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Rassismus


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September 2004

Beschreibung

Beschreibung

Das Wort "Rassismus" wurde in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts gebräuchlich, als ein neuer Begriff benötigt wurde, um die Theorien zu beschreiben, auf die die Nationalsozialisten die Judenverfolgung gründeten. Wie bei vielen Begriffen existierte das Phänomen bereits, bevor das Wort geprägt wurde. Doch darüber, welche Überzeugungen und Verhaltensweisen als "rassistisch" zu gelten haben, bestand nicht immer Einigkeit. Der amerikanische Historiker George Fredrickson spricht von der Existenz einer rassistischen Einstellung oder Ideologie, wenn ethnokulturelle Differenzen für angeboren, unauslöschlich und unveränderbar erklärt werden. Er formuliert eine Definition des Rassismus, die die Grenzen zu anderen Erscheinungen wie religiöse Intoleranz oder Xenophobie markiert, und skizziert die Geschichte des rassistischen Denkens vom Antisemitismus des Mittelalters über die Legitimation der europäischen Expansion und der Sklavenwirtschaft, bis hin zur Rassenhygiene der Nationalsozialisten und zu heutigen Versuchen, durch positive Diskriminierung Rassismus aufzuheben. Die verschiedenen historischen Ausdrucksformen des Rassismus hatten ein gemeinsames Ziel: reale oder vermeintliche Unterscheide (Pigmentierung der Haut, Religionszugehörigkeit, Abstammungsmythen) zu essentiellen Merkmalen eines Kollektivs umzudeuten, um damit nicht nur die Gleichwertigkeit der Anderen sondern auch deren Menschsein negieren zu können. Denn im Gegensatz zur Intoleranz, negiert der Rassismus jede Möglichkeit der Assimilierung Diskriminierter durch eine Veränderung ihrer Identität, ihres Glaubens oder ihrer Gewohnheiten. So war der religiös begründete Antijudaismus zunächst nicht per se rassistisch, verwandelte sich jedoch in dem Maße, wie die Juden des Mittelalters nicht mehr ihres Glaubens wegen verfolgt wurden, sondern weil sie als ihrem Wesen nach verderbt und mit dem Teufel im Bunde galten. Solche Rassifizierung religiöser Diskriminierung prägte Spanien im 16. Jahrhundert, wo Juden trotz der meist erzwungenen Glaubensübertritte verfolgt wurden, weil man die Aufrichtigkeit ihrer Bekehrung bezweifelte. Einen tiefen Einschnitt in der Geschichte des Rassismus bedeutet die "Umcodierung" von der religiösen zur wissenschaftlich verbrämten, biologistischen Begründung rassischer Ungleichheit in der Epoche der Aufklärung. Gerade die brutalsten Formen der Rassendiskriminierung in den amerikanischen Südstaaten und im nationalsozialistischen Deutschland fanden in den eugenischen Rassentheorien geeignete Legitimationsideologien. Nach der Niederlage des Nationalsozialismus, den Erfolgen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und dem Ende des Apartheidregimes mögen zwar "offen rassistische Regime" in Mißkredit geraten sein; dennoch zeugen Kastensysteme und andere Ausbeutungsformen von der Zählebigkeit des Konstrukts unzerstörbarer und unüberbrückbarer Unterschiede zwischen den Menschen. Der "neue Rassismus" verweist nicht mehr auf die genetische Ausstattung, sondern auf "kulturelle" Differenzen. In seiner fundierten und gut lesbaren Studie zeigt Fredrickson wie an Stelle des biologistischen Rassenbegriffs nun eine ethnozentrische Ideologie der "unvereinbaren Kulturen" tritt.

Portrait

George M. Fredrickson, geboren 1934, ist Professor emeritus für die Geschichte der Vereinigten Staaten an der Stanford University und war Co-Direktor des Forschungsinstituts für Vergleichende Studien zu Rasse und Ethnizität. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte der Rassenideologien.
EAN: 9783930908981
ISBN: 3930908980
Untertitel: Ein historischer Abriß. Originaltitel: Racism. A Short History.
Verlag: Hamburger Edition
Erscheinungsdatum: September 2004
Seitenanzahl: 194 Seiten
Übersetzer/Sprecher: Übersetzt von Horst Brühmann, Ilse Utz
Format: gebunden
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