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Die Eignung


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gebunden
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August 2008

Beschreibung

Beschreibung

Lars Hagner ist Hausmeister in einem Neubaugebiet im Osten Berlins. Mieter und Verwaltung schätzen den fleißigen Junggesellen. Nur Ljuba, die 13jährige Nachbarstochter, verfolgt ihn mit Argwohn: "Ich beobachte ihn. Er geht durch die Keller. Durch die Wohnungen ..." Ljubas Misstrauen trifft ins Schwarze: Hagner führt ein Doppelleben. Als Handlanger und Vollstrecker dient er seinem einstigen Zugführer, Oberleutnant Bossert. Während seines Wehrdienstes bei der Bereitschaftspolizei wurde der asketische Offizier für den jungen Hagner zum leuchtenden Vorbild, dem er blind vertraut. Als Bossert ihn nach dem Ende der DDR auffordert, in einer konspirativ geführten Partisanenarmee für die gewaltsame Beseitigung des Kapitalismus zu kämpfen, ist Hagner mit fliegenden Fahnen dabei. Lars Hagner ist Preuße und Trotzkist. Den realen Sozialismus verachtet er als verweichlicht und verlogen. In der Kaserne hat er in der soldatischen Existenz die ihm gemäße Lebensform gefunden. "Gestellte Aufgaben zu erfüllen", wird zu seinem Daseinszweck. Der Anschluss an den Westen war für ihn ein Schock. Er verlor jede Perspektive und war mehr als dankbar, unter Bosserts Führung weiterleben und der Revolution dienen zu können. Selbst als er mit Hinweisen konfrontiert wird, Bossert sei nur ein Krimineller, der ihn für seine Zwecke missbraucht, kann das seinen Glauben an die Bewegung nicht erschüttern.Die Eignung ist ein Roman über Sehnsucht, Fanatismus und Manipulierbarkeit. Als Rechenschaftsbericht des inzwischen 42jährigen Hagner angelegt, dokumentiert der Text den Widerstreit von romantischen Träumereien, soldatischem Pragmatismus und Hass. Die Sprache macht diese Spannung sinnlich erfahrbar. Biegsam und kraftvoll sagt sie, was zu sagen ist, und bleibt sparsam selbst im Pathos, das bei der Beschreibung von Erinnerungen an Kindheit und Jugend anklingt. Der Autor entwirft das verstörende Porträt eines unscheinbaren Zeitgenossen zwischen DDR-Sozialisation und Gegenwartsverweigerung: "An dieser Ordnung interessiert mich nur ihre Beseitigung. Dazu ist jedes Mittel recht."

Portrait

Michael Sollorz, Jahrgang 62, lebt als Schriftsteller in Berlin. Bisherige Veröffentlichungen u. a.: "Abel & Joe", "Orakel", "Benjamins Tagebuch", Arbeiten für Hörfunk und Film.
EAN: 9783939542285
ISBN: 3939542288
Verlag: Maennerschwarm
Erscheinungsdatum: August 2008
Seitenanzahl: 158 Seiten
Format: gebunden

Durchschnittliche Kundenbewertung

Kundenbewertungen

Darwin - 25.03.2009, 17:14
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Wie der Titel es verrät, ist der Held in diesem Roman eine fragwürdige Figur. Anfangs erzählend, voller Zweifel, werden im Laufe der Zeilen seine Schwächen gestärkt. Dabei verschwimmt das Bild eines Normalus zu einer grenzübergreifenden Bestie, die still und leise ihr Recht fordert. Nicht nur ein großartiger, sondern auch vor allem ein mutig und zugleich exelent geschriebener Roman. Der Leser wird schonungslos ins Geschehen integriert. Er zeigt, wie manipulierbar das menschliche Wesen ist und das wir uns vor Veränderungen nicht verweigern können. Im Laufe der Evolution hat der Mensch sich zu einer erstklassigen Spezies entwickelt, Rekorde in die Welt gesetzt, aber sein ursprüngliches Wesen wird er nicht los. Seht genau hin! Verlasst euch nicht auf andere, sondern fordert eure mitgegebenen Sinne und beweißt Courage für eine bessere Welt. Denn,...es geht auch anders. (Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.) Ein Roman, den man ruhig auch zweimal lesen sollte, denn vieles verbirgt sich zwischen den Zeilen, manchmal auch dahinter. Den Sinn von Hagners Gedanken zu verstehen ist nicht einfach. Er fordert uns herraus. Und genau das ist was uns der Schriftsteller mitgeben will. Nachzudenken. Für mich entstehen ganz klar 4 große Fragen, als Strategie jedes Problem zu lösen: 1. Was wollen wir? 2. Was können wir? 3. Wie können wir? 4. Welche Alternativen haben wir? Also seid mutig und macht bei der Beantwortung der Fragen ruhig auch Fehler. Denn das ist unser Ursprung!