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Der Blauvogel


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September 2010

Beschreibung

Beschreibung

Hannah Gerson, Doktorandin an der Hamburger Universität, und Broder Hardersen, der "grad' promovierte Härr", aus Dithmarschen,verlieben sich im Frühling 1955.
Als Jüdin ebenfalls dort geboren und als Kind unter schwersten Umständen geflüchtet, kämpft sie um ihr "hier geboren sein". Hannah erzählt vom Verbrechen des "Blauvogels", dessen ahnungsvolle Spur Broder folgt, seine abscheulichen Taten aufdeckt und Hannah schweren Herzens seine eigene Herkunft offenbart.
Seine konsequente Haltung zu ihr lässt ihn in seiner Heimat um sein Leben fürchten. Denn "zwischen den Deichen" ist die "braune Gesinnung" noch recht aktiv.
Der Tod wird ihm angedroht: Mordversuche folgen.
Sie fahren in "ihre Stadt" - einem Eklat entgegen.
Hannahs "erotisches" Geheimnis wird bei einem Spaziergang an der Alster "aufgeklärt" - was Broder unangenehm bewegt. Denn wer ist das "Violinchen"?
Täglich führen sie ein anregendes Leben mit Musik. Theater, Eifersucht, "Freundinnen" und Besuchen beim "Rebbe". Trotz allem treiben sie es fast täglich hemmungslos auf dem "Goldenen Schiff", dem Messingbett - sogar in "duo per trio".
Wichtige Personen begleiten das Geschehen bis zur Reise ins "Yeshurun".

Portrait

Der Autor...

wurde am 16. April 1935 in Woltin/Pommern geboren.
Kam 1945 als Flüchtling nach Dithmarschen.
Lernte Schiffbauer in Büsum und begann in Frankfurt/M. erneut eine Lehre als
Orientteppichkaufmann.
Lebt in Hamburg, war hier als Abteilungsleiter, Einkäufer und Handelsvertreter tätig.
Ist verheiratet und hat einen Sohn
War ständiges Mitglied der "Montagsschreiber" in der Literaturgruppe
"Literaturpost/-büro/-labor Hamburg".
Schrieb den historischen Romane Der Strick im Kopf
und Der Blauvogel... eine Liebe zwischen Samt und Schmirgel
Die Erzählung: Das bretonische Licht... und andere Geschichten
Sowie den Gedichtband: Gedichte eines unbehausten Poeten

Leseprobe


Dittmann, Arnold:
Der Blauvogel


Es war Ende März 1955

Rauchzarte Lüfte verwoben sich mit Frühling, Träumen und Liebe.
Diesen triebhaften Hauch spürte auch Doktor Hans Broder Hardersen - im Genick, als er über dem Mikroskop gebeugt, das permanente Wachstumverhalten von Getreidebrand, den parasitären Brandpilz beobachtete. "Ccchallo, der Herr Doktor", drang dem interessierten Betrachter die rauchzarte Stimme des Frühlings ins Gehirn, setzte sich im Leib abwärts fort und ließ für einen Augenblick den Atem wie die Beobachtungsobjekte durcheinander geraten. "Jaaa", lösten sich seine Zähne voneinander, wie er gleichermaßen verhalten seine Einmeterneunzig vom Schemel drehte.
Zierlich und wohlgeformt stand vor ihm die neue Doktorandin seiner Fakultät für Biologie und Bodenkunde.Und während der flachsblonde, athletisch wirkende Mann von fünfundzwanzig Jahren diese exotische Neuerscheinung in seinem eher schlichten Experimentierbereich fasziniert betrachtete, hörte er noch immer den fremdartigen Klang ihrer Begrüßung. Länger als üblich sah er in zwei Augen, die tief schwarz wie die zum Zopf geflochtenen Haare waren. "Ich bin Hannah Gerson", schabte die Stimme weiter.
... Hannah Gerson war gegangen. Zurückgeb gelieben war der Duft von Rosen und die Erinnerung an zwei schwarze Augen, das charmante Zucken ihrer Mundwinkel sowie die Eigenart ihrer Sprache. "Ohjoi!" hatte sie gesagt, und es hatte nach wohliger Gänsehaut geklungen. ... Es war Freitag gegen Abend. Er wollte erneut klingeln und sah einen Schatten hinter der bräunlichen Scheibe. Und bevor er etwas sagen konnte, flog die Tür auf. Erschrocken trat er zurück. Vor ihm stand eine orientalisch anmutende Schönheit. So wie er sich Belquis (oder Balkaisa), die Königin von Saba am Hofe Salomo vorgestellt hatte. ... "Halt, Moment!" hob sie die Hand, verschwand zur Garderobe, kam mit einer Baskenmütze zurück und setzte sie ihm auf mit den Worten "Schön drauf lassen, Hanoch, sie ist jetzt deine Kippa. Denn dies", flog ihre Hand kreisend, "ist jetzt ein heiliger Raum. ... Broder sah sie dasitzen auf einem Kissen: Ein türkisgrünes Tuch - die "Mizpachat", wie sie später erklärte - mit goldener Kordel und Perlen bedeckte ihre Haarfülle, umrahmte ihr Gesicht, das er noch nicht mit der Wirklichkeit in Verbindung brachte. Schön und doch so fremd. Am liebsten hätte er gewinselt wie ein Hund, denn in seinem Kopf begannen die Flügel eines "braunen Unholds" über seine geliebte Hannah zu rauschen. (...)
"Die Frau hat gejammert, sie wollte zu der Lütt`n. "Hat er sie getreten?" unterbrach ihn Broder ungeduldig. "Ja, getreten...", hob sich das Kinn, ...hat er sie. Ja, getreten - in den dicken Bauch rein hat er sie getreten. "Hast du das genau gesehen?" fragte er, als glaube er nicht, was er soeben gehört hatte. Als wolle er DAS nicht glauben. "Na klar! empörte sich Jochen Lenz sofort und reckte sich auf. "Ich stand doch dicht dabei. Und dass sie hochschwanger war, konnt`ja jeder direkt unter der Straßenlaterne gut sehen. Mit so`n Bauch. Und dein Alter tritt da mit seinen Stiefel rein - und noch mal!" schnaufte er, als erlebe er es noch einmal. (...)
Der Rabbiner nickte, behielt aber seinen Blick auf ihn gerichtet, so dass er das Gefühl hatte, als starre er in den Denkbezirk seines Gehirns. Nicht gerade; wie mit einem archimedischen Drillbohrer - aus dessen Diamanten besetzten Schnecken jeweils die Augen nach allen Seiten forschten, um die ahnende Wahrheit an das argwöhnische Tageslicht zu fördern. 'Was wird er finden', hörte Broder sein Herz klopfen, und unverzüglich den bitteren Befund: "Im Lager Auschwitz gab es einen Offizier, einen SS-Obersturmführer. Sein Name war auch Har-der-sen!" (...)
Er öffnete das Telegramm mit einem unangenehmen Gefühl und las: Boder! Jens ist heute gestorben. Komm bitte sofort! Silke.
Er sah auf die stumme Mitteilung, die darauf beharrte, dass sein Bruder nicht mehr lebte. ... "Broder? Endlich!" hörte er Silkes Stimme am Telefon, die fast schreiend eskalierte: "Ja, er ist tooo-oot! Der Bauer ist tot, tot ist er..." vernahm er. (...)
Wie ein Bankräuber trat er mit seinem "späten Erbe" auf den Bürgersteig. ... Sie standen vor ihm: Links Bender, rechts Labotta, der eine Hand bewußt langsam in die Manteltasche steckte. Wie bei einem überraschenden Torwurf, schleuderte Broder ihnen das Couvert mit den Orden ins Gesicht, trat Labotta in den Unterleib und hieb den verdutzten Bender mit einem wuchtigen Schwinger um. Labotta wälzte sich jappend am Boden. Bender lag wie tot zwischen dem verstreuten "Krempel". ... Schnell lief Broder über den Markt zum Auto. ... Dann saßen sie bei Werner in seiner Kanzlei. ... "Ob Labotta geschossen hätte? Ich wollte ihn nicht erst danach fragen", meinte Broder. (...)
Er stand da, groß, nacht und muskulös, und grinste. Vom Teppich hob er einen winzigen Schlüpfer au, und hängte ihn über seinen vorstehenden, nun wohl stärksten Muskel. Eine Hand vor dem Mund zog Manuela das Zartrosa mit spitzen Fingern fort und warf es zurück in den Raum. ... Broder enterte das "Goldene Schiff". (...)
"Shalom, mein Hanochle!
Meine Uhr geht jetzt anders. Die Ziffern sind die Sterne und
die Zeiger der Wind. Denn ich habe meine 'große Reise' schon
angetreten - eine Reise ohne Wiederkehr....
Shalom, bis ins Yeshurun - unser Paradies." (...)
Der Sprung ins Jahr 5716. Hans Thöding (Broder), mit dem neuen jüdischen Namen Jochanaam Gershona, saß im Flugzeug von Hamburg nach Frankfurt/Main, um von dort nach Tel Aviv weiter zu fliegen...


EAN: 9783833476655
ISBN: 3833476656
Untertitel: Liebe zwischen Samt und Schmirgel. 2. Auflage. Paperback.
Verlag: Books on Demand
Erscheinungsdatum: September 2010
Seitenanzahl: 344 Seiten
Format: kartoniert
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