EBOOK

Aus allen Himmeln


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gebunden
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März 2004

Beschreibung

Beschreibung

Das Haus des Lebens hat einen Keller - die Kindheit. In diesem Keller wohnen Schatten und Dämonen, die nicht weichen wollen. Angelika Klüssendorf bannt sie, indem sie unerschrocken davon erzählt: Von dem Vater, der sich jedes Jahr zu Ostern das Leben zu nehmen versucht, und von der Mutter, die ihre Tochter mit dem Einkaufszettel zum Ladendiebstahl schickt. Von der 11-jährigen Ausreißerin, die sich im Polizeiverhör an die Schrecken des "Kindergefängnisses" erinnert, und von Nelly, die es aus Sehnsucht nach ihren Geschwistern nicht im Heim hält. - Erzählungen, die das Dunkel der Kindheit wie Blitzschläge erhellen.
»Faszinierend ist allein schon der Ton des Erzählens: diese Klarheit und Präzision, die völlig ohne Anstrengung scheint.« >Freitag<

Portrait

Angelika Klüssendorf, geboren 1958 in Ahrensburg, lebte von 1961 bis zu ihrer Übersiedlung 1985 in Leipzig; heute lebt sie bei Berlin. Sie veröffentlichte unter anderem den Roman »Alle leben so« und die Erzählungsbände »Aus allen Himmeln« und »Amateure«. Zuletzt erschienen die beiden Romane »Das Mädchen« und »April«, die beide auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises standen.
Literaturpreise:
2004 Roswitha-Preis der Stadt Bad Gandersheim
2011 Shortlist des Deutschen Buchpreises mit »Das Mädchen«
2013/14 Stadtschreiberin von Bergen
2014 Hermann-Hesse-Literaturpreis
2014 Shortlist des Deutschen Buchpreises mit »April«
2014 Preis der SWR-Bestenliste
2014 Hertha Koenig-Literaturpreis


Leseprobe

Ja, das ist meine Tochter. So hatte ich sie das noch nie sagen gehört, Stolz hatte in ihrer Stimme mitgeklungen, sie hatte ihre Stirn ein paar Zehntelsekunden in Falten gelegt und mich angesehen, als würde sie mich lieben.

Dann verabschiedete sie sich mit einem knappen Kopfnicken in Richtung des Polizisten. Auf der Straße nahm sie meine Hand, und ich weiß noch, wie ich mein Gesicht übermütig in die Frühlingsluft hielt, eine Frühlingsluft, die aus Abgasen, Rauch und einem feinen Aschenebel bestand, aus dem Duft des Flieders, dem Geruch feuchter Häuserwände und der Wärme der Sonne darauf.

Pressestimmen

Es sind Geschichten wie hinter zerkratztem Glas, die Angelika Klüssendorf erzählt, Geschichten der stummen Verzweiflung: Kindergeschichten mithin. Aber so, als würde das Kind selber erzählen, als würde das Kunststück gelingen, die erwachsene Frau, die das tatsächlich geschrieben hat, völlig zu vergessen.

Auch wenn es problematisch ist, innerhalb einer Erzählung zwischen den Erzählperspektiven öfters hin und her zu wechseln: der kontrollierte Stil macht dieses Manko wett, und der Inhalt will nichts anderes als einfach da sein. Klüssendorf erzählt keine Short Story, sie erzählt kurze Geschichten. Kindergeschichten, unzusammenhängende Bilder, ins Monströse aufgeblasene Erwachsene und eine Welt des Grauens, die scheinbar versunken ist und die doch immer weiter fort wirkt, auch wenn das Kind Platz gemacht hat für eine Erwachsene, die beschädigt ihre Tage fristen muss.

Von der Kindheit zu erzählen endet leicht in dem sentimentalen Versuch, diese verschwundene Welt wieder erstehen zu lassen. Es gibt äußerst umfangreiche Ergebnisse dieses Versuchs, und nicht die schlechtesten bereichern seit je die Weltliteratur. Sie sind in der Regel von einer Art Heimweh umweht, aber dieses Heimweh bezieht sich gern auf Gerüche, Orte, andere Menschen. Den wahren Grund dieses Heimwehs aber nennt der junge Polizist am Ende der Geschichte "Ficken" beim Namen: " ... und ich bekam Heimweh nach all den kleinen, wahrhaftigen Lügen, nach den Mädchen und den Jungen, nach den Freunden von damals, nach mir."

Die magische Welt, in der Kinder leben, macht es ihnen schwer, wahr von unwahr zu unterscheiden. Was Erwachsene für Flunkern halten, ist für Kinder, als wäre es wahr gewesen. "Alles hat seine Zeit" ist ein gelungenes Beispiel, auch die schärfste Wahrnehmung eines erwachsenen Lesers aufs Kreuz zu legen.

So hat jede Geschichte ihr kleines Wunder, und dieses gilt es, zu entdecken. Wem es nicht beim ersten Anlauf gelingt, dem bleibt - sehr im Gegensatz zu einer Kinderzeit - der zweite Versuch.

© Andreas Reikowski

EAN: 9783100382023
ISBN: 3100382021
Untertitel: Lesebändchen.
Verlag: FISCHER, S.
Erscheinungsdatum: März 2004
Seitenanzahl: 141 Seiten
Format: gebunden
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