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Wind in den Weiden


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Juni 2004

Beschreibung

Beschreibung

Ein Klassiker der englischen Kinderliteratur

Wind in den Weiden ist ein Klassiker der englischen Kinderliteratur. Seine Hauptpersonen, vier liebenswerte vierfüßige Gentlemen, haben schon Generationen von jungen und älteren Leserinnen und Lesern zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken gebracht - denn das, was Ratte, Maulwurf, Kröterich und Dachs so alles widerfährt, trägt oft sehr menschliche Züge. Und dennoch, auch wenn Dachs und Maulwurf in Höhlen hausen, die mit Mini-Menschenmöbeln ausgestattet sind, entspricht ihr Leben der Natur der Tiere. Sie leben in Freiheit, folgen dem Lauf des Jahres, vernehmen den Ruf der Heimat und sind glücklich, wenn sie beides haben: die Sicherheit des angestammten Baus und die unerschütterliche Treue ihrer Freunde. Mit wunderschönen Illustrationen von Eric Kincaid.

Portrait

Kenneth Grahame, 1859 in Edinburgh geboren, musste nach dem Tod seiner Eltern nach Oxford übersiedeln. Da er sich ein Studium nicht leisten konnte, trat er in die Dienste der Bank von England, wo er bis in den Vorstand aufrückte. 1907 gab er seine Position aus gesundheitlichen Gründen auf. Inzwischen hatte er sich mit Erzählungen, ursprünglich für seinen Sohn geschrieben, einen Namen als Autor gemacht. Zu seinen berühmtesten Werken zählt die Geschichte vom Fluss "Der Wind in den Weiden", ein Klassiker der Kinderliteratur. Grahame starb 1932 in Pangbourne.

Leseprobe

Der Maulwurf hatte den ganzen Morgen schwer geschuftet und in seinem kleinen Heim Frühjahrsputz gehalten. Zuerst mit Besen, dann mit Staubwedeln, dann, mit einer Quaste und einem Eimer weißer Tünche, auf Leitern und Tritten und Stühlen. Ihm klebte noch der Staub in Kehle und Augenwinkeln, sein schwarzes Fell war über und über weiß bekleckert, der Rücken tat ihm weh und die Arme konnte er kaum noch bewegen. Der Lenz rumorte oben in den Lüften und unten in der Erde und rings um ihn her und drang selbst in sein dunkles und bescheidenes kleines Haus ein.
Es war also kein Wunder, dass er plötzlich die Quaste auf den Boden schmiss, "Verflucht!" und "Verdammt!" knurrte und auch noch "Zum Teufel mit dem Frühjahrsputz!", und aus dem Hause schoss, ohne an eine warme Jacke zu denken. Etwas da oben schien ihn zu rufen und er musste ihm durch seinen steilen, engen Tunnel folgen. Er scharrte und scharrte und kratzte und krabbelte und drehte und wendete sich und schob und zwängte sich nach oben und scharrte dabei ununterbrochen mit seinen kleinen, festen Pfoten, wobei er sich immer wieder anfeuerte: "Rauf geht's, nach oben! Rauf geht's, nach oben!", bis schließlich, plopp, seine Schnauze ins Sonnenlicht durchbrach und er merkte, dass er sich im warmen Gras einer großen Wiese wälzte.


"Das ist schön!", dachte er. "Das ist besser, als die Wände zu tünchen!" Der Sonnenschein legte sich warm auf sein Fell, linde Lüfte fächelten um seine heiße Stirn und nach dem tiefen Schweigen seines unterirdischen Heimes, in dem er so lange Zeit zugebracht hatte, gellte ihm das fröhliche Gezwitscher der Vögel wie ein Geschrei in den schwachen Ohren. Er sprang aus reiner Lebenslust und weil der Frühling ohne Hausputz noch viel angenehmer war mit allen vieren auf einmal in die Luft. Dann trollte er sich und lief quer über die Wiese, bis er die Hecke an ihrem anderen Ende erreicht hatte.
"Halt und stillgestanden!", sagte ein ältliches Karnickel an der Heckenlücke. "Sechs Pfennig fü
r das Privileg, eine Privatstraße passieren zu dürfen!" Doch da war es schon vom ungeduldigen Maulwurf über den Haufen gerannt, der einfach an der Hecke entlang lief und alle anderen Karnickel, die den Grund der Aufregung wissen wollten, wieder in ihre Löcher scheuchte.
"Quackel-Kram! Quackel-Kram!", bemerkte er vergnügt und war vorbei, ehe ihnen auch nur eine einigermaßen befriedigende Antwort eingefallen war. Darum fingen sie an miteinander zu streiten. "Wie blöde du bist! Warum hast du ihm denn nicht gleich gesagt..."
"Na und du? Warum hast du denn nicht..."
"Du hättest ihm aber wirklich vorhalten können ..." und so weiter, wie es eben üblich ist. Es war aber natürlich viel zu spät und das ist in diesen Fällen auch immer so.
Dem Maulwurf kam alles unglaublich gut und herrlich vor und er sprang und kobolzte vor Wonne über die Wiesen, die Hecken entlang und die Hügelhänge hinunter und sah überall die Vögel ihre Nester bauen, die Blumen ihre Blüten treiben und die Büsche ihre Blätter wedeln - alle miteinander froh und fleißig und auf Fortschritt bedacht. Doch statt dass ihn jetzt sein Gewissen gezwickt und gezwackt und ihm "Wändewitschern!" zugeflüstert hätte, genoss er es nur aus ganzem Herzen, der einzige Faulpelz zwischen lauter fleißigen Lieschen zu sein. Der höchste Spaß an einem freien Tag hat vermutlich nichts mit der eigenen Muße zu tun, sondern damit, dass man die anderen Burschen schuften sehen kann.
Den Gipfel seines Glücks glaubte er erreicht zu haben, als er, nachdem er eine Weile ohne bestimmtes Ziel durch die Gegend gestreift war, plötzlich vor einem Fluss stand, der reichlich Wasser führte. Er hatte noch nie in seinem Leben einen Fluss gesehen - so ein glattes, geschmeidiges, machtvolles Geschöpf, das wisperte und flüsterte, sich mit einem Kichern Dinge griff und gleich wieder mit einem Lachen entließ, um sich auf neue Spielgesellen zu stürzen, die sich nur freischüttelten, um abermals gefangen zu werden. Alles rieselte und rann,<
br/>funkelte und blendete, sprühte und schäumte, plätscherte und gurgelte . Der Maulwurf war verzaubert und verzückt, wie in einen Bann geschlagen. Er trottete am Ufer des Flusses entlang, und als er schließlich müde wurde, ließ er sich dort nieder, während der Fluss weitermurmelte.
Als er nun im Grase saß und über den Fluss blickte, wurde sein Auge von einem dunklen Loch im anderen Ufer gefangen, gerade oberhalb der Wasserfläche, und er stellte sich träumerisch vor, was das für ein gemütliches, nettes Plätzchen für ein Tier mit bescheidenen Ansprüchen und einem Hang zum Haus am Fluss wäre, gerade oberhalb der Hochwassergrenze und fern von Lärm und Staub. Während er noch schaute, schien dort drüben, genau im Herzen des Loches, etwas Helles und Kleines aufzublinken, verschwand und funkelte dann wieder wie ein kleiner Stern. An so einem unwahrscheinlichen Ort konnte es jedoch kein Stern sein und für ein Glühwürmchen war es zu klein und auch zu glänzend. Als er wieder hinüberschaute, zwinkerte es ihm zu, und er kam mit sich überein, dass es ein Auge sein müsse, und da begann sich auch ein Gesicht drumherum zu runden, wie ein Rahmen um ein Bild.
Ein braunes, kleines Gesicht, mit einem Schnurrbart. Ein ernsthaftes, rundes Gesicht, mit demselben Zwinkern in den Augen, das seine Aufmerksamkeit zuerst erregt hatte. Kleine, hübsche Ohren und ein dichtes Seidenfell. Es war die Wasserratte!
Die beiden Tiere standen da und beäugten sich vorsichtig.
"Hallo, Maulwurf!", sagte die Wasserratte.
"Hallo, Ratz", sagte der Maulwurf.
"Willst du nicht rüberkommen?", fragte die Ratte nach einer Weile.
"Ach, reden ist auch ganz gut", erwiderte der Maulwurf etwas ärgerlich, schließlich war ihm alles neu: ein Fluss, das Leben am Fluss mit all seinen Sitten und Gebräuchen.
Der Ratz sagte nichts, aber er beugte sich vor und machte eine Leine los und holte sie ein. Dann stieg er leichtfüßig in ein kleines Boot, das der Maulwurf gar nicht bemerkt hatte. Es war auß
en blau und innen weiß angestrichen und gerade groß genug für zwei Tiere; des Maulwurfs ganzes Herz flog ihm sofort entgegen, obgleich er noch gar nicht recht begriffen hatte, wozu es diente.




EAN: 9783809416692
ISBN: 380941669X
Untertitel: Originaltitel: The Wind in the Willows. Empfohlen ab 8 Jahre. Farb. Illustriert.
Verlag: Bassermann, Edition
Erscheinungsdatum: Juni 2004
Seitenanzahl: 156 Seiten
Übersetzer/Sprecher: Übersetzt von Sybil Gräfin Schönfeldt
Format: gebunden

Durchschnittliche Kundenbewertung

Kundenbewertungen

Winfried Stanzick - 02.07.2009, 14:42
Über die tragende Kraft der Freundschaft
Etwa einhundert Jahre ist dieses Kinderbuch aus England. Nachdem es Elke Heidenreich vor einigen Jahren in ihrer leider abgesetzten Sendung "Lesen!" empfohlen hat, ist es auch bei uns wieder zu einiger Bekanntheit gelangt. Auch Doris Lessing hat in ihrem autobiographischen Buch "Alfred und Emily" in begeisterten Worten über die Prägung berichtet, die sie durch dieses Buch erfahren habe. "Wind in den Weiden" ist so wie etwa "Pu der Bär" ein Klassiker der englischen Kinderliteratur. Seine Hauptpersonen, vier liebenswerte vierfüßige Gentlemen, haben schon Generationen von jungen und älteren Leserinnen und Lesern zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken gebracht - denn das, was Ratte, Maulwurf, Kröterich und Dachs so alles widerfährt, trägt oft sehr menschliche Züge. Und dennoch, auch wenn Dachs und Maulwurf in Höhlen hausen, die mit Mini-Menschenmöbeln ausgestattet sind, entspricht ihr Leben der Natur der Tiere. Sie leben in Freiheit, folgen dem Lauf des Jahres, vernehmen den Ruf der Heimat und sind glücklich, wenn sie beides haben: die Sicherheit des angestammten Baus und die unerschütterliche Treue ihrer Freunde. Es ist ein Buch über die tragende Kraft der Freundschaft, die vieles aushalten kann und schwierige Charaktere, hier ist es der autonarrische und selbstverliebte Kröterich, mit Geduld und Ausdauer zum Guten verändern kann.