EBOOK

Zerbrochen


€ 18,50
 
kartoniert
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Oktober 2007

Beschreibung

Beschreibung

In der Literaturgeschichte gibt es immer wieder Entdeckungen zu machen, und dieser kurze Roman aus dem Jahre 1930 ist gewiß eine der überraschendsten. Es gab in den zwanziger Jahren in der schwedischsprachigen Enklave Helsinkis eine Gruppe hochbegabter junger Lyriker und Erzähler, die nach neuen Formen und Ausdrucksmöglichkeiten suchten und sie in einem ganz eigenen Amalgam aus der lebensbejahenden Anarchie des Dada, dem übersteigerten Ausdruckswillen des Expressionismus, den Formspielen des Kubismus, der jungen Stummfilmkunst und den Rhythmen und Klängen des Jazz fanden. Einer von ihnen war Henry Parland: 1908 im finnischen Viborg geboren, starb er 1930 im litauischen Kaunas an Scharlach. Er wuchs mehrsprachig auf, mit Deutsch, Englisch, Russisch und ab dem vierzehnten Lebensjahr Schwedisch. In dieser zuletzt erlernten Sprache hinterließ er ein frühvollendetes Werk, Gedichte, Erzählungen, Essays und den hier zum ersten Mal auf deutsch erscheinenden Roman Zerbrochen (Sönder - so der schwedische Titel), der erst 2005 von Per Stam in einer authentischen Fassung herausgegeben wurde. Zerbrochen ist eine Liebesgeschichte, die von Geld, Macht und von der Photographie erzählt: Ami ist schön, launisch und sorglos. Sie liebt Jazz und nächtliche Bummel durch die Lokale Helsinkis. Sie spielt und verspielt gern ihr Geld und das anderer. Und sie liebt Henry. Aber Amy ist tot. Mit Photos, die er von ihr gemacht hat, versucht Henry Stück für Stück seine Erinnerungen an sie und ihre Liebesgeschichte wieder zum Leben zu erwecken. Eine scheinbar leichte, kurzlebige Geschichte, mit kleinen Eifersüchteleien und Frivolitäten, in der keiner von beiden den anderen wirklich kennt. Und eine Geschichte vom Erinnern und vom Erzählen selbst: verblüfft entdeckt man, daß Henry Parland einen Anti-Roman geschrieben hat - zwanzig Jahre bevor diese Romanform in Frankreich entwickelt wurde.


EAN: 9783932109522
ISBN: 393210952X
Untertitel: (über das Entwickeln von Veloxpapier). Lesebändchen.
Verlag: Friedenauer Presse
Erscheinungsdatum: Oktober 2007
Seitenanzahl: 158 Seiten
Übersetzer/Sprecher: Übersetzt von Renate Bleibtreu
Format: kartoniert

Durchschnittliche Kundenbewertung

Kundenbewertungen

Claudine Borries - 13.10.2007, 11:01
Differenzierte Liebesgeschichte
Das Motto des Romans lautet: < Dieses Buch ist vielleicht ein Plagiat von Marcel Proust>. Zur Handlung: Henry liebt Ami. Sie ist tot! Es ist unvorstellbar: er bittet die Tote, ihm behilflich zu sein, denn er will ihre Geschichte aufzeichnen. Henry ist Hobbyfotograf und entwickelt ihre Lichtbilder auf Véloxpapier. Dabei entdeckt er Stimmungen, die sich verändern: sie kraust die Stirn, sie schaut böse, sie schaut lieb und friedlich. Bei der Entwicklung der Fotos scheint sie noch lebendig, und er kann mit ihr sprechen. Sind die Fotos erst fertig und getrocknet, ist der Augenblick des Lebens verflogen. In der Erzählung wechseln die Ebenen: in einem Augenblick ist Ami lebendig durch die beschriebenen Erinnerungen, dann ist da der Tod oder die verlustreiche Gegenwart. Ami ist ein einfaches Mädchen, schön, launisch, unberechenbar und exzentrisch. Der Icherzähler ist ein differenziert denkender Mensch, ständig in Grübeleien vertieft über alles, was sich um ihn herum ereignet. Einmal liebt er sie, dann wieder will er sich lösen; dann sieht er sie in Begleitung von anderen und empfindet unerträgliche Eifersucht. Die beiden treffen sich in Kneipen. Sie trinken sehr viel; beide wirken auf eine Weise haltlos. Nähe und Distanz stehen im Wechsel, ja, man spürt deutlich, dass sie ein Leben ohne Hoffnung führen. Das Ende kommt unerwartet. Der Erzähler wechselt in seinen Stimmungen. Tod und Leben bestehen ganz unabhängig nebeneinander. Zerbrochen wirken die Ereignisse. Parland hat eine eigene und originelle Form des autobiographischen Romans entwickelt. Zwischen Geisterbeschwörung, Erinnerung und Gegenwart oszilliert die Geschichte der zwei Liebenden, die für einander ebenso schemenhaft blieben, wie die Fotos, die entwickelt werden. Die Bezugnahme zu Proust besteht zu Recht. Die Form des reflektierenden Erzählens aus der subjektiven Sicht des Erinnerns ist eines dieser bei Parland ebenso wie bei Proust zu findenden Kriterien des Erzählens. Der Autor stammte ursprünglich aus Russland. Die Familie war vor der russischen Revolution 1912 nach Finnland geflohen. Der vorliegende Roman entstand im litauischen Kauna, wo der Autor seit 1929 am schwedischen Konsulat arbeitete. Im November 1930 starb der er, erst 22 Jahre alt, am Scharlachfieber. Erst n