdrückung ¿ wie dies beispielsweise durch Klasse, Rasse, Religion, Nationalismus der Fall ist ¿ entstehen zu lassen. Jeder sozial handelnde Mensch ist durch ein Ensemble von Subjektpositionen konstituiert. Eine Subjektposition könnte sich zukünftig aus der Diagnostik der jeweiligen Erbanlage ergeben. Der zukünftige Umgang mit der PID wird durch demokratie-politische Kämpfe entschieden und erfordert deswegen eine Vorstellung, wie solche Konflikte geführt werden.
Eine Vorstellung, wie demokratie-politische Konflikte nachvollzogen werden können, entwickelten der Argentinier Ernesto Laclau und die Französin Chantal Mouffe mittels dekonstruktiver Strategien und diskursanalytischer Theorie. Sie erarbeiteten eine Gesellschaftstheorie, die Gesellschaft nicht als eine Totalität mit einer universellen Konstitutionslogik erfasst, sondern als ein heterogenes und diskontinuierliches Feld von Antagonismen. Diese Diskurstheorie bietet die Möglichkeit, Konflikte - die antagonistische Konfrontation - nicht als einen Zustand des Mangels zu verstehen, sondern als fundamental. Das Eintreten für die Unumgänglichkeit von Konflikten unterscheidet die Theorie von Laclau/Mouffe von den gängigen philosophischen Politikkonzeptionen.
Durch ihre Vorstellung von Hegemonie wird der politische Raum als Bereich des Antagonismus - einen Bereich einer Vielzahl von Kämpfen - neu gedacht, innerhalb dessen es viele Formen von Herrschaft oder Formen von Unterdrückung gibt. Der antagonistische Moment, der soziale Konflikt, ist ein ursächlicher Moment, er stellt nicht das Ergebnis von etwas anderem dar. Das bedeutet, dass sich die Orte der Antagonismen zwar stets verschieben werden, es aber immer Antagonismen geben wird. Die Gendiagnostik im allgemeinen und die PID im speziellen enthalten ein enormes Potential an neuen Herrschaftsverhältnissen, denn der Diskurs darüber, welches Leben als wertvoll erachtet wird und welches nicht, enthält, da er die Identität eines jeden Menschen betrifft, einen grundlegenden Machtanspruch. Die Diskurse um die PID besitzen deshalb ein großes Potential, als Ort vieler Antagonismen zu fungieren, weil die ständige hegemoniale Verschiebung in der ¿Wertigkeit des Lebens¿ durch Veränderung der ¿genetische Selektionsstandards¿ jeden Menschen der Gefahr aussetzt, ¿unerwünschte¿ Erbanlagen zu besitzen, und sich somit die jeweilige Identität des Menschen innerhalb der Gesellschaft verändert.
Wie sind der heutige und der mögliche zukünftige Nutzen bzw. die Nachteile der PID für die Gesellschaft zu bewerten? Wie kann der politisch-demokratische Kampf bei der Einführung neuer Techniken im allgemeinen und bei der PID im speziellen gedacht werden? Wie sind die unterschiedlichen Diskurse betreffend der PID in England und in Deutschland zu erklären?
Gang der Untersuchung:
Mit der vorliegenden Arbeit diskutiere und behandle ich diese Fragen unter Bezugnahme und Annahme der Gesellschaftstheorie von Laclau/Mouffe.
Im ersten Kapitel werde ich jene Grundbegriffe des Werkes ¿Hegemony and Socialist Strategy ¿ Towards a radical democratic politics¿ von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau und die dazugehörenden Überlegungen, die als Grundlage der theoretische Betrachtung meiner Arbeit dienen, darstellen. Da eine vollständige Darstellung der Gesellschaftstheorie Laclau/Mouffes den Rahmen dieser Arbeit überschreiten würde, zeichne ich ihre Vorstellungen nur soweit nach, als diese mir erstens verständlich und sie zweitens für die vorliegende Arbeit dienlich sind.
Im zweiten Kapitel werde ich allgemein die Problematiken bei der Einführung neuer Techniken erörtern. Die Gestaltungsanstrengungen in diesem Bereich sind deshalb so schwierig, weil kein Steuerungszentrum existiert und es auch keine klaren Steuerungsziele gibt. Die technische Entwicklung wird neben dem Staat von vielen weiteren Akteuren und deren Interessenvertretungen getragen. Ein Konsens über Ziele der Technisierung ist nicht vorhanden, und auch hinter scheinbar gemeinsamen Zielen können sich eine Vielzahl individueller Einzelinteressen verbergen. In dem Abschnitt ¿Technikfolgenabschätzung¿ (TA) ¿ einem wichtigen Instrument der Politikberatung ¿ werden allgemein ihre Methoden, Ansatzpunkte, Institutionalisierung dargestellt, um im dritten Kapitel die TA als Schema zu nutzen die PID als Technologie darlegen zu können.
Im dritten Kapitel wird die besondere Problemstellung der PID aufgezeigt. Die Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes und die daraufhin erfolgten Versprechungen, dass die Gentherapie Behandlungserfolge für nahezu alle Krankheiten bringen würde, erwies sich als sehr verfrüht, denn die ¿Abschrift¿ des dekodierten Lebens kann nach wie vor niemand lesen. Daraus resultiert ein Grundproblem, das auch auf die PID zutrifft, nämlich, dass die Gendiagnoseverfahren weit fortgeschritten sind, die Möglichkeiten der Gentherapie aber weit hinterher hinken. Die moralischen Dilemmata, wie sie durch die PID aufgeworfen werden, und ihre Lösungen sind an institutionelle, politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Kontexte gebunden. Nach dem Schema einer technologieinduzierten TA-Studie werde ich die PID in diesem Kapitel behandeln. Dies impliziert eine Problemdefinition; Beschreibung der Technologie; Voraussage der zukünftigen Technologieentwicklung; Beschreibung der Gesellschaft, der Betroffenen und Voraussage sozialer Entwicklungen; sowie Analyse politischer Handlungsoptionen.
Im vierten Kapitel beleuchte ich anhand eines zeitgeschichtlichen Vergleichs zwischen Deutschland und England die jeweiligen Entwicklungen in den die PID betreffenden Diskursen. Laclau/Mouffe lösen das Politische von seiner zeitlichen und räumlichen Verbindung mit partikularen hegemonialen Verhältnissen und Regierungsformen, um eine reine Theorie des Politischen voranzutreiben. Das heißt, eine Theorie, die nicht die Funktion des Politischen mit seiner historisch kontingenten Strukturierung verwechselt. Laclau/Mouffe bieten die Möglichkeit, politisches Handeln zu verstehen; das Aufzeigen der unterschiedlichen Diskursentwicklungen zur PID in England und Deutschland kann jedoch nur in seiner historisch und kulturellen Dimension nachvollzogen werden und ist deshalb so interessant, weil die PID in England im Gegensatz zu Deutschland rechtlich zulässig ist und bereits seit 1990 zur Anwendung kommt.
Auch aus österreichischer Sicht ist dieser Vergleich von großem Interesse, da sich die Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt im Juli 2004 dafür ausgesprochen hat, das herrschende Verbot im Reagenzglas erzeugte Embryonen per Gentest zu untersuchen unter bestimmten Voraussetzungen aufzuheben. Die österreichische Bioethikkommission orientiert sich in dieser Frage stark an den Erfahrungen und dem Regulierungsmodell Großbritanniens.

Inhaltsverzeichnis:
1.Grundbegriffe der Hegemonietheorie von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau9
1.1Einführung in die Thematik10
1.2Diskurs14
1.3Antagonismus18
1.4Hegemonie21
2.Die Einführung neuer Technologien26
2.1Technik27
2.2Technology Policy31
2.2.1Leitbilder34
2.2.2Experten als Policy-Akteure36
2.2.3Der Staat38
2.3Technikfolgen-Abschätzung39
3.Die Präimplantationsdiagnostik47
3.1Problemdefinition48
3.2Beschreibung der Technologie51
3.3Voraussage der zukünftigen Technologieentwicklung58
3.3.1Diskursverschränkung61
3.3.2Die PID auf dem freien Markt61
3.3.3Voraussagen zur PID von Forschung abhängig63
3.4Beschreibung der Gesellschaft, der Betroffenen64
3.4.1PID-Debatten in unterschiedlichen nationalen und kulturellen Kontexten65
3.4.2Eugenik67
3.4.3Reproduktionstechnologie69
3.5Analyse politischer Handlungsoptionen71
3.5.1Gemeinschaftliche und völkerrechtliche Aspekte73
4.Die PID in Deutschland und England75
4.1Die politische Theorie76
4.1.1Unterschiede durch Politik, Recht, Philosophie und Religion78
4.1.2Die emotionale Verfasstheit eines Landes80
4.2Deutschland von 1985 bis 199083
4.2.1Das Embryonenschutzgesetz85
4.2.2Bundestagsdebatte zum Embryonenschutzgesetz86
4.2.3Überblick 1985-199089
4.3Deutschland von 1990 bis 200091
4.3.1Medien, Akteure91
4.3.2Das Jahr 2000 als Höhe- und Wendepunkt93
4.3.3Überblick 1990 - 200096
4.3.4Deutschland von 2000 bis 200498
4.4Überblick 2000 bis 200499
4.5England von 1982 bis 1990100
4.5.1Der Warnock-Report100
4.5.2Prä-Embryo102
4.5.2Parlamentsdebatte zum Human Fertilisation and Embryology Act103
4.3.3Überblick 1982-1990105
4.3.5Die Human Fertilisation and Embryology Authority106
4.4Die PID in England und Deutschland im Vergleich109
Zusammenfassung113
Abkürzungsverzeichnis115
Bibliographie117

Technik

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Kopierschutz: Keiner
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