EBOOK

Lautlos


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Februar 2006

Beschreibung

Beschreibung

Sieht Dr. Liam O'Connor, genialer Physiker und Bestsellerautor, Gespenster? Wird Köln wirklich von einer unbekannten Macht unterwandert, wenige Tage bevor hier die weltpolitische Elite zum G-8-Gipfel zusammenkommt? Tatsächlich stößt O'Connor auf eine Verschwörung und eine unheimliche Waffe, die einen neuen Kalten Krieg auslösen könnte. In einem atemlosen Katz- und Mausspiel versucht er, die Katastrophe zu verhindern. Doch die Gegner scheinen immer einen Schritt voraus zu sein...

Portrait

Frank Schätzing, geboren 1957 in Köln, Mitbegründer der Kölner Werbeagentur Intevi, Musiker und Musikproduzent, debütierte 1995 mit dem historischen Roman "Tod und Teufel", der schnell vom Geheimtipp zum Bestseller wurde. Nach einer Reihe von Krimis und Kurzgeschichten folgte 2000 - von der Presse hochgelobt - der Politthriller "Lautlos". "Der Schwarm", Schätzings fünfter Roman, erreichte wenige Tage nach Erscheinen Spitzenplatzierungen in den Bestsellerlisten, wurde u. a. nach England, in die USA, Spanien, Italien, Brasilien und Russland verkauft. 2009 erschien "Limit", 2014 "Breaking News". Frank Schätzing, 2004 mit der CORINE und 2005 mit dem Deutschen Sience-Fiction-Preis ausgezeichnet, lebt und arbeitet in Köln.

Leseprobe

EINFÜHRUNG


In den neunziger Jahren ist die Welt zweimal mit Krieg konfrontiert worden. 1991 mit dem Krieg am Golf und acht Jahre später mit dem Krieg um das Kosovo.
So jedenfalls stellt es sich in der Erinnerung dar.
Tatsächlich waren in der letzten Dekade des zweiten Jahrtausends weit über hundert Nationen weltweit in kriegerische Aktivitäten verwickelt, starben Millionen Menschen im Zuge bewaffneter Auseinandersetzungen und an den Folgen von Folter und Vertreibung. Die Schauplätze reichten von Ruanda über Tibet und die Kurdengebiete bis nach Tschetschenien und in den Gaza-Streifen. In weiten Teilen Afrikas und Südamerikas forderten Bürgerkriege große Opfer. Dennoch haben nicht diese Konflikte die Frage über die Führbarkeit von Kriegen neu aufgeworfen, sondern das Gerangel eines Despoten um Ölquellen und das eines anderen um ein Stück Land, auf dem vor über sechshundert Jahren ein gewisser Fürst Lazar den Osmanen unterlag.
Wirft man einen Blick auf die rasante Entwicklung der westlichen Medienkultur, wird klar, warum wir die Dinge so sehen. Fernsehen und Internet verschaffen uns Zugriff auf nahezu jede gewünschte Information. Wir können uns nach Belieben mit Daten versorgen und müssen dafür nicht einmal Wartezeiten in Kauf nehmen. Kein Teil der Welt, kein Fachgebiet, keine Intimität bleibt uns verschlossen. Im Gegenzug haben wir unser Urteilsvermögen eingebüßt. Wir bemessen die Wichtigkeit weltweiter Vorgänge daran, wie lange im Fernsehen darüber berichtet wird. Zwei Minuten Tschetschenien, drei Minuten Lokales, eine Minute Kultur, das Wetter. Das Problem ist, dass wir uns angewöhnt haben, dieser medienseits vorgenommenen Wertung blind zu vertrauen. Als Folge unterliegen wir einem Irrtum. Wir
verwechseln die Frage, ob eine Sache für uns interessant ist, mit der Frage, ob sie grundsätzlich interessant ist, und lassen diese Frage von den Medien beantworten.
Aus der Sicht des Westens hat es darum tatsächlich nur zwei Kriege gegeben, n
ämlich jene beiden, die uns zwangsläufig interessieren mussten. Spätestens als Saddam Hussein damit drohte, Kuwaits Ölquellen anzuzünden, ging dieser Krieg jeden etwas an. Fachleute prophezeiten ein globales ökologisches Desaster. Der Regionalkrieg wurde zum Weltkrieg, beherrschte die Medien und die Meinungen.
Weit rätselhafter stellt sich auf den ersten Blick das weltweite Interesse am Schicksal der Kosovo-Albaner dar - vor allem in Amerika, einem Land, in dem kaum jemand die geringste Ahnung haben dürfte, wo das Kosovo überhaupt liegt und warum man sich dort seit Jahren an die Gurgel geht. Hinzu kommt, dass Slobodan Milosevic nicht mal einen souveränen Staat überfallen hatte, sondern sich sozusagen im eigenen Haus herumprügelte. Dass dennoch ein weiterer Weltkrieg daraus wurde -im Sinne eines Krieges, der die ganze Welt beschäftigte und in Atem hielt -, verdankt sich einem neuen Begriff, der klammheimlich Einzug ins Vokabular der Weltpolitik hielt - dem Krieg der Werte.
Dieser Begriff sorgte für alles Mögliche, nur nicht für Klarheit. Natürlich ist es von großem Wert, Menschenleben zu retten. Fest steht aber auch, dass jede noch so gut gemeinte Hilfsaktion in völlig anderem Licht erscheint, wenn sie stellvertretend für die Machtverhältnisse in der Welt durchgeführt wird. Gelangen wir zu dem Schluss, dass Kriege wieder führbar sind, schließt das auch mit ein, wer diese Kriege führen darf. Nämlich der mit den meisten Waffen und den meisten Werten beziehungsweise dem, was er dafür hält. Ist eine Nato also wertemäßig legitimiert, zu den Waffen zu greifen, hat das weniger mit den tragischen Vorgängen in einem Balkanstaat zu tun als vielmehr damit, wer der Welt zukünftig ihre Werte verordnet und nötigenfalls jedem eins auf den Hut haut, der sie nicht befolgt.
Etwas blauäugig ging der Westen davon aus, diese Idee fände allgemein Akzeptanz. Und dass auch diesmal wieder, ähnlich wie am Golf, eine ganze Welt geschlossen gegen den Erzschurken stünde. Stattdessen
lief der Konflikt aus dem Ruder und artete in ein grundsätzliches Kräftemessen aus. Was im Kosovo begonnen hatte, fand sich wieder in den Straßen Pekings, wo amerikanische Flaggen verbrannt wurden, stellte die deutsche Bundesregierung vor tief greifende Verfassungsfragen und manövrierte Russland in eine gefährliche Außenseiterrolle.
Vor all dem saß und sitzt der normale Konsument der Abendnachrichten und sehnt sich im Wunderland globalen Infotainments zurück nach seinem abgeschotteten Tal, nach Überschaubarkeit und Problemen, die er versteht. Unfähig, die Wirklichkeitsschnipsel aus aller Welt ins rechte Verhältnis zu setzen, sucht er sich einen schlichten, kleinen Ausschnitt, um endlich wieder Anteil nehmen zu können, widmet seine ganze Betroffenheit dem einzelnen, im Fernsehen gezeigten Flüchtling, um den es längst schon nicht mehr geht.
Seine Wirklichkeit ist nicht die Wirklichkeit.
Im Juni 1999 erlebte dieser normale Nachrichtenkonsument dann die Kapitulation Milosevics und den Gipfelmarathon in Köln. Der Frieden überstrahlte alles. Der abschließende G-8-Gipfel präsentierte Bilder der Eintracht. Clinton, Jelzin, Schröder, alle schienen sich wieder lieb zu haben. Da die meisten Menschen immer noch nicht so richtig wussten, worum es in dem Krieg überhaupt gegangen war, vertrauten sie auch diesmal den Bildern und gaben sich der Vorstellung hin, einem Film mit Happy End beigewohnt zu haben.
Aber so einfach geht das nicht in einer vernetzten Welt, in der täglich komplexere und abstrusere Interessengeflechte entstehen. Niemand hätte vermutet, dass die Intervention in Jugoslawien Boris Jelzin dazu veranlassen könnte, mit dem dritten Weltkrieg zu drohen. Niemand konnte ahnen, dass die Kosovofrage schon lange vor dem Krieg Kräfte auf den Plan gerufen hatte, die ganz eigene Ziele verfolgten. Im globalen Netzwerk sehen wir nur noch, was passiert. Nicht mehr, worum es geht. Nicht, wer Einfluss nimmt und mit welchen Auswirkungen. Vor diesem Hintergrund haben s
ich die Ereignisse während des Kölner Gipfels abgespielt, die nicht in die Medien gelangt sind und in den Akten nur als der Zwischenfall auftauchen. Dieser Zwischenfall hat auf erschreckende Weise deutlich gemacht, welche Gefahren ein globales Dorf bereithält, in dem sich die Bewohner nicht mehr auskennen und selbst die Entscheider jeden Überblick verloren haben. Und dass wir gut beraten sind, unserer Vorstellung der Wirklichkeit mit Skepsis zu begegnen.
In den Zeitungen wird man keinen Hinweis auf den Zwischenfall finden. Nichts davon drang damals an die Öffentlichkeit. Ohnehin sind die meisten derer, die direkt darin verwickelt waren, tot, und die Regierungen der beteiligten Länder haben wenig Interesse daran, die Sache publik zu machen.
Weil der Zwischenfall in den Medien nicht auftauchte, hat er am Ende gar nicht stattgefunden.
Das ist seine Geschichte.
Eine Gesellschaft, die alles weiß, weiß nichts.
Theodor Adorno


Köln-Bonn Airport


PHASE 1


1998. 20. NOVEMBER KLOSTER


Der alte Mann nahm mit halbem Bewusstsein das Geräusch des Wagens wahr, der sich aus der Ferne näherte. Er starrte hinaus auf die Umrisse der Berge jenseits der baumbewachsenen Hügel, die Hände auf die steinerne Brüstung gestützt, den Kopf zwischen die Schultern gezogen. Er hätte nur wenige Schritte nach rechts tun müssen, und der Schatten des mächtigen Giebeldaches über ihm wäre dem warmen Sonnenteppich gewichen, der das Land bis zum Horizont überzog. Es war ein ausnehmend klarer Tag und der Himmel von jenem Blau, das einen den Weltraum erahnen lässt, und trotz der späten Jahreszeit war es warm wie im Juli. Aber der alte Mann zog die Kühle vor. Die Augen unter den weiß durchsetzten Brauen zusammengekniffen, so dass sie im Gewirr der Faltenrisse kaum auszumachen waren, das Kinn vorgereckt, suchte er Distanz zur Schönheit der Landschaft. Die Zeit war noch nicht reif, um die Stufen der alten Klosterkirche hinunterzugehen, dort
hin, wo die Stiefelsohlen einen Zentimeter versinken würden im weichen Gras und Erdreich und man Lust bekäme, auszuschreiten zu den so nahen und doch unerreichbar fernen Bergen. Was den Alten interessierte, ließ sich nicht erwandern. Es war noch hinter den Bergen, und es war nicht das Meer und auch nicht ein noch größeres und weiteres Land, sondern eine Vision.
Eine Eidechse flitzte den warmen Stein entlang, passierte die Schattengrenze und näherte sich seinen Fingern. Er hoffte, sie würde darüberlaufen. Als er klein gewesen war, hatte er oft stundenlang darauf gewartet, und einmal war es passiert. Einmal nur, aber seine Geduld hatte sich ausgezahlt.
Der alte Mann seufzte. Wie geduldig würde er diesmal sein müssen? Wie viele Jahre waren noch entbehrlich, um sich in Geduld zu üben?
Er senkte den Blick zu den Flecken auf seinen Handrücken und erschauderte.
Ich bin gar nicht so alt, dachte er. Nicht mal sechzig. Man muss so viele Hände ergreifen, so viele wollen geführt werden. Sie graben dir die Fingernägel ins Fleisch. Sie reißen Stücke aus dir heraus, aus deiner Liebe zu diesem Land, und du gibst mehr, als du bist. Sie nennen dich Führer und teilen dich unter sich auf, wie soll einer da nicht alt aussehen? Und doch geben sie dir zugleich die Kraft, die du brauchst, ihre Blicke brennen sie dir ein, wenn du zu ihnen sprichst, und du weißt, du magst sterben, aber deine Ideen leben in ihnen weiter! Alter ist nicht wichtig. Eine Illusion. Die Ideen zählen, nichts sonst.
Sein Blick suchte die Eidechse. Sie zuckte zurück und verschwand.
Fast ärgerlich registrierte er, dass sich das Motorengeräusch nun vollends des Friedens ringsum bemächtigt hatte und sein Urheber ins Blickfeld geriet. Der Wagen rumpelte die Böschung hinauf und kam unterhalb der Treppe zum Stehen. Einige Sekunden rasselte der Diesel weiter, dann erstarb der Lärm der Maschine und überließ das Land wieder den kleinen und älteren Lauten, auf die der Alte seit dem Morgengrauen gelauscht
hatte.
Der Neuankömmling war Anfang vierzig, hochgewachsen, trug borstig geschnittenes Haar, das an den Schläfen zu ergrauen begann, und eine schwarze Lederjacke über verblichenen Jeans. Mit federnden Schritten kam er die Stufen herauf. Der alte Mann drehte ihm den Kopf zu und musterte das ebenmäßig geschnittene Gesicht mit den grünen Augen. Offen, befand er. Beinahe freundlich, aber ohne jede Wärme, ohne Humor. Er wusste sofort, dass der andere miserable Witze erzählen würde, falls er es überhaupt jemals tat.
Wie soll ich Sie ansprechen?, fragte der Alte.
Mirko, sagte der Mann und streckte die Hand aus. Der alte Mann starrte eine Sekunde darauf, nahm sie dann und drückte sie.
Einfach Mirko?
Was heißt hier einfach? Der andere grinste. Das sind fünf Buchstaben, und sie haben mir verschiedene Male das Leben gerettet. Ich liebe diesen Namen.
Der Alte betrachtete ihn.
Sie heißen Karel Zeman Drakovic, sagte er nüchtern. Sie wurden geboren 1956 in...
Novi Pazar. Mirko winkte ungeduldig ab. Und so weiter und so fort. Schön, Sie kennen meine Daten. Ich kenne sie ebenfalls. Wollen wir über was Wichtiges reden?
Der alte Mann dachte nach.
Dieses Land ist etwas Wichtiges, sagte er nach einer kurzen Weile des Schweigens. Können Sie das verstehen? Natürlich.
Nein, können Sie nicht. Der Alte hob einen Zeigefinger. Wem es gehört, ist wichtig. Das ist überhaupt das Wichtigste, wem was gehört! Kriege, Konflikte, Streitereien, was könnten wir uns alles ersparen, wenn sich nicht ständig jeder bemüßigt fühlte, durch anderer Leute Wohnzimmer zu marschieren!
Er reckte das Kinn noch weiter vor. Wissen Sie, was ich sehe, wenn ich auf dieses Land hinausblicke, Mirko Karel Zeman Drakovic? Ich sehe ein Schild mit der Aufschrift >ReserviertMirko zuckte die Achseln.
Das klingt doch ganz einfach und natürlich, oder?, fuhr der Alte fort. Ich meine, was tun Sie, wenn Sie ein Haus bauen? Sie leben da mit Ihrer Frau und Ihren Kindern, also was mach
en Sie? Sie schützen es! Und wenn Sie Fremde darin vorfinden, die sich eingenistet haben, Ihnen den Kühlschrank leer fressen, die Füße auf Ihren Tisch legen und in Ihre sauberen Polster furzen, na, dann schmeißen Sie das Pack eben raus! Kein Richter auf der Welt wird Ihnen das verübeln. Aber in diesem Land soll plötzlich jeder mit am Tisch sitzen dürfen, der sich Minderheit nennt und irgendwas von ethnischer Vielfalt daherfaselt, und wenn die Eigentümer ihr gottgegebenes Recht anmelden, ihn hinauszujagen, werden sie noch von den eigenen Leuten verdroschen, und das nennt sich dann liberal!
Mirko wandte ihm den Blick zu.
Wann hätten Sie sich je verdreschen lassen, sagte er. Eben! Nebenbei, was ist mit Ihnen? Lieben Sie dieses Land?
Ich liebe es, über meinen Auftrag zu sprechen. Ihre Kontaktleute meinten, Sie seien schon so etwas wie ein Patriot. Trotz Ihres. Mirko lächelte höflich.
Trotz meines Berufs? Sagen wir mal so - ich sehe zu, dass ich mir meinen Patriotismus leisten kann. Im Übrigen, was mir persönlich wichtig ist, dafür kann sich kein anderer was kaufen.
Sie müssen doch eine Meinung haben.
Bei allem Respekt, hatten Sie eine, als Sie zum Nationalismus konvertierten?
Der alte Mann lächelte dünn zurück und trat durch das Portal der Klosterkirche ins Innere.
Das sehen Sie falsch. Ich war immer auf Seiten derer, denen dieses Land von Gott gegeben wurde. Aber ich glaube auch, dass man sich den Zeitpunkt des Handelns sehr genau aussuchen muss. Man braucht Ansehen, eine gesellschaftliche Stellung, Geld. Ich halte nichts von aus der Gosse gekrochenen Revolutionären, die mit Dreck an den Schuhen zu den Leuten sprechen, das gehört sich einfach nicht, verstehen Sie?
Drinnen war es kühl und dunkel. Auch hier blieben die Sicherheitsleute, die ihn auf Schritt und Tritt begleiteten, unsichtbar, aber der Alte wusste, dass sie nah genug waren, um seinen Atem spüren zu können.
Sein Leben war ohne menschliche Schutzschilde nicht mehr denkb
ar. Im Gegensatz zu anderen, denen das nach einiger Zeit auf die Nerven ging, genoss er den Zustand. Jeder einzelne der Männer würde für ihn durchs Feuer gehen, sie waren bis ins Knochenmark geprüft, ihm überschrieben, sein Eigen. Ein Augenzucken von ihm, ein Hauchen, und Mirko würde die nächsten zwei Sekunden nicht überleben.
Ihnen ist klar, dass mein Name auf keinen Fall auftauchen darf, sagte er beiläufig, während sie die schwarzen Kirchenbänke entlangschritten. Ich werde Ihnen die benötigten Mittel zur Verfügung stellen, aber ich werde Sie nicht schützen. Er drehte sich um und sah Mirko an. Anders gesagt, wenn ich Ihr Leben opfern muss, werde ich keine Bedenken haben, es zu tun.
Natürlich nicht. Wenn ich mir die Frage gestatten darf, haben Sie es vor?
Nein. Hätte ich es vor, würde ich nicht davon sprechen. Mir ist bewusst, dass Sie auf unserer Seite stehen, auch wenn Sie mit aller Vehemenz auf Ihre Unabhängigkeit und Neutralität pochen. Der Alte ging ein Stück weiter und blieb vor einer geschnitzten Marienfigur stehen. Vergessen Sie nicht, dass ich alles über Sie weiß. Vielleicht ein paar Dinge, die selbst Ihnen entgangen sind.
Ich fühle mich geehrt.
Das sollten Sie auch. Können Sie den Auftrag erledigen? Ja.
Kein Wenn und Aber?
Tausende, erwiderte Mirko. Machen wir uns nichts vor, die Sache ist beinahe unmöglich. Aber eben nur beinahe. Wenn ich es schaffe, die richtigen Leute zusammenzubekommen.
Was wird uns der Spaß kosten?
Uns?
Im Bauch des Trojanischen Pferdes ist für mehr als einen Platz. Ich habe die Elite dieses Landes auf meiner Seite, wir zahlen die Rechnung zusammen oder gar nicht. Also, wie viel?
Mirko sog an seiner Backe. Sein Blick endete im Leeren.
Schwer zu sagen. Es gibt kaum Präzedenzfälle, jedenfalls nicht unter den vorgegebenen Bedingungen. Aber ein paar Millionen sollten Sie schon einplanen.
Der Alte breitete die Hände aus.
Der Herrgott hat's gegeben.
Ja. Ich weiß aber noch nicht, we
r's nehmen wird, und darum auch noch nicht, wie viel. Den Besten hat Frankreich leider einkassiert, er sitzt im Gefängnis.
Carlos? Wenn schon. Er ist kein Serbe.
Schon. Aber er hat die Latte ziemlich hoch gelegt. Will sagen, das ist so ungefähr die Liga, von der wir reden.
Sie haben alle Freiheiten, Mirko. Aber ich bestehe auf einem serbischen Kommando, sagte der Alte mit Entschiedenheit.
Wir sprechen hier von einer großen patriotischen Geste! Was ist mit Arkan?
Der Chef vom Fußball-Club in Prizren?, spöttelte Mirko.
Wir wissen beide sehr genau, dass er mehr ist, sagte der Alte. Die ganze Welt kennt Arkan.
Genau deshalb kommt er nicht in Frage. Wollen Sie nach der Vorstellung Autogramme geben? Mirko schnaubte geringschätzig. Vergessen Sie's. Arkan gefällt sich als Medienstar, und er lebt vom Heimspiel. Er ist geschwätzig. Das ist gefährlich in seiner Branche. Eines Tages wird ihn jemand über den Haufen schießen.
Gut. Suchen wir uns jemand anderen.
Der Markt gibt längst nicht so viel her, wie Sie denken, sagte Mirko. Osteuropa hat sich zwar gemacht, seit die Russen wieder Gras fressen, aber der terroristischen Szene dort geht das Moralgebaren ab. Nur, genau so jemanden brauchen wir! Diese alte Klasse, die nicht gleich mit sowjetischen Kofferbomben rumläuft und ganze Stadtteile niederkachelt, sondern wirklich noch den Kopf gebraucht. Wir müssen realistisch sein. Die besten Leute sitzen in Nordirland. Ein komplett serbisches Kommando kann ich Ihnen einfach nicht versprechen.
Sie enttäuschen mich, Mirko. Sollte es etwas geben, das sich mit Geld nicht ermöglichen ließe?
Darum geht es nicht. Mirko lehnte sich an eine der wuchtigen Säulen, die das Mittelschiff von den Seitenkapellen trennten. Das Problem ist die Qualifikation. Zweitens die Anonymität. Das Gute an Carlos war ja, dass ihn jeder kannte und keiner.
Ich will auf gar keinen Fall irgendwelche Amerikaner.
Beruhigen Sie sich. Ich habe verstanden, was Sie wollen. L
assen Sie mich ein bisschen das Feld sondieren. Auf jeden Fall garantiere ich Ihrem Unternehmen einen serbischen Kopf!




Pressestimmen

"Ein Polit-Krimi mit spannenden Momenten und Wendungen." Bild am Sonntag
EAN: 9783442459223
ISBN: 3442459222
Untertitel: Roman. 'Goldmanns Taschenbücher'.
Verlag: Goldmann TB
Erscheinungsdatum: Februar 2006
Seitenanzahl: 704 Seiten
Format: kartoniert

Durchschnittliche Kundenbewertung

Kundenbewertungen

schnabbo - 01.09.2009, 11:07
Top Story
Der Inhalt des Buches erklärt sich mit der Inhaltsangabe und dem erten Kapitel eigentlich schon komplett. Frank Schätzing versteht es aber trotzdem sie spannend zu halten. Man kann sich durch die recht detailierten Beschreibungen von Orten und Personen gut in die Geschichte einleben, gleichzeitig zieht das die erste Hälfte des Buches aber auch etwas in die Länge. Für meinen Geschmack hätte er ein paar Seiten oder auch ganze Abschnitte weglassen können ohne der Geschichte wirklich zu schaden. Trotzdem lohnt es sich, dann ab ca. der Hälfte geht es dann zur Sache und es kommt zu teilweise überraschenden Wendungen. So ist sogar nach dem vermeintlichen Ende noch einmal Spannung angesagt. Für mich ein absolut gelungener Roman den ich gerne weiterempfehlen will.