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Tagebuch 1923 - 1926


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April 2009

Beschreibung

Beschreibung

Kesslers Notizen im nun vorliegenden Band gelten seiner Reise nach Williamstown und der Teilnahme am »Institute of Politics« im August 1923. Weiterhin der Rückreise über Lissabon, Madeira und Teneriffa (u. a. Besteigung des Pico de Teide).
Der Vorschlag Stresemanns, deutscher Botschafter in London zu werden, scheitert an Vorbehalten aus dem Auswärtigen Amt. Danach erneute Vortragsreise in die USA in der ersten Jahreshälfte 1924 mit ausgedehntem touristischem Besichtigungsprogramm (Grand Canyon, Tijuana etc.). Dabei kommt es auch zu einem Zusammentreffen mit dem amerikanischen Präsidenten Coolidge (1.5.1924). Als inozieller Beobachter ist Kessler bei der 5. Völkerbundtagung in Genf im Herbst 1924.
Ende 1924 kandidiert er im Wahlkreis Westfalen-Nord für den Deutschen Reichstag, wird allerdings nicht gewählt. Im Frühjahr des folgenden Jahres engagiert er sich öffentlich gegen die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten. Es folgen längere Krankheiten (Sommer 1925 und Sommer 1926).

Portrait

Harry Graf Kessler - 1868 geboren als Sohn eines Hamburger Bankiers und einer irischen Adeligen, wuchs in Paris, London und Hamburg auf. Der vielseitig Begabte und Interessierte stellte sein Vermögen und seine gesellschaftlichen Verbindungen in den Dienst mäzenatischer Aufgaben. Sein Elternhaus war bestimmt durch die großbürgerlichen Kontakte des Vaters und die künstlerischen Ambitionen der Mutter, die unter verschiedenen Pseudonymen Unterhaltungsromane und Theaterstücke schrieb.
Den Möglichkeiten seiner gesellschaftlichen Stellung folgend, strebt Kessler zunächst die Diplomatenlaufbahn an, als deren Grundlage er 1888 sein Jurastudium in Bonn beginnt und einige Jahre später in Leipzig mit Promotion abschließt. Während des Studiums besucht er auch Literatur- (H. Usener), Psychologie- (W. Wundt) und Kunstvorlesungen (A. Springer). Nachdem eine diplomatische Karriere an Widerständen aus dem Auswärtigen Amt gescheitert ist, konzentriert er sich auf mäzenatische Aufgaben. Er ist es hauptsächlich, der die Aufmerksamkeit in Deutschland auf den französischen Impressionismus lenkt.
Kessler arbeitet an der Berliner Kunst- und Literaturzeitschrift PAN mit, initiiert den Deutschen Künstlerbund zur Förderung aktueller, progressiver Kunst und unterstützt Künstler wie Johannes R. Becher, Edvard Munch, Aristide Maillol, Detlev von Liliencron, Rainer Maria Rilke. Während seiner Zeit als Direktor des Großherzoglichen Museums für Kunst und Kunstgewerbe in Weimar versucht er, dort ein Zentrum kultureller Erneuerung aufzubauen. Er hat bereits zuvor auf die Berufung Henry van de Veldes dorthin zur Gründung eines Kunstgewerblichen Seminars hingewirkt, aus dem sich später das Bauhaus entwickelte.
Unter seinen Freunden sind besonders Eberhard von Bodenhausen, Henry van de Velde und Hugo von Hofmannsthal hervorzuheben. Mit letzterem zusammen verfaßt er den Rosenkavalier und das Ballett Josephslegende.
Kesslers Gründung der Cranach-Presse Setzt bibliophile Maßstäbe in Deutschland. In Zusammenarbeit mit Schriftstellern, Künstlern und Grafikern entstehen Klassiker der modernen Buchkunst.
Mit dem Ersten Weltkrieg verlagern sich Kesslers Interessenschwerpunkte wieder auf den politischen Bereich. Er ist nur kurz als Reserve- Offizier
an der Front; nach seiner Rückkehr leitet er in Bern die deutsche Kulturpropaganda. 1918 reist er als erster deutscher Gesandter nach Warschau, wird jedoch bereits nach wenigen Wochen des Landes verwiesen - die politisch verworrenen Verhältnisse zwischen Deutschland und Polen stehen seinen Bemühungen um Verständigung entgegen. Er entwickelt Ideen zu einem Völkerbund und wird kurzzeitig Präsident der Deutschen Friedensgesellschaft. Der Versuch, 1924 ein Reichstagsmandat zu erlangen, mißlingt. In der Folge gibt er seine politischen Ambitionen weitgehend auf und konzentriert sich auf die Arbeit mit der Cranach-Presse. Über Walther Rathenau, den er seit den frühen Berliner Jahren gekannt hat, schreibt er eine Biographie.
1933 kehrt Kessler nach Warnungen durch Freunde von einer Parisreise nicht mehr nach Deutschland zurück. Er lebt im Exil zunächst auf Mallorca, dann bei seiner Schwester in Südfrankreich. Während dieser Jahre arbeitet er intensiv an seinen Memoiren, deren erster Band 1935 erscheint. Die weiteren Bände kann er nicht mehr fertigstellen; Kessler stirbt am 30. November 1937 in Lyon.
Über sechs Jahrzehnte hinweg (1880-1937) führt Kessler fast lückenlos Tagebuch. Seine Hauptthemen sind Literatur, Bildende Kunst und vom Ersten Weltkrieg an verstärkt auch Politik. Es wird weniger über die eigene Befindlichkeit berichtet; vielmehr werden Impressionen und Reflexionen festgehalten sowie Gespräche protokolliert. In einigen Teilen waren die Tagebücher als Erinnerungstütze für geplante Veröffentlichungen gedacht.
Durch den Großen, breitgefäherten Kreis von Kesslers Aktivitäten und Bekanntschaften ist das Tagebuch von unschätzbarem Wert für die Zeit- und Kulturgeschichte.
EAN: 9783768198189
ISBN: 3768198189
Untertitel: im Schuber. Mit Lesebändchen.
Verlag: Cotta
Erscheinungsdatum: April 2009
Seitenanzahl: 1097 Seiten
Format: gebunden
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