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Bericht aus Yucatán


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Oktober 2007

Beschreibung

Beschreibung

Der Franziskanerm÷nch Diego de Landa, der etwa 30 Jahre auf der mexikanischen Halbinsel Yucatßn lebte, verfasste 1566 diese Chronik, in der er Lebensweise, Sitten und Brõuche der Maya schildert und ihre Schrift, ihre Zeitrechnung und ihre Bauwerke beschreibt. Diego de Landa war ma¯geblich an der Zerst÷rung der Maya-Kultur beteiligt. Auch wenn er wenig f³r die fremde Kultur ³brig hatte, ist sein 'Bericht aus Yucatßn' noch heute ein zentrales Werk zum Verstõndnis der Maya.


Leseprobe

Die Indios haben sehr vergnügliche Unterhaltungen und vor allem Komödianten, die mit großer Anmut spielen, was so weit geht, daß diese sich Spanier mieten, damit sie die Späße über diejenigen Spanier sehen, die mit ihren Mädchen vorbeikommen, über die Ehemänner oder über sie selbst, über gute oder schlechte Diener, und hierauf stellen sie dies so kunstfertig wie genau dar. Sie haben kleine Trommeln, die sie mit der Hand schlagen, und eine weitere, aus einem hohlen Baumstamm hergestellte Trommel, die dumpf und traurig klingt und die sie mit einem länglichen Stab schlagen, dessen Spitze sie mit dem Milchsaft eines Baums bedeckt haben; und sie haben große und dünne Trompeten aus hohlen Baumstämmen, an deren Ende lange und gekrümmte Kalebassen angebracht sind; sie haben ein weiteres Musikinstrument aus der Schale einer ganzen Schildkröte, nachdem man das Fleisch herausgelöst hat, schlägt man mit der Handfläche auf die Schale, was einen düsteren und traurigen Klang ergibt. Sie haben Pfeifen aus den Röhrenknochen von Hirschen, große Schneckentrompeten und Rohrflöten, und mit diesen Instrumenten spielen sie den Tanzenden auf.
Vor allem haben sie zwei Tänze, die ganz allein für Männer und sehr sehenswert sind. Der eine ist ein Spiel wie das Ringelstechen, und deshalb nennen sie es 'Colomché', was ebendies bedeutet. Hierfür findet sich ein großer Kreis von Tänzern zusammen, wozu Musik erklingt, und in deren Takt treten zwei aus dem Kreis heraus: Der eine trägt ein Bündel Wurfpfeile und tanzt mit ihnen in aufrechter Haltung; der andere tanzt hockend, wobei beide dem Takt des Kreises folgen; und der eine schießt die Wurfpfeile mit ganzer Kraft auf den anderen ab, während dieser sie sehr geschickt mit einem kleinen Holzstab abfängt. Nachdem alle Pfeile verschossen sind, tanzen sie dem Takt folgend in den Kreis zurück, und andere treten heraus, um das gleiche zu tun. An einem anderen Tanz sind ungefähr achthundert Indios beteiligt, die Fähnchen tragen und den Klängen einer k
riegerischen Musik mit langen Schritten folgen, wobei es unter ihnen nicht einen gibt, der aus dem Takt kommt; und in ihren Tänzen sind sie schwerfällig, weil sie den ganzen Tag unablässig tanzen, und selbst mit Essen und Trinken versorgt man sie während des Tanzes. Es war nicht üblich, daß die Männer mit den Frauen tanzten.
Die Handwerker unter den Indios waren Töpfer und Zimmerleute, die viel verdienten, da sie die Götzenbilder aus Ton und Holz herstellten, wobei sie zahlreiche Fastenzeiten und andere Zeremonien einhielten. Es gab auch Wundärzte oder, besser gesagt, Zauberer, die mit Kräutern und vielen abergläubischen Handlungen heilten; und so war es auch bei allen übrigen Handwerken. Das Gewerbe, für das sie die größte Vorliebe zeigten, war der Handel; die Kaufleute brachten Salz, Kleidung und Sklaven in das Gebiet von Ulúa und Tabasco und tauschten alles gegen Kakao und Steinkügelchen ein, die ihr Geld waren, und damit kauften sie gewöhnlich Sklaven oder andere Steinkügelchen, weil diese von ausgesucht guter Qualität waren, und die Häuptlinge trugen sie als Juwelen bei den Festen; als Geld und Juwelen für ihren persönlichen Gebrauch hatten sie auch weitere, die aus gewissen roten Muschelschalen
hergestellt waren, diese trugen sie in ihren geknüpften Beuteln bei sich; und auf den Märkten handelten sie mit allem, was es in diesem Land gab. Sie borgten, verliehen und bezahlten höflich und ohne Wucherzinsen. Mehr als alle übrigen waren die Bauern und jene, die den Mais und die anderen Feldfrüchte ernten; diese bewahren sie in sehr schönen Kornspeichern und Scheuern auf, um sie zu einer günstigen Zeit verkaufen zu können. Ihre Maultiere und Ochsen sind die Menschen. Gewöhnlich säen sie für jeden Ehemann und seine Frau ein Feldmaß von vierhundert Fuß, das sie 'hum uinic' nennen und das mit der Elle zu zwanzig Fuß in der Breite und in der Länge ausgemessen wird.
Die Indios haben die gute Sitte, sich bei all ihren Arbeiten gegenseitig zu unterstützen. Währ
end der Aussaat schließen sich diejenigen, die hierzu keine eigenen Leute haben, in Gruppen von ungefähr zwanzig Mann zusammen, und sie leisten gemeinsam, ihrem Maß und Anteil entsprechend, die Feldarbeit für alle; sie hören nicht eher auf, bis sie ihre Pflicht allen gegenüber erfüllt haben. Die Ländereien sind zunächst gemeinschaftliches Eigentum, und darum wird derjenige, der sich ihrer als erster bemächtigt, ihr Besitzer. Sie säen auf vielen auseinanderliegenden Feldern, damit, wenn eines keinen Ertrag bringt, das andere dies ersetzen kann. Wenn sie den Boden bestellen, säubern sie ihn lediglich von Unrat, den sie verbrennen, und hierauf säen sie; von Mitte Januar bis zum April bereiten sie das Land vor, und wenn der Regen beginnt, bringen sie die Saat in den Boden; hierfür tragen sie einen kleinen Sack auf dem Rücken, und mit einem spitzen Stock graben sie ein Loch in die Erde, sie legen fünf oder sechs Körner hinein, die sie mit demselben Stock zuschütten. Ein erstaunlicher Anblick ist, wie die Pflanzen sprießen, sobald es regnet. Auch für die Jagd schließen sie sich in Gruppen von ungefähr fünfzig Mann zusammen, und das Hirschfleisch braten sie auf einem Rost, damit es ihnen nicht verdirbt; wenn sie in den Ort zurückgekehrt sind, geben sie dem Häuptling einen Teil als Geschenk, und (den Rest) teilen sie freundschaftlich unter sich auf. Das gleiche machen sie beim Fischfang.

EAN: 9783150205280
ISBN: 315020528X
Untertitel: Originaltitel: Relación de las cosas de Yucatán. 'Reclam Taschenbuch'. Zahlreiche Abbildungen.
Verlag: Reclam Philipp Jun.
Erscheinungsdatum: Oktober 2007
Seitenanzahl: 292 Seiten
Übersetzer/Sprecher: Übersetzt von Ulrich Kunzmann
Format: kartoniert

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YinYang - 22.02.2010, 15:56
DE LANDA-ALPHABET
Bekannt ist De Landa dafür, daß er alle greifbaren Manuskripte in der Maya-Schrift und damit wertvolle Dokumente zur Geschichte und Kultur der MAYA verbrennen ließ. Später versuchte er in seiner Rechtfertigungsschrift eine Rekonstruktion dieser Schrift, das - trotz De Landas völlig falschen Verständnisses des Schriftsystems - im 20. Jahrhundert ein wichtiges Hilfsmittel zur Entzifferung der MAYA-Schrift wurde. - DE LANDA WAR BISCHOF VON YUCATAN UND BEKEHRTE DIE EINHEIMISCHEN MAYA-VÖLKER MIT MITTELN DER INQUISITION ZUM KAHOLISCHEN CHRISTENTUM -