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Kirche


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Oktober 2005

Beschreibung

Beschreibung

Im Mittelpunkt von Band 3 steht die Entwicklung von Grundzügen evangelischer Ekklesiologie. In Zusammenhang mit der ökumenischen Bewegung skizziert Wenz Geschichte und gegenwärtige Verformung unter Bezug auf den Ökumenischen Rat der Kirchen, die Konfessionellen Weltbünde, die Leuenberger Kirchengemeinschaft sowie auf die EKD und die VELKD. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Lehre vom Kirchlichen Amt und dem Dialog mit der römisch-katholischen Kirche. Den Hintergrund der Darstellung bilden die Geschichte der Konfessionalisierung der westlichen Christenheit und das Problem ziviler Befriedung von Religionsgegensätzen.

Inhaltsverzeichnis

1;Inhalt;6 2;Einleitung;8 3;1. Konfessionstreit und politische Ordnung;15 4;2. Kirchliche Vollmacht und staatliche Gewalt;30 5;3. Grund, Wesensbestimmung und ekklesiologischer Begriff der Kirche;47 6;4. Die Verborgenheit der wahren Kirche, ihre Kennzeichen und das kirchliche Bekenntnis;63 7;5. Allgemeines Priestertum und ordinationsgebundenes Amt;77 8;6. Der Dienst der Episkope;93 9;7. Kritik am Papsttum bei Luther und Melanchthon;109 10;8. Die Confessio Augustana (Graeca) im ostkirchlichen Kontext;120 11;9. Koinonia als ekklesiologische Leitkategorie des Ökumenischen Rates der Kirchen;139 12;10. Die Konvergenzerklärungen zu Taufe, Eucharistie und Amt;154 13;11. Ökumene nach römisch-katholischem und evangelisch-lutherischem Verständnis;177 14;12. Kirchengemeinschaft im Sinne der Leuenberger Konkordie;201 15;13. Der Kanon der Kirche;216 16;14. Petrusdienst und Papstamt;235 17;15. Kirchliches Heiligengedächtnis;251 18;Epilog;270 19;Register;280


Portrait

Dr. theol. Gunther Wenz ist Professor für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität München und Direktor des Instituts für Fundamentaltheologie.


Leseprobe

7. Kritik am Papsttum bei Luther und Melanchthon (S. 108-109)

Lit.: J. Haustein, Das Papstamt aus der Sicht der Reformatoren, in: W. Fleischmann-Bisten (Hg.), Papstamt pro und contra. Geschichtliche Entwicklungen und ökumenische Perspektiven, Göttingen 2001, 3964. H. Meyer, Das Papsttum bei Luther und in den lutherischen Bekenntnisschriften, in: W. Pannenberg (Hg.), Lehrverurteilungen kirchentrennend? III. Materialen zur Lehre von den Sakramenten und vom kirchlichen Amt, Freiburg/ Göttingen 1990, 306328. G. Müller, Martin Luther und das Papsttum, in: ders., Causa Reformationis. Beiträge zur Reformationsgeschichte und zur Theologie Martin Luthers, Gütersloh 1989, 388416. W. Pannenberg, Das Papsttum und die Zukunft der Ökumene. Anmerkungen aus lutherischer Sicht, in: V. v. Aristi u.a., Das Papstamt. Dienst oder Hindernis für die Ökumene? Regensburg 1985, 139149.

Die Antichrist"-Vorstellung

Meine Kinder, es ist die letzte Stunde. Ihr habt gehört, daß der Antichrist kommt, und jetzt sind viele Antichriste gekommen. Daran erkennen wir, daß es die letzte Stunde ist." (1. Joh 2,18) Mit diesen eindringlichen Worten klagt der Schreiber des 1. Johannesbriefes gegenüber seinen Adressaten das Auftreten von Häretikern an, die aus der Mitte der christlichen Gemeinde gekommen seien, um in der ihnen eigenen Verlogenheit deren Innerstes zu verkehren. Wer ist der Lügner wenn nicht der, der leugnet, daß Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist: wer den Vater und den Sohn leugnet. Wer leugnet, daß Jesus der Sohn ist, hat auch den Vater nicht ..." (1. Joh 2,18.19a) Und jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott. Das ist der Geist Antichrists, über den ihr gehört habt, daß er kommt. Jetzt ist er schon in der Welt." (1. Joh 4,3; vgl. ferner 2. Joh 7).

Die Vorstellung eines Antimessias bzw. Gegengesalbten begegnet bereits in der jüdisch-apokalyptischen Tradition und ist in der neutestamentlichen Üb
erlieferung wiederholt rezipiert worden. Explizit begegnet die Vokabel Antichrist im Neuen Testament zwar nur in den beiden Johannesbriefen, wo sie, wie erwähnt, einen Menschen bezeichnet, der falsche Lehren über Christus verbreitet, indem er Jesu Messianität und Leiblichkeit leugnet. Der Sache nach ist die Antichristvorstellung aber auch in anderen Kontexten präsent, also im Zusammenhang etwa der Annahme einer satanischen Antitrinität in der Johannesapokalypse. Wo der Antichrist sein Unwesen treibt, da droht der christliche Glaube seines heilsamen Grundes beraubt zu werden, um dem bodenlosen Abgrund des Unglaubens und der Gottlosigkeit der Hölle zu verfallen. Indes wird der wahre Christus zuletzt über die Mächte der Finsternis triumphieren und den Teufel samt dem teuflischen Antichristen zugrunderichten.

In der Alten Kirche und im Mittelalter wurde die Antichrist-Vorstellung vielfach rezipiert, um schließlich durch die Reformation und insbesondere durch Luther entscheidend modifiziert zu werden. In der Regel wird die Originalität von dessen Antichristbegriff damit begründet, dass dieser im Unterschied zum mittelalterlichen nicht einen einzelnen Menschen, sondern eine Institution, nämlich das Papsttum bezeichnet, wobei die Antichristlichkeit des Papsttums niemals mit Person und Leben der Päpste, sondern mit deren Lehre und Amt begründet wird. Antichristlich ist das Papsttum deshalb, weil es gleichsam von Amts wegen und unter lehramtlicher Berufung auf Christus dessen Evangelium verkehrt und damit als Inbegriff der Häresie offenbar ist, wobei Luther die eschatologische Dimension päpstlicher Ketzerei betont hervorhebt. Manifest wird das päpstliche Antichristentum in einer doppelten Tyrannis, zum einen in der bewussten Verwechslung geistlicher und weltlicher Vollmacht und in dem entschiedenen Anspruch, mit Zwangsmitteln die geistliche Herrschaft zu üben, zum zweiten durch die Anmaßung, alleiniger Herr und Richter des göttlichen Wortes zu sein, wie es in der Sch
rift beurkundet ist.
EAN: 9783525567067
ISBN: 3525567065
Untertitel: Perspektiven reformatorischer Ekklesiologie in ökumenischer Absicht. 'Studium Systematische Theologie'.
Verlag: Vandenhoeck + Ruprecht Gm
Erscheinungsdatum: Oktober 2005
Seitenanzahl: 284 Seiten
Format: kartoniert
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