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Shakespeare Sonnette. Umdichtung


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gebunden
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April 2008

Beschreibung

Beschreibung

Mit diesem Band liegt nun die große Übertragung der Sonette Shakespeares mit kritischen Anmerkungen und erläuterndem Kommentar vor. Sie machen so zum ersten Mal die Übersetzungsleistung Georges detailliert nachvollziehbar und ermöglichen dem Leser und der Wissenschaft einen neuen Zugang zum Text und seiner Entstehung.
Die Dichtungen Shakespeares treten uns hier »in einer zugleich erschreckenden und bezaubernden Fremdheit« entgegen, so eine Formulierung Friedrich Gundolfs. Schon Georges Zeitgenossen erkannten, dass die Umdichtungen »den Geist«, »die Musik« und das »Formprinzip« der Shakespear'schen Kunstwerke nicht nur erfassen, sonden »in sich tragen«.
Auch für das Werk Georges selbst ist diese Übersetzungsarbeit zentral, denn sie ist aufs Engste mit seinem Programm der Preisung einer »welterschaffenden Kraft der übergeschlechtlichen Liebe« verbunden und verweist so direkt auf das lyrische Werk Georges.

Portrait

Stefan George, 1868 in Büdesheim bei Bingen geboren, war als Sohn eines wohlhabenden Weingutbesitzers nie zur Berufswahl gezwungen. Nach dem Abitur reiste er durch Westeuropa, studierte zwischendurch in Berlin u.a. Philologie, Philosophie und Kunstgeschichte, traf aber vor allem mit den französischen Symbolisten zusammen. Diese Begegnung bestärkte ihn in seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem in Deutschland verbreiteten literarischen Realismus. Ab 1900 lebte er überwiegend in Deutschland: In München wurde er in der Schwabinger Boh me als Dichterfürst inszeniert und verehrt, in Heidelberg und Berlin verkehrte er in bildungsbürgerlichen Kreisen. 1927 wurde ihm der erste Goethe-Preis verliehen. George zog sich schließlich 1933 nach Minusio zurück, nachdem ihm Josef Goebbels die Präsidentschaft einer neuen deutschen Akademie für Dichtung angeboten hatte. Er verweigerte dieses Angebot und starb am 4. Dezember, betrauert von seinen Schülern und Verehrern. §

Leseprobe

LXVI

Dies alles müd ruf ich nach todes rast:
Seh ich Verdienst als bettelmann geborn
Und dürftiges Nichts in herrlichkeit gefasst
Und reinsten Glauben unheilvoll verschworn

Und goldne Ehre schändlich missverwandt
Und jungfräuliche Tugend roh geschwächt
Und das Vollkommne ungerecht verbannt
Und Kraft durch lahme lenkung abgeflächt

Und Kunst schwer-zungig vor der obrigkeit
Und Geist vorm doktor Narrheit ohne recht
Und Einfachheit missnannt Einfältigkeit
Und sklave Gut in dienst beim herren Schlecht.

Dies alles müd möcht ich gegangen sein
Liess ich nicht sterbend meine lieb allein.



CXXXVII

Du Liebe blinder narr was schlägst du so
Mein aug das schaut und sieht nicht was es sieht
Das weiss wie schönheit ist und sieht auch wo
Und doch das beste aus dem schlimmsten zieht?

Wenn auge schlaff durch zu parteiische schau
Anlegt am strand zu dem sich jeder drängt
Was hast du dann aus auges trug das tau
Geknüpft dran meines herzens urteil hängt?

Soll denn mein herz ansehn für eigenflur
Was es erkannt als aller welt anteil?
Soll denn mein aug dies sehn und leugnen nur
Und holde wahrheit streun aufs haupt so feil?

Im wahrsten fiel mein herz und aug in trug -
Weshalb die falsche seuche sie nun schlug.


EAN: 9783608951172
ISBN: 3608951172
Verlag: Klett-Cotta Verlag
Erscheinungsdatum: April 2008
Seitenanzahl: 265 Seiten
Format: gebunden
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