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Europa. Kultur der Sekretäre


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November 2003

Beschreibung

Beschreibung

Eine Grundregel unserer Schriftkultur besagt seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, dass ein Autor immer etwas anderes und immer mehr sei als ein bloßer Schreiber. Diese Regel hat Werke und Schulen, Texte und Kommentare hervorgebracht und dabei vergessen gemacht, was stets den Boden dieser repräsentativen Kulturarbeit bereitet: ein unaufhörliches Auf- und Abschreiben, Verzeichnen, Registrieren und Archivieren. Eine europäische Kultur der Sekretäre wird in den Aufsätzen dieses Bandes historisch und thematisch im weitesten Sinne begriffen. Sie schließt den apostolischen Auftrag als Sekretariat des göttlichen Wortes ebenso ein wie die graue Arbeit des Kanzlisten im Dienste eines abendländischen Gerichtswesens; sie reicht von den Archivaren und Bibliothekaren der neuzeitlichen Gedächtnisbürokratie bis hin zum Stand von Sekretärin oder digitalen Techniken im modernen Büro; sie wird von der unermüdlichen Arbeit mittelalterlicher Kopisten ebenso geprägt wie von der neueren Machtfigur des General- und Parteisekretärs. In allen diesen Fällen lässt sich die Gestalt des Sekretärs ganz allgemein als eine Schaltstelle von Daten und Botschaften begreifen, die die grundsätzliche Fremdheit der Rede in die autorisierten Formen des Befehls und der Rechtsprechung, der Wahrheitsrede und der Kunst übersetzt. Das Imaginäre einer europäischen Kultur wird ermöglicht und überliefert durch das Reale einer sekretären Politik - als einer Politik der Namen und Taten, der >res gestae< im weitesten Sinn.

Inhaltsverzeichnis

7 - 9 Vorwort (Bernhard Siegert, Joseph Vogl)
13 - 27 Archiv und Monument (Jan-Dirk Müller)
29 - 43 Sekretäre - heimlîchaere (Horst Wenzel)
45 - 60 Sekretäre des Königs (Nicolas Schapira)
63 - 78 Perpetual Doomsday (Bernhard Siegert)
79 - 96 Barocke Formulare (Rüdiger Campe)
97 - 109 Leibniz, Kameralist (Joseph Vogl)
111 - 123 Goethes Bibliotheksökonomie (Uwe Jochum)
127 - 146 Angestelltenverhältnisse (Ethel Matala de Mazza)
147 - 162 Leporellos Amt (Manfred Schneider)
163 - 174 Fräulein Sekretär: Prousts Schreiber (Ulrike Sprenger)
175 - 192 Schreibtischporträts (Sabine Mainberger)
195 - 219 Routen und Routinen (Gloria Meynen)
221 - 234 Mechanische Schreiber (Wolfgang Schäffner)
235 - 251 Digitale Sekretäre: 1968, 1978, 1998 (Claus Pias)
253 - 265 Sekretärinnen ohne Chef (Wolfgang Ernst)
267 Die Autoren
269 - 271 Namenindex

Portrait

Bernhard Siegert ist Gerd Bucerius Stiftungsprofessor für »Geschichte und Theorie der Kulturtechniken« an der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar und seit 2008 Direktor des Internationalen Kollegs für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie in Weimar. Er forscht zum Komplex Ort ohne Ort: Das Schiff, zu Exzessiver Mimesis, High Fidelity und Mimikry, zur Kultur- und Mediengeschichte graphischer Operationen (Lesen, Schreiben, Rechnen, Zeichnen), zu den Medien des Heiligen und zu den Medien der Architektur (Fenster, Türen, Schleusen, Korridore). Joseph Vogl ist Professor für Neuere deutsche Literatur, Literatur- und Kulturwissenschaft/Medien an der Humboldt-Universität zu Berlin und Permanent Visiting Professor an der Princeton University, USA. Mit »Das Gespenst des Kapitals« (2011) hat Joseph Vogl »einen heimlichen Bestseller geschrieben, der weit über die Feuilletons Aufsehen erregte« (DER SPIEGEL).

Pressestimmen

"Der gewählte Ansatz ist deshalb so außergewöhnlich, weil er durch seine Medienhistorizität nicht nur das Feld der Interessenten an diesem Buch erweitert, sondern auch dazu beiträgt, dieser besonderen, aber leider immer noch vernachlässigten Perspektive, zu dem ihr gebührenden Respekt zu verhelfen." Andreas Hagen, europa-digital.de


EAN: 9783935300384
ISBN: 3935300387
Verlag: Diaphanes Verlag
Erscheinungsdatum: November 2003
Seitenanzahl: 271 Seiten
Format: kartoniert
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