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Der Väter Fluch


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Januar 2004

Beschreibung

Beschreibung

Rina Lazarus ist wie vor den Kopf geschlagen, als sie erfährt, dass ein infamer Anschlag auf die kleine Synagoge, zu der sie und ihre Familie gehören, verübt wurde. Die Wände sind mit antijüdischen Parolen beschmiert, der Boden ist mit rassistischen Pamphleten übersät, die kostbaren Bücher sind zerfleddert und beschmutzt. Peter Decker, Rinas Mann und Kommissar bei der Polizei von Los Angeles, nimmt routiniert die Ermittlungen auf. Vergehen wie dieses gehören zu seinem Alltag. Schnell kommt er denn auch Ernesto Golding, einem jungen Mann aus wohlhabendem Elternhaus, auf die Spur, der sich nach kurzem Widerstand zur Tat bekennt. Als Motiv nennt Ernesto das Entsetzen über seinen jüdischen Großvater, der angeblich ein Nazi gewesen sein soll. Ernestos Freundin Lisa freilich sät in Decker starke Zweifel an dieser Version des Geschehens. Als Ernesto einige Zeit später einem Mordanschlag zum Opfer fällt, muss Peter Decker erkennen, dass ihn der Fall weit mehr betrifft, als er bislang wahr haben wollte. Denn sein eigener Stiefsohn Jacob scheint tief verstrickt in ein Netz zwielichtiger Machenschaften. Und sein Leben ist in Gefahr.

Portrait

Bevor Faye Kellerman als Schriftstellerin mit ihren Kriminalromanen international und auch in Deutschland riesige Erfolge feierte, war sie Zahnärztin mit einer besonderen Liebe zur Musik. Sie lebt zusammen mit ihren Kindern und ihrem Mann, dem Psychologen und Bestsellerautor Jonathan Kellerman, in Los Angeles.

Leseprobe

Der Anruf kam von der Polizei. Nicht von Rinas Mann, dem Lieutenant, sondern von der richtigen Polizei. Sie hörte zu, während der Mann sprach, und als sie begriff, dass es nichts mit Peter oder den Kindern zu tun hatte, stieß sie einen Seufzer der Erleichterung aus. Nachdem sie den Grund für diesen Anruf erfahren hatte, war Rina jedenfalls nicht so schockiert, wie sie es hätte sein sollen.

Schon in der Vergangenheit war die jüdische Bevölkerung im West Valley von Los Angeles von rassistischen Hassverbrechen erschüttert worden - Hate Crimes, die vor einigen Jahren darin gipfelten, dass eine Bestie von Mensch aus dem Linienbus stieg und das Jewish Convention Center zusammenschoss. Das jüdische Gemeindezentrum war seit jeher ein geistiger Zufluchtsort und Mittelpunkt des jüdischen Lebens in Los Angeles gewesen und konnte mit einem reichhaltigen Angebot aufwarten, von der Kinderkrippe über Tanztherapie bis hin zu Gymnastikkursen für Senioren. Wundersamerweise war dort niemand getötet worden. Aber das Ungeheuer - das am selben Tag noch einen kaltblütigen Mord verüben sollte - verletzte mehrere Kinder und ließ das ganze Viertel in der lähmenden Angst zurück, dass so etwas jederzeit wieder passieren konnte. Seit dieser Zeit trafen viele der Juden von L. A. besondere Vorkehrungen, um ihre Familien und Einrichtungen zu schützen. Die Türen der Gemeindezentren und Synagogen wurden mit zusätzlichen Schlössern gesichert, und Rinas schul, ein kleines gemietetes Ladenlokal, war sogar so weit gegangen, den Aron ha Kodesch mit einem Vorhängeschloss zu versehen - die heilige Lade, die die geweihten Thorarollen enthielt.

Die Polizei hatte Rina angerufen, weil ihre Nummer als Einzige auf dem Anrufbeantworter der schul angegeben war - nur für Notfälle. Sie fungierte als inoffizielle Hausverwalterin der Synagoge, die die Entscheidungen traf, wenn Handwerker wegen eines Rohrbruchs oder eines Lochs im Dach gerufen werden mussten. Da es sich um eine junge Gemeinde handelte, konnten sich die Mitglieder nur einen Teilzeit-Rabbi leisten, und so sprangen manche Gemeindemitglieder häufiger ein, wenn es darum ging, am Sabbat die Predigt zu halten oder eine Mahlzeit nach dem Kiddusch zu finanzieren. Die Leute waren immer wesentlich kontaktfreudiger, wenn gleichzeitig etwas zu essen serviert wurde. Die kleine Gemeinde steckte voller Enthusiasmus, und das machte die schreckliche Nachricht umso schwerer.

Auf der Fahrt dorthin empfand Rina Angst, und dunkle Vorahnungen erfüllten sie - neun Uhr morgens, und sie hatte einen Knoten im Magen und Sodbrennen. Die Polizei hatte keine Angaben über den Schaden gemacht; stattdessen war immer wieder das Wort "Vandalismus" gefallen. So wie sie es sagten, klang es mehr nach Schmierereien an den Wänden als nach wirklichen Schäden am Gebäude - aber vielleicht war das ja auch nur Wunschdenken.

Häuser, Geschäfte und Einkaufszentren glitten vorüber, doch sie hatte kaum mehr als einem kurzen Blick dafür übrig. Sie rückte die schwarze Schottenmütze gerade, die auf ihrem Kopf thronte, und schob ein paar heraushängende Locken ihres schwarzen Haars hinein. Selbst unter normalen Umständen verbrachte sie kaum Zeit vor dem Spiegel, und heute Morgen hatte sie gerade noch das Telefon aufgelegt und war nur mit dem Nötigsten bekleidet - schwarzer Rock, weiße, langärmlige Bluse, Slipper und Mütze - sofort aus dem Haus gestürzt. Für ein Make-up war ihr keine Zeit geblieben; die Cops würden die ungeschminkte Rina Decker zu sehen bekommen. Die Ampeln schienen ihr heute besonders lange auf Rot zu stehen - so sehr drängte es sie, so schnell wie möglich in die Synagoge zu kommen.

Die schul bedeutete ihr sehr viel: Sie war der Hauptgrund für den Verkauf von Peters alter Ranch und den Kauf ihres neuen Hauses gewesen. Da in ihrem jüdischen Haushalt der Sabbat eingehalten wurde, hatte sie nach einem Gotteshaus gesucht, das sie zu Fuß erreichen konnte - und damit war kein fünf Kilometer langer Fußmarsch gemeint, wie zu Zeiten, als sie noch auf Peters Ranch lebten. Der Weg zu ihrer alten schul, Ohavei Torah Jeschiwa, hatte ihr zwar nichts ausgemacht, und auch die Jungs konnten die Strecke problemlos bewältigen, aber Hannah war damals erst fünf Jahre alt gewesen. Das neue Haus dagegen war genau das Richtige für Hannah: ein Spaziergang von fünfzehn Minuten bis zur schul und eine Menge kleiner Kinder, mit denen sie spielen konnte. Nicht viele ältere, aber das konnte Rina egal sein, weil ihre Söhne schon fast aus dem Haus waren. Shmueli hatte seine Sachen gepackt und sich nach Israel aufgemacht, und Yonkie, obwohl erst in der elften Klasse, würde vielleicht sein Abschlussjahr im Osten verbringen und die Jeschiwa Highschool beenden, während er sich gleichzeitig schon an der Universität einschrieb. Peters Tochter Cindy, mittlerweile eine erfahrene Polizistin, hatte ein äußerst traumatisches Jahr hinter sich. Gelegentlich kam sie am Sabbat zum Essen und besuchte ihre kleine Schwester - für Cindy jedes Mal ein Erlebnis, weil sie selbst als Einzelkind aufgewachsen war. Rina war die Mutter einer echten Patchwork-Familie, die ihr manchmal wie das reinste Chaos erschien.

Ihr Herz schlug schneller, als sie vor dem Laden eintraf. Das winzige Gotteshaus war Teil eines kleinen Einkaufszentrums, zu dem auch ein Maklerbüro, eine chemische Reinigung, ein Nagelstudio und ein thailändischer Imbiss gehörten. Im obersten Stock befanden sich ein Reisebüro und eine Anwaltskanzlei, die im Kabelnachtprogramm mit fröhlichen Interviews ihrer zufriedenen ehemaligen Klienten warb. Zwei schräg geparkte schwarz-weiße Streifenwagen beanspruchten den größten Teil der winzigen Parkfläche; ihre Lichtbalken sandten im Wechsel rote und blaue Blitze aus. Vor der Synagoge hatte sich eine kleine Menschenmenge versammelt, aber auch durch sie hindurch konnte Rina Teile eines frisch gemalten schwarzen Hakenkreuzes erkennen.

Ihr sank der Mut.

Sie zwängte ihren Volvo neben einen der Streifenwagen auf dem Parkplatz. Noch bevor sie aussteigen konnte, versuchte ein Uniformierter - ein Klotz von einem Mann in den Dreißigern -, sie wieder vom Parkplatz zu dirigieren. Rina erkannte ihn nicht, aber das hatte nichts zu sagen, weil sie die meisten der uniformierten Beamten im Devonshire-Revier nicht kannte. Peter war als Detective dorthin versetzt worden, nicht als Streifenpolizist.

"Sie können hier nicht stehen bleiben, Ma'am", sagte der Officer.

Rina kurbelte die Scheibe herunter. "Die Polizei hat mich benachrichtigt. Ich habe die Schlüssel zur Synagoge."

Pressestimmen

"Eine gekonnte Mischung aus hartgesottenem Realismus, Romantik und feiner, menschenfreundlicher Ironie."
EAN: 9783442731251
ISBN: 3442731259
Untertitel: Ein neuer Fall für Peter Decker und Rina Lazarus. Originaltitel: The Forgotten. 'btb'.
Verlag: btb Taschenbuch
Erscheinungsdatum: Januar 2004
Seitenanzahl: 448 Seiten
Übersetzer/Sprecher: Übersetzt von Franca Fritz, Heinrich Koop
Format: kartoniert
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