EBOOK

Das Buch von Blanche und Marie


€ 19,90
 
gebunden
Sofort lieferbar
Februar 2005

Beschreibung

Beschreibung

Blanche Wittman ist die Lieblingspatientin des Nervenarztes Charcot an der Pariser Salpétrière. Als er auf geheimnisvolle Weise stirbt, wird sie die Assistentin von Marie Curie. Noch ahnt niemand etwas von den Gefahren der radioaktiven Strahlung. Als Blanche erkrankt, lebt sie ganz bei Marie Curie und beginnt ein Buch über die Liebe zu schreiben, ein Buch, in dem sie von Marie Curies Affären erzählt, von ihrer eigenen Liebe zu Charcot und dem Geheimnis um seinen Tod. "Die Liebe kann man nicht erklären. Aber wer wären wir, wenn wir es nicht versuchten?"

Portrait

Per Olov Enquist, 1934 in einem Dorf im Norden Schwedens geboren, lebt in Stockholm. Nach dem Studium arbeitete er als Theater- und Literaturkritiker. Er zählt heute zu den bedeutendsten Autoren Schwedens. Bei Hanser erschienen unter anderem Der Besuch des Leibarztes (Roman, 2001), Der fünfte Winter des Magnetiseurs (Roman, 2002), Hamsun (Eine Filmerzählung, 2004), Das Buch von Blanche und Marie (Roman, 2005), Kapitän Nemos Bibliothek (Neuausgabe, 2006), seine Autobiographie Ein anderes Leben (2009), für die er den renommiertesten schwedischen Literaturpreis, den August-Preis, erhielt, Die Ausgelieferten (Neuausgabe, 2011) sowie Das Buch der Gleichnisse (Roman, 2013).

Pressestimmen

Wenn es diese beiden Frauen nicht gegeben hätte, man hätte sie für die Literatur erfinden müssen. Da ist zum einen Marie Curie, die zweifache Nobelpreisträgerin in Physik und Chemie, die in Frankreich zusammen mit ihrem Mann an der Erforschung des Radiums arbeitet, zum anderen ihre Assistentin Blanche Wittmann, die "Königin der Hysterikerinnen." Blanche war zuvor viele Jahre in der Salpêtrière die Vorzeige - Patientin von Professor Charcot.

In diesen wenigen Sätzen ließe sich der Inhalt von "Das Buch von Blanche und Marie" beschreiben. Doch Autor ist der schwedische Schriftsteller Per Olov Enquist und er ist dafür bekannt, dass er in seinen Büchern historische Fakten mit eigener Fiktion zu einem ausgezeichneten Roman vermischt.

Blanche, die am Ende ihres Lebens zu einem Rumpf geschrumpft sein wird, - es werden ihr ein Bein und ein Arm amputiert -, schreibt in verschiedenen Notizbüchern, sie nennt sie "Fragebücher", die Geschichte ihrer unglücklichen Liebe zu dem verheirateten Arzt Charcot auf. Zusätzlich notiert sie die Einsamkeit in der Ehe der Curies sowie den unglücklichen Tod von Maries Ehemann.

Jahre später verliebt sich Marie in den verheirateten Kollegen Paul Langevin. Diese Affäre kostet sie um ein Haar den Nobelpreis. Nachdem Briefe von ihr an Paul gestohlen und in der französischen Presse veröffentlicht werden, wendet sich die öffentliche Meinung gegen sie. Der Skandal ist perfekt.

Sensibel spürt Enquist diesen beiden Frauen und ihrer unglücklichen Liebe nach. Die historischen Fakten zeigen den Umbruch einer Zeit, in der alle Antworten von den Naturwissenschaften erwartet werden und die Psychiatrie noch in den Kinderschuhen steckt.

Neben Charcot taucht sein Assistent, ein junger Österreicher namens Sigmund Freud auf, Einstein plaudert mit Marie Curie und Rutherford ist noch völlig unbekannt.

Per Olov Enquist macht es seinen Lesern nicht leicht und lässt sie einen einfachen historischen Roman konsumieren. Er schwelgt in Assoziationen, Bezügen und um in den vollen Genuss seiner Anspielungen zu kommen, lohnt eine zweite Lektüre.

Wer gerne wieder einmal einen exzellenten historischen Roman lesen möchte, kombiniert mit intelligenter Unterhaltung und philosophischen Exkursen zum Wesen der Liebe, dem sei "Das Buch von Blanche und Marie" ans Herz gelegt. Und nicht zu vergessen die feine Sprache - der schönste Satz: "Wer kann die Liebe erklären? Doch wer wären wir, wenn wir es nicht versuchten?"

Manuela Haselberger
EAN: 9783446205697
ISBN: 3446205691
Verlag: Hanser, Carl GmbH + Co.
Erscheinungsdatum: Februar 2005
Seitenanzahl: 240 Seiten
Übersetzer/Sprecher: Übersetzt von Wolfgang Butt
Format: gebunden

Durchschnittliche Kundenbewertung

Kundenbewertungen

Elvira Hanemann - 04.12.2006, 20:52
Die Physikerin und die Hysterikerin
Die beiden Titel gebenden Frauen Marie und Blanche, wer sind sie? Blanche Wittman war eine kranke Frau, die in der Pariser Salpetriere, dem größten Nervenkrankenhaus seiner Zeit, als Hysterikerin behandelt wurde. Dazu muss man wissen, dass unter dem Klinikleiter Dr. Charcot so viele Frauen als ¿hysterisch¿ bezeichnet wurden, wie niemals zuvor und niemals danach. Er ¿behandelte¿ die Krankheit mit einer Mischung aus Hypnose und Drücken auf bestimmte Körperstellen (gebärmutternah). Blanche war seine Lieblingspatientin, die er immer wieder im Auditiorium als Anschauungsobjekt, als sein Medium vorführte. Marie ist niemand anderes als die berühmte zweimal (!) mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Physikerin Marie Curie. Blanche Wittman wurde später eine enge Mitarbeiterin von Marie Curie, die beiden lebten und arbeiteten zusammen. Beide Frauen starben an den Folgen ihrer Arbeit an und mit Radioaktivität. Enquist stellt die beiden Frauenschicksale nebeneinander vor, er mischt die Schicksale, er springt in der Chronologie, er setzte Bekanntes voraus, er mengt eindeutig Fiktives unter Fakten und versucht auf diese Weise, dem Leser das Leben der Frauen wie eine Art Mosaik darzubringen. Beide Frauen hatten ein sehr bewegtes, höchst interessantes, zu oft trauriges (bei Blanche noch mehr) Leben. Die ¿Nebenthemen¿ des Buches, seien es die Kindheit des Arztes Charcot oder das erschütternde Leben einer ¿Mithysterikerin¿ oder aber die Rolle, die die Salpetriere in der Geschichte der Psychologie spielte, berühren sehr stark, sie sind allerdings leider nur Nebenthemen, die angerissen, aber nicht ausgearbeitete werden. Ist ein Buch, das so viele Anregungen gibt, nicht automatisch ein gutes Buch? Enquist reißt vieles an, lässt den Leser aber oft mit vielen Fragen allein. Sollte man das ¿Buch von Blanche und Marie¿ nicht vielleicht ein ¿Fragebuch¿ nennen und nicht einen Roman? Einerseits toll, andererseits seltsam unbefriedigend.
Dr.Wolfgang Günther - 23.11.2005, 22:15
Raffiniertes Gewebe aus Fiktion und Realität
So viel steht fest: Die beiden Protagonistinnen haben tatsächlich gelebt - Marie Curie, die Nobelpreisträgerin, die sich mit der Entdeckung des Radiums befasste, und Blanche Wittman, die außergewöhnliche Patientin des berühmten Pariser Arztes Jean-Martin Charcot. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erforschte dieser die weibliche Psyche, indem er an seiner Klinik Salpêtrière Frauen in Trance versetzte - an diesen öffentlichen Séancen hat übrigens auch Sigmund Freud teilgenommen. Aus dem historischen Tatsachenmaterial hat der Autor einen etwas episodenhaft anmutenden Roman komponiert. Enquist lässt Blanche nach ihrer Karriere als "Königin der Hysterie" als Assistentin bei Marie arbeiten. Durch die schädliche radioaktive Strahlung verliert Blanche beide Beine und einen Arm. Als "lebender Torso" beginnt sie das "Fragebuch" zu schreiben und setzt sich darin mit den Varianten der menschlichen Unvollkommenheit, aber vor allem mit dem Phänomen der Liebe auseinander. Auffällig sind zwei Leitmotive: Amputationen an Leib und Seele sowie das "Leuchten", zum Beispiel des neu entdeckten Elements Radium, der Hysterikerin Blanche bei ihren publikumswirksamen Vorstellungen und schließlich in wenigen Sternstunden einer Beziehung. Enquist malt mit großem Aufwand eine eigenartige Atmosphäre mit Sogwirkung. Manche poetischen Bilder sind durchaus geglückt und wirken berührend, aber im Verlauf des Romans wird die Sprache immer pathetischer. Dennoch eine interessante Lektüre über die Anfänge der Neurologie und ein außergewöhnliches Zeit- und Sittengemälde.