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Ich hab die Unschuld kotzen sehen 1+2


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kartoniert
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Oktober 2008

Beschreibung

Beschreibung

"Guten Tag, die Welt liegt in Trümmern."So lautet die Begrüßung des Autors, bevor er einen hinabreißt in die Abgründe der Welt. Mit seinem literarischen Skalpell zelebriert er ein Massaker des Lebens, das fasziniert, um gleichzeitig abzustoßen. Wie in Tarantinos "Pulp Fiction" reihen sich scheinbar zufällige Ereignisse aneinander, um später wieder aufgenommen zu werden. So spinnt sich ein roter Faden - und bald ist klar, dass Blut den Faden so rot schimmern lässt.Mit einer exklusiven Zusatzstory

Portrait

Herr Bernemann wurde vor wenigen Jahren zwischen dem Ruhrgebiet und den Niederlanden geboren. Er wollte schon immer Bücher schreiben, also schrieb er, seit er es konnte, beginnend mit ungefähr sieben Jahren. Er war schon als Kind fasziniert von Musik und schönen, aber auch nicht so attraktiven Worten. Herr Bernemann schreibt Bücher voller Geschichten und Gedichte. Nicht alle Gedanken, die er hat, findet er selber gut, einige hasst er sogar. Er findet es im Moment nicht doof, bekannt zu sein, findet es aber doof mit Idioten bekannt zu sein, um mit denen Bratwurst oder so zu speisen. Zusammen mit Benedikt Ator spielt er zudem in der Band HORQUE. Er liebt Kultur, seinen Wortschatz und manchmal sogar sich selbst. Er ist nicht elegant, sieht aber immerhin noch gut aus, wenn er auf die Fresse fällt.

Leseprobe

Guten Tag. Die Welt liegt in Trümmern, ich sammle sie auf, errichte daraus neue Gebäude. Konstruiere neue Städte, kann man drin wohnen oder weiträumig umfahren.
Das, was mal Unschuld war, nimmt nun Drogen, tötet aus Lust, ist viel zu frei erzogen, um klar und geordnet zu denken, aber entwickelt sich scheinbar natürlich, gar übernatürlich. Und es ist vor allem unaufhaltsam und nennt sich irgendwann, also bald, gar dreist: Die neu definierte Unschuld. Dabei hat es doch schon so viel auf dem Gewissen, dass dieses expandieren könnte, hat sich kannibalistisch geübt und dann nebenbei sich selbst vergessen.
Moral egal und durch.
Also mittendrin der Mensch, der an allem zu verzweifeln scheint, der sich Wahnsinn kauft, der durchdreht wegen Liebe, Arbeit, Freizeit, Freiheit und allgemeinen Zwängen.
Mensch, mach dein lautes Leben leiser!
Vielleicht auch ein wenig revolutionäres Gedankengut und keine Angst vor Körperflüssigkeiten von Mitmenschen zu haben, empfehle ich. Außerdem empfehle ich auf dies hier eine Betrachtungsweise außerhalb gesellschaftlicher Normen.
Hier tanzen nämlich gescheite und doch gescheiterte Existenzen. Pogogedanken. Pogo auf dem Todesstreifen.
Zwischen allen Stilen und Stühlen finde man was, suche man was zum Anfassen. Der direkte Weg ist immer noch, sich zu begegnen.
Für alle, die es wissen wollen - hier ist der Beweis Tocotronic
Nicht auf den Tag warten, an dem sich die Sonne weigert zu scheinen. Krebskrank vom Himmel zu schreien und Licht zu geben. UV-Blendung reflektiert an Menschenleibern.
Ein brennender Planet als letzter Funken Hoffnung? Das vielleicht demnächst allerletzte Naturereignis.
Wahnsinn nährt Wahnsinn.
Die Möglichkeit, wahnsinnig zu werden, steigt überall.
Liegt wahrscheinlich an der Überdosis medialer Gewalt.
Davon rate ich Abstand zu nehmen und in Zukunft nur noch meine Bücher zu lesen.
An Stelle von Fernsehen, Spielkonsolen, Chemiedrogen, seltsamen Printmedien und Ficken. Si
ch und andere.
Das ist alles zu viel.
Es gibt Alternativen zum Wahnsinn ...
Vorhang auf ...
Ich habe die Unschuld kotzen sehen
Das Gelage dieser Tage. Wir liegen mit mehr Krebszellen als Verstand im Kopf auf diesem durchgefickten Sperrmüllsofa. Wir sind Engel, die Verführer und die Verführten des Amokzustandes, mancherorts fälschlicherweise Leben genannt. Um uns schießt Dummheit wie vergiftete Pflanzen aus krankem Boden.
Sie liegt wie tot in meinem Arm. Liebe ich sie?
Sie atmet einen süßlichen Duft, den Cocktail aus Fastfoodkotze, Magenschleimhautentzündung, Billigwhisky und meinen Küssen. Sie ist die wildeste Diva, die ich jemals in meinen Armen halten durfte. Ihr Augenaufschlag ist so eindeutig und geprägt von authentischer Leidenschaft, nur blieb er die letzten Stunden aus.
Komatös, gelähmt, bis an den Rand gefüllt mit Gift.
Alltagsgift.
Ihr Atem ein Röcheln. Auf der Suche nach Sauerstoff im luftleeren Raum.
Sauerstoff ist Zuversicht.
Also ist Verzicht schlicht schlecht, Baby.
Atme und lebe!
Zugreifen, trinken, inhalieren, abdrücken, schlucken. Atme Luft wie Gift in deiner Vergangenheit!
Sie hier, noch warm, zu spüren, ist die Wohltat dieses Erwachens, mit dem ich aufgrund des Konsums der Vortage kaum noch rechnete. Jetzt bin ich wach, aber kalt und tot. Meine Augen gleiten durch den spärlich möblierten Raum, der uns manchmal mit seiner Miete aufzufressen drohte. Unsere Villa. Violette Wände. Beruhigend und stimulierend zugleich. Der Engel in meinen Armen scheint auch nicht zu wissen, warum diese Stille so paradox ist.
Überhaupt, sie scheint nichts mehr zu wissen. Ich überprüfe die Körperfunktionen meiner Drogenkönigin. Verlangsamter Puls, auffällig flache Atmung.
Flügellahmer Engel.
Eine alte Bekannte. Die Liebe meines Lebens. Die Erbin meines Wahnsinns. Unsere Geschichte zu erzählen bedarf es keiner Erinnerung, nur intensiver Zwischenmenschlichkeit und - wie gesagt - des Wahnsinns in seiner
alltäglichen Erscheinungsform.
Das bilde ich mir doch nicht ein.
Ich taste nach meinen Filterzigaretten. Wohnzimmertisch. Wohnzimmer? Wohnen? Gedanken überdosiert!
Ich lache herzhaft in meinen inneren Wahnsinn, der bestimmt in meinen gelben Augen sichtbar ist.
Feuerzeug flackert kurz auf. Durch Inhalation übertrage ich die Flamme auf ein Billigtabakprodukt. Schmerzen wie Presslufthammerzärtlichkeiten beweisen mir meine Existenz. Wieder einen Rausch überlebt.
Aber ich sorge mich um meinen Engel. Ihre weiße Haut wirkt in meinen zugedröhnten Augen neongelb. Sie trägt nur Unterwäsche und ihr Körper scheint wie ein gelber Fluss, lediglich von zwei schwarzen Brücken unterbrochen, meine Beine runterzufließen.
Ihr Menschlichkeitsduft übertönt den des Giftes. Das bemerke ich aber erst, als ich meine Wahrnehmung selektiert habe und mich durch Selbsthypnose davon abgehalten habe, auf den ruhenden Körper der Geliebten zu kotzen.
Ihre linke Hand umklammert eine geleerte Flasche. Ich betrachte für fünfeinhalb Minuten den kleinen Finger ihrer linken Hand, das erste Lebendige an der dichten Prinzessin, seit ich sie betrachte. Er bewegt sich auf und ab und scheint die Flasche zu streicheln. Da sie generell momentan wie tot wirkt, interpretiere ich diese Szenerie der wahrscheinlich alkoholisch beeinflussten Komabewegung als Zeichen ihrer endlosen, lebensbejahenden Leidenschaft.
Gedanken sind auf der Flucht vor mir. Die Detailverliebtheit meiner Intensivbetrachtung verursacht gelbe Kreise beim Kopfbewegen mit Blick auf die karge, leere Wand. Irgendwie lässt die Selbsthypnosewirkung schneller nach als erwartet. Nahrung will nach außen.
Allerdings schaffe ich es noch, meinen Oberkörper nach vorne schnellen zu lassen, damit die nun auf die Kacheln klatschende graugrüngelbliche Masse nicht auf meine Göttin gerät. Sie wird es mir danken, denke ich. Irgendwie wird sie mir danken, dass ich sie nicht mit meinem Mageninhalt zugedeckt habe.
Ich hätte jet
zt wahnsinnige Lust, sie zu ficken, bis der dritte Weltkrieg zu Ende ist. Meine Kotze stinkt erbärmlich.
Aber ich habe ebenso keine Lust, mich jetzt von diesem Möbel zu erheben und einfach so weiterzuleben. Diese ganze Scheiße hier kotzt mich extrem an. Mindestens so, wie ich diesen billigen, mies gekachelten, kalten Boden, bedeckt vom Müll unserer Zweisamkeit. Unaushaltbarer Amokdrang. Ich pendle irgendwo zwischen Mordlust und selbstzerstörerischem Tanztheater.
Ich stehe auf, mit nackten Füßen in meiner Kotze. Dass die Schlampe dabei unsanft mit ihrem scheiß Schädel auf den Glastisch ballert, erfüllt mich irgendwie mit Freude.
Ich lache lauthals.
Sie scheint gerade von ihrem Komaausflug zurückzukehren und blinzelt verlegen mit ihren schiefen Augen. Das wühlt längst vergessene Aggressionen in mir auf. Als sie sich langsam in eine Art aufrechte Haltung begibt, schleudere ich ihr eine achtlos abgestellte, halb leere Flasche Bier in ihr zerknittertes, besoffenes Kummergesicht.
Ihr Nasenbein macht ein Geräusch wie ein herzhafter Biss in eine scheiß Scheibe Knäckebrot, nur ca. viermal so laut. Ihr Blut spritzt beim Aufprall der Pfandflasche in alle Richtungen.

Pressestimmen

"Ein Sprachakrobat mit Hang zur Misantropie."
EAN: 9783453675605
ISBN: 3453675606
Untertitel: 'Heyne-Bücher Allgemeine Reihe'.
Verlag: Heyne Taschenbuch
Erscheinungsdatum: Oktober 2008
Seitenanzahl: 256 Seiten
Format: kartoniert

Durchschnittliche Kundenbewertung

Kundenbewertungen

Anonym - 21.12.2009, 17:04
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die verbindungen, die die einzelnen protagonisten untereinander aufweisen - in verbindung mit den erfahrungen/erlebnissen/geschichten die dahinter stehen ist genial! ein sehr ausdrucksstarker roman.