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Späte Familie


€ 22,00
 
gebunden
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August 2005

Beschreibung

Beschreibung

Das Scheitern einer Ehe ist oftmals eine langsame, eine schleichende Angelegenheit. In Zeruya Shalevs neuem Roman, Späte Familie, beschließt eine Frau, diesem quälenden Prozess, der einer allmählichen Vergiftung gleicht, ein jähes Ende zu setzen. Von einem Tag auf den anderen beschließt sie, sich von ihrem Mann zu trennen, und bittet ihn, die Wohnung zu verlassen. Sie bleibt zurück mit ihrem gemeinsamen Kind ... und gerät übers Grübeln ins Zweifeln. Dies ist der Roman einer Krise. Einer Krise, die die Heldin - eine selbständige, selbstbewusste Frau - wie der sprichwörtliche Blitz aus heiterem Himmel trifft. Die lang ersehnte Freiheit schien nun endlich da zu sein - stattdessen findet sie sich konfrontiert mit einer lähmenden Angst vor der großen Einsamkeit, mit Depressionen und dem furchtbaren Gefühl, ihrem Kind den Vater, die Familie genommen zu haben. Aufrührend auch die Erkenntnis, dass man einen Menschen, mit dem einen das eigene Kind verbindet, nie wirklich verlassen kann. Die Fäden des gemeinsamen Schicksals bleiben auf immer verknüpft. Eine neue Liebe bringt wiederum neue Kinder aus einer geschiedenen Ehe mit sich - und so setzt sich für die mutige Protagonistin eine »späte« Familie zusammen, ein höchst kompliziertes Gebilde, auf dem viele Hoffnungen ruhen und das dennoch auf lange Zeit eine empfindsame, zarte Pflanze bleibt, deren Überleben keinesfalls gesichert ist.

Portrait

Zeruya Shalev, 1959 in Israel geboren, studierte nach ihrer Militärzeit Bibelwissenschaften an der Hebräischen Universität Jerusalem. Sie arbeitet als Schriftstellerin und Verlagslektorin. Ihre Romane wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt. 2012 erhielt sie für ihr literarisches Gesamtwerk den "Welt"-Literaturpreis.§Seit 1993 ist sie mit dem Schriftsteller und Journalisten Eyal Megged verheiratet. Zeruya Shalev lebt mit ihrem dritten Mann, zwei Kindern aus verschiedenen Ehen und einem Adoptivkind in Jerusalem. Am 29. Januar 2004 wurde sie dort bei einem Anschlag eines Selbstmordattentäters erheblich verletzt.

Pressestimmen

"Shalevs witziger, gefühlvoller, gedankenreicher Roman stellt den großen Glücksfall eines Buchs dar, in dem der Graben zwischen hoher und eingängiger Literatur, zwischen Kunstwerk und Schmöker, eingeebnet ist, als bräuchte es ihn gar nicht geben.", Süddeutsche Zeitung, 01.12.2005
EAN: 9783827004741
ISBN: 3827004748
Untertitel: Roman. Originaltitel: Mischoacha me'ucheret. Lesebändchen.
Verlag: Berlin Verlag
Erscheinungsdatum: August 2005
Seitenanzahl: 592 Seiten
Übersetzer/Sprecher: Übersetzt von Mirjam Pressler
Format: gebunden

Durchschnittliche Kundenbewertung

Kundenbewertungen

Stefan Gessner - 03.12.2006, 22:26
atemlos!
Es gibt Bücher, die keinerlei Anstrengung von uns verlangen. Auf andere muss man sich ein wenig einlassen. Hat man sich diese Mühe gemacht, wird man reich belohnt. So ist es mir auch mit Späte Familie gegangen, dem Roman der israelischen Autorin Zeruya Shalev. Es ist die Geschichte vom Ende einer alten und vom Beginn einer neuen Liebe: Die Archäologin Ella Miller beschließt, den qualvollen Erosions-prozess ihrer Ehe radikal abzukürzen. Von einem Tag auf den anderen trennt sie sich von ihrem Mann, setzt ihn vor die Tür und bleibt zurück mit dem gemeinsamen Kind. Doch statt Erleichterung zu spüren, gerät sie in die Krise ihres Lebens. Von der Umgebung für das Wohl des Kindes haftbar gemacht, wirft sie sich vor, ihrem Sohn aus rein egoistischen Motiven die Familie genommen zu haben. Der Leser nimmt teil an einer rasanten Achterbahnfahrt der Gefühle, am Wechsel von Verzweiflung, Wut und Angst. Schließlich findet Ella in dem Psychiater Oded eine neue Liebe. Auch er lebt von seiner Frau getrennt, auch er hat Kinder, die nicht mehr wissen, wo sie hingehören. Gemeinsam gehen sie das Wagnis einer späten Familie ein ¿ ein kompliziertes, zartes Gebilde, dessen Überleben keineswegs gesichert ist. Zeruya Shalev erzählt von diesem Entwicklungsprozess in einem fast 600 Seiten währenden Redestrom. Das ist die Zumutung und zugleich das Geschenk dieses Romans, denn lässt man sich ein auf diese Satzkaskaden, wird man das Buch nicht mehr aus der Hand legen: Atemlos und wie unter Adrenalin stehend schreitet die Ich-Erzählerin mit verzweifelter Kraft voran und entfaltet eine Spannung, einen Sog, der bis zur letzten Seite trägt!
Elvira Hanemann - 30.11.2006, 23:36
Literatur auf hohem Niveau!
Wie immer bei dieser israelischen Autorin, die bei einem Terroranschlag verletzt wurde und aufgrund dieser traumatischen Erfahrung eine Schreibhemmung hatte, geht es um intensive Beziehungen zwischen Mann und Frau. Erstaunlich, wie eloquent und sprachgewaltig sie sich nach der überwundenen Schreibblockade wieder ausdrücken kann! Eine Frau trennt sich trotz des gemeinsamen Kindes von ihrem Mann und verliebt sich in den Vater eines Schulfreundes ihres Sohnes. Zwei Familien werden so auseinander gerissen und zu einer neuen ¿späten¿ Familie zusammengefügt. Äußerst intensiv, aber auch quälend ¿ gerade wegen der schonungslosen Intensität - versetzt uns die Autorin in die zerrissene Seele der Heldin und offenbart uns ein Gefühlschaos, aus dem erst langsam eine Art Stärke erwächst. Beim Lesen hatte ich immer wieder den Gedanken: ¿nein, was für eine zickige und launische Frau!¿, so richtig sympathisch wurde mir die neurotische und egoistische Heldin auch nicht ¿ umso erstaunlicher, dass es Frau Shalev dennoch gelang, mich so bei der Stange zu halten. Sie lässt so tief in die Abgründe der menschlichen Seele blicken, dass sich der Leser (eher die Leserin) diesem Sog, der gerade aus den Widersprüchen entsteht, gar nicht entziehen kann. Ein Muss für Menschen, die sich sowohl für Psychologie als auch für zeitgenössische Weltliteratur interessieren!