EBOOK

Wenn Satan dich küsst ...


€ 15,90
 
kartoniert
Lieferbar innerhalb von 2-3 Tagen
März 2008

Beschreibung

Beschreibung

Eine Hexenküche und Claras Visionen lassen einen mittelalterlichen Fluch wieder aufleben; keine Tochter aus dem Geschlecht der von Aschenlohes wird älter als fünf Jahre. Clara, die nicht bei ihrer Familie aufwuchs, ist dem Fluch bisher entgangen, doch nun?Schon bald gibt es den ersten Toten, kurz darauf einen zweiten. Zusammen mit ihrer Freundin Lisa versucht Clara, den Fluch zu lösen, der jetzt, wo er sie endlich gefunden hat, mit langen Fingern nach ihr giert.

Portrait

Silke B. Brunner wurde 1968 im oberfränkischen Lichtenfels geboren. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der feinstofflichen Welt, ist Reikimeisterin, ausgebildete Kartenlegerin (Hajo Banzhaf, Brigitte Theler) und lebt ihre Berufung im Münchner Norden.Ihre Liebe zur Dichtkunst erkannte sie im Jahr 2000 auf der Suche nach einem besonderen Geschenk. Es folgten mehrere Veröffentlichungen in Anthologien. Bisher hat sie Lyrik, Märchen und einen übernatürlichen Roman veröffentlicht. "Salem Aleikum" ist ihr erstes gechanneltes Werk aus der geistigen Welt.

Leseprobe


Brunner, Silke B.:
Wenn Satan dich küsst ...


Wenn Satan dich küsst ...

  In die Landschaft hatte sie sich sofort verliebt. Das warme Gefühl, endlich nach Hause zu kommen, war schon nach wenigen Minuten in ihr hochgestiegen. Doch sie spürte auch, dass das Haus ein Geheimnis verbarg. Und es schien ihre Bestimmung zu sein, dieses Geheimnis zu lüften.
  Sie straffte ihre Schultern. Elysa hatte es sich gewünscht, dass sie ihr Tagebuch erhielt und es auch las. Diesen Wunsch, auch wenn er schwer wog, wollte sie als Tochter respektieren. Ich werde dich nicht enttäuschen, Mutter.

  Clara ging ins Badezimmer und ließ Wasser in die Wanne laufen. Schon als Kind hatte sie den Duft von Badeschaum geliebt, die ätherischen Öle beruhigten und entspannten sie. Dieses Hausmittel hatte sie von Elvira übernommen, es funktionierte bestens. Früher bei Schulaufgaben, dann beim Führerschein und jetzt hoffentlich beim Lesen von Elysas Tagebuch.
  Sie steckte ihr Haar nach oben. Mit gespreizten Zehen maß sie die Wassertemperatur und seufzte zufrieden. Dieses schmeichelnde Gefühl der allumfassenden Wärme kombiniert mit dem Duft wohlriechender Melisse ließ sie tief durchatmen. Eine angenehme Gänsehaut kroch über ihre Haut. Zögernd nahm sie das Tagebuch in die Hand und blätterte darin. Magnolienduft verbreitete sich, er stieg aus dem Tagebuch auf. Clara versuchte, sich zu erinnern, doch sie war nicht sicher, ob sie beim ersten Durchblättern auch diesen Duft bemerkt hatte.
  Und wieder die ersten geschriebenen Worte ihrer Mutter: "Mein Vermächtnis an Clara, meine geliebte Tochter!"
  Noch einmal las sie die Geschichte von Roderick und der unglücklichen Sophie. Sie stellte sich dieses heute alltägliche Ereignis vor unzähligen Jahrzehnten vor. Welch Schandfleck für die Familie, wenn die minderjährige Tochter ein uneheliches Kind austragen musste. Von spitzen Zungen im Dorf verhöhnt, mit dem Finger auf Sophie zeigend und gleichzeitig als ermahnendes Beispiel für die eigene Tochter, die nicht das gleiche Schicksal erleiden sollte. Und zur Krönung all dessen eine Hexe zur Mutter ...
  Clara blätterte weiter. Das Tagebuch befand sich in einem erstaunlich guten Zustand. Kurz kamen ihr der Notar und die Videokassette in den Sinn. Dann las sie die nächsten Zeilen:

  "Du warst ein wunderhübsches Baby. Deine blauen Augen leuchteten, wenn du auf Papas Schoß sitzen konntest und er dir Märchen aus uralten Zeiten vorlas. Immer wieder habe ich ihm gesagt, dass er bis zum Vorlesealter noch einige Jahre warten muss, aber er hat nur gelächelt. Mein Mädchen versteht das schon; das waren dann immer seine Worte.
  Blaue Augen sind ein starkes Glückssymbol. Du wirst vielleicht lachen, aber bei unserer Hochzeitsfeier in der Familienkapelle wurde laut gesungen, um die Augenfarbe unserer Kinder zu beeinflussen. Das ist ein alter Brauch. Nora-Janes Augen waren übrigens grau, auch die deines Bruders Caspar. Ich sage doch, du bist ein Glückskind.
Deine Nase kräuselte sich, wenn es in der Küche nach Zimt roch. Und wenn ich dich in deinem Himmelbett schlafen gelegt hatte, haben dich Klänge der Mondscheinserenade in den Schlaf gespielt. Diese Melodie hast du geliebt wie keine andere. Innerhalb weniger Minuten steckte der winzige Daumen im Mund und die Äuglein schliefen.
  Keiner dachte an den alten Fluch. Doch! Wir dachten daran, verdrängten es aber immer wieder. Bis zu dem unheilvollen Tag, als deine ältere Schwester Nora-Jane ihren fünften Geburtstag feierte. Alle hofften, dass der Fluch seine Macht und den Hass über die von Aschenlohes aufgehoben hätte. Welch bitterer Trugschluss."

  Clara schloss die Augen. Sie wollte nicht weiterblättern, wollte ihre sowieso komplizierte Welt nicht noch mehr ins Wanken bringen und legte das Buch auf den Wannenrand.
Duftender Schaum prickelte auf ihrem Körper, das Badewasser ermüdete sie angenehm. Tiefer und tiefer versank sie darin, fühlte sich geborgen.
  Zärtliche unsichtbare Hände liebkosten sie, streichelten sie an den verborgenen Stellen. Räkelnd hob und senkte sie ihren Körper, um die Wellen intensiver zu spüren und das erregende Kribbeln zu fördern. Clara seufzte. Sie genoss dieses Spiel.
  Die unsichtbaren Hände wurden fordernder. Sie riss die Augen auf, etwas zog an ihren Beinen. Sie wehrte sich und trat danach. Sie spuckte, keuchte. Schmerzhaft holte sie Luft, dabei schluckte sie Wasser. Ihr Zwerchfell stach, so sehr musste sie husten. Der Haarknoten löste sich und ließ ihr Haar auf dem Badewasser schwimmen.
  Auf einmal war es vorbei. Er oder es hat aufgegeben.
  Clara schaute auf die Enden ihres Haares, sie schrie laut auf. Züngelnd und zischend aalten sich braune Schlangen genussvoll im wohltemperierten Wasser. Gierig stießen sie nach vorne und schnappten mit spitzen Zähnen nach ihr. Sie krochen über ihre sich auf- und absenkende Brust an ihrem Hals empor und liebkosten ihn mit gespaltener Zunge.
  "Lass sie zubeißen", hörte sie eine Stimme flüstern. "Es tut nicht weh. Ein oder auch zwei erbärmliche Bisse, dann bist du erlöst. Lass es geschehen, du gehörst mir! Mir allein!"
  Wem? Wem soll ich gehören? Ihre Gedanken rasten. Die fremde Stimme erstarb mit einem Donnerhall. Hilfe! Wieso hilft mir denn keiner?
  Dann packte sie maßlose Wut. Nein, so einfach wollte sie nicht aufgeben. Mit aller Kraft schoss sie aus dem Wasser nach oben und befreite sich. Sie sprang aus der Wanne, rutschte aus, verlor das Gleichgewicht und viel hin. Laut schrie sie auf. Ein stechender Schmerz durchzuckte ihren rechten Ellbogen.
  Sie kroch in eine Ecke, setzte sich auf den Boden, umklammerte ihre angezogenen Knie und sah sich im Badezimmer um. Ihr Herz raste. Ihre nassen Schenkel bebten. Doch alles um sie herum schien normal.
  Ihr Haar klebte in nassen Strähnen an ihrem nackten Leib. Zaudernd fasste Clara es mit den Fingerspitzen an. Keine Anzeichen mehr von abstrusen Schlangen, die sich mordlüstern um ihren Hals krümmten.
  Leise Schritte aus dem nebenan liegenden Schlafzimmer schreckten sie erneut auf. Fahrig riss sie das Badetuch vom Halter, sprang auf und band es um ihren Körper. Auf der verzweifelten Suche nach etwas, womit sie sich verteidigen konnte, griff sie nach dem Kristallflakon mit der Badeessenz und versteckte sich hinter der Tür.



EAN: 9783833493300
ISBN: 3833493305
Untertitel: Paperback.
Verlag: Books on Demand
Erscheinungsdatum: März 2008
Seitenanzahl: 264 Seiten
Format: kartoniert
Es gibt zu diesem Artikel noch keine Bewertungen.Kundenbewertung schreiben