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Der Kaufmann von Venedig


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kartoniert
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Oktober 2003

Beschreibung

Beschreibung

Vieles, was im Zusammenhang mit diesem Drama diskutiert wurde, ist den falschen Erwartungen zuzuschreiben, die man Texten des Klassikers Shakespeare entgegenbringt. Wer von einer Komödie liebenswerte Figuren, komische Verwicklungen, allenfalls einen rasch verfliegenden tragischen Schatten und eine harmonisch-heitere Lösung, die zur ästhetisch befriedigenden Einheit zusammengefügt sind, erwartet, wird enttäuscht werden. Dieser Text zeigt andere Qualitäten, die geeignet sind, das traditionelle Bild des Klassikers Shakespeare zu revidieren. Spätestens im >Kaufmann von Venedig< gibt sich der Dichter als experimentierender Dramatiker zu erkennen, der völlig unterschiedliche Handlungsstränge zusammenfügt und Figuren aus verschiedenen gesellschaftlichen Welten in einer Weise aufeinandertreffen lässt, dass deren Motive, Handlungsweisen und Wertvorstellungen vieldeutig und fragwürdig werden.

Portrait

»William Shakespeare, getauft 23.4.1564 in Stratford-upon-Avon, gest. 23.4.1616 ebenda. Dramatiker Lyriker. Erziehung an der Lateinschule Stratford, seit Ende der 80er Jahre Schauspieler, um 1585 Übersiedlung nach London, wo er als Regisseur, Dramaturg und Bühnenschriftsteller blieb. 1592 erste Erwähnung als erfolgreicher Dramatiker und Schauspieler, Anschluss an Lord Chamberlain¿s Company, von 1597 an Mitinhaber des Globe-Theaters. Um 1610 Rückkehr nach Stratford als angesehener, begüterter Mann. Die erste maßgebliche Gesamtausgabe von Shakespeares Werken ist die Folio-Ausgabe von 1623.« Zitiert aus dem Theaterlexikon
EAN: 9783423124850
ISBN: 3423124857
Untertitel: 'dtv'. Neuauflage, Nachdruck.
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Erscheinungsdatum: Oktober 2003
Seitenanzahl: 288 Seiten
Format: kartoniert

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Polar - 15.09.2007, 16:49
Zum Haß getrieben
Diese Stück ist oft schon mißbraucht worden, um Anitsemitismus zu schüren. Umso intensiver waren die Bemühungen im Nachklriegsdeutschland Shylock vor seinem Ruf zu bewahren, ihn als Menschen darzustellen, der verbittert einen Vertrag mit einer unmenschlichen Klausel ausfüllt, weil ihm das, was nun die anderen für Antonius einfordern, Zeitlebens versagt wurde: Nachsicht, Toleranz, gleiche Chancen, Schutz vor der Demütigung und Verfolgung. Wie der erniedrigende Umgang mit einem das Gefühl anwachsen läßt, Rache nehmen zu müssen, ist an Shylock zu sehen. Er beharrt auf seinem Vertrag, und Shakespeare schickt eine wundersame Lösung, indem die Schiffe wieder auftauchen läßt, um das Geschehen nicht eskalieren zu lassen? Antonius Zustimmung zur Vereinbarung beruht die nicht auf dem stillen Glauben, mit dem Juden schon fertig zu werden? Der Jude wird schon nicht aufmüpfen? Notfalls bringt man ihn halt um sein Geld. Man fragt sich schon, wie kann jemand wie Antonius einen solchen Vertrag unterschreiben, wenn er keine Hinterabsicht hegt. Wer das Stück nicht rassistisch für eigene Zwecke ausschlachtet, muß fasziniert sein von der Figur des Shylocks. Mit welcher Konsequenz, mit welchem Durchhaltevermögen Der Kaufmann von Venedig auf der Erfüllung seiner Abmachung besteht, sucht seines Gleichen unter den Bühnendramen. Unterstellt man Shakespeare auf Grund seiner anderen Stücke nicht unbedingt ein Antisemit zu sein, leuchtet er im Kaufmann von Venedig die Abgründe menschlichen Seins schonungslos aus. Einen Frieden wird es für Shylock nicht geben. Nicht in dieser Gesellschaft. Den könnte er sich nur selbst gewähren. Ein schillerndes, provokantes, zwiespältiges Stück, das von einem Leser oder Zuschauer fordert, sich eine eigene Meinung zu bilden.