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Der Ruf der Trommel


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Mai 2004

Beschreibung

Beschreibung

Die faszinierende Geschichte von Claire Randall und Jamie Fraser geht weiter!

Eigentlich hat Claire als Ärztin in Boston alles erreicht, was die moderne Zeit ihr bieten kann. Und doch führt die Liebe zu Jamie, dem rebellischen schottischen Clanführer, sie erneut zurück in das 18. Jahrhundert. Unruhige Zeiten hatten Jamie aus seiner Heimat vertrieben. In den Häfen Europas beginnt nun für Claire eine abenteuerliche Suche nach dem Geliebten, die sie schließlich zu ihm und auf ihren eigenen Kontinent zurückführen wird, mitten hinein in die rauhe Welt der ersten Siedler. In den unberührten Bergen von North Carolina ertrotzen sich Claire und Jamie schließlich ein neues Leben fernab der Zivilisation. Doch der Atem der Vergangenheit reicht weit. Denn auch ihre gemeinsame Tochter Brianna ist dem Ruf der Trommel gefolgt...

Portrait

Diana Gabaldon war Honorarprofessorin für Tiefseebiologie und Zoologie an der Universität von Arizona, bevor sie sich hauptberuflich dem Schreiben widmete. Bereits ihr erster Roman Feuer und Stein wurde international zu einem gigantischen Erfolg und führte dazu, dass Millionen von Lesern zu begeisterten Fans ihrer Romane wurden. Zuletzt wurde Gabaldons Highland-Saga unter dem Titel Outlander hochkarätig fürs Fernsehen verfilmt. Diana Gabaldon ist Mutter dreier erwachsener Kinder und lebt mit ihrem Mann in Scottsdale, Arizona.

Leseprobe

Charleston, Juni 1767


Ich h'rte die Trommeln, lange bevor sie in Sichtweite kamen. Die Schl' hallten in meiner Magengrube wider, als w' ich selber hohl. Der Klang breitete sich in der Menge aus, ein harter, milit'scher Rhythmus, der dazu gedacht war, jedes Gespr' und selbst Sch'sse zu 'bert'nen. Ich sah, wie sich die K'pfe umwandten, w'end die Menschen verstummten und jenen Abschnitt der East Bay Street entlangblickten, der den Rohbau des neuen Zollhauses mit den White Point Gardens verband.
Es war ein hei'r Tag, sogar f'r Charleston im Juni. Die besten Pl'e waren auf dem Hafendamm, wo wenigstens ein Luftzug wehte; hier unten war es, als w'rde man lebendig gegrillt. Mein Hemd war durchn', und das Baumwollmieder klebte mir zwischen den Br'sten. Zum zehnten Mal in ebenso vielen Minuten wischte ich mir 'ber das Gesicht und hob meinen schweren Haarknoten in der vergeblichen Hoffnung, da'ein Luftzug mir den Hals k'hlen w'rde.
'erhaupt fielen mir im Moment makabererweise H'e besonders auf. Unauff'ig legte ich die Hand an meine Kehle und umspannte sie mit den Fingern. Ich konnte sp'ren, wie der Puls meiner Halsschlagadern im Takt mit den Trommeln schlug, und beim Atmen verstopfte mir die hei', feuchte Luft die Kehle, als w' ich selber dem Ersticken nahe.
Ich zog hastig meine Hand weg und holte Luft, so tief ich konnte. Das war ein Fehler. Der Mann vor mir hatte seit mindestens einem Monat nicht mehr gebadet. Der Rand seiner Halsbinde stand vor Dreck, und seine Kleider rochen s'rlich und muffig und 'berdeckten sogar den Schwei'eruch der Menge. Aus den Buden, an denen E'ares verkauft wurde, drang der Geruch von hei'm Brot und siedendem Schweinefett und vermischte sich mit dem Moder verfaulenden Seegrases, der aus der Marsch her'berwehte und durch einen salzigen Luftzug vom Hafen her kaum gemildert wurde.
Vor mir reckten ein paar Kinder gaffend die H'e. Sie rannten zwischen den Eichen und F'erpalmen hervor, um einen Blick auf die Stra' zu werfen
und wurden von ihren besorgten Eltern wieder zur'ckgerufen. Der Hals des M'hens neben mir erinnerte an den wei'n Teil eines Grashalmes, schlank und gl'end.
Ein aufgeregtes Raunen ging durch die Menge: Die Galgenprozession kam am anderen Ende der Stra' in Sicht. Die Trommeln wurden lauter.
'Wo ist er?' murmelte Fergus neben mir und reckte ebenfalls den Hals, um etwas zu sehen. 'Ich wu'e doch, da'ich besser mit ihm gegangen w'.'
'Er kommt schon noch.' Ich h'e mich am liebsten auf die Zehenspitzen gestellt, lie'es aber bleiben, weil ich es als unpassend empfand. Dennoch blickte ich mich suchend um. Ich konnte Jamie in jeder Menschenmenge ausmachen, denn sein Kopf und seine Schultern 'berragten die meisten M'er, und in seinem Haar fing sich das Licht in einer rotgoldenen Flamme. Er war noch nicht zu sehen, nur das Meer wogender Hauben und Dreispitze, mit denen sich jene B'rger vor der Hitze sch'tzten, die zu sp'gekommen waren, um noch einen Platz im Schatten zu ergattern.
Zuerst kamen die Flaggen. 'er den K'pfen der aufgeregten Menge wehten die Banner von Gro'ritannien und der Kronkolonie South Carolina. Und ein weiteres, das das Wappen des Gouverneurs der Kolonie trug.
Dann kamen die Trommler, in Zweierreihen und im Gleichschritt, und ihre St'cke wechselten zwischen Schl'n und Wirbeln ab. Es war ein langsamer Marsch, grimmig und unerbittlich. Totenmarsch, so glaubte ich, nannte man diese spezielle Kadenz; sehr passend unter diesen Umst'en. Alle anderen Ger'che ertranken im Trommelwirbel.
Dann kam der Zug der rotberockten Soldaten, und in ihrer Mitte die Gefangenen.
Sie waren zu dritt. Man hatte ihnen die H'e vor den Bauch gebunden und sie mit einer Kette aneinandergefesselt, die durch Ringe an ihren Halseisen lief. Der erste war ein kleiner, 'erer Mann, zerlumpt und verlottert, ein verfallenes Wrack, und er torkelte und stolperte so sehr, da'sich der dunkelgewandete Geistliche an seiner Seite gezwungen sah, ihn beim Arm zu nehmen, damit er n
icht hinfiel.
'Ist das Gavin Hayes? Er sieht schlecht aus' , murmelte ich Fergus zu.
'Er ist betrunken.' Die leise Stimme erklang hinter mir, und ich wirbelte herum. Jamie stand genau hinter mir und hatte die Augen auf die kl'iche Prozession gerichtet.
Die Gleichgewichtsst'rungen des kleinen Mannes behinderten die Prozession, denn sein Torkeln zwang die beiden an ihn geketteten M'er zu abrupten Kurswechseln, wenn sie auf den F''n bleiben wollten. Sie erinnerten an drei Betrunkene auf dem Nachhauseweg von der Dorfkneipe, was in drastischem Kontrast zum Ernst der Lage stand. 'er die Trommeln hinweg h'rte ich Gel'ter aufbrausen, und von den schmiedeeisernen Balkonen der East Bay Street erschollen Anfeuerungsrufe.
'Warst du das?' Ich sprach leise, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, aber ich h'e auch schreien und mit den Armen rudern k'nnen; niemand hatte Augen f'r irgend etwas anderes als die Szene vor uns.
Ich sp'rte Jamies Schulterzucken mehr, als da'ich es sah, w'end er einen Schritt vortrat und sich neben mich stellte.
'Er hat mich darum gebeten', sagte er. 'Es war alles, was ich f'r ihn tun konnte.'
'Brandy oder Whisky?' fragte Fergus, der Hayes' Erscheinung mit Kennerblick begutachtete.
'Der Mann ist ein Schotte, mein lieber Fergus.' Jamies Stimme war so ruhig wie sein Gesicht, doch ich h'rte die leise Anspannung darin. 'Er wollte Whisky.'
'Gute Wahl. Mit etwas Gl'ck wird er es nicht einmal merken, wenn sie ihn h'en', murmelte Fergus. Der kleine Mann war dem Griff des Priesters entschl'pft, auf der sandigen Stra' mitten aufs Gesicht gefallen und hatte dabei einen seiner Mitgefangenen auf die Knie heruntergezogen. Der dritte Gefangene, ein hochgewachsener junger Mann, blieb auf den F''n, schwankte aber wild hin und her, w'end er mit aller Kraft versuchte, die Balance zu halten. Die Menge auf dem Platz br'llte vor Schadenfreude.
Der Hauptmann der Wache gl'hte zwischen seiner wei'n Per'cke und seinem Kragen vor Wut mindestens
genauso feuerrot wie von der Sonne. Er bellte einen Befehl, die Trommeln setzten ihr finsteres Rollen fort, und ein Soldat bem'hte sich hastig, die Kette zu entfernen, die die Gefangenen aneinanderfesselte. Hayes wurde ohne Umschweife auf die F'' gerissen, an beiden Armen von einem Soldaten ergriffen, und die Prozession nahm ihren Weg wieder auf, diesmal in besserer Ordnung.
Das Gel'ter verstummte, als sie das Schafott erreichten, einen von Maultieren gezogenen Karren unter den 'ten einer riesigen Eiche. Ich sp'rte das Schlagen der Trommeln durch meine Fu'ohlen. Mir war ein bi'hen schlecht von der Sonne und den Ger'chen. Das Trommeln endete abrupt, und die Stille summte in meinen Ohren.
'Du mu' es dir nicht ansehen, Sassenach' ,fl'sterte Jamie mir zu. 'Geh zur'ck zum Wagen.' Seine Augen waren fest auf Hayes gerichtet, der murmelnd im Griff der Soldaten schwankte und sich tr'b'ig umschaute.
Zusehen war das letzte, was ich wollte. Aber ich konnte Jamie auch nicht dabei im Stich lassen. Er war wegen Gavin Hayes gekommen; ich war seinetwegen gekommen. Ich ber'hrte seine Hand.
'Ich bleibe hier.'
Jamie richtete sich h'her auf. Er trat einen Schritt vor und sorgte so daf'r, da'er in der Menge gut sichtbar war. Falls Hayes noch n'chtern genug war, um irgend etwas zu sehen, dann w' das Letzte, was er auf dieser Welt sah, das Gesicht eines Freundes.
Er konnte sehen - Hayes stierte hierhin und dorthin, als sie ihn auf den Karren hoben, und reckte verzweifelnd suchend den Hals.
'Gabhainn! A charaid!' rief Jamie pl'tzlich. Hayes' Blick fand ihn sofort, und er m'hte sich nicht l'er ab.
Der kleine Mann stand leicht schwankend da, als die Anklage verlesen wurde: Diebstahl in H'he von sechs Pfund, zehn Schillingen. Er war mit r'tlichem Staub bedeckt, und Schwei'erlen hingen zitternd in seinen grauen Bartstoppeln. Der Priester beugte sich dicht zu ihm her'ber und murmelte dr'end in sein Ohr.
Dann setzten die Trommeln in einem gleichm'gen Wirbel wie
der ein. Der Henker f'hrte die Schlinge 'ber den fast kahlen Kopf und zog sie fest. Den Knoten positionierte er pr'se unter dem Ohr. Der Hauptmann der Wache stand mit erhobenem S'l in Habachtstellung.
Pl'tzlich richtete sich der Verurteilte zu voller H'he auf. Den Blick auf Jamie gerichtet, 'ffnete er den Mund, als wollte er etwas sagen.
Der S'l blitzte in der Morgensonne, und das Trommeln endete mit einem letzten, abgehackten Schlag.
Ich sah Jamie an. Er war kalkwei'und starrte ins Leere. Aus dem Augenwinkel sah ich das ruckende Seil und das schwache, unwillk'rliche Zucken des baumelnden Kleiderb'ndels. Ein scharfer Geruch nach Urin und F'lien durchschnitt die dicke Luft.
Neben mir beobachtete Fergus gelassen das Geschehen. 'Dann hat er es wohl doch gemerkt', murmelte er mit Bedauern.
Die Leiche schwang sacht, ein totes Gewicht, das wie ein Senkblei an seiner Schnur baumelte. Aus der Menge erklang ein Seufzer der Versch'chterung und Erleichterung. Seeschwalben kreischten am brennenden Himmel, und entfernte Hafenger'che durchdrangen ged'ft die schwere Luft, doch der Platz war in Schweigen geh'llt. Von meinem Platz aus konnte ich das leise Plitsch, Platsch, Plitsch der Tropfen h'ren, die vom Zeh der baumelnden Leiche fielen.
Ich hatte Gavin Hayes nicht gekannt, und sein Tod ging mir nicht pers'nlich nahe, doch ich war froh, da'es schnell gegangen war. Ich warf einen verstohlenen Blick auf ihn und f'hlte mich wie ein St'renfried. Es war eine h'chst 'ffentliche Art, einen ganz privaten Akt zu vollbringen, und es machte mich verlegen, ihn anzusehen.
Der Henker hatte seine Sache gut gemacht: Es hatte kein entw'rdigendes Gezappel gegeben, keine vorquellenden Augen, keine heraush'ende Zunge. Gavins kleiner, runder Kopf war scharf zur Seite geknickt, sein Hals war grotesk in die L'e gezogen, doch sein Genick war glatt gebrochen.
Jemand anders dagegen war derweil ausgebrochen. Nachdem er sich von Hayes' Tod 'berzeugt hatte, gab der Hauptmann d
er Wache mit seinem S'l das Signal, den n'sten Mann zum Galgen zu bringen. Ich sah, wie seine Augen an der rotberockten Kolonne entlangschweiften und sich dann vor Entr'stung weiteten.
Im selben Moment erscholl ein Schrei aus der Menge, und eine Welle der Aufregung breitete sich aus. K'pfe drehten sich, und die Zuschauer dr'ten gegeneinander, um etwas zu sehen, wo es nichts zu sehen gab.
'Weg ist er!'
'Da ist er!'
'Haltet ihn!'
Es war der dritte Gefangene, der hochgewachsene junge Mann, der den Augenblick von Gavins Tod dazu benutzt hatte, um sein Leben zu rennen. Er hatte sich an der Wache vorbeigeschlichen, die auf ihn h'e aufpassen sollen, sich aber der Faszination des Galgens nicht hatte entziehen k'nnen.
Ich sah eine kurze Bewegung hinter einer Bude, ein Aufblitzen ungewaschener, blonder Haare. Einige der Soldaten sahen es ebenfalls und liefen dorthin, doch viele hasteten auch in andere Richtungen, und in der allgemeinen Verwirrung erreichten sie gar nichts.
Der Hauptmann der Wache br'llte mit hochrotem Gesicht, doch seine Stimme war in dem Aufruhr kaum zu h'ren. Der letzte Gefangene, der ein verbl'fftes Gesicht machte, wurde ergriffen und zum Quartier der Wache zur'ckverfrachtet, w'end die Rotr'cke hastig begannen, unter der peitschenden Stimme ihres Hauptmanns ordentliche Aufstellung einzunehmen.
Jamie schlang seinen Arm um meine Taille und brachte mich vor einer anrollenden Woge von Menschen in Sicherheit. Soldatentrupps r'ckten an, formierten sich und marschierten schnellen Schrittes davon, um die Umgebung unter dem grimmigen und zornbebenden Kommando ihres Sergeanten zu durchk'en, und die Menge wich vor ihnen zur'ck.
'Wir sollten Ian suchen' , sagte Jamie, w'end er eine Gruppe aufgeregter Lehrjungen verscheuchte. Er sah Fergus an und deutete auf den Galgen und seine traurige B'rde. 'Sag, da'wir die Leiche haben wollen, aye? Wir treffen uns nachher im Willow Tree.'
'Meinst du, sie kriegen ihn?' fragte ich, w'end wir u
ns durch das abflauende Gedr'e schoben und durch eine kopfsteingepflasterte Gasse zu den Lagerh'ern der Handelsleute gingen.
'Ich denke schon. Wo sollte er denn hin?' Er klang abwesend, und ich sah eine d'nne Linie zwischen seinen Augenbrauen. Seine Gedanken waren ganz offensichtlich noch bei dem Toten, und er hatte f'r die Lebenden nicht viel Aufmerksamkeit 'brig.
'Hatte Hayes irgendwelche Verwandten?' fragte ich. Er sch'ttelte den Kopf.
'Das habe ich ihn auch gefragt, als ich ihm den Whisky brachte. Er meinte, einer seiner Br'der k'nnte noch leben, hatte aber keine Ahnung, wo. Der Bruder war kurz nach dem Aufstand deportiert worden - nach Virginia, meinte Hayes, hat aber seitdem nie wieder von ihm geh'rt.'
Kein Wunder - ein Zwangsarbeiter h'e keine M'glichkeit gehabt, mit seinen Verwandten in Schottland in Verbindung zu treten, es sei denn, sein Herr war so gro''gig, f'r ihn einen Brief dorthin zu schicken. Und gro''gig oder nicht, es war unwahrscheinlich, da'ein solcher Brief Gavin Hayes erreicht h'e, denn er hatte zehn Jahre im Gef'nis von Ardsmuir verbracht, bevor er ebenfalls deportiert wurde.
'Duncan!' rief Jamie, und ein hochgewachsener, d'nner Mann drehte sich um und hob als Erwiderung seine Hand. Er wand sich durch die Menge, wobei er sich die Leute vom Leib hielt, indem er seinen Arm in weitem Bogen schwang.
'Mac Dubh' , sagte er und begr''e Jamie mit einem Kopfnicken. 'Mrs. Claire.' Sein langes, schmales Gesicht war von Traurigkeit durchfurcht. Auch er hatte als Gefangener in Ardsmuir gesessen, zusammen mit Hayes und Jamie. Nur die Tatsache, da'er seinen Arm durch eine Blutvergiftung verloren hatte, hatte verhindert, da'er mit den anderen deportiert wurde. Da man ihn nicht als Arbeiter verkaufen konnte, hatte man ihn begnadigt und dem Hunger 'berlassen - bis Jamie ihn gefunden hatte.
'M'ge der arme Gavin in Frieden ruhen' , sagte Duncan und sch'ttelte leidvoll den Kopf.
Jamie murmelte eine Antwort auf G'sch und bekreuzigte
sich. Dann richtete er sich auf und sch'ttelte mit sichtbarer Anstrengung die bedr'ckende Atmosph' ab.
'Aye, gut. Ich mu'zu den Docks gehen und Ians 'erfahrt arrangieren, und dann k'nnen wir uns um Gavins Begr'is k'mmern. Aber erst mu'ich den Jungen unterbringen.'
Wir k'ften uns durch das Gew'hl zu den Docks voran, zw'ten uns zwischen Gr'ppchen aufgeregter Klatschm'er hindurch und wichen den Fuhrwerken und Handkarren aus, die mit dem beh'gen Gleichmut von Handel und Wandel durchs Gedr'e fuhren.
Eine Reihe rotberockter Soldaten kam im Laufschritt vom anderen Ende des Kais und zerteilte die Menge, wie wenn man Essig auf Mayonnaise tr'elt. Die Sonne gl'te hei'auf ihren Bayonettspitzen, und der Rhythmus ihres Trotts klang im L'en der Menge wie eine ged'fte Trommel. Sogar die rumpelnden Gespanne und Karren hielten abrupt an, um sie vorbeizulassen.
'Pa'auf deine Tasche auf, Sassenach' , murmelte Jamie mir ins Ohr und schob mich durch die enge L'cke zwischen einem turbantragenden Sklaven, der zwei kleine Kinder umklammert hielt, und einem Stra'nprediger, der auf einer Kiste thronte. Er schrie Sodom und Gomorrha, aber bei dem L' konnte man nur jedes dritte Wort verstehen.
'Ich habe sie zugen'' , sagte ich und griff trotzdem nach dem kleinen Gewicht, das an meinem Oberschenkel baumelte. 'Was ist mit deiner?'
Er grinste und schob seinen Hut hoch. Seine dunkelblauen Augen blinzelten in das glei'nde Sonnenlicht.
'Die ist da, wo ich den Sporran tragen w'rde, wenn ich einen h'e. So lange mir keine Hure mit langen Fingern begegnet, kann mir nichts passieren.'
Ich blickte auf die leicht ausgebeulte Vorderseite seiner Kniehose und sah dann zu ihm hoch. Er war breitschultrig und hochgewachsen, und mit seinen ausgepr'en, k'hnen Gesichtsz'gen und der stolzen Haltung des Highlanders zog er die Blicke aller Frauen auf sich, an denen er vorbeiging - und das, obwohl sein leuchtendes Haar unter einem n'chternen blauen Dreispitz verborgen war. Die Kniehose wa
r eine Leihgabe und viel zu eng, was den allgemeinen Effekt nicht im geringsten minderte - und verst't wurde er noch dadurch, da'er selbst sich dessen nicht bewu' war.
'Du bist eine wandelnde Einladung f'r Huren' , sagte ich. 'Bleib in meiner N', ich besch'tze dich.'
Er lachte und nahm mich beim Arm, als wir auf einen kleinen, freien Platz hinaustraten.
'Ian!' rief er, als er seinen Neffen 'ber die K'pfe der Menschenmenge hinweg erblickte. Einen Augenblick sp'r tauchte ein hochgewachsener, sehniger Bauernl'mmel aus der Menge auf, schob sich ein braunes Haarb'schel aus den Augen und grinste breit.
'Ich dachte schon, ich w'rd' dich nie finden, Onkel Jamie!' rief er aus. 'Himmel, hier gibt's ja mehr Leute als am Lawnmarket in Edinburgh!' Er wischte sich mit dem Hemds'el 'ber sein langes, unscheinbares Gesicht und hinterlie'einen Schmutzstreifen auf der einen Wange.
Jamie be'te seinen Neffen mi'rauisch.
'Dein Frohsinn scheint mir ein bi'hen fehl am Platz, Ian, wenn man bedenkt, da'du gerade einen Mann hast sterben sehen.'
Ian 'erte hastig seine Miene und bem'hte sich, den angemessenen Ernst an den Tag zu legen.
'O nein, Onkel Jamie' , sagte er. 'Ich war nicht bei der Hinrichtung.' Duncan zog eine Augenbraue hoch, und Ian err'tete leicht. 'Ich - ich hatte keine Angst zuzuschauen, aber es war so, ich... hatte etwas anderes vor.'
Jamie zeigte die Spur eines L'elns und klopfte seinem Neffen auf den R'cken.
'Mach dir keine Sorgen, Ian, ich w' lieber auch nicht dabeigewesen, aber Gavin war nun mal mein Freund.'
'Das wei'ich, Onkel Jamie. Tut mir leid.' Mitgef'hl blitzte in den braunen Augen des Jungen auf, das einzige in seinem Gesicht, was man mit Fug und Recht sch'n nennen konnte. Er sah mich an. 'War es schlimm, Tante Claire?'
'Ja' , sagte ich. ' Aber es ist vorbei.' Ich zog mir das feuchte Taschentuch aus dem Ausschnitt und stellte mich auf die Zehenspitzen, um ihm den Flecken von der Wange zu wischen.




EAN: 9783442361083
ISBN: 3442361087
Untertitel: Band 4 der Highland-Saga. Originaltitel: Drums of Autumn. 'Blanvalet Taschenbücher'.
Verlag: Blanvalet Taschenbuchverl
Erscheinungsdatum: Mai 2004
Seitenanzahl: 1200 Seiten
Übersetzer/Sprecher: Übersetzt von Barbara Schnell
Format: kartoniert
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