EBOOK

Die Vertreibung aus dem Serail


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kartoniert
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Oktober 2008

Beschreibung

Beschreibung

Islamische Staaten geraten durch die Verfolgung Homosexueller immer wieder in den Blickpunkt der westlichen Medien, die solche Vorfälle gern als Zeichen kultureller Rückständigkeit interpretieren. Einige Bundesländer schlugen deshalb vor, Muslime im Einbürgerungsverfahren nach ihrer Einstellung zu Homosexuellen zu befragen. Zeigen sich deklassierte Halbstarke aus Migrantenfamilien aggressiv gegenüber Schwulen, werden reflexhaft religiöse Motive unterstellt.
Dabei beschworen Homosexuelle die Kultur des "Orient" noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts als ein tolerantes Gegenbeispiel zu den Jahrhunderten religiöser und säkularer Verfolgung in Europa. Die klassische arabische Liebeslyrik z.B. ist voll von gleichgeschlechtlichen Motiven, die man in der Literatur des "aufgeklärten" Abendlands vergeblich sucht. Man mag kaum glauben, dass sich die Lebensweise in islamischen Gesellschaften in einer so kurzen Zeitspanne auf so einschneidende Weise geändert haben soll. Doch gerade diejenigen, die mit dem Finger auf die Homophobie der islamischen Welt zeigen, gehen jeder Erklärung dieses Wandels aus dem Weg.
Anhand zahlreicher historischer und aktueller Quellen belegt der Autor, dass die Schwulenverfolgung in Ländern wie Iran und Ägypten weniger das Relikt einer vormodernen Vergangenheit ist. Vielmehr handelt es sich um das Resultat einer gewaltsamen Angleichung an die Denkformen ihrer ehemaligen Kolonialherren, die Homosexuelle im Prozess der Modernisierung erstmals identifiziert, benannt und zum Objekt staatlichen Handelns gemacht haben. Homophobie ist eine Erfindung des christlichen Westens, die im Zuge der Globalisierung in die entlegensten Winkel dieser Welt exportiert wird.

Portrait

Georg Klauda, geb. 1974 in der Nähe von Bamberg, studierte Soziologie, Neuere Geschichte und Linguistik in Erlangen und Berlin. In den 90er Jahren engagierte er sich als Schwulenreferent im AStA der Freien Universität und beteiligte sich an der Gründung der Zeitschrift "Gigi". Heute publiziert der Diplomsoziologe in Zeitschriften wie "Phase 2", "Arranca", "Inamo" und "MRZine" über Themen wie Homophobie, Rassismus und Islamophobie.
EAN: 9783939542346
ISBN: 3939542342
Untertitel: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt.
Verlag: Maennerschwarm
Erscheinungsdatum: Oktober 2008
Seitenanzahl: 168 Seiten
Format: kartoniert

Durchschnittliche Kundenbewertung

Kundenbewertungen

Klaus-Dieter - 15.04.2009, 14:28
Sehr einseitig
Der Autor dieses Buches ist erfüllt von einer romantischen Liebe zu allem orientalischen und muslimischen, und gleichzeitig von einer tiefen Abneigung gegen alles Westliche und moderne. In dieser Antimodernen Haltung gleicht er Michel Foucault, auf dessen Vorbild er sich ausdrücklich beruft. Klauda ist sich dabei der erkenntnistheoretischen Fragwürdigkeit von Foucaults höchst umstrittenen Theorien durchaus bewusst (s. S. 11f.), übergeht diese Problematik aber, indem er auf das ¿Verständnis, dass Menschen in ihrer Zeit von ihren Handlungen und Gefühlen hatten¿, verweist, dass seiner Meinung nach offenbar höher wiegt, als das, was objektiv passiert ist. Der daraus resultierende Relativismus zeigt sich an vielen Stellen des Buches, z.B. zitiert Klauda Foucault: ¿ Das Ausmaß an Freiheit zwischen einem System und einem anderen zu messen hat, glaube ich, nicht viel Sinn. Und man erkennt nicht, welche Art von Messung oder Maß man anwenden könnte:¿ (S. 102) Demnach gibt es also keinen Maßstab, um festzustellen, wo mehr Freiheit herrscht: im Afghanistan der Taliban oder in Mitteleuropa. Von John Locke und seiner Begründung der bürgerlichen Freiheiten aus dem Gesellschaftsvertrag der Bürger hat Foucault (und mit ihm Georg Klauda) offenbar noch nie gehört. Der Autor nimmt eine Reihe ziemlich willkürlich wirkender Texte von Europäischen Orientreisenden aus dem 18. und 19. Jahrhundert und einige ziemlich kitschige Verse arabischer Dichter als Basis für seine These von der allgemeinen Akzeptiertheit der Homosexualität in muslimisch geprägten Gesellschaften, der er die ebenso allgemeine, tief in ihrem Wesen verankerte Homophobie der westliche Kultur gegenüber stellt, die angeblich durch ¿Kolonialherren¿ (Wer soll das gewesen sein? Iran und Saudi-Arabien, als besonders repressive Länder, waren niemals Kolonien irgendeiner westlichen Macht) in die islamische Welt exportiert wurde. Das Verfahren gleicht dem Foucaults, dem allerdings inzwischen nachgewiesen wurde, dass ein Großteil seiner Rekonstruktionen der Geschichte schlicht falsch sind (s. Richard F. Hamilton, The Social Misconstruction of Reality).